Bereits 2019 hatte Sonja mich gefragt, ob ich mit zum Trekking nach Pakistan komme. Schon einmal war der Flug gebucht und dreimal war die Reise insgesamt verschoben worden. Nun endlich – wir schreiben das Jahr 2023 – sollte die Tour endlich bevorstehen. War das Jahr bislang für mich alles andere als einfach verlaufen, so rasten die letzten Wochen und Tage vor meinem Abflug nur so an mir vorbei.
Die Vorbereitung war nicht zu verachten, Ausrüstung legte ich mir noch teilweise zu und am meisten machte mir und auch den anderen das Visum zu schaffen. Sehr lange mußten wir auf dieses Papier warten, ja, für Peter kam es sogar überhaupt nicht mehr rechtzeitig an, so daß hier im Vorfeld die Enttäuschung und auch der Ärger groß waren.
Aber zuviel des Vorabgeplänkels – der Startschuß war gesetzt, am 29.07. sollte mein Flieger gehen, damit ich dann vor Ort in Islamabad auf 11 weitere reiselustige Menschen treffen konnte, von denen ich bislang lediglich Sonja (und Peter) kannte. Einzig über die Whatsappgruppe fand im Vorfeld ein weinig Austausch untereinander statt.
29.07.2023
Samstag gegen Mittag holte mich Nicole zu Hause ab, um mich zum Flughafen nach Nürnberg zu bringen. Ich sollte von dort aus über Istanbul nach Islamabad fliegen und war äußerst nervös. In Nürnberg ging alles gut, aber in Istanbul, wo ich nur zwei Stunden Zeit zum Umsteigen hatte, wurde es schon knapp und hektisch. Ich wurde von einer Dame fälschlicherweise durch die Paßkontrolle geschickt, die es garnicht so benötigt hätte. Demnach standen noch zwei Sicherheitskontrollen an und ich spurtete dann kurz vor knapp zum Gate, das gerade schließen wollte – gerade noch geschafft. Um 5 Uhr morgens landete ich und wurde von Imtiaz, unserem Gruppenleiter, direkt abgeholt und von ihm und einem Fahrer zum Hotel gebracht. Da ich als Erste eingetroffen war und das Hotel noch kein Zimmer frei hatte, wartete ich 2,5h in der Lobby, bevor ich mich schlafenlegen konnte.
Kurz nach 10 Uhr kam Saskia, meine Zimmer- und Zeltpartnerin für die kommenden 3 Wochen. Wir begrüßten uns kurz und ruhten dann noch etwas, bevor es gegen 13 Uhr zum Mittagessen zwei Straßen weiter ging. Es gab Gemüse, Reis, Hähnchencurry, Brot – alles Zutaten, die uns in den nächsten Tagen so immer wieder begegnen sollten. Es war lecker und viel.
Anschließend wurden wir zu einem Museum gefahren über pakistanische Geschichte und es gab unseren ersten Mangoshake. Irgendein Monument, das wir uns noch ansehen sollten, hatte geschlossen, da auf hohen chinesischen Besuch gewartet wurde, und so gab’s heute nur noch Abendessen in einem riesen Lokal auf einem Berg hoch über Islamabad. Die Fahrt dort hinauf mit dem Bus war sehr abenteuerlich, die Hupe das essentiellste Instrument des pakistanischen Straßenverkehrs, aber das Sitzen auf der Dachterrasse mit einer wunderschönen Sicht über die Großstadt, über der es währenddessen dunkel wurde, hatte was. Es wurde geplaudert, man lernte sich kennen.



Wir gingen recht früh schlafen.
30.07.2023
Aufstehen war um 8 Uhr, Frühstück, und dann trafen wir uns in der Lobby – erster Tagesordnungspunkt war Geld tauschen, was sich schwieriger und langwieriger erwies als gedacht. Letztlich fanden wir eine Bank, aus der wir alle mit den uns unbekannten Scheinen wieder rausgingen. 1000 Rupien entsprechen so ca. 3 Euro und irgendwie schien es anfangs nur 1000er zu geben, dementsprechend dick waren unsere Bündel. Nach einer Chaipause in einem Straßencafé fuhren wir mit dem Bus nach Rawalpindi, um dort über den Markt zu schlendern. Hier trafen wir auf Imtiaz‘ Tochter, die ein paar von uns behilflich dabei war, um noch ein paar lange Blusen zu kaufen. Die Stadt war voll und es war heiß und sonnig. Man lief guckte und unterhielt sich – die Truppe schien alles in allem eine gute Zusammensetzung zu sein.





Es gab schließlich 1,5h Zeit für uns im Hotel und wieder fuhren wir Bus – diesmal zur Faisal Moschee, der größten Moschee Südasiens. Barfuß liefen wir über das riesen Gelände, es waren Menschenmassen hier und viele wollten Fotos mit uns machen. Es gab sehr wenige Europäer wie es schien. Wir waren hier schon eine kleine Attraktion, wie wir es auch in den kommenden Wochen immer wieder sein sollten. Ein Handy besaß gefühlt jeder und Selfies waren ganz groß angesagt.
Abendessen gab’s wieder in der Nähe des Hotels und um 10 Uhr war Nachtruhe.


01.08.2023
Frühstück, Abfahrt, 4.30 Uhr waren wir am Flughafen und bald darauf im Flieger, der uns nach Gilgit bringen sollte. Es erreichte uns kurz vorher noch die Nachricht von Peter, daß er nun doch sein Visum erhalten hatte und nachkommen würde – was eine Aktion.
Vom kleinen Flieger aus hatten wir weiter nördlich gute Sicht auf den Nanga Parbat und den K2 – jetzt wurde es langsam Wirklichkeit, dieses Himalaya – das ließ bei mir den Atem schon stocken. Nach über drei Jahren der Wartezeit standen diese Bergriesen plötzlich in unmittelbarer Nähe, beinahe zum Greifen. Auf dem winzigen Flughafen in Gilgit auf ca. 1500m landeten wir und gelangten durch die Paß- und Visumskontrolle zum Parkplatz. Volker ging es hundeelend mit dem Magen – der Erste, den es treffen sollte.




Wir stiegen in unseren Bus, der uns nach Passu bringen sollte über den Karakorum Highway, der die Verbindungslinie nach China darstellt. Alles Begriffe, die ich 1000mal gehört hatte und jetzt war ich plötzlich da. Vorbei am Viewpoint auf knapp 2000m direkt unter dem Rakaposhi einem knapp 8000er und zum Stopp am Attabad See, einem Stausee des Hunza Rivers, den ein Felssturz 2010 verursacht hat. So viele Dokus gesehen und jetzt Realität direkt vor Augen. Wir machten Pause und eine kleine Bootstour auf dem blau-blauen Wasser und aßen dort eine Kleinigkeit, bevor es bis Passu durch ging, wo wir in einem Guest House die Nacht verbringen sollten. Hier in Passu trafen wir erstmals auf unseren Bergführer Nasia. Mit ihm ging’s dann auch gleich auf zu einem kleinen Spaziergang entlang des Passu Gletschers, der in der Abendsonne glitzerte. War Volker schon bei dieser Tour in der Unterkunft geblieben, so ging es jetzt plötzlich Johanna auch noch schlecht vom Magen her.











Später ab es noch Abendessen im Hotel und Umpacken der Taschen. Ich schrieb zwei Postkarten nach Hause und ging im Dunkeln dann noch etwas nach draußen, um Sterne zu fotografieren, die sich toll über den Passu-Cones zeigten
02.08.2023
8 Uhr Frühstück, 9 Uhr Start mit dem Bus ein paar Kilometer, ab wo wir unsere Wanderung heute starten sollten, um uns ein wenig zu akklimatisieren. Es ging über zwei ellenlange wackelige Hängebrücken mit sehr vielen Lücken und durch tolle Landschaften – Kennenlernen der dortigen Natur und der saftigen reifen Aprikosen direkt vom Baum. Wir machten Teepause bei einem alten Mann und bekamen im Anschluß Essen bei Imtiaz‘ Familie in Passu. Irgendwann würde ich wohl platzen bei so viel Essen, das immer unheimlich lecker war.
Zurück im Hotel gab’s eine kalte Dusche und wieder etwas packen. Volker schien wieder fit zu sein, Johanna einigermaßen.






Saßen noch entspannt draußen zum Lesen oder Tagebuch schreiben, jeder wie er wollte. Wir verfolgten den Sonnenuntergang über den Passu-Cones.

Beim Abendessen stand plötzlich wirklich dann Peter im Raum. Er hatte es nach 23-stündiger Reise hinter uns her auch endlich geschafft und war ziemlich überdreht.
Im Bett las ich noch etwas in meinem Buch bis plötzlich der Strom weg war. Auch das etwas, was wir in allen festen Unterkünften oder bei den Mahlzeiten ab nun täglich mehrfach serviert bekommen sollten.
03.08.2023
Früh war es windig und sehr bewölkt, dennoch war die Wäsche gut getrocknet. Ich hatte Bauchweh, aber nicht vom Durchfall sondern eher vom Gegenteil. Die Nahrungsumstellung machte mir zu schaffen. Kannte mein Körper sonst nur Körnerbrot, Gemüse und Salat, so war es hier doch alles anders. Wir ließen Sachen in Passu, die wir beim Trekking nicht brauchen sollten und los ging’s mit den Jeeps nach Shimshal – knapp 4h wilde Fahrt auf Schotterpisten und nahe am Abgrund des Shimshal-Rivers. Viele Hängebrücken, Schluchten, Gletscherbrüche am Wegesrand. Im Shimshal jetzt ohne WLAN – Ruhe – Handyruhe für alle. Hier trafen wir auf das Küchenteam und einen Teil der Eseltreiber. War zunächst noch die Rede von 40 Trägern gewesen, die uns begleiten sollten, so stellte sich nun heraus, daß 15 Esel unser Gepäck transportieren würden. Wir bekamen Tee, gingen in unsere Zimmer und liefen dann auf eigene Faust los, das Dorf zu erkunden. Viele Kinder guckten, die Älteren grüßten freundlich und man kam ins ein oder andere Gespräch. Mit Englisch kam man an manchen Stellen relativ weit. Ein Zimmermann sägte Bretter zurecht und präsentierte uns seine bescheidene Werkstatt in einer Garage.















Wir aßen zu Abend und bekamen eine kurze Einweisung in das Programm für morgen, wo endlich das Trekking starten sollte.
Mein Bauch wurde trotz Gemüse und Salat ohne Kohlehydrate nicht besser, aber alles im Rahmen.
04.08.2023
8 Uhr Frühstück, dann wurden die Esel beladen und so starteten wir. Es war heiß. Es ging weit durch die Ebene des Shimal-Rivers – 2h bis zur ersten kurzen Pause. Es gab immer wieder Nüsse und getrocknete Aprikosen und Weintrauben zwischendurch. Nun kämpfte seit gestern auch Ernst, unser schweizer Bergführer, mit dem Magen. Wir waren sehr langsam unterwegs und kamen nach knapp 9km und gut 600hm am ersten Camp an. Die Crew servierte uns Mangosaft, wir bauten die Zelte auf, richteten uns ein, bekamen Suppe und wuschen Wäsche. Wir stiegen noch einen kleinen Hügel hinauf, Gletscherblick, und ich saß oben und schrieb, indem es am Himmel etwas zuzog. Später saßen wir noch draußen auf einem Stein, Sonja spielte Ukulele und wir sangen dazu – ein 7000er in der Ferne trat plötzlich aus den Wolken hervor und so beobachteten wir den Sonnenuntergang.









Zum Essen um halb 7 gab es Suppe, Fleisch, Gemüse, Melone und Tee. Nasia machte Ansage für den morgigen Tag und um 8 Uhr waren wir alle im Zelt. Ich ging später noch raus, um Fotos zu machen vom tollen Sternenhimmel, den es hier oben schon gibt. Ich konnte lange nicht einschlafen.


05.08.2023
Gleich früh wurde es wieder sonnig und heiß. Heute stand eine lange Tour bevor – knapp 14km und über 1000hm hoch, sowie gut 700 wieder runter sollten es werden. Unser nächstes Camp auf 3900m Höhe. Viele waren etwas platt, aber mir ging es besser, je höher wir stiegen. Tolle Landschaft, tolles Gestein und der erste Blick zum Minglik Sar, unserem angedachten 6000er. Nach dem Zelte aufbauen wurde es etwas dunkel am Himmel, aber das verzog sich dann auch wieder. Ich halte mich ab heute abends an kohlehydratefreies Essen, was mir für den Rest der Tour wirklich gut tun sollte.
Um 8.30 Uhr gingen wir schlafen und nachts gab es starken Regen und Wind, was es ziemlich laut und unruhig machte.
















06.08-2023
Früh hörte der Regen wieder auf, so daß wir unsere getrockneten Zelte abbauen konnten. Es standen 800m hoch und knapp 400 runter bevor, sowie knapp 18km, also wieder eine recht lange Tour bis zum Camp auf 4400m. Zum Frühstück gibt es immer Fladenbrot mit Marmelade und Honig, auch Ei. Mir fehlte hier etwas Deftiges. Mittags dann meist nur Suppe mit Brot und ein paar Fischdosen. Das richtige Essen gab’s dann abends, wo ich nichts groß essen kann. Somit wollte ich mir ab diesem Abend immer etwas für den jeweils nächsten Tag einpacken – das würde dann besser klappen. Heute hätte ich ohne Ende trinken können, fühlte mich wie verdurstet. Ab der Mittagspause sollte es regnen, so kamen wir dann letztlich durchnäßt im Nachtlager an. Es wurde über den Gipfeltag gesprochen, es gab eine kurze Einweisung zum Einhängen im Seil auf dem Gletscher und einige Diskussionen. Die Abfolge, wie alles gehen konnte stand noch nicht ganz fest und es gab sehr differenzierte Meinungen darüber. Die geplanten 1400hm hoch und runter bis auf über 6000m wurden in Frage gestellt, aber ein eventuelles Hochlager ebenso. Entscheidung über alles sollte am nächsten Tag gefällt werden, wenn wir dann endgültig am Ausgangspunkt waren auf 4700m. Es wurde wieder früh geschlafen, da es abends immer sehr schnell kühl wurde und somit nichts von Gemütlichkeit mehr aufkam.








07.08.2023
Heute standen erstmal nur 300hm hoch an bis zum Lager, von dem der Gipfel bestiegen werden sollte. Dennoch standen wir um 6 Uhr auf, da evtl. noch der Gang bis zum Hochlager auf 5800m anstand. Es regnete. Wir bauten unsere Zelte auf, Hochlager war nicht mehr angedacht. Nach dem Mittagessen schliefen die meisten von uns ein wenig. Danach schien wieder die Sonne und jeder ging für sich ein paar Meter spazieren und machte Fotos.






Beim Abendessen gab es weitere Infos für den Gipfelversuch – gegen 2 Uhr nachts war der Start geplant, aufstehen um 00.30 Uhr.
08.08.2023
Zum Frühstück nachts um 1 Uhr war es noch trocken, wenn auch bewölkt. Als wir danach aus dem Gruppenzelt kamen schneite es aber bereits. Alle die den Gipfel eingeplant hatten bis auf Ernst und Christoph waren bereit und wir gingen los. Bereits die ersten Meter waren schwierig, da die Steine angefroren und glatt waren, zudem immer mehr Schnee. Daß diese Verhältnisse 1000m höher nicht einfacher werden würden war klar, und so besprachen wir uns nach ca. 200 Metern Aufstieg und entschieden uns für’s Umkehren. Ein leider kläglicher Versuch, aber aufgrund der Verhältnisse wohl auch vernünftig. Zurück an den Zelten waren diese bereits um die 5cm eingeschneit und wir klopften sie ab, bevor wir uns wieder schlafen legten.
Als wir um halb 8 Uhr aufstanden war alles richtig weiß und die Sonne schien. Der Himmel war blau, was auf irre tolle Sicht auf dem Gipfel schließen ließ, aber der Drops war gelutscht – leider. So stand der Tag zur freien Verfügung und ich lief mit Birgit, Irmela, Stephanie und Volker los in Richtung Fluß und auf einen Hügel. 5000m sollten wir heute erreichen und im Anschluß gingen wir im Fluß baden. Das Weiß war auf dieser Höhe sehr schnell wieder verschwunden gewesen und die Sonne kannte kein Erbarmen. Das Gebirgswasser war sehr angenehm.









Später wurde beim Lager ein Schaf geschlachtet, wo wir zusehen durften. Es gab nun die nächsten Tage immer wieder zartes Lammfleisch auf der Speisekarte. Der Abend wurde nicht lang.





09.08.2023
Ich wachte mit Halsschmerzen auf um 5.30 Uhr. Das Zelt war außen wieder angefroren und die Sonne schien bereits wieder kurz darauf. Es war heute nur recht windig wieder und ich fror den ganzen Tag. Heute sollte es nur bergab gehen, dafür aber wieder 17km weit. Christoph ging es immer schlechter, was sich bald als Höhenkrankheit herauskristallisieren sollte, und ich bekam Gliederschmerzen, so daß ich mich nach dem Zeltaufbau sofort hinlegte und einschlief. Ich bekam Temperatur, trank noch einiges an Tee, aß eine Suppe und schlief weiter.








Währenddessen besprachen die anderen, wie sie mit Christoph weitermachen sollten und fragten sogar einen Hubschrauber an, um ihn eventuell am nächsten Tag runterfliegen zu können. Die Aufregung war hierdurch schon groß.
Zum ersten Mal während unserer Tour waren wir in diesem Camp nicht alleine. Drei britische Bergsteiger mit Team waren auch hier zum Übernachten. Sie hatten wohl vor, in der nächsten Zeit ein paar noch unbegangene 7000er in der Region zu besteigen.
10.08.2023
Nachdem ich nachts mehrfach auf’s Klo mußte, weil ich so viel getrunken hatte, ging es mir morgens soweit wieder gut. Nur der Hals war noch dick und tat weh. Christoph ging es besser und nachdem ein Hubschrauber wohl 23000 Dollar gekostet hätte, entschieden wir, daß er mit Sonja, Nasia und zwei der Eseltreiber sowie einem Koch absteigen sollte. Wie die anderen weitermachen würden, wurde in den Raum gestellt. Es gab noch die angedachte Möglichkeit über den Shpodeen Paß zu gehen, aber auch hier gab es wieder Diskussionen aufgrund der Machbarkeit und verschiedene Meinungen. Ergebnis war letztlich, daß der Paß angegangen werden sollte. Nun mußte jeder entscheiden. Ich war unsicher aufgrund meinem Zustand vom Tag vorher, entschied mich jedoch dafür. Nur Birgit sprang noch ab und wollte mit Christoph und Sonja auf dem direkten Weg ins Tal zurück gehen.
Didar, der zweite Bergführer, sollte mit uns gehen und so liefen wir los. Es ging knapp 800 Meter hoch und 450 runter auf gut 11km. Es war wieder gut warm und nur mein Hals quälte mich weiter. Dennoch war der Tag wunderschön und die Landschaft wieder bezaubernd. Hatten das nächste Lager an einem Fluß auf 4300m. Die anderen gingen baden, aber das traute ich mich nicht. So wusch ich mich im Zelt, mich und auch ein bißchen Wäsche wieder.
Später kam noch eine kleine Herde Yaks vorbei, die teilweise wohl zufällig ein paar Leuten unseres Teams gehörten. Wir durften uns sogar auf eins der Tiere draufsetzen und ihnen wurden die Hörner poliert. Die Leute sind irre stolz auf sie.











Beim Abendessen gab es wieder Meinungsverschiedenheiten wegen dem Übergang über den Paß, aber Didar stand souverän darüber und machte seine Ansagen wirklich gut. Die Stimmung war ein bißchen am Kippen, aber nun mußten wir am nächsten Tag da drüber.
11.08.2023
Um 5 Uhr klingelte der Wecker. Aufstehen, packen, Frühstück, los um 6.30 Uhr. Ca. 1000Hm hoch und runter auf 10km lagen vor uns, dabei sollten wir über den 5346m hohen Paß kommen, von dem der Abstieg recht umstritten schien. Johanna ging es noch immer nicht gut. Zumindest gab es früh eine kleine Beilegung der Meinungsverschiedenheiten vom letzten Tag. Mein Hals war noch immer nicht gut, ansonsten aber alles bestens.
Erst ging es weit ins Tal rein, dann ein Flußbett hoch, auch über kleine Schneefelder. Unsere Mittagspause bereits um 10 Uhr an dem Platz, an dem noch ein Lager ursprünglich vorgesehen war, aber hier wäre es wohl sehr schwierig geworden, mit so vielen Leuten Platz zu finden. Nichtmal zum Essen konnten wir alle gemeinsam sitzen. Im Anschluß ging es noch 400 Meter steil nach oben zum Paß. Überwältigt kam ich oben an mit Blick ins Tal, in das wir nun absteigen sollten. Zunächst aber wurden Fotos gemacht und die anderen tanzten und sangen.











Sehr steil ging es runter für uns und auch für die Esel mit unserem Gepäck. Waren 10-12h Gehzeit angesagt, so waren wir nach ca. 8h am nächsten Lagerplatz angelangt, die Zelte wurden aufgebaut und es begann wieder zu regnen.




Es gab Kaffee, wir quatschten und aßen zu Abend, bevor wir früh schlafen gingen.
12.08.2023
Hätten wir heute gleich ganz ins Tal absteigen können bei schlechtem Wetter, so konnten wir beim Frühstück festlegen, noch einen Tag zu verlängern mit Zwischencamp auf 4000m. Die Sonne schien gleich früh wieder und so frühstückten wir sogar ohne Zelt im Freien, bevor wir gemütlich um 10 Uhr losliefen durch ein neues wundervolles Flußbett. Schon Mittags am Camp hatten wir reichlich Zeit, uns um die Umschläge für die Trinkgelder zu kümmern und die Seele noch ein bißchen baumeln zu lassen.







Nach dem Abendessen gaben wir die Trinkgelder für die Köche und die zwei Guides aus. Die Nacht war wieder herrlich sternenklar und ich konnte ein letztes Mal Sterne fotografieren.


13.08.2023
Heute ging’s zurück nach Shimshal, nochmal knapp 1000hm runter über sehr steiles Gelände. Nach dem Frühstück überreichten wir noch das Trinkgeld für die Eseltreiber.
Zurück in Shimshal an der bekannten Unterkunft gab’s noch ein Gruppenfoto, bevor sich unser Team verabschiedete. Wir duschten, was quasi nur unter der kalten Fußbrause möglich war, wuschen Klamotten, sortierten, packten und saßen dann beim Kaffee zusammen im Schatten, lasen aus dem Reiseführer vor und spielten ein Kartenspiel. Vor dem Abendessen ein kleiner Spaziergang und recht früh schlafen, bzw. noch lesen im Zimmer.







14.08.2023
Nach dem Frühstück waren die Jeeps gepackt und los ging’s um 9.30 Uhr über die Schotterpisten wieder hinunter nach Passu. Vorher bekam auch noch Nasia als Letzter sein Trinkgeld, der hier auf uns gewartet hatte, nachdem wir Sonja, Christoph und Birgit erst in Karimabad wieder treffen sollten.
Auf dem Weg steckte plötzlich ein Kleinlaster in einer Flußüberquerung fest. Wir waren zum Halten und Helfen gezwungen und nach knapp einer Stunde hatten sie ihn wieder rausgezogen. Der hatte sich da richtig tief reinmanövriert und im Anschluß lief auch der Motor nicht mehr. Wir sollten alle durchkommen und die Fahrt war abenteuerlich wie auch die Hinfahrt hier schon gewesen war.







In Passu gab es Mittagessen und im Anschluß Aprikosenkuchen, bevor wir mit einem kleinen Bus weiter nach Karimabad fuhren, wo die anderen drei auf uns warteten. Hoch hinauf ging es hier zum Hotel, das toll gelegen war unter dem Lady Finger, einem 6000er. Wir tranken noch Cappuccino, liefen etwas durch den Ort, aßen zu Abend im Hotel und gingen erst um halb 11 ins Bett.



15.08.2023
Halb 7 Wäsche waschen, 8 Frühstück, 9.30 Abfahrt geplant, aber der Bus sprang nicht mehr an. Warten auf ein anderes Fahrzeug während der Fahrer den Bus zerlegte, um dann mit uns nach unten zu fahren, wohl um eine Werkstatt zu finden. Wir liefen durch die Altstadt von Karimabad zum Baltit Fort, einem Herrenhaus, um das zu besichtigen und hier eine Führung zu bekommen. Dann Einkaufsstraße, Kashmirschals, Löffel, Trockenfrüchte etc. Wir gingen einen Lassi trinken, ein Joghurtgetränk, ich einen Walnußshake. Als nächstes ging ich mit Sonja noch etwas shoppen und besorgte Holzlöffel als Mitbringsel, später noch getrocknete Aprikosen.











Um 15 Uhr waren wir zurück im Hotel und saßen im Garten mit Blick auf den Rakaposhi. Ich las. Zum Sonnenuntergang gingen wir hinauf auf einen Hügel hinter dem Hotel. Hier waren viele Einheimische, um Selfises und Fotos zu machen. Wir aßen zu Abend auf einer Dachterrasse, wieder viel zu viel Essen, und im Anschluß saßen wir noch auf unserer Bergterrasse und erzählten.
16.08.2023
Heute ging es nach dem Frühstück nach unten per Bus und zu Fuß zum Altit Fort, der Winterresidenz des Königs, der im Sommer im Baltit Fort auf dem Berg gewesen sein soll. Danach aßen wir zu Mittag irgendwelche gefüllte Teigtaschen und tranken wieder einen Lassi oder Milchshake. Ab heute waren wir in einem anderen Hotel untergebracht, das direkt in dieser Altstadt lag. So ging ich nachmittags mit Volker und Peter shoppen bzw. die Läden angucken. Getrocknete Maulbeeren waren das Ziel. Danach saßen wir einfach auf dem Balkon des Hotelzimmers und genossen die Berge um uns rum. Wir hatten noch Aprikosen und Pflaumen, die wir irgendwo geerntet hatten.






Zum Abendessen waren wir in einem Lokal, in dem die Frauen in der Küche standen, es wurde wieder viel zu viel aufgetischt. Alle gingen im Anschluß einen Lassi trinken, aber Volker und ich konnten nichts mehr zu sich nehmen, so liefen wir ein ganzes Stück die Straße entlang, um zu beobachten, was hier alles an der „Tagesordnung“ stand.
Im Hotel saßen wir nochmal zu mehreren auf dem Balkon und schlossen den Abend ab.
17.08.2023
Es ging nun weiter nach Ganish, einem sehr alten Stadtteil, in dem wir nochmal eine Führung hatten, dann nach Gilgit, wo morgen unser Flug nach Islamabad zurück gehen sollte. Der Tag war relativ unspektakulär, nur daß unser Bus wieder nicht ansprang, als wir irgendeinen Steinbuddha besuchen wollten. Eine Stunde Wartezeit auf ein anderes Fahrzeug.



Saskia und ich hatten das schon aus dem Zimmer gehört und vermutet, als es draußen orgelte.
Der Buddha war uninterresant, ebenso das Abendessen, Barbecue und mal wieder: viel zu viel, wenn auch gut.
18.08.2023
6 Uhr Abfahrt zum Flughafen mit einem Fahrzeug, das ging. Dort verspätet Abflug nach Islamabad und Transfer nach Rawalpindi ins Hotel, das wir schon anfangs zum Toilettengang besucht hatten. Diesmal war Volksfest gegenüber. Wir fuhren zu einem Museum über die Geschichte Pakistans und zu einem Monument und aßen danach in einem Straßenlokal frittiertes Genäsch – es war schon gut, aber einfach langsam viel zu viel Fett überall.
Als nächstes fuhren wir zu einem Ort, an dem LKWs aufbereitet und verziert wurden – das war schon wirklich interessant. Sie verkünsteln sich total im Schmücken ihrer Fahrzeuge, und sie sind auch stolz auf alles, was sie hier machen. Zum Abschluß des Tage lief ich mit Volker und Peter noch durch die Straßen von Rawalpindi. Wir kauften uns eine Tüte Pfirsiche und verspeisten diese dann auf dem Rummel gegenüber des Hotels. Zwei riesen Schiffschaukeln wurden mit Dieselmotoren betrieben, was einen Höllenlärm verursachte. Wie überall hier, wo wir uns etwas aufhielten, wurden wir von Einheimischen angeschaut, hauptsächlich von den Kindern. Auch hier hatten wir bald wieder eine Menschentraube um uns, so daß wir uns bald wieder auf den „Heimweg“ machten.












Zum Abendessen ging es diesmal sehr unromantisch in ein mit Neonlicht beleuchtetes Lokal, in dem es viel Hähnchen und Reis gab. Als Absacker dann noch einen Chai in einem weiteren Straßencafé. Hier gab es noch ein paar Diskussionen bezüglich dem Programm am nächsten, unserem letzten Tag.
19.08.2023
Vormittag war frei für uns. Johanna, Ernst, Volker, Peter und ich trafen uns um 7 zum Frühstück und liefen danach durch die erst langsam zum Leben erwachten Straßen in Richtung Bahnhof. Wir wollten einfach mal auch so einen Ort besucht haben. Allerdings war auch hier noch nicht viel los. Immerhin war es sehr interessant, alles zu sehen und ein paar Gespräche mit Einheimischen zu führen, die auf der Straße unterwegs waren.


















Als nächstes ging es für uns dann in Richtung eines westlichen Hotels, wo es angeblich Bier geben sollte, was hier sonst streng verboten und nirgends anzutreffen war. Irgendwie liefen wir erst in die falsche Richtung und als wir es bemerkten war es u.a. auch schon wieder glutheiß, so daß wir uns für eine Rikscha entschieden. Zu 6. fuhren wir nun zu diesem Hotel. Es ging durch zwei Sicherheitskontrollen und dann mußten wir unsere Handys abgeben, was uns ein wenig ein ungutes Gefühl bereitete. Dann in einen Garten und dort hinter einer Mauer – da stand einer an einem schwer vergitterten Fenster mit kleinem Ausschnitt.

Hier nun gab es also Bier der Brauerei Murree in Dosen. Drei verschiedene Sorten wurden uns gezeigt, je 0,5l. Eine Dose kostete umgerechnet ca. 2,70 Euro. So deckten wir uns etwas ein, bekamen alles in eine blickdichte Tüte gepackt und sollten nun schnell wieder gehen. Das hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt, aber ok. Wir bekamen unsere Handys unversehrt zurück und ließen uns dann von einer weiteren Rikscha zum Hotel fahren, wo wir wie die Schulbuben heimlich im Zimmer unser Bier tranken. Es war gegen unsere Erwartungen sehr gut trinkbar.






14 Uhr trafen wir uns wieder mit den anderen und fuhren zusammen nach Islamabad rüber, um dort ein letztes Mittagessen auf der Straße zu bekommen und noch einen Walnußshake oder einen Lassi, wer wollte.
Der zweite Programmpunkt des Nachmittags war sehr ernüchternd. Wir wurden zu einem riesengroßen Einkaufszentrum gebracht, in dem wir 2h Zeit bekamen. Johanna, Ernst, Volker, Peter und ich ergriffen sofort die Flucht aus diesem Gebäude, aber außernrum gab es rein überhaupt nichts, so daß wir diese Zeit leider komplett totschlagen mußten, bevor es nochmal zum Abendessen ging, in das Lokal, in dem wir bereits am allerersten Tag zu Mittag gegessen hatten. Dann mit dem Bus zurück nach Rawalpindi und noch einen Chai trinken. Birgit war nun schon nicht mehr dabei, da sie um 10 Uhr zum Flughafen gebracht werden sollte. Ich war die Nächste um 1 Uhr, und so lohnte sich für mich das Schlafen nicht mehr. Wach lag ich bis dahin im Bett und lauschte der Party gegenüber.
Im Anschluß ging alles sehr schnell und die Flüge waren pünktlich. Ich freute mich sehr auf zu Hause und hatte doch den Kopf voller Gedanken und Erlebnissen aus einer wirklich ganz sagenhaften Welt.

Dein Blog war toll zum lesen und somit habe ich auch einen sehr schönen Einblick eurer Pakistan Tour bekommen. Lg Regine
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Hallo Susann,
Ein toller, sehr spannender Bericht. So war ich in Gedanken dabei.lg Jutta
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