Da ich meinen Plan für die Radtour im Juni 2020 wegen Corona erst geändert und dann ganz abgeblasen hatte, kam mir die Anfrage sehr gelegen, im August noch eine 4-Tages-Tour einzustreuen mit 3 Bekannten zusammen. Um die Planung habe ich mich wenig gekümmert. Es stand die Tour mit dem Aischtalradweg, dem Altmühlradweg und ein Stückchen an der Donau entlang ohne Ziel – wir kommen wie weit wir eben kommen war die Devise, das alles mit Zelt und dem entsprechenden Equipment.
Da ich in letzter Zeit nur zu Fuß unterwegs gewesen war aber dennoch fit, stieg ich in der Woche vorher noch zweimal auf’s Rad für einmal knapp 60 und einmal 75km – das sollte reichen, um genügend Sitzfleisch zu haben.
Gepackt war auch schnell, da das schon alles recht routiniert ist, und das Rad bekam noch ein paar Neuteile und Schmierung verpaßt, damit möglichst unterwegs keine Pannen in der Richtung auftreten können. Eine kurze telefonische Absprache im Vorfeld genügte, um alle Details zu klären, wer was mitnimmt. Hauptsache Fahrrad eben…
21.08.2020

Ich startete früh um halb 7 mit dem Auto und fuhr nach Forchheim, wo ich die anderen 3 treffen sollte. Rad ausladen, Taschen drauf und los ging es. War es anfangs noch etwas kühl, so änderte sich das schnell, und der Tag wurde richtig heiß. Wie gewohnt störte mich die Hitze überhaupt nicht, aber sie beeinflußte wohl doch unsere Reichweite für diesen Tag. Wir kamen nicht bis Rothenburg, sondern nur bis Bad Windsheim.
Unterwegs machten wir einen größeren Zwischenstopp mit Brotzeit und einem Erfrischungsbier auf einer idyllischen Bank an der Aisch (etwas vermooste Sitzgelegenheit neben dem dort stehenden Gewässer der angeblichen Aisch oder einem Nebenflußtümpel). Es war schön!!
Ein paar Kilometer weiter passierte dann der einzige Crash und Sturz dieser Reise. Alle drei fuhren vor mir, als Sophia rechts ausscherte und stehenblieb. Flo und Michael guckten zu ihr, was los ist, und ich dann natürlich auch. Als ich wieder nach vorne schaute, stand Michael, um nach seiner Frau zu schauen, und ich hatte maximal noch 5 Meter Luft, was nicht mehr zu machen war. Ich fuhr voll hinten auf, nicht schnell, aber auch nicht mehr haltbar. Irgendwie kam ich aus den Klickpedalen raus, hechtete nach links, machte eine Rolle vorwärts und stand wieder ohne einen einzigen Kratzer. Auch mein Rad hatte nichts abbekommen außer einem kleinen Gummifetzen, der vom Vorderrad abstand, war nichts passiert. „Das war filmreif“ erntete ich als Kommentar, aber nochmal nachstellen, um das Ganze in bewegten Bildern festzuhalten, wollten wir dann doch nicht – dann wär’s bestimmt anders ausgegangen.
Immer wieder suchten wir Zuflucht im Schatten, mal bei einem Brunnen zum Erfrischen und schließlich in einer Eisdiele in Bad Windsheim. Hier beschlossen wir, es für heute gut sein zu lassen und entschieden uns für einen Campingplatz direkt in Bad Windsheim neben dem Schwimmbad nach gesamt 73km, der nicht gut besucht war, somit für uns viel Platz und entspanntes Ankommen bot.
In Ruhe wurden die Zelte aufgebaut, geduscht und anschließend liefen wir noch in die Stadt rein, um etwas im Supermarkt zu kaufen und dann in einer Pizzeria etwas zu essen. Der Abend endete am Campingplatz mit einer Flasche Wein.
22.08.2020
Nach einer warmen Nacht, in der man fast nichtmal einen Schlafsack gebraucht hätte, standen wir unter wolkenverhangenem Himmel auf, der immer wieder von oben Wasser fallen lies – zum Glück noch recht wenig zum Zelte abbauen, aber schon zum Einpacken und Frühstücken schleppten wir alles unter einen Pavillon mit Grillstellen, um nicht gleich alles naß zu haben. Es gab heißen Kaffee und ne Scheibe Brot mit Wurst und Käse, wir machten uns von Beginn an regenfest und dann ging’s los um 8 – von Anfang an jetzt nicht mehr nur Nieselregen, aber es war auch nicht absehbar, daß es bald wieder aufhören würde, und wir wollten ja weiterkommen.
Schön war es dann allerdings wirklich nicht. Der Regen mal stärker, mal schwächer, bei zwei richtig starken Schauern stellten wir uns doch mal kurz unter, aber das half alles nichts – wir waren durch. Als es dann auch noch zu gewittern anfing gaben wir vorerst auf. Das war zu gefährlich. Wir waren zu diesem Zeitpunkt bereits 2 Stunden unterwegs und hatten gerade mal 17km hinter uns gebracht – Spaß am Radfahren ist anders.



In einem Dorfwirtshaus quartierten wir uns dann über Mittag für drei Stunden ein, bestellten alle erstmal einen heißen Tee zum Aufwärmen und dann ein Bier. Hier spielten wir Karten, aßen dann etwas und gegen 14 Uhr wurde es tatsächlich langsam trocken, so daß wir uns nochmal aufmachten.
Natürlich hatten wir uns in der Pause auch über unseren Weiterweg und unser heutiges Ziel unterhalten. Es sollte kurz vor Gunzenhausen auf einem Campingplatz sein. Die restliche Fahrt verlief dann gut, mit noch 62km am Nachmittag und damit 79 gesamt erreichten wir gegen 18 Uhr den Platz, auf dem wir auch bleiben konnten. Es war jetzt wieder strahlender Sonnenschein und auch viel wärmer als um die Mittagszeit, so konnte alles gut trocken werden. Wir Mädels bauten die Zelte auf während die Jungs noch bis Gunzenhausen radelten, um etwas zu essen und zu trinken einzukaufen. Zu Abend gab’s dann Brotzeit mit Bier und später noch nen Wein, außerdem spielten wir Karten, so lange es die Abendbeleuchtung erlaubte.
23.08.2020
Diese Nacht war schon deutlich kühler als die Letzte. Ich hatte mir zusätzlich zum dünnen Schlafsack noch die Daunenjacke um die Schultern gelegt und das Außenzelt, das wir die nach vorher noch offengelassen hatten, blieb diesmal zu.
Als wir um halb 7 aufstanden war draußen alles feucht und klamm, aber der Himmel nur leicht bedeckt. Es sah nicht nach Regen aus. Wieder packen und Frühstück wie am Tag vorher und Start gegen 8 Uhr.

Heute lief es besser an, und schon nach einer knappen Stunde waren die 17km gemacht, für die wir am anderen Tag 2 gebraucht hatten. Um 10 Uhr waren wir noch einen Kaffee trinken und das Ziel für die Mittagspause sollte Eichstätt werden. So 15-20km vorher merkten wir, daß es immer dunkler hinter uns wurde, was aber noch nicht bedrohlich aussah. Nach kurzer Pinkelpause ca. 10km vor Eichstätt waren wir auf freier Fläche unterwegs, als wir wirklich sehr unerwartet die ersten Tropfen abbekamen, und als wir es so richtig wahrnahmen, war es eigentlich schon zu spät. Wie aus Eimern schüttete es mit einem Mal, so daß kaum Zeit blieb, die Regenjacken anzuziehen. Schon lief das Wasser von oben in die Schuhe und überall rein. Als ich wieder auf dem Rad saß und weiterfuhr, konnte ich kaum mehr was sehen, weil alles auch in die Augen ging, und Brille ging garnicht mehr, weil Weltuntergangsstimmung herrschte.
5km vor Eichstätt kam dann eine Ortschaft, in der ein großes Wirtshaus mit großen Sonnenschirmen im Biergarten war. Hier tummelten sich schon viele Radfahrer und Bootfahrer, die sich unterstellten, hier umzogen, um aus den nassen Sachen rauszukommen. Es war richtig unangenehm kalt auf einmal. Auch wir suchten uns dann ein Plätzchen, um uns wenigstens an Oberkörper und Beinen trocken zu bekommen. Die Schuhe würden natürlich naß bleiben für die Weiterfahrt.
Wir bekamen zum Glück noch einen Platz in der Wirtschaft, so daß wir die Regenpause für unsere Mittagsmahlzeit nutzen konnten. Wir planten auch wieder das Tagesziel Kipfenberg oder Kindig und spielten Karten, aber diesmal nicht lang. Als wir mit dem Essen fertig waren, war es draußen abgetrocknet, ja sogar teilweise wieder sonnig, also weiter.
Zwar hätten wir noch ein paar Kilometer schaffen können, aber da unsere Sachen so naß waren, war es gut, etwas eher am Zeltplatz zu sein, um alles noch in die Sonne legen zu können – ein herrlicher Zeltplatz direkt an der Altmühl in Kipfenberg. 103km heute und Sophias erster 100er überhaupt – echt stark für eine Nicht-Radlerin auf einem Damenrad!

Wir tranken nach dem Aufbauen und Duschen noch ein Bier im Sonnenuntergang am Steg und gingen dann was essen im Biergarten am Campingplatz, bevor wir uns wieder am Steg niederließen, um noch bißchen den Abend ausklingen zu lassen.
24.08.2020
Die Nacht war kalt gewesen. Ich hatte fast alles angezogen, was am Start war und die Daunenjacke nun um die Füße gewickelt. Morgens standen wir auf bei ca. 11 Grad, und das im August. Wieder war alles klamm, die Schuhe ohnehin noch sehr feucht vom Vortag, da kommt Freude auf, aber wach ist man so schnell. Unser Platz war schattig, also packten wir alles schnell zusammen und gingen zu den Tischen des Biergartens, wo schon ein paar Sonnenstrahlen zu sehen waren. Hier frühstückten wir und bepackten unsere Räder richtig. Wir starteten heute um 8.20 Uhr, also etwas später, und wollten vielleicht bis Regensburg kommen, was nach unserer Schätzung 75km entfernt war. Wir wollten den Zug dort um 17.17 Uhr schaffen und vorher noch gemütlich ein Zielbier trinken.
Die ersten zwei Stunden fror ich noch ganz schön – Hände kalt, Füße sowieso, aber dann wurde es besser. Irgendwann waren wir am Kanal und dann an der Donau, wo alles vertraut war, weil ich hier ja schon vor zwei Jahren gefahren bin. In Kehlheim machten wir Mittag, hatten schon 67km und bis Regensburg stand noch 37,5 auf den Schildern. Unsere Schätzung war demnach völlig daneben gelegen, aber gut, daß wir so früh gefahren waren, somit war es tatsächlich machbar. Es lief jetzt wirklich wie geschmiert.



Auch noch das letzte Stück war alles in Ordnung, so daß wir kurz vor halb 5 in Regensburg am Bahnhof standen mit 109km auf der Uhr und einem fast 20er Schnitt – absolut in Ordnung für so eine Tour in der Gruppe, wo man immer wieder langsam tun muß, mal auf den einen oder anderen wartet, Schilder suchen muß, etc.
Die Jungs gingen los um die Tickets und 4 Bier zu besorgen, Sophia ging auf’s Klo und ich packte meine Sachen um – Radtaschen in den Seesack, den dann auf den Rücken und das Rad kann man leicht noch tragen – (es hatte sich beim Umsteigen so immer sehr praktisch erwiesen). Dann setzten wir uns an Ort und Stelle auf den Boden und feierten unsere Tour, als kurz drauf 3 Polizisten auf uns zuliefen. Wir waren uns keiner Schuld bewußt… Dennoch wiesen sie uns auf das Alkoholverbotsschild an der Hauswand über uns hin – das hatten wir nicht gesehen. Daß es auf dem Bahnhofsgelände untersagt war, Alkohol zu trinken wußten wir alle nicht, fanden es aber einleuchtend, erzählten den Dreien von unserer Tour und mußten dann alle zusammen lachen.

Bier war eh fast leer, also ließen wir es verschwinden und gingen zum Bahnsteig.
Die Zugfahrt verlief ohne Probleme, einmal umsteigen in Nürnberg und um kurz nach 19 Uhr dann in Forchheim, wo wir uns verabschiedeten. Ich packte mein Rad wieder ins Auto, und dann ging’s heim.
Schöne Tour, wenn auch etwas weniger Kilometer als gedacht. Die Hitze, der Regen, das hatte uns zum einen ausgebremst, und dann ist man in einer 4er Gruppe einfach doch merklich langsamer als zu zweit oder allein. War auch für mich interessant, das zu sehen.


Hey, wie immer super geschrieben 🤗👍🏻
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