3 Wochen nach der unsagbaren Watzmannüberschreitung entschieden wir uns erneut zu einem Bergwochenende, da das Wetter auch jetzt Mitte Oktober nochmal einwandfrei gemeldet war. Der Schnee, der bis hierhin gefallen war, war auch wieder großteils verschwunden und wir suchten nach noch geöffneten Hütten, die zu dieser Jahreszeit schon rar gesät waren, mit noch 2 freien Hüttenplätzen. Recht schnell war die Fiderepasshütte für unser Vorhaben gefunden. Wir wollten Freitag runter fahren und zur Hütte aufsteigen, wofür 2h 50 min. veranschlagt waren
10.10.2025
Wir trafen uns gegen 13.45 Uhr in Kitzingen auf einem Pendlerparkplatz an der A7, luden mein Zeug um und starteten. Kurz vor 17 Uhr trafen wir in Mittelberg am Parkplatz ein, von wo aus wir letztlich 2h 15 min. für die 890m Aufstieg benötigten – alles schneller als gedacht. Zog der Nebel zunächst schnell aus dem Tal hinter uns auf, so blieb er auch irgendwann hängen und wir konnten an der Hütte noch gigantische Fotos schießen vom roten Abendhimmel über dem Wolken-/Nebelmeer. Wir saßen noch bis kurz vor 10 gemütlich zusammen, um über die morgige Tour zu sprechen und erst mal den Alltag und die lange Fahrt hinter uns zu lassen.







11.10.2025
Ab 7 Uhr gab es Frühstück und diese Zeit peilten wir auch an ohne Zeitdruck. Angedacht für den nächsten Tag war es, erst mal die Schneelage oben zu checken und uns dann für den Mindelheimer Klettersteig oder die Umrundung dessen zu entscheiden. Von der Hütte aus sah der Weg am nordseitigen Hang hinauf durch Geröll und Schutt auf jeden Fall noch schneebedeckt aus und es hatte über Nacht auch gefroren.
Gegen 8 Uhr standen wir vor der Hütte, machten noch ein paar Bilder und liefen mit etwas leichterem Gepäck in Richtung Fiderescharte los, da wir ja den 2. Abend auch auf der selben Hütte verbringen würden. Erst ging es ein paar Meter runter, bevor wir ins Schuttgelände einstiegen. 3 Leute waren etwa eine Viertel Stunde vor uns schon im Hang zu sehen, als wir feststellten, daß der Schnee hier schon hart gefroren war und man sehen mußte, wo man hintritt, weil vereist. Über dem Schutt waren steile Felswände und man konnte sehen, daß hier Bewegung im Hang war. Alles war voller Felsbrocken, die nach und nach hier heruntergekommen sein mußten.




Als wir nach insgesamt ca. einer Viertelstunde Gehzeit mitten im Hang waren, donnerte es auf einmal über uns. Ein schneller Blick nach oben zeigte, daß direkt über uns in der Felswand ein riesen Brocken abgegangen war und nun auf uns zu rauschte, um immer mehr Steine und Geröll mitzunehmen, was alles immer schneller wurde. Wir rannten erst nach rechts, was sich mit immer wieder nach oben gerichtetem Blick als die falsche Richtung erwies, weil sich der Abgang immer weiter streute, und dann nach links in Richtung eines großen Felsblocks. Medizinballgroße Steine rasten auf uns zu und „rennen“ ist natürlich der falsche Ausdruck, da das Gelände sehr anspruchsvoll und teilweise vereist war. Ich verklemmte mich noch irgendwie mit dem Fuß, da der Blick immer nach oben und weniger auf die Lauflinie gerichtet war, was mich unsanft stürzen lassen hat. Martin zog mich wieder hoch und dann waren wir irgendwann hinter dem Felsbrocken, der uns einigermaßen sicher erschien. Ziemlich versteinert kam ich mir in diesem Moment vor. Die drei, die vor uns waren, waren natürlich auch stehengeblieben, aber schon deutlich aus der Schußlinie raus, so daß sie bald weitergingen. Wir aber standen da – 10 Minuten, 15 Minuten, 20 Minuten? Ich weiß es nicht genau. Wir standen da, lauschten jedem Geräusch, besprachen uns und überlegten, was wir machen sollten. Um auf unseren Weg zurückzukommen, mußten wir unter genau dieser Stelle durch, die gerade abgebrochen war. So richtig wohl war uns beiden nicht und mir zitterte alles, zumal ich noch gestürzt war. Irgendwann sah ich meine Hände an, die blutig waren mit einer ziemlich tiefen Wunde am linken Mittelfinger, aber auch ein paar andere Stellen waren aufgerissen. Ansonsten waren es wohl nur ein paar Schürfwunden und Blutergüsse, wie ich später feststellte, an Armen und Beinen.
Auf dem folgenden Bild, welches ich am nächsten Tag von der anderen Hangseite gemacht habe, ist die Stelle zu sehen, wo ein Stück aus der Wand gebrochen ist, im oberen Kringel. Beim unteren Kringel waren wir in dem Moment, als es krachte. Ich denke, die Steilheit des Hanges ist einigermaßen sichtbar. Im Vordergrund die Fiderepasshütte, von der wir gekommen waren.

Letztlich entschieden wir uns, doch weiterzugehen, zu versuchen, schnell diese Stelle weglos zu durchqueren, um dann wieder auf den Weg zu stoßen. Wir zogen noch Helme auf, die uns allerdings höchstens von kleinen Steinschlägen hätten schützen können. Das was hier abgegangen war, hätte uns locker mitreißen können.
Der weitere Aufstieg zur Fiderescharte verlief ohne Zwischenfälle und oben angekommen verschnauften wir nochmal, um uns dort für den Mindelheimer Klettersteig zu entscheiden, den ich dann allerdings recht bald abbrechen mußte. Schon bei den ersten und schwersten Stellen tat ich mir hart, weil einfach der ganze Körper noch zitterte von den Ereignissen des frühen Morgens. Es wäre Unsinn gewesen für mich, den an diesem Tag zu machen, und längst kein Genuß.




So entschieden wir uns für den Krumbacher Höhenweg, der wirklich sehr schön ist mit vielen Ausblicken zum Biberkopf und den Hochrappenköpfen, rüber zur Mindelheimer Hütte, die doch tatsächlich noch für Tagesgäste geöffnet war, entgegen unseren Erwartungen. Wir ließen uns hier bei herrlich warmem Oktoberwetter zwei Bier auf der Terrasse schmecken, um dann über die Scharte unterhalb des Kemptener Köpfle hinunter und wieder hinauf zur Fiderepasshütte zu gehen. Ich werde diese Tour so schnell nicht vergessen.




Das Erlebnis heute war natürlich immer wieder Gesprächsthema an diesem Abend, aber wir unterhielten uns auch anderweitig mit Leuten, die mit uns am Tisch saßen, nachdem wir heute wirklich den Sonnenuntergang hier hatten sehen dürfen.
12.10.2025
Heute war „nur“ noch Abstieg an gesagt, aber am Abend bevor wir losgefahren waren, habe ich doch geschaut, ob man nicht diesen Tag auch noch anderweitig gestalten könnte. Hierbei war ich auf die Hammerspitzenüberschreitung gestoßen mit einer Stelle im 2.-3. Grad an Kletterei und auch Martin hatte die Tour schon vorher im Blick gehabt, da er schon öfters ins dieser Gegend unterwegs gewesen war. Die 3er Stelle würde recht bald kommen, so daß wir an diesem Punkt noch immer hätten umkehren können. Wir wollten es einfach probieren, so unsere gemeinsame Entscheidung beim Frühstück.
https://www.via-ferrata.de/touren/gps/hammermaessige-hammerspitzen-ueberschreitung-hoch-ueber-dem-kleinwalsertal
Wieder gingen wir ziemlich genau um 8 Uhr los und stiegen auf, bevor wir ins Klettergelände kamen. Vom Schwierigkeitsgrad her hatte ich so eine Tour noch nie gemacht und der Fels war teilweise bröselig. Jeder Schritt war zu bedenken und abzutasten. Viel loses Gestein und Brösel auf den Felsen selbst, aber es ging und es ging voran bis wir zu dieser 3er Stelle kamen, die nun wirklich etwas war, was ich so noch nicht kannte. Ich war noch immer etwas imponiert vom letzten Tag und von daher wohl noch vorsichtiger. Diese Stelle beeindruckte schon von unten gesehen. Zum Glück mußten wir sie im Aufstieg überwinden, was wir auch taten. Wow – wir standen tatsächlich nach gut einer Stunde auf der Oberstdorfer Hammerspitze. Das war schon ne Nummer für mich.







Danach ging der Weg weiter im 1er / 2er Klettergrad bis zur Hochgehrenspitze. Das Gelände auch immer wieder schwierig, da es hier keinen wirklich markierten Weg gibt. Ab und zu zeigten uns Steinmännchen oder eingebrachte Bügel den richtigen Pfad, aber oft war die Wegfindung etwas verzwickt. Ein paar Seile gab’s auch.








Bei einer Pause kurz vor der Hochgehrenspitze lugte uns in nicht mal 10m Entfernung ein Steinbock um die Ecke, wo wir beide leider nicht schnell genug unsere Kamera zücken konnten. Er hat uns in die Augen gesehen und lief dann leichtfüßig schnell bergab. Das war schon sehr beeindruckend. Vermutlich genau den hatten wir vorher schon von Weitem gesehen. Er war wahrscheinlich genauso überrascht wie wir.
Noch ein paar kleine Kletterstellen absteigen hinter der Hochgehrenspitze und dann ging’s auf Wanderwegen hinüber zur Walser Hammerspitze, von wo aus wir letztendlich nur noch nach unten gehen mußten.




Bei der Inneren Kuhgehrenalpe ließen wir uns noch ein Bier in der Bergsonne schmecken, bevor wir zügig zum Auto abstiegen und ohne große Zeitverzögerung heimfuhren.

Ein weiteres sehr erlebnisreiches Wochenende war vorbei. War’s die letzte Bergtour für mich in diesem Jahr?? Das steht derzeit noch in den Sternen.
