Mitte Oktober entstand eine Idee, wie ich Weihnachten verbringen könnte. Eins gab das Andere und so kam es dazu, daß wir uns zu viert fanden, um eine 10-tägige Wanderreise nach Teneriffa zu planen. In einem Teamsmeeting und einem realen Treffen war dann recht schnell alles organisiert: 10 Tage Appartment und Mietauto auf Teneriffa gebucht sowie auch der Flug ab Nürnberg. Nicole, Max, Reiner und ich. Ich plante ausreichend Wandermöglichkeiten verteilt über die ganze Insel inklusive Teide-Besteigung, dem mit Abstand höchsten Berg von Spanien mit 3718m.
Im Vorfeld hatte ich bereits Gran Canaria, Fuerteventura, La Gomera und La Palma bereist und teilweise bewandert, wobei die anderen 3 noch nicht viel von den Kanaren gesehen hatten. So hatte ich die Wahl für Teneriffa getroffen, da mir die Insel bis auf einen Zwischenstopp auf dem Weg nach La Gomera bislang unbekannt geblieben war. Was wir letztlich hier entdecken sollten war mehr als spannend und abwechslungsreich. Ich denke, im Nachhinein übertraf dieser Urlaub unser aller Erwartungen um ein Vielfaches.
19.12.2023
Da wir uns für den frühen Flug entschieden hatten, sollte die Nacht recht kurz werden. Um 1.20 Uhr holte Nicole mich ab, um 2 Uhr trafen wir bei Bamberg auf Max und Reiner und machten uns auf den Weg nach Nürnberg zum Flughafen. Es klappte alles reibungslos und um die Mittagszeit landeten wir am Flughafen Teneriffa Süd, holten dort unser Auto ab und fuhren zur recht nahegelegenen Unterkunft im Süd-Westen der Insel quasi direkt am Meer. Dort empfingen wir die Schlüssel zum Appartment und alle nötigen Informationen. Wir genossen ein Ankommensbier und richteten uns ein bevor wir ein bißchen die Örtlichkeiten ausfindig machten, den nächsten Tag besprachen und abends zum Essen in eine Pizzeria gingen. Wahnsinnig lang wurde der Abend nicht, da wir doch etwas müde waren.






20.12.2023
Die heutige Wanderung sollte zwar einigermaßen hoch hinausgehen aber dennoch ein Einlaufen sein. Wir frühstückten gemeinsam, packten etwas Brotzeit und zu trinken ein und fuhren dann eine dreiviertel Stunde in Richtung Zentrum der Insel, von wo aus wir erstmal eine Touri-Wanderung machten um den Roques de Garcia herum, um uns dann noch dem Guajara anzunehmen mit 2715m. In Summe ca. 15km bei knapp 900hm Auf- und Abstieg in herrlichstem Sonnenschein. Der Blick auf den Teide ist hier beinahe andauernd gegeben und es ging gleich richtig toll los, was Wege und Eindrücke anging. Das Abschlußbierchen auf einer Besucherterrasse im Canada Blanca ließen wir uns nicht nehmen bevor es zurück zur Unterkunft ging. Die ersten tollen Eindrücke hatten wir inne.











Die Abende gestalteten sich meist recht ähnlich jeden Tag, weshalb ich sie nicht jedesmal ausführen werde: einkaufen, was benötigt werden würde, heimkommen, duschen, kramen, den nächsten Tag besprechen, Wecker stellen, essen und ab und an mal ein Kartenspielchen zum Abschluß – immer schön!
21.12.2023
Der zweite Tag führte uns ganz in den Nord-Osten von Teneriffa, wo wir auf der 1,5h langen Fahrt alles bishin zum Starkregen durchleben durften. Das Wetter war zunächst mäßig, was uns auch noch im Auto sitzen bleiben ließ bevor wir losgingen. Dann aber durchwegs trocken. Wir fanden hier eine komplett andere Landschaft vor als am ersten Tag und gingen einen tollen Wanderweg, der laut den Schildern von der einen Seite aus eigentlich gesperrt war, aus welchem Grund auch immer. Wir konnten den Grund nicht finden und liefen einen einsamen Bergpfad entlang der Steilküste – wunder- wunderschön! Später hoch ansteigend auf über 600m durch Wälder und über spannende Pfade. Über 15km und knapp 1200 Höhenmeter bewältigten wir bevor wir in Benijo in einer kleinen untouristischen Kneipe einkehren gingen. Lustiges Ambiente hier mit Einheimischen und leckerem Essen. Wir kamen erst im Dunkeln zurück zur Unterkunft nach einem anstrengenden Tag, der dennoch wunderschön war.









22.12.2023
Heute ging’s dann in den Nord-Westen der Insel, dennoch mehr am Berg als an der Küste – Vulkangestein, Chinyero-Umrundung, lange Tour mit gut 20km und knapp 800hm. Das Wetter anfangs sehr bewölkt mit wenig Sicht löste sich gegen Nachmittag auf, so daß wunderschöne Fotos entstanden. Unterwegs aßen wir Feigen frisch vom Kaktus und Mandeln frisch vom Baum, im Blickfeld immer wieder der Teide und natürlich der Vulkan Chinyero. Bizarre Landschaften weit und breit. Nach ca. halber Strecke, auf der wir richtig getrödelt hatten, drückte ich etwas auf’s Tempo, als wir auch noch einen Umweg laufen mußten. Dennoch hat alles tadellos funktioniert und wieder war die Tour eine völlig andere als die Vorherigen. Die Vielfalt der Insel wurde uns so langsam richtig vor Augen geführt – einfach irr!









23.12.2023
Legten Max und ich die Teide-Besteigung gestern auf den 25. fest, so nahm ich mich an diesem Tag spontan raus aus der Gruppe und blieb in der Unterkunft. Ich wusch unsere Wäsche und machte etwas sauber während die anderen drei bei nicht ganz so tollem Wetter eine Wanderung im Nord-Westen näher an der Küste machten. Gegen elf Uhr startete ich aber auch, um ein Stück an der Küste entlang zu gehen, entspannt im Meer zu baden und dann nach ca. 5km einen Sangria zu genießen. Tat mir auch einfach gut, mal allein zu sein. War dann noch auf unserem Balkon und habe gelesen und entspannt bis die anderen durchnäßt zurückkamen. Hier hatte es keinen Niederschlag gegeben.








24.12.2023
In Anbetracht unseres Vorhabens am nächsten Tag stand heute nur eine etwas kleinere Tour auf dem Programm. Wir starteten am Vilaflor zu ca. 15km und 850hm, um dort den Heilig Abend zu wandern. Pinienwälder und bizarre Felsen ragten immer wieder vor uns auf. Wir genossen das wieder stabilere Wetter und die neuen Eindrücke von Tag zu Tag. Was gibt es hier nur alles zu entdecken..









25.12.2023
Waren wir bislang immer gemeinsam schlafen gegangen, so hatten wir unsere Routine diesmal geändert. 9 Uhr war Bettzeit für Max und mich gestern gewesen, da wir heute den Teide angehen wollten und dieses Unterfangen auch in die Tat umsetzen sollten. Nicole und Reiner konnten ausschlafen während wir beide nach einer Tasse Kaffee um halb 3 losfuhren. Auf um die 2000m Höhe glitzerte die Straße – es war eisig kalt. Wir fuhren zu dem Parkplatz, an dem wir am ersten Tag schon gestartet waren, und packten uns ein. 1600hm Aufstieg lagen vor uns, wozu wir die ersten 4h mit Stirnlampe im Dunkeln laufen sollten bei 7-8 Grad Minus. Die Wegfindung ging insgesamt gut, auch wenn man sich schon umstellen muß. Ist einfach alles anders als tagsüber. Teilweise waren die Steine vereist rutschig. Ich war nicht sicher, ob ich das schaffen würde. Dankbar meinem tollen Wegbegleiter, der die Übersicht mit im Blick hatte und mich zu keiner Zeit gedrängt hat. Langsam wurde es dann auch heller und das Ziel kam in Reichweite. Krasse Momente, wenn auf dieser Höhe die Sonne langsam aufgeht und man gleich auch die Wärme der zarten Strahlen spüren kann. Nach ca. 5h waren wir an der Seilbahnstation oben und machten dort die erste richtige Pause von 10 Minuten nach dem Einstieg in den Gipfelanstieg. Meine eine Flasche mit Tee war einigermaßen gefroren, so daß ich daraus nicht trinken konnte – die Flasche im Rucksack war kalt aber gut trinkbar. Einige Leute kamen uns entgegen, die wohl biwakiert oder schon eher losgegangen waren von der anderen Seite, und nach weiteren 20 Minuten waren wir allein am Gipfel. Auch hier war es kalt, aber neben den Löchern, aus denen der Schwefel aufstieg gab es richtig warme Luft, die stank. Auch wenn ich schon viele Gipfel bestiegen habe, war dies doch wieder ein ganz besonderer Moment – bin unglaublich dankbar, sowas erleben zu dürfen. Wir tranken zu zweit nur eins der Gipfelbiere. Eine kleine Belohnung mußte einfach sein. Dann ging’s schnell wieder bergab. Erst an der Selbstversorgerhütte Refugio de Altavista auf 2360m machten wir richtig Pause um was zu essen und die warme Kleidung abzulegen. Zügig liefen wir den Berg hinunter und waren dann um dreiviertel 1 am Bus auf 2300m ca., der uns zurück zum Auto brachte. Es war schon unglaublich, dieser Tag bei 19km, 1627hm hoch und 1417 runter.














Abends trafen wir uns alle wieder, aber Max und ich gingen doch bald schlafen nach diesem anstrengenden Tag.
26.12.2023
Nach einem heftigen Tag zu ruhen stand nicht auf der Liste, von daher ging’s am nächsten Tag gleich weiter. Tunnelwanderung im Nord-Westen von Teneriffa stand an. Daß es so hart werden würde hatte ich nicht auf dem Schirm, aber vorweg – es hat funktioniert, auch wenn wir einen Teil auslassen mußten.
Der erste Tunnel war gleich mal gesperrt, so änderten wir den Plan und liefen durch den Nächsten, durch den wir am Ende auch wieder runter mußten. Ellenlang Tunnel, bei dem selbst Nicole und ich teilweise den Kopf einziehn mußten. Wir kamen in einer anderen Welt raus nach bestimmt 2km Tunnel. Ein Weg entlang einer Wasserleitung, ausgesetzt, schwierig, dann durch den nächsten Tunnel hinein in eine verlassene Schlucht, durch die die Wegfindung doch nicht ganz einfach war. Abenteuer pur, das wir alle zusammen hinbekommen haben, hinunter zum Meer. Eine Bucht, die wohl nicht viele erwandert haben. Es waren viele dicht bewachsene Pfade und Kletterstellen zu überwinden, durch die wir alle zusammen halfen und schwer zu gucken hatten, wo wir durchkommen könnten. Letztlich fanden wir den Weg. Wir liefen hinunter, machten am Meer Pause und dann ging’s wieder hoch – wieder suchend nach Pfaden. Langer heftiger Tag mit knapp 18km und 900hm – Ihr habt das alle super mitgemacht!!









27.12.2023
Der letzte Wandertag stand an, den allerdings nur Max und ich nochmal nutzten, während die anderen beiden Küste und Meer genossen. Es ging mit dem Auto gen Norden nach Aguamansa auf ca. 1200m hoch, von wo aus wir nochmal die 2000er Marke knacken sollten, um den Montana de Limón zu besteigen, ca. 900 hoch und wieder runter auf 13km. Der Weg wieder toll durch hauptsächlich Pinienwälder oft mit Blick zum Meer. Leider war hier sehr viel Wald richtig komplett verbrannt. Einige Ecken sehen nicht danach aus, wie wenn sich wenigstens die starken Bäume wieder erholen würden – das waren schon sehr skurrile Formen und Farben auch – das verkohlte Schwarz gegen die rote oder braune Erde, gegen den dunkelblauen Himmel und gegen das zarte Moos, das sich teilweise am Boden gebildet hatte. Wir standen hier oben nochmal vis-à-vis zum Teide und verabschiedeten uns langsam von dieser tollen Insel.









Zum Abschluß fuhren wir noch nach Los Gigantes, um dort ein Bier am Hafen mit Blick auf die irren Klippen zu trinken, und dann zurück zur Unterkunft. Wir gingen ein letztes Mal zum Essen und genossen das letzte Bier auf unserem Balkon.
28.12.2023
Es wurde nochmal gemeinsam gefrühstückt und dann alles flugtauglich wieder zusammengepackt, so daß wir gegen 10 Uhr die Unterkunft räumen konnten. Da noch etwas Zeit war, fuhren wir noch zu einem Strand, an dem wir unsere letzten Bierreserven leerten und ein letztes Mal die Füße ins Wasser des Atlantik tauchten. Wieder ein ganz toller Sonnentag, an dem der Abschied schon schwer fiel.


Die Rückgabe des Autos und alles Weitere erfolgte problemlos, gegen 23 Uhr landeten wir in Nürnberg und kamen alle gut nach Hause.
Resümee der Reise sind tausend Bilder im Kopf, Bilder der unterschiedlichsten Naturen, wie es abwechslungsreicher auf so engem Raum wohl kaum sein kann. Die Kanaren werden wohl immer wieder Ziel für mich sein und auch die anderen waren mehr als angetan von dieser Vielfalt, die es hier zu erleben gibt.
Wieder und wieder bestätigt sich das ewig gültige Zitat von Goethe: „Nur wo Du zu Fuß warst, bist Du auch wirklich gewesen.“ Sehr viel noch gibt es hier zu entdecken!
