Ehrwalder Sonnenspitze (2417m) 12.09.2022

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Bericht geschrieben von Daniel – ich war dabei…

Vor 2 Jahren, während der Besteigung der Zugspitze über den Stopselzieher-Steig, stach mir eine wunderschöne „Pyramide“ ins Auge – die Ehrwalder Sonnenspitze. Noch während des damaligen Urlaubs in Ehrwald kam der fixe Gedanke auf, dort oben auch einmal stehen zu wollen, also google bemüht und schnell war klar, so unerreichbar wie der Gipfel auf den ersten Blick scheint, ist er gar nicht einmal.
Der erste Versuch Anfang Juni 2022 scheiterte ca. 200 Höhenmeter unterhalb des Gipfels am Wetter, damals zeigten sich ringsherum bedrohliche Gewitterwolken und ein Rückzug war die einzig kluge Entscheidung. Am vergangenen Montag dann war es endlich so weit, zusammen mit Susan vollendeten wir die noch offene Überschreitung der Sonnenspitze, sie war schließlich beim ersten Versuch auch schon meine Mitstreiterin.
Der erste Teil bis zum malerischen Seebensee war alt bekannt, über die „Hohen Gänge“, ein leichter Klettersteig (Kat. B), ging es bei traumhaftem Bergwetter die ersten knapp 600 Höhenmeter nach oben, der erfahrene Bergsteiger kann in diesem Abschnitt, der immer mal wieder mit Stahlseil versichert ist, getrost auf das Klettersteigset verzichten, wir hatten es ohnehin nicht dabei, da im weiteren Verlauf oben im Fels der Sonnenspitze ohnehin keine Möglichkeiten zur Selbstsicherung vorhanden sind. Nach guten 1,5 Stunden erreichten wir den See, der noch vollständig im Schatten lag, entsprechend kühl war es hier.

Das nächste Ziel lautete dann Coburger Hütte auf 1920 Meter, die über einen normalen Bergwanderweg erreicht wird. Vom See aus rechnet man mit ca. 45 Minuten Gehzeit bis zur Hütte. Wir stärkten uns dort angekommen noch einmal mit einer kurzen Jause, sammelten unsere Kräfte und machten uns auf in Richtung Gipfelsturm. Zunächst verliert man auf einem angenehmen Bergpfad wieder etwas an Höhe in Richtung Bierwierer Scharte bis man bald auf einen Felsen trifft, auf dem das Ziel klar sichtbar aufgepinselt ist: Sonnenspitze. Also rechts ab und schon bald geht es durch Latschenkiefer immer weiter Richtung Geröllfeld. Den Weg durch diese Schutthalde sieht man schon relativ frühzeitig, über zwei langgezogene Serpentinen geht es in Richtung Fels und den Einstieg in den ernsten Teil der Tour. Zunächst noch in leichter Kletterei durch Schrofengelände, doch bald schon kommen die ersten Felsriegel und die Hände dürfen auch mit der Arbeit beginnen – dies wird bis zum Gipfel so bleiben. Die Orientierung ist für bergerfahrene Kletterer übrigens nicht allzu schwer, man erspäht immer mal wieder ausgeblichene rote Markierungspunkte, oder Standplätze zum Sichern, alternativ Steinmänner. Sollte mal nichts von all dem zu sehen sein, folgt man instinktiv der logischen Linie und überraschend entdeckt man dann immer wieder eine der oben genannten Orientierungshilfen. Bei der ersten Klettereinlage waren wir von einer dreiköpfigen Seilschaft etwas genervt, die nur schleppend vorankam, da der Bergführer eine seiner Mitgeher am Kurzseil hatte. Wir entschlossen uns etwas rechts von der eigentlichen Route zu klettern um diese Gruppe zu überholen, aber „netterweise“ machte der außerdem noch dauerquasselnde Bergführer urplötzlich auch ordentlich Tempo und zog die gesicherte Dame regelrecht den Fels nach oben. Letztendlich konnte er dann aber unserer Tempoeinlage doch nicht mehr ganz folgen und wir waren vorbei an ihnen. Im Nachhinein ein guter Entschluss, hörten wir doch immer wieder ein „Vorsicht Stein“ von unten, scheinbar traten die gut was los. Entsprechend auch die Empfehlung pro Helm wenn viel Betrieb an der Wand ist, die Steinschlaggefahr ist definitiv nicht von der Hand zu weisen.
Nach besagter ersten Rinne (1er, maximal mal kurz 2er Gelände) folgt zur Erholung eine erste Querung, bei der man sich allerdings trotzdem im absoluten Absturzgelände befindet. Es geht ein schmales Band in einer steilen Wand entlang zur nächsten Rinne, bei der gefühlt auch die Schlüsselstelle der Route wartet. Susan bewältigt diese Schlüsselstelle, die am Ausstieg mit Krampen etwas entschärft ist auf der eigentlichen Route, ich entschied mich aus der Erfahrung des ersten Besteigungsversuches heraus dafür, diese Stelle links zu umklettern, hatte ich doch so meine Schwierigkeiten bei besagten erstem Versuch. Die Variante links herum ist deutlich ausgesetzter und man hat ordentlich Luft unterm Hintern, dafür empfand ich sie als schöner zu klettern, da der Fels wesentlich weniger abgewetzt ist und sich auch hier immer wieder schöne Griffe und Tritte finden. Kurz nach den erwähnten Krampen quert man dann einfach wieder in die Rinne und befindet sich ab da wieder auf der eigentlichen Route.
Nach der Rinne folgt wiederum eine weitere Querung auf einem schmalen Band, dieses Mal nach links. Hier gibt es auch einmal kurz ein Stahlseil als zusätzliche Möglichkeit zum Festhalten. Danach geht es wieder relativ straight nach oben, hier finden sich wenige Hinweise, wie bereits beschrieben einfach der logischen Linie folgen, versteigen kann man sich dort eher kaum. Tendenziell jedenfalls sollte man sich leicht nach rechts oben halten, denn hier folgt die letzte Querung die zum finalen Gipfelaufschwung führt. Dort angekommen steigt man wieder kurz im Fels (1er Gelände) nach oben und steht auf dem Vorgipfel und erblickt erstmals das Gipfelkreuz. Diesen erreicht man schließlich über einen schmalen, sehr ausgesetzten Grat an dessen Ende man noch einmal eine kurze anregende Klettereinlage bewältigen muss um endlich am Kreuz abklopfen zu können. Bei strahlendem Sonnenschein genossen wir ca. 45 Minuten lang die Einsamkeit am Gipfel auf 2417m, die Aussicht auf diesem exponierten Gipfel ist wirklich an so einem Traumtagele überwältigend.

Als wir die „Labertasche“ von unten hörten, gesehen hat man die Seilschaft noch lange nicht, wussten wir dass es bald vorbei ist mit der herrlichen Ruhe auf dem Gipfel und wir machten uns bereit zum Abstieg, der in nördlicher Richtung beginnt.
Die ersten Höhenmeter des Abstiegs sind immer wieder gespickt von kurzen Abklettereien, die durchaus ebenfalls den zweiten Grad streifen. Am unangenehmsten allerdings ist die Tatsache, dass sehr viel loses Gestein auf dem „Weg“ liegt, hier ist absolute Aufmerksamkeit gefragt, bewegt man sich doch stets in sehr ausgesetztem Absturzgelände, ein Ausrutschen ist absolut zu vermeiden, es würde nicht wirklich gut enden, wenn man hier fällt.

Sobald man dann allerdings die ersten Grashänge erreicht hat, entspannt sich die Situation auch zunehmend, das Gelände wird gutmütiger und kommt wieder einer Bergwanderung gleich. Der Abstieg endet schließlich wieder am Seebensee und final geht es über die oben beschriebenen „Hohen Gänge“ wieder in Richtung Parkplatz.
Fazit: wer eine rassige Bergfahrt im ungesicherten Gelände sucht, die sich größtenteils im Ier Grad bewegt, aber auch einige würzige Stellen im II er bietet, ist hier gut aufgehoben. Zu beachten ist allerdings, dass man im Fels stets im sehr ausgesetzten Gelände unterwegs ist und es keinerlei Möglichkeit der Selbstsicherung gibt. Für den erfahrenen Bergsteiger ist die Tour ungesichert eine absolute Genusskletterei, wer am Fels wenig Erfahrung hat, sollte das Ganze mit einem erfahrenen Geher am Kurzseil angehen oder eventuell auch die vielen Standplätze nutzen und generell am Seil klettern.

Hochfeiler (3510m) 04.09.2022

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Bericht geschrieben von Daniel – ich war dabei…

Den Höchsten im Zillertal hatte ich schon längere Zeit immer mal wieder im Auge, einzig die lange Anreise bis nach Südtirol – von dort startet nämlich die Normalroute auf den Gipfel – hielt mich immer wieder davon ab, es endlich einmal durchzuziehen. Im Rahmen einer zweitägigen Bergtour mit 3F Anfang Juli konnte ich ihn immer wieder einmal aus Richtung Olperer-Massiv erspähen und somit war klar, dass der Hochfeiler heuer auf jeden Fall noch begangen werden sollte. Im Laufe der Vorwoche mit Blick auf den Wetterbericht reifte der Plan dann immer mehr, es am Wochenende 03.09./04.09. endlich anzugehen. Nachdem der Wetterbericht für Sonntag, 04.09. die besseren Bedingungen prophezeite wurde es also fixiert. Zunächst als Solotour angedacht, kam bei Susan am Samstag spontan der Gedanke auf, „hey da komm ich mit“. Gesagt, getan und so saßen wir am Sonntag früh, genauer gesagt sehr früh um 2.30 Uhr im Auto Richtung Pfitscher Tal. Zügig und ohne Stau kamen wir durch, so standen wir gegen 7.15 Uhr am Parkplatz bei relativ kühlen Temperaturen, aber trockenem Wetter. Kurz das Equipment gecheckt und schon ging es los.
Zunächst kreuzt der Weg über eine durchaus nette Hochbrücke den Pfitscher Bach der sich in der Tiefe tossend seinen Weg Richtung Tal sucht, doch bald geht es schon den ersten Grashang recht steil nach oben, wobei Grashang eher untertrieben ist, die üppige Vegetation lässt ein bisschen Dschungel-Feeling aufkommen. Aber der Weg ist deutlich ausgetreten, wir wissen jetzt auch weshalb, waren gerade am Anfang doch einige Gleichgesinnte unterwegs und das ständige Stop an Go der anderen Gruppen bzw. Überholen und wieder überholt werden war doch recht nervig. Irgendwann hatten wir einen guten Rhythmus gefunden und schraubten uns immer einsamer werdend in die Höhe. Oberhalb der Baumgrenze lehnt sich der Weg dann merklich zurück und man gewinnt nur noch wenig Höhe trotz langem Hatsch. Belohnt wird man allerdings mit einem sehr schönen Panorama auf die Berge rundherum entlang des Talkessels des Unterbergbachs. Man kreuzt auch immer wieder über Brücken einige Bergbäche, Schafe weiden links und rechts, alles in allem auch ein reizvoller Streckenabschnitt. Nachdem wir recht zügig voran kamen, die Beine gut waren und wir noch genügend Wasserreserven dabei hatten, entschieden wir uns an der Abzweigung zur Hochfeilerhütte, diese erst einmal „rechts“ liegen zu lassen und den direkten Anstieg über den langen Grad Richtung Gipfel in Angriff zu nehmen.

Über losen Schotter und Platten geht der Weg weiter, da es die Nacht vorher etwas geschneit hatte, war hier durchaus Vorsicht geboten, allerdings entschieden wir für uns, dass es, zumindest im Anstieg ohne Spikes oder Steigeisen gehen sollte. Irgendwann zeigt sich dann auch erstmals das Gipfelkreuz und man bekommt einen Eindruck ,wie steil das letzte Gradstück sein wird, dass man im Normalfall eher nordseitig geht. Hier definitiv der Hinweis, dass man selbst im Hochsommer damit rechnen muss auf Firn oder gar gefrorenem Schnee zu treffen, somit macht es sicherlich Sinn, mindestens Spikes oder auch Steigeisen für alle Fälle mit einzupacken, vor allem, wenn es dann in Richtung Abstieg geht, den man über den gleichen Weg unternimmt.
Auf den letzten 100 bis 200 Höhenmetern machte sich bei mir dann immer mehr die Höhenluft bemerkbar, vor allem da ich auch eine leichte Erkältung mit mir rumschleppte. Somit war der Schlussanstieg für mich der härteste Abschnitt des Tages, immer wieder musste ich kurz inne halten um etwas Erholung zu suchen, aber Umkehren war keine Option. Nach gut 4 Stunden war der Gipfel dann erreicht. Bei klarem Wetter eröffnet sich auf 3509m sicherlich ein spektakuläres Panorama, aber von Norden her, zog es immer mal wieder zu. Trotz allem konnte kurz einmal der Schlegeisspeicher erblickt werden und im Südwesten zeigten sich hin und wieder mir bekannte Gipfelprominenz der Dolomiten: Langkofel, Plattkofel, die Geislergruppe, Seiser Alm und so weiter.

Da es relativ kühl und auch windig war, hielten wir uns am Gipfel nicht allzu lange auf und machten uns zügig an den Abstieg, Susan zog sich sinnigerweise die Spikes über die Schuhe, ich liebäugelte mit den Steigeisen, dumm nur, wenn man vergessen hat diese auf seine Schuhgrösse umzustellen, also musste ich wegen meiner Nachlässigkeit eben ohne Hilfsmittel an den Schuhen wieder runter kommen. Hierzu wählte ich dann gerne einmal Stellen fernab des eigentlichen Wegs und wich auf die südliche Gradseite aus, da hier weniger Schnee lag, der Nachteil war eben, dass dort der Schutt und die Platten etwas schwieriger zu begehen waren, allerdings aufgrund der Verhältnisse sicherlich für mich ohne Steighilfen die bessere Wahl. Der Abstieg zieht sich ebenfalls in die Länge, früh erspäht man im Tal schon die Hochfeilerhütte und die verdiente „Halbe“ hat man schon fest in Gedanken, aber wie gesagt, man muss sie sich schon redlich verdienen, dafür schmeckt es dann gleich umso mehr.

Wir stärkten uns auf der Hütte mit einer wärmenden Suppe und isotonischen Hopfengetränken und gingen nach ca. 45 Minuten Pause wieder los um den Abstieg zu vollenden. Uiiii, der zieht sich gewaltig lang bis ins Tal, vor allem eben durch den Abschnitt, auf dem man wenig Höhenmeter verliert, es ist ein wirklich langer Hadscher. Final sammelt man ca. 18,5 Kilometer, gesamt mit Gipfelpause und Hütteneinkehr waren wir gut 9,5 Stunden unterwegs und es sind ca. 1800 Höhenmeter im Aufstieg und natürlich logischerweise auch wieder im Abstieg zu absolvieren. Für eine Tagestour schon eine ziemlich ambitionierte Veranstaltung. Wer es gemütlicher machen möchte, wählt dann eben eine Übernachtung auf der urigen Hochfeilerhütte.
Fazit: Von der technischen Schwierigkeit her, für jeden, der gut zu Fuß ist, definitiv machbar, es gibt nur eine kleine Kletterstelle im Abstieg Richtung Hütte, die aber gut drahtseilversichert ist, ansonsten ist man ausschließlich im Gehgelände unterwegs, für mich persönlich fehlt da dann schon die nötige Würze, aber was nimmt man nicht alles in Kauf um seinen bisher höchsten Gipfel zu erreichen.
Einzig der Grad ist für weniger Bergerfahrene mit Vorsicht zu genießen, aufgrund der Schneeverhältnisse die dort herrschen können und es ist auch etwas ausgesetzt, aber nichts Dramatisches. Alles in Allem war es ein wunderschöner Bergtag, aber über den Normalweg werde ich hierher eher nicht mehr hoch kommen, liebäugle ich da eher mit der vergletscherten Nordwand, mal sehen ob das irgendwann passieren wird.

Wandern 3F Special – Lechtaler Alpen + Gatschkopf (2945m) 27.-29.08.2022

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27.08.2022

Tour Nummer 41 – Fortgeschrittene – Lechtaler Alpen. Zu siebt stiegen wir am Samstag früh gegen dreiviertel 5 in zwei Autos verteilt, um nach Zams / Landeck zu fahren. Was uns an diesem Wochenende erwarten würde waren die Lechtaler Alpen – soviel war klar. Das Wetter war leider für die ersten beiden Tage nicht so berauschend gemeldet, aber das würden wir einfach abwarten müssen. Gefahr zwecks Gewitter bestand nicht, aber evtl. einiges an Regen.
Dabei waren zwei Leute, die zum ersten Mal an meiner Fortgeschrittenentour teilnahmen, was mich ungemein freute.
Wir trafen uns alle auf dem Parkplatz der Venetbahn in Zams, machten uns bergfertig und riefen ein Taxi. Hier würde unser Zielpunkt übermorgen sein, der Start aber in Grins, ein paar Kilometer weiter.

Am Schwimmbad in Grins stiegen wir aus dem Taxi und liefen los. Es war bewölkt aber trocken. Recht steil ging es gleich bergan in Richtung Augsburger Hütte. Gut 1200hm lagen vor uns. Zu sehen war nicht viel bis auf daß es lichter wurde, wir irgendwann ganz aus dem Wald und Unterholz rauskamen und auch von unten schon die Hütte sehen konnten, wenn die Wolken gerade mal Platz machten. Wir liefen nicht den Normalweg, sondern gingen über den Ochsenberg, was ca. eine Stunde zusätzlich benötigen sollte. Irgendwann ging es über in einen richtig steilen Wiesenhang, der mit Seilen versichert war. Hier ging das Geschnaufe schon ganz schön los. Nachdem wir diesen Abschnitt bewältigt hatten, sahen wir auch schnell die Hummelleiter vor uns inmitten einer Kletterwand mit unzähligen Routen. Es waren über 70 Sprossen gesamt, die da vor uns lagen, und bei dem Anblick wurden schon dem ein oder anderen die Knie weich. War allerdings für uns alle dann kein Problem und jeder einzelne hangelte sich hinauf. Damit war das Ziel quasi erreicht. Die Hütte auf 2298m Höhe, recht exponiert und schön gelegen.

Empfangen wurden wir mit einem Begrüßungsschnaps. Knapp 5h hatten wir benötigt, uns ja aber auch nicht beeilen müssen. Das Personal ist hier sehr nett. Nach einem Bier auf der Terrasse, auf der es dann doch schnell kühl wurde, bezogen wir unser Lager und hatten anschließend einen gemütlichen Hüttenabend, den die meisten von uns nicht unnötig in die Länge zogen. Die Nacht war recht ruhig – wir hatten sehr viel Platz.


28.08.2022

Als wir morgens erwachten war das Wetter besser als erwartet. Es sah in jedem Fall nicht nach Regen aus und sogar die Sonne kam zum Vorschein. Wir frühstückten um 7 und gingen um kurz nach 8 Uhr los in Richtung Gatschkopf (2945m). Der Anstieg war steil und kantig, aber nicht groß anspruchsvoll. Schwindelfrei mußte man allerdings sein. Dennoch standen wir erst um kurz vor 11 Uhr auf dem Gipfel. Viele Wolken zogen durch, was uns interessante Bilder machen ließ.

Dann hinunter zur Patrolscharte, von der aus es kletternd am Seil steil bergab gehen sollte. Ich ließ hier oben alle die Helme aufsetzen, da das Gestein teilweise sehr bröselig sein sollte, was sich durchaus bestätigte. Das Abklettern stellte schon eine gewisse Herausforderung für einige dar und so halfen wir zusammen. Ein paar erfahrene sichere Kletterhasen waren ja am Start. Es machte schon Spaß.
Als wir von diesem Seilakt ins Geröllfeld übertraten gab es allerdings Unmut bei uns allen. Der Weg war abgerutscht und mußte schwer unterhalb durch tiefen Schotter umgangen werden, was sehr unschön war. Hier suchte sich jeder seinen eigenen Weg, und die meisten von uns legten eine kleine Rutschpartie hin. Jetzt waren die Klamotten mal so richtig dem Streßtest unterzogen. Ich ging voran und wartete am Einstieg zur nächsten Kletterstelle, wo wir alle erstmal Pause machten. Es war schon recht kräftezehrend das Ganze und war für mich so aus den Tourenbeschreibungen, die ich gelesen hatte, nicht ganz erkenntlich gewesen. Dennoch schob ich in diesem Augenblick alles noch auf den abgerutschten Weg, wofür keiner was konnte. Im Darauffolgenden ging die Kletterei weiter. Es war nicht einfach für diejenigen, die sowas noch nie gemacht hatten. Es ging kletternd wieder hoch, kletternd wieder runter, einiges entlang an einem Hang und dann erneut Kletterstelle. Ich war nun endgültig auch soweit, daß ich nur noch kurz die Augen schließen und durchatmen mußte. Ich war in keinster Weise darauf gefaßt gewesen, daß es so doll kommen würde, nachdem ich wirklich gründlich Vorabinformation betrieben hatte. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, hier eine Gruppe zu führen, wenn ich das vorher so hätte vorausahnen können. Nun also mußten wir da noch drüber. Die Kräfte hatten bei einigen schon sichtlich sehr nachgelassen, was für mich vollkommen verständlich war. Bei der letzten Kletterstelle gingen wir zu zweit noch mal halb nach unten, um zwei Rucksäcke von anderen zu holen. Ich fand es toll, wie sich untereinander geholfen wurde und die Stärkeren einfach mit anpackten bzw. beim Klettern unterstützten.

Nach dieser Stelle war der Schock dann vorbei, jedenfalls der Kletterschock. Nochmals ging es einen steilen Weg bergab und anschließend einen ziemlichen Hatsch bis zur Hütte, die man schon sehr früh sehen konnte. Als wir dort ankamen waren wir alle froh – jeder auf seine Weise.

Ich organisierte noch alles mit den Hüttenwirten bezüglich Lager und den ganzen Formalitäten, wie hier alles gehandhabt wurde, und dann verzog ich mich zum Frischmachen und mich selbst Sortieren. Mich hatte die Tour heute physisch nicht an meine Grenzen gebracht. Für mich selbst wäre sie eine tolle Tagesetappe gewesen, aber hier eine Gruppe zu führen, bei der noch Leute mit wenig Bergerfahrung dabei waren – das war grenzwertig und nicht mein Vorhaben vorab. Ich war so dankbar, wie alle zusammengehalten hatten in jeder Situation – ausnahmslos alle, und es gab kein Jammern, nur Gefluche, was ich durchaus verstehen konnte. Ich selbst war danach einfach psychisch platt und mehr als glücklich, als dann zwei von der Gruppe ins Lager kamen, erzählt haben, daß sie zusammen gerade unten ein Bier getrunken haben und alle gut drauf waren.

Wir haben das später am Abend noch in der Gruppe besprochen, als wir einen Hüttenabend im Zelt verbrachten mit Essen und Trinken, und auch meine Recherchen nach der Tour brachten mir keine weiteren Erkenntnisse als daß diese Etappe einfach unterirdisch im Netz beschrieben ist.


29.08.2022

An diesem Tag war „nur“ der Abstieg angesagt. Erst nochmal 350hm hoch zur Seescharte und dann 1700hm nach unten. Frühstück war ok – es gab reichlich von allem, was ein normales Hüttenfrühstück beinhaltet. Im Schatten der Berge ging es los vorbei an den Seen und dann steil nach oben. Hier wurde nochmal geschnauft, da der Schotter steil, anstrengend und teilweise zu tief oder zu fein war. Dieser Streckenabschnitt ist ein Teil des E5 und so gab es eine mächtige Kolonne am Berg vor und hinter uns. An der Scharte gab es Stau, und als wir hinübertraten lag das mächtige Tal vor uns, was uns hinunter nach Zams bringen sollte zu den Autos. Der Weg war lang, hart und die Kräfte gingen langsam aus bei einigen von uns. Dennoch schien jetzt nur noch die Sonne und irgendwie machte der Weg auch Spaß. Wir alle erreichten irgendwann den „Boden“ in Zams nach 1880m Abstieg und waren durchgeschwitzt doch überglücklich. Einige sind an ihre Grenzen gegangen bei dieser Tour oder doch darüber hinaus, und alle waren gut drauf.

Erneut danke ich allen Beteiligten für diese Erfahrung, die ich machen durfte, auch wenn ich hoffe, meine nächsten Touren nicht mehr so am Limit durchführen zu müssen. Tag zwei war ferner liefen, aber ich konnte das nicht ahnen. Ich werde diese Erfahrung aufnehmen und versuchen, so etwas nicht mehr aufkommen zu lassen. Ihr seid für mich eine riesengroße Bereicherung gewesen in diesen Tagen – alle zusammen – dafür möchte ich Euch danken – eine irre starke Truppe!!