Wandern 3F Special – Lechtaler Alpen + Gatschkopf (2945m) 27.-29.08.2022

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27.08.2022

Tour Nummer 41 – Fortgeschrittene – Lechtaler Alpen. Zu siebt stiegen wir am Samstag früh gegen dreiviertel 5 in zwei Autos verteilt, um nach Zams / Landeck zu fahren. Was uns an diesem Wochenende erwarten würde waren die Lechtaler Alpen – soviel war klar. Das Wetter war leider für die ersten beiden Tage nicht so berauschend gemeldet, aber das würden wir einfach abwarten müssen. Gefahr zwecks Gewitter bestand nicht, aber evtl. einiges an Regen.
Dabei waren zwei Leute, die zum ersten Mal an meiner Fortgeschrittenentour teilnahmen, was mich ungemein freute.
Wir trafen uns alle auf dem Parkplatz der Venetbahn in Zams, machten uns bergfertig und riefen ein Taxi. Hier würde unser Zielpunkt übermorgen sein, der Start aber in Grins, ein paar Kilometer weiter.

Am Schwimmbad in Grins stiegen wir aus dem Taxi und liefen los. Es war bewölkt aber trocken. Recht steil ging es gleich bergan in Richtung Augsburger Hütte. Gut 1200hm lagen vor uns. Zu sehen war nicht viel bis auf daß es lichter wurde, wir irgendwann ganz aus dem Wald und Unterholz rauskamen und auch von unten schon die Hütte sehen konnten, wenn die Wolken gerade mal Platz machten. Wir liefen nicht den Normalweg, sondern gingen über den Ochsenberg, was ca. eine Stunde zusätzlich benötigen sollte. Irgendwann ging es über in einen richtig steilen Wiesenhang, der mit Seilen versichert war. Hier ging das Geschnaufe schon ganz schön los. Nachdem wir diesen Abschnitt bewältigt hatten, sahen wir auch schnell die Hummelleiter vor uns inmitten einer Kletterwand mit unzähligen Routen. Es waren über 70 Sprossen gesamt, die da vor uns lagen, und bei dem Anblick wurden schon dem ein oder anderen die Knie weich. War allerdings für uns alle dann kein Problem und jeder einzelne hangelte sich hinauf. Damit war das Ziel quasi erreicht. Die Hütte auf 2298m Höhe, recht exponiert und schön gelegen.

Empfangen wurden wir mit einem Begrüßungsschnaps. Knapp 5h hatten wir benötigt, uns ja aber auch nicht beeilen müssen. Das Personal ist hier sehr nett. Nach einem Bier auf der Terrasse, auf der es dann doch schnell kühl wurde, bezogen wir unser Lager und hatten anschließend einen gemütlichen Hüttenabend, den die meisten von uns nicht unnötig in die Länge zogen. Die Nacht war recht ruhig – wir hatten sehr viel Platz.


28.08.2022

Als wir morgens erwachten war das Wetter besser als erwartet. Es sah in jedem Fall nicht nach Regen aus und sogar die Sonne kam zum Vorschein. Wir frühstückten um 7 und gingen um kurz nach 8 Uhr los in Richtung Gatschkopf (2945m). Der Anstieg war steil und kantig, aber nicht groß anspruchsvoll. Schwindelfrei mußte man allerdings sein. Dennoch standen wir erst um kurz vor 11 Uhr auf dem Gipfel. Viele Wolken zogen durch, was uns interessante Bilder machen ließ.

Dann hinunter zur Patrolscharte, von der aus es kletternd am Seil steil bergab gehen sollte. Ich ließ hier oben alle die Helme aufsetzen, da das Gestein teilweise sehr bröselig sein sollte, was sich durchaus bestätigte. Das Abklettern stellte schon eine gewisse Herausforderung für einige dar und so halfen wir zusammen. Ein paar erfahrene sichere Kletterhasen waren ja am Start. Es machte schon Spaß.
Als wir von diesem Seilakt ins Geröllfeld übertraten gab es allerdings Unmut bei uns allen. Der Weg war abgerutscht und mußte schwer unterhalb durch tiefen Schotter umgangen werden, was sehr unschön war. Hier suchte sich jeder seinen eigenen Weg, und die meisten von uns legten eine kleine Rutschpartie hin. Jetzt waren die Klamotten mal so richtig dem Streßtest unterzogen. Ich ging voran und wartete am Einstieg zur nächsten Kletterstelle, wo wir alle erstmal Pause machten. Es war schon recht kräftezehrend das Ganze und war für mich so aus den Tourenbeschreibungen, die ich gelesen hatte, nicht ganz erkenntlich gewesen. Dennoch schob ich in diesem Augenblick alles noch auf den abgerutschten Weg, wofür keiner was konnte. Im Darauffolgenden ging die Kletterei weiter. Es war nicht einfach für diejenigen, die sowas noch nie gemacht hatten. Es ging kletternd wieder hoch, kletternd wieder runter, einiges entlang an einem Hang und dann erneut Kletterstelle. Ich war nun endgültig auch soweit, daß ich nur noch kurz die Augen schließen und durchatmen mußte. Ich war in keinster Weise darauf gefaßt gewesen, daß es so doll kommen würde, nachdem ich wirklich gründlich Vorabinformation betrieben hatte. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, hier eine Gruppe zu führen, wenn ich das vorher so hätte vorausahnen können. Nun also mußten wir da noch drüber. Die Kräfte hatten bei einigen schon sichtlich sehr nachgelassen, was für mich vollkommen verständlich war. Bei der letzten Kletterstelle gingen wir zu zweit noch mal halb nach unten, um zwei Rucksäcke von anderen zu holen. Ich fand es toll, wie sich untereinander geholfen wurde und die Stärkeren einfach mit anpackten bzw. beim Klettern unterstützten.

Nach dieser Stelle war der Schock dann vorbei, jedenfalls der Kletterschock. Nochmals ging es einen steilen Weg bergab und anschließend einen ziemlichen Hatsch bis zur Hütte, die man schon sehr früh sehen konnte. Als wir dort ankamen waren wir alle froh – jeder auf seine Weise.

Ich organisierte noch alles mit den Hüttenwirten bezüglich Lager und den ganzen Formalitäten, wie hier alles gehandhabt wurde, und dann verzog ich mich zum Frischmachen und mich selbst Sortieren. Mich hatte die Tour heute physisch nicht an meine Grenzen gebracht. Für mich selbst wäre sie eine tolle Tagesetappe gewesen, aber hier eine Gruppe zu führen, bei der noch Leute mit wenig Bergerfahrung dabei waren – das war grenzwertig und nicht mein Vorhaben vorab. Ich war so dankbar, wie alle zusammengehalten hatten in jeder Situation – ausnahmslos alle, und es gab kein Jammern, nur Gefluche, was ich durchaus verstehen konnte. Ich selbst war danach einfach psychisch platt und mehr als glücklich, als dann zwei von der Gruppe ins Lager kamen, erzählt haben, daß sie zusammen gerade unten ein Bier getrunken haben und alle gut drauf waren.

Wir haben das später am Abend noch in der Gruppe besprochen, als wir einen Hüttenabend im Zelt verbrachten mit Essen und Trinken, und auch meine Recherchen nach der Tour brachten mir keine weiteren Erkenntnisse als daß diese Etappe einfach unterirdisch im Netz beschrieben ist.


29.08.2022

An diesem Tag war „nur“ der Abstieg angesagt. Erst nochmal 350hm hoch zur Seescharte und dann 1700hm nach unten. Frühstück war ok – es gab reichlich von allem, was ein normales Hüttenfrühstück beinhaltet. Im Schatten der Berge ging es los vorbei an den Seen und dann steil nach oben. Hier wurde nochmal geschnauft, da der Schotter steil, anstrengend und teilweise zu tief oder zu fein war. Dieser Streckenabschnitt ist ein Teil des E5 und so gab es eine mächtige Kolonne am Berg vor und hinter uns. An der Scharte gab es Stau, und als wir hinübertraten lag das mächtige Tal vor uns, was uns hinunter nach Zams bringen sollte zu den Autos. Der Weg war lang, hart und die Kräfte gingen langsam aus bei einigen von uns. Dennoch schien jetzt nur noch die Sonne und irgendwie machte der Weg auch Spaß. Wir alle erreichten irgendwann den „Boden“ in Zams nach 1880m Abstieg und waren durchgeschwitzt doch überglücklich. Einige sind an ihre Grenzen gegangen bei dieser Tour oder doch darüber hinaus, und alle waren gut drauf.

Erneut danke ich allen Beteiligten für diese Erfahrung, die ich machen durfte, auch wenn ich hoffe, meine nächsten Touren nicht mehr so am Limit durchführen zu müssen. Tag zwei war ferner liefen, aber ich konnte das nicht ahnen. Ich werde diese Erfahrung aufnehmen und versuchen, so etwas nicht mehr aufkommen zu lassen. Ihr seid für mich eine riesengroße Bereicherung gewesen in diesen Tagen – alle zusammen – dafür möchte ich Euch danken – eine irre starke Truppe!!

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