War denn da die Watzmannüberschreitung geplant und angedacht?? So starte ich doch erstmal mit dem Hochkalter vis-à-vis des Watzmann. Was nun schwerer oder leichter ist, ist wohl umstritten, vermutlich ist der Hochkalter nur einfach von der Blaueishütte aus nicht ganz so lang wie die Watzmanüberschreitung vom Watzmannhaus bis zur Wimbachbrücke.
Egal, das Wochenende stand bevor und erst Freitag früh entdeckten wir zufällig, daß auf der Blaueishütte noch Lagerplätze für Samstag frei waren. Damit stand eigentlich schon die ganze Planung. Fast jedenfalls. Die Runterfahrt, der Aufstieg zur Hütte und die Schärtenspitze waren für Tag 1 angedacht, Hochkalterüberschreitung dann am Sonntag, und so ging’s los.
09.09.2023
Um 4.15 Uhr Start zu Hause und 4h später loslaufen am Hintersee in Berchtesgaden zur Blaueishütte. Ist das Ganze unten mit drei Stunden angeschrieben, so verkürzte sich der Aufstieg für uns schonmal auf zwei, ohne dabei zu hetzen.



Wir genossen kurz die Sonne neben der Hütte und ließen unser Gepäck, das wir nicht benötigten, da. Nur leichter Wanderrucksack mit ausreichend Wasser sollte mitkommen, da es ordentlich warm werden sollte. So gingen wir hoch zur Schärtenspitze mit ein paar kleinen Kraxeleien und dann noch über den Steinberg, da wir uns den spontan auch noch locker zutrauten.











Das Schwierigste an diesem Tag war wohl der Abstieg von dort, der sehr zugewuchert war und auch steil, scheinbar sehr wenig begangen. An der Hütte hatten wir trotzdem knapp 1600m im Aufstieg und 760 Abstieg auf der Uhr, was reichte, uns aber beiden vollkommen getaugt hatte.




Wir bekamen unser Lager im Nebenhaus, was nicht voll ausgebucht war und verbrachten einen gemütlichen Hüttenabend mit Karte studieren und netten Gesprächen.
10.09.2023
Um 6.30 Uhr frühstückten wir, machten uns bergfertig und starteten gegen 7.15 Uhr. Diesmal komplettes Gepäck inklusive ausreichend Wasser. Zunächst führte der Weg den selben Pfad wie am Tag vorher nach oben, bevor wir nach rechts abzweigten in eine Schuttrinne hinein, die sich steil nach oben zog. Oben angekommen beginnt 1er bis 2er Plattenwerk gut markiert nach oben durch ein paar Latschen durch und schon waren wir am Schönen Fleck.



Immer wieder leichte Klettereien folgten zwischen dem Gehgelände und unmarkiert nahmen wir dann auch noch den Rotpalfen (2367m) mit, bevor es weiter über Kleinkalter (2513m) hinauf zum Gipfel des Hochkalter (2608m) ging.
Dort oben war leider die Hölle los, aber bei diesem tollen Wetter sicher nicht ungewöhnlich für diesen wunderschönen Fleck Erde, von dem man beeindruckende Blicke in alle Richtungen hat. Immer wieder sah man auch auf den Blaueisgletscher, der wahnsinnig steil unter der Blaueisspitze liegt. Was ein Traumtag! Hatte ich anfangs mir alles so recht und schlecht zugetraut, so war nun die Erkenntnis, daß ich technisch keinerlei Schwierigkeiten gehabt hatte und jederzeit eine solche Tour würde wiederholen können.










Körperlich allerdings war ich bereits ab dem Kleinkalter etwas wackelig auf den Beinen. Vielleicht war die Tour am Tag vorher und jetzt schon wieder das hier doch zu viel gewesen. Aber es gab kein zurück und nach ca. einer halben Stunde am Gipfel machten wir uns auf den Runterweg. 1800hm bergab lagen vor uns, was nicht wenig ist. Zunächst ging es irre steil nach unten, kleine Stellen zum abklettern, aber auch ganz viel steile grieseliche Stellen, an denen man leicht ins Rutschen kommen konnte. Da meine Beine zitterten ging ich sehr vorsichtig und fühlte mich, als wäre ich zum ersten Mal in so einem Gelände unterwegs. Ich nervte mich teilweise selbst mit meiner umständlichen Kletterei und dem furchtbaren Gang. Irgendwann, wenn auch langsam, gelangten wir zur Ofenscharte, von wo aus ein langer Geröllabstieg weiter nach unten führte. Hier ging es etwas besser und ich konnte zumindest ein bißchen abschottern. 800m nach unten waren geschafft, als auch das Geröll zuende war.



Hier machten wir nochmal Pause bei einem Müsliriegel und nun im Schatten, nachdem uns von früh an die Sonne auf den Pelz gebrannt hatte. Noch immer lagen 1000m abwärts vor uns und ich hatte etwas Bammel. Fast alle anderen hatten uns überholt und waren unter uns verschwunden. Dennoch ab hier ging es dann besser und meine Beine wurden zum Glück wieder stabil, so daß wir zügig nach unten laufen konnten. In Summe waren es am Ende 800m hoch und 1833m nach unten bei 14km, was hierfür auch noch eine ganz beachtliche Strecke ist.
Happy unten angekommen tranken wir noch ein Bier in einem Biergarten bevor wir die letzten Meter zum Parkplatz marschierten und heimfuhren. Was ein geiler Scheiß war das an diesem Wochenende gewesen!!
