Bericht geschrieben von Daniel – ich war dabei…
Den Höchsten im Zillertal hatte ich schon längere Zeit immer mal wieder im Auge, einzig die lange Anreise bis nach Südtirol – von dort startet nämlich die Normalroute auf den Gipfel – hielt mich immer wieder davon ab, es endlich einmal durchzuziehen. Im Rahmen einer zweitägigen Bergtour mit 3F Anfang Juli konnte ich ihn immer wieder einmal aus Richtung Olperer-Massiv erspähen und somit war klar, dass der Hochfeiler heuer auf jeden Fall noch begangen werden sollte. Im Laufe der Vorwoche mit Blick auf den Wetterbericht reifte der Plan dann immer mehr, es am Wochenende 03.09./04.09. endlich anzugehen. Nachdem der Wetterbericht für Sonntag, 04.09. die besseren Bedingungen prophezeite wurde es also fixiert. Zunächst als Solotour angedacht, kam bei Susan am Samstag spontan der Gedanke auf, „hey da komm ich mit“. Gesagt, getan und so saßen wir am Sonntag früh, genauer gesagt sehr früh um 2.30 Uhr im Auto Richtung Pfitscher Tal. Zügig und ohne Stau kamen wir durch, so standen wir gegen 7.15 Uhr am Parkplatz bei relativ kühlen Temperaturen, aber trockenem Wetter. Kurz das Equipment gecheckt und schon ging es los.
Zunächst kreuzt der Weg über eine durchaus nette Hochbrücke den Pfitscher Bach der sich in der Tiefe tossend seinen Weg Richtung Tal sucht, doch bald geht es schon den ersten Grashang recht steil nach oben, wobei Grashang eher untertrieben ist, die üppige Vegetation lässt ein bisschen Dschungel-Feeling aufkommen. Aber der Weg ist deutlich ausgetreten, wir wissen jetzt auch weshalb, waren gerade am Anfang doch einige Gleichgesinnte unterwegs und das ständige Stop an Go der anderen Gruppen bzw. Überholen und wieder überholt werden war doch recht nervig. Irgendwann hatten wir einen guten Rhythmus gefunden und schraubten uns immer einsamer werdend in die Höhe. Oberhalb der Baumgrenze lehnt sich der Weg dann merklich zurück und man gewinnt nur noch wenig Höhe trotz langem Hatsch. Belohnt wird man allerdings mit einem sehr schönen Panorama auf die Berge rundherum entlang des Talkessels des Unterbergbachs. Man kreuzt auch immer wieder über Brücken einige Bergbäche, Schafe weiden links und rechts, alles in allem auch ein reizvoller Streckenabschnitt. Nachdem wir recht zügig voran kamen, die Beine gut waren und wir noch genügend Wasserreserven dabei hatten, entschieden wir uns an der Abzweigung zur Hochfeilerhütte, diese erst einmal „rechts“ liegen zu lassen und den direkten Anstieg über den langen Grad Richtung Gipfel in Angriff zu nehmen.



Über losen Schotter und Platten geht der Weg weiter, da es die Nacht vorher etwas geschneit hatte, war hier durchaus Vorsicht geboten, allerdings entschieden wir für uns, dass es, zumindest im Anstieg ohne Spikes oder Steigeisen gehen sollte. Irgendwann zeigt sich dann auch erstmals das Gipfelkreuz und man bekommt einen Eindruck ,wie steil das letzte Gradstück sein wird, dass man im Normalfall eher nordseitig geht. Hier definitiv der Hinweis, dass man selbst im Hochsommer damit rechnen muss auf Firn oder gar gefrorenem Schnee zu treffen, somit macht es sicherlich Sinn, mindestens Spikes oder auch Steigeisen für alle Fälle mit einzupacken, vor allem, wenn es dann in Richtung Abstieg geht, den man über den gleichen Weg unternimmt.
Auf den letzten 100 bis 200 Höhenmetern machte sich bei mir dann immer mehr die Höhenluft bemerkbar, vor allem da ich auch eine leichte Erkältung mit mir rumschleppte. Somit war der Schlussanstieg für mich der härteste Abschnitt des Tages, immer wieder musste ich kurz inne halten um etwas Erholung zu suchen, aber Umkehren war keine Option. Nach gut 4 Stunden war der Gipfel dann erreicht. Bei klarem Wetter eröffnet sich auf 3509m sicherlich ein spektakuläres Panorama, aber von Norden her, zog es immer mal wieder zu. Trotz allem konnte kurz einmal der Schlegeisspeicher erblickt werden und im Südwesten zeigten sich hin und wieder mir bekannte Gipfelprominenz der Dolomiten: Langkofel, Plattkofel, die Geislergruppe, Seiser Alm und so weiter.



Da es relativ kühl und auch windig war, hielten wir uns am Gipfel nicht allzu lange auf und machten uns zügig an den Abstieg, Susan zog sich sinnigerweise die Spikes über die Schuhe, ich liebäugelte mit den Steigeisen, dumm nur, wenn man vergessen hat diese auf seine Schuhgrösse umzustellen, also musste ich wegen meiner Nachlässigkeit eben ohne Hilfsmittel an den Schuhen wieder runter kommen. Hierzu wählte ich dann gerne einmal Stellen fernab des eigentlichen Wegs und wich auf die südliche Gradseite aus, da hier weniger Schnee lag, der Nachteil war eben, dass dort der Schutt und die Platten etwas schwieriger zu begehen waren, allerdings aufgrund der Verhältnisse sicherlich für mich ohne Steighilfen die bessere Wahl. Der Abstieg zieht sich ebenfalls in die Länge, früh erspäht man im Tal schon die Hochfeilerhütte und die verdiente „Halbe“ hat man schon fest in Gedanken, aber wie gesagt, man muss sie sich schon redlich verdienen, dafür schmeckt es dann gleich umso mehr.



Wir stärkten uns auf der Hütte mit einer wärmenden Suppe und isotonischen Hopfengetränken und gingen nach ca. 45 Minuten Pause wieder los um den Abstieg zu vollenden. Uiiii, der zieht sich gewaltig lang bis ins Tal, vor allem eben durch den Abschnitt, auf dem man wenig Höhenmeter verliert, es ist ein wirklich langer Hadscher. Final sammelt man ca. 18,5 Kilometer, gesamt mit Gipfelpause und Hütteneinkehr waren wir gut 9,5 Stunden unterwegs und es sind ca. 1800 Höhenmeter im Aufstieg und natürlich logischerweise auch wieder im Abstieg zu absolvieren. Für eine Tagestour schon eine ziemlich ambitionierte Veranstaltung. Wer es gemütlicher machen möchte, wählt dann eben eine Übernachtung auf der urigen Hochfeilerhütte.
Fazit: Von der technischen Schwierigkeit her, für jeden, der gut zu Fuß ist, definitiv machbar, es gibt nur eine kleine Kletterstelle im Abstieg Richtung Hütte, die aber gut drahtseilversichert ist, ansonsten ist man ausschließlich im Gehgelände unterwegs, für mich persönlich fehlt da dann schon die nötige Würze, aber was nimmt man nicht alles in Kauf um seinen bisher höchsten Gipfel zu erreichen.
Einzig der Grad ist für weniger Bergerfahrene mit Vorsicht zu genießen, aufgrund der Schneeverhältnisse die dort herrschen können und es ist auch etwas ausgesetzt, aber nichts Dramatisches. Alles in Allem war es ein wunderschöner Bergtag, aber über den Normalweg werde ich hierher eher nicht mehr hoch kommen, liebäugle ich da eher mit der vergletscherten Nordwand, mal sehen ob das irgendwann passieren wird.
