Karwendel mit Mittenwalder Höhenweg 11.-13.09.2020

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Einer aus meiner Wandergruppe äußerte irgendwann den Wunsch, auch mal einen Klettersteig probieren zu wollen. Zunächst war ich etwas verwundert, dann erfreut – warum eigentlich nicht mal sowas organisieren… Ich dachte recht schnell dann an den Mittenwalder Höhenweg, den ich mit Antonie schonmal auf die Liste gesetzt und mir genauer angeschaut hatte – ein Steig, ziemlich lang mit A und B Stellen, dazu wunderschöne Ausblicke.
Ich wollte den Weg unbedingt selbst gegangen sein, bevor ich Anfänger da mitnehmen würde, so setzte ich den Plan, das zu probieren, für dieses Wochenende an, fragte auch in der Wandergruppe, ob mich erfahrene Leute zum Testlauf begleiten wollten, aber es paßte so kurzfristig niemandem recht. Was soll’s, dann eben allein.
Das Wetter zeichnete sich zunächst nicht stabil ab für die Tage, so daß ich am Donnerstag für mich beschloß, doch daheimzubleiben. Bei Regen und teilweise Gewitter wollte ich nicht am Grat unterwegs sein. Gut, dann eben hier radfahren und Garten werkeln…


11.09.2020

Als ich am Freitag früh nochmal das Bergwetter schaute, hatte sich das Blatt plötzlich doch gewendet. Samstag etwas bedeckt aber trocken, Sonntag sonnig in der Region um Mittenwald, also auf…
Gleich nach der Arbeit packte ich meinen Camping-Caddy und die Bergsachen. Ich wollte Freitag Abend unten sein, hatte auch schon den Ausgangspunkt gewählt, einen Wanderparkplatz, auf dem ich schonmal im Auto übernachtet hatte. Bevor ich startete suchte ich mir noch eine zweite Tour raus – wenn dann schon das ganze Wochenende mitnehmen und die Berge genießen – auch die war schnell gefunden, denn es gibt dort ja unzählige Möglichkeiten.
Um kurz nach 15 Uhr fuhr ich hier los, Verkehr war etwas zäh, aber es ging. In Garmisch im Supermarkt kaufte ich noch etwas ein und war um kurz vor 8 am Parkplatz. Ich richtete meine Brotzeit für den nächsten Tag und schaute mir dann nochmal Wetter und Karte an. Samstag würde ich also die andere Tour machen und Sonntag den Klettersteig, weil da besseres Wetter weiterhin vorhergesagt war.
In Vorfreude auf zwei tolle Bergtage saß ich im Klappstuhl vor dem Caddy, trank noch ein Bier und legte mich dann irgendwann in den Schlafsack.


12.09.2020

Um kurz nach 6 stand ich auf, aß ein Brot, zog mich an und packte alles gar zusammen. 6.45 Uhr startete ich direkt vom Parkplatz und ging über den Ochsenbodensteig hoch zur Dammkarhütte. Waren unten am Schild 3h 20min angeschrieben?? Ich erreichte die Hütte nach genau 1h 50min. und ließ somit alle Zeitangaben schon hinter mir. In der Nähe der Hütte machte ich 10 Minuten Pause, und dann ging es durch’s Dammkar steil bergauf zur Hütte der Bergwacht, wo der Weg nach links und rechts abzweigt. Das Kar ist unschön zu gehen, aber mir begegneten ein paar Gämsen, die einfach stehenblieben, als ich vorbeilief.

Ich wanderte weiter hoch zum Predigtstuhl und dann die seilversicherten Stellen wieder runter in Richtung Hochlandhütte. Die Steine waren hier naß und rutschig, das alles ist auf der Nordseite, und die Sonne war noch nicht über den Berg drüber – recht abschüssiges Gelände und nicht für jeden zu empfehlen. Nach dem letzten seilversicherten Teil durch eine Rinne wieder über Kargelände und noch etwas durch Gestrüpp und Wald bis zur Hütte.

Hier genehmigte ich mir ein alkoholfreies Weizen, schaute nochmal auf die Karte und weiter ging’s hinauf zum Wörner Sattel, teilweise recht steil, sandig und mit vielen unangenehmen künstlich angelegten Treppen. Oben angekommen war die Sicht fantastisch. Man konnte auch rüber zur Soiernspitze sehen, auf der ich im letzten Jahr war, aber sie hing leider in den Wolken.
Anschließend noch hoch zur Steinkarspitze, und danach den langen Abstieg bis runter nach Mittenwald.

Bei der Rehbergalm achtete ich weder auf meinen Track auf der Uhr noch auf die Schilder, nur auf die nervigen Leute, die hier auf einmal alle waren. Bislang war nicht so viel los gewesen. Ich stieg irgendwie einfach einen Weg runter, überholte dabei noch paar Leute mit Hund und merkte irgendwann, daß ich falsch war. Ca. 100hm zu tief auf dem falschen Weg. Was soll’s, ich war gut drauf, Uhrzeit alles gut, und so ging ich wieder zurück. Kurz vor der Alm, an der ich falsch abgezweigt war, kam mir einer entgegen, den ich oben am Sattel und am Gipfel schon gesehen und überholt hatte. Er schaute mich weng verdutzt an, und als ich berichtete, meinte er, daß er eigentlich auch den Weg nach unten wollte, den ich vorgehabt hatte zu gehen. Scheinbar war hier die Beschilderung wirklich nicht ganz ok. Ich suchte und fand den richtigen Weg, und zusammen gingen wir bergab bis Mittenwald. Zum Auto hatte ich jetzt noch 2-3km vor mir auf gerader Strecke, während der andere zum Bahnhof ging, von wo aus er wieder zurück nach München fuhr.
Unterwegs kam ich noch am Fluß vorbei und machte mich ordentlich frisch. Eine Dusche würde es heute ja nicht geben. Am Auto hatte ich dann knapp 25km auf der Uhr mit fast 1700hm in Auf- und Abstieg – eine tolle Tour, ich war platt, aber einfach gut drauf und zufrieden.

Ich fuhr kurz noch zu einem Supermarkt, machte für morgen alles zurecht, dehnte meine Knie, schaute die Bilder nochmal an und in die Karte… Saß vorm Auto, später im Caddy drin und bin um 20.30 Uhr einfach eingeschlafen – scheint ein anstrengender Tag gewesen zu sein.


13.09.2020

Heute startete ich etwas früher um 6.10 Uhr mit Stirnlampe, nachdem ich mich frischgemacht und gefrühstückt hatte. Der lange Anstieg bis zum Klettersteig stand vor mir. Ich lief los in Richtung Brunnsteinhütte, also die andere Richtung als gestern. Es ging weit durch den Wald, mal steil, mal flach, mal wieder bergab. Bergab war ich meistens im Laufschritt unterwegs, weil das irgendwie einfach ist für die Knie. Der Leitersteig beinhaltete eine einzige morsche Leiter, und ich begreife den Namen noch heute nicht. Es ging über eine Hängebrücke, dann wieder steile, felsige Bruchlandschaft nach oben. Die Hütte erreichte ich wieder viel früher als gedacht. Hier kurze Pause mit Brot und Wasser. Auf dem Weg zum Brunnsteinanger überholte ich zwei Dreiergruppen. Dort angekommen, entschied ich die Brunnsteinspitze noch mitzunehmen. Ich war zeitlich gut unterwegs, und auch diese schaffte ich in kürzerer Zeit als auf dem Schild angegeben. Die Aussicht war einfach toll ins andere Tal rüber, ein paar Wolken hingen um die Gipfel rum, aber die machen die Bilder ja auch erst interessant.

Dann wieder runter, und nun hoch zum Klettersteig. Als ich einstieg hatte ich schon 1000hm auf der Uhr und keine Ahnung, was mich wirklich erwarten würde. Mein Sicherungsset hatte ich nicht dabei, so sicher war ich nach den Tourenbeschreibungen und Videos, die ich angeschaut hatte, aber daß es so lang und toll werden würde, hatte ich nicht erwartet. Ich lief da entlang von Gipfel zu Gipfel mit tollen Bildern vor Augen. Ich hetzte mich überhaupt nicht, machte viele Fotos und hatte am letzten Drittel auch viel Gegenverkehr, wo man immer bißchen Zeit verliert, und war in 2,5h drüber – genau die Zeit, die angegeben ist als Gehzeit. Von hier aus ging es nur noch bis zur Karwendelbahn Bergstation runter im Laufschritt. Die Westliche Karwendelspitze, wo ich schon oben gewesen bin, sparte ich mir, da zu viele Leute am Gipfel standen – das schreckte eher ab.
1900hm im Aufstieg hatte ich wohl gemacht laut Uhr und ca. 400 runter, kurz nach 13 Uhr war ich an der Bergstation, also 6,5h gesamt unterwegs mit Pausen – denke, das ist ok…

An der Bahn ließ ich mir noch ein alkoholfreies Weizen schmecken und fuhr dann runter, um die paar Minuten zum Auto zurückzugehen und heimzufahren. Der Verkehr war in Ordnung, alles lief wie geschmiert für einen Sonntag Nachmittag.

Natürlich überlege ich mir, wie ich die Tour mit der Gruppe verwirklichen kann. Ich werde sie einfach mal ausschreiben für’s nächste Jahr und sehen, was für Reaktionen kommen, wer überhaupt Interesse hätte. Organisiert werden muß sie dann natürlich anders als bei diesem Alleingang, der einfach super war…

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