Bericht geschrieben von Daniel – ich war dabei…
Vor 2 Jahren, während der Besteigung der Zugspitze über den Stopselzieher-Steig, stach mir eine wunderschöne „Pyramide“ ins Auge – die Ehrwalder Sonnenspitze. Noch während des damaligen Urlaubs in Ehrwald kam der fixe Gedanke auf, dort oben auch einmal stehen zu wollen, also google bemüht und schnell war klar, so unerreichbar wie der Gipfel auf den ersten Blick scheint, ist er gar nicht einmal.
Der erste Versuch Anfang Juni 2022 scheiterte ca. 200 Höhenmeter unterhalb des Gipfels am Wetter, damals zeigten sich ringsherum bedrohliche Gewitterwolken und ein Rückzug war die einzig kluge Entscheidung. Am vergangenen Montag dann war es endlich so weit, zusammen mit Susan vollendeten wir die noch offene Überschreitung der Sonnenspitze, sie war schließlich beim ersten Versuch auch schon meine Mitstreiterin.
Der erste Teil bis zum malerischen Seebensee war alt bekannt, über die „Hohen Gänge“, ein leichter Klettersteig (Kat. B), ging es bei traumhaftem Bergwetter die ersten knapp 600 Höhenmeter nach oben, der erfahrene Bergsteiger kann in diesem Abschnitt, der immer mal wieder mit Stahlseil versichert ist, getrost auf das Klettersteigset verzichten, wir hatten es ohnehin nicht dabei, da im weiteren Verlauf oben im Fels der Sonnenspitze ohnehin keine Möglichkeiten zur Selbstsicherung vorhanden sind. Nach guten 1,5 Stunden erreichten wir den See, der noch vollständig im Schatten lag, entsprechend kühl war es hier.



Das nächste Ziel lautete dann Coburger Hütte auf 1920 Meter, die über einen normalen Bergwanderweg erreicht wird. Vom See aus rechnet man mit ca. 45 Minuten Gehzeit bis zur Hütte. Wir stärkten uns dort angekommen noch einmal mit einer kurzen Jause, sammelten unsere Kräfte und machten uns auf in Richtung Gipfelsturm. Zunächst verliert man auf einem angenehmen Bergpfad wieder etwas an Höhe in Richtung Bierwierer Scharte bis man bald auf einen Felsen trifft, auf dem das Ziel klar sichtbar aufgepinselt ist: Sonnenspitze. Also rechts ab und schon bald geht es durch Latschenkiefer immer weiter Richtung Geröllfeld. Den Weg durch diese Schutthalde sieht man schon relativ frühzeitig, über zwei langgezogene Serpentinen geht es in Richtung Fels und den Einstieg in den ernsten Teil der Tour. Zunächst noch in leichter Kletterei durch Schrofengelände, doch bald schon kommen die ersten Felsriegel und die Hände dürfen auch mit der Arbeit beginnen – dies wird bis zum Gipfel so bleiben. Die Orientierung ist für bergerfahrene Kletterer übrigens nicht allzu schwer, man erspäht immer mal wieder ausgeblichene rote Markierungspunkte, oder Standplätze zum Sichern, alternativ Steinmänner. Sollte mal nichts von all dem zu sehen sein, folgt man instinktiv der logischen Linie und überraschend entdeckt man dann immer wieder eine der oben genannten Orientierungshilfen. Bei der ersten Klettereinlage waren wir von einer dreiköpfigen Seilschaft etwas genervt, die nur schleppend vorankam, da der Bergführer eine seiner Mitgeher am Kurzseil hatte. Wir entschlossen uns etwas rechts von der eigentlichen Route zu klettern um diese Gruppe zu überholen, aber „netterweise“ machte der außerdem noch dauerquasselnde Bergführer urplötzlich auch ordentlich Tempo und zog die gesicherte Dame regelrecht den Fels nach oben. Letztendlich konnte er dann aber unserer Tempoeinlage doch nicht mehr ganz folgen und wir waren vorbei an ihnen. Im Nachhinein ein guter Entschluss, hörten wir doch immer wieder ein „Vorsicht Stein“ von unten, scheinbar traten die gut was los. Entsprechend auch die Empfehlung pro Helm wenn viel Betrieb an der Wand ist, die Steinschlaggefahr ist definitiv nicht von der Hand zu weisen.
Nach besagter ersten Rinne (1er, maximal mal kurz 2er Gelände) folgt zur Erholung eine erste Querung, bei der man sich allerdings trotzdem im absoluten Absturzgelände befindet. Es geht ein schmales Band in einer steilen Wand entlang zur nächsten Rinne, bei der gefühlt auch die Schlüsselstelle der Route wartet. Susan bewältigt diese Schlüsselstelle, die am Ausstieg mit Krampen etwas entschärft ist auf der eigentlichen Route, ich entschied mich aus der Erfahrung des ersten Besteigungsversuches heraus dafür, diese Stelle links zu umklettern, hatte ich doch so meine Schwierigkeiten bei besagten erstem Versuch. Die Variante links herum ist deutlich ausgesetzter und man hat ordentlich Luft unterm Hintern, dafür empfand ich sie als schöner zu klettern, da der Fels wesentlich weniger abgewetzt ist und sich auch hier immer wieder schöne Griffe und Tritte finden. Kurz nach den erwähnten Krampen quert man dann einfach wieder in die Rinne und befindet sich ab da wieder auf der eigentlichen Route.
Nach der Rinne folgt wiederum eine weitere Querung auf einem schmalen Band, dieses Mal nach links. Hier gibt es auch einmal kurz ein Stahlseil als zusätzliche Möglichkeit zum Festhalten. Danach geht es wieder relativ straight nach oben, hier finden sich wenige Hinweise, wie bereits beschrieben einfach der logischen Linie folgen, versteigen kann man sich dort eher kaum. Tendenziell jedenfalls sollte man sich leicht nach rechts oben halten, denn hier folgt die letzte Querung die zum finalen Gipfelaufschwung führt. Dort angekommen steigt man wieder kurz im Fels (1er Gelände) nach oben und steht auf dem Vorgipfel und erblickt erstmals das Gipfelkreuz. Diesen erreicht man schließlich über einen schmalen, sehr ausgesetzten Grat an dessen Ende man noch einmal eine kurze anregende Klettereinlage bewältigen muss um endlich am Kreuz abklopfen zu können. Bei strahlendem Sonnenschein genossen wir ca. 45 Minuten lang die Einsamkeit am Gipfel auf 2417m, die Aussicht auf diesem exponierten Gipfel ist wirklich an so einem Traumtagele überwältigend.







Als wir die „Labertasche“ von unten hörten, gesehen hat man die Seilschaft noch lange nicht, wussten wir dass es bald vorbei ist mit der herrlichen Ruhe auf dem Gipfel und wir machten uns bereit zum Abstieg, der in nördlicher Richtung beginnt.
Die ersten Höhenmeter des Abstiegs sind immer wieder gespickt von kurzen Abklettereien, die durchaus ebenfalls den zweiten Grad streifen. Am unangenehmsten allerdings ist die Tatsache, dass sehr viel loses Gestein auf dem „Weg“ liegt, hier ist absolute Aufmerksamkeit gefragt, bewegt man sich doch stets in sehr ausgesetztem Absturzgelände, ein Ausrutschen ist absolut zu vermeiden, es würde nicht wirklich gut enden, wenn man hier fällt.



Sobald man dann allerdings die ersten Grashänge erreicht hat, entspannt sich die Situation auch zunehmend, das Gelände wird gutmütiger und kommt wieder einer Bergwanderung gleich. Der Abstieg endet schließlich wieder am Seebensee und final geht es über die oben beschriebenen „Hohen Gänge“ wieder in Richtung Parkplatz.
Fazit: wer eine rassige Bergfahrt im ungesicherten Gelände sucht, die sich größtenteils im Ier Grad bewegt, aber auch einige würzige Stellen im II er bietet, ist hier gut aufgehoben. Zu beachten ist allerdings, dass man im Fels stets im sehr ausgesetzten Gelände unterwegs ist und es keinerlei Möglichkeit der Selbstsicherung gibt. Für den erfahrenen Bergsteiger ist die Tour ungesichert eine absolute Genusskletterei, wer am Fels wenig Erfahrung hat, sollte das Ganze mit einem erfahrenen Geher am Kurzseil angehen oder eventuell auch die vielen Standplätze nutzen und generell am Seil klettern.



































