Wandern 3F Special – Karwendel 23.-26.08.2024

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Für unsere Fortgeschrittenentour 2024 hatte ich diesmal wieder das Karwendel veranschlagt wie bei unserer allerersten Bergtour in 2019. Es war nun in Summe Tour Nr. 65. Die Bettelwurfhütte und Pfeishütte standen auf dem Programm, evtl. Großer Bettelwurf, Kleine Stempeljochspitze, Pfeiser Spitze und Lattenspitze. Ich war gespannt, was alles machbar sein würde. Angemeldet hatten sich 2 Jungs und 2 Mädels, so daß wir uns zu fünft in ein Auto zwicken konnten und los ging’s.


23.08.2024

Wir starteten Freitag nach der Arbeit, um nach Volders bei Innsbruck zu fahren und kamen dort gegen 19 Uhr an. Schon hier war klar, daß die Gruppe einfach wieder super harmonierte und die Vorfreude war groß. Die Zimmer im Landgasthof wurden bezogen, bevor wir zu einem Biergarten schlenderten. Schon auf dem Weg dorthin konnte man die Bettelwurfhütte am Berg ausmachen, auf der ich schon zweimal gewesen war, und ich zeigte unser morgiges Gipfelziel, den Großen Bettelwurf. Auch diesen hatte ich schon bestiegen, was allerdings 7 Jahre her ist. Damals leider bei null Aussicht am Gipfel wegen Wolken. Wir aßen eine Kleinigkeit, tranken was zusammen und nahmen uns noch ein Gute-Nacht-Bier mit zur Unterkunft, was wir auf dem Balkon unseres Zimmers genossen, um dennoch frühzeitig schlafenzugehen.

24.08.2024

Frühstück um 6.30 Uhr, 7.15 Uhr Abfahrt zum Parkplatz in Hall. Die ehemalige Mautstraße war nun für den öffentlichen Verkehr gesperrt, so daß wir einen Bus bis zur 2. Ladhütte nahmen um 8 Uhr. Das ersparte uns ca. 300hm entlang der Straße. Hier also Start. Auch von hier aus war ich schon zur Bettelwurfhütte gegangen, was allerdings schon 13 Jahre zurückliegt – damals im Winter mit Übernachtung im Winterraum.
Der Weg führt von Beginn an steil nach oben ohne Gegenabstiege bis zur Hütte. Zunächst noch annehmbar, dann ein ganzes Stück ein steiles Schuttfeld hinauf bis zum Einstieg in lustige Kraxelstellen – langweilig also nichtmal der Aufstieg zur Hütte. Das Wetter war blendend und so entstanden schon hier tolle Gebirgsfotos. Wir hatten sehr viel Spaß und waren aufgrund etwas Schuhproblemen bei einer von uns Mittags rum auf der Hütte. Dort ergatterten wir erstmal einen Platz auf der Sonnenterrasse, ich checkte uns ein, und wir konnten auch gleich das Lager beziehen. Was ein herrlicher Bergtag!

Wir starteten dann um halb 2 mit leichtem Gepäck in Richtung des Großen Bettelwurfs zu viert, da Nicole auf der Hütte blieb. Die Aussicht ins Halltal hinein war gigantisch mit Blick auf die Herrenhäuser und St. Magdalena, sowie immer wieder auch unsere Hütte für die Nacht. Zunächst quert man lange am Hang immer leicht ansteigend bis es dann ans Eingemachte geht. Schon sehr bald steile Passagen am Fels, teils seilversichert. Wir kamen schnell voran und waren nach nichtmal 2h am Gipfel. Selbst Andy, unsere Bergziege, war begeistert von dieser tollen Kraxelei und Kletterei und Elke hangelte sich hoch, als hätte sie nie was anderes gemacht, auch wenn es für sie die erste Tour dieser Art war. Wir alle, auch Reiner, waren glücklich am Kreuz bei dieser wundervollen Bergsicht in alle Richtungen und genossen das ausführlich, bevor es wieder bergab ging, den selben Weg zurück, den wir hochgekommen waren. Auch dieser verlief problemlos für alle, auch wenn’s natürlich an einigen Kletterstellen schon langsam ging, wenn die Routine noch nicht so da ist. Wir ließen uns Zeit und hetzten nicht, war schließlich auch ein langer Tag gewesen. In Summe dann 1650hm hoch und 640hm runter – mein Respekt an alle von Euch schon jetzt!

Unten kurz frischmachen und dann einen Tisch in der übervollen Hütte sichern. Der Hüttenabend war lustig und unterhaltsam, aber dankbar für die Hüttenruhe um 10 war dann denk‘ auch jeder von uns.


25.08.2024

Um 6.30 Uhr Wecker, dann Gekrusche im Lager und Frühstück, anderer Ort, gleiche Zeremonie – das passiert bei mir mittlerweile schon alles noch im Halbschlaf, dann aber umschalten auf die Tour für den heutigen Tag, Wetter checken in erster Linie war angesagt. Regen war angemeldet, ab wann und wo genau stand etwas in den Sternen. Zur Pfeishütte rüber mußten wir auf jeden Fall, aber auch da können blöde Verhältnisse schnell ganz schön schwierig werden, auch wenn ich den Weg schon gegangen bin. Demnach Start um 8 Uhr pünktlich. So ging’s dann auch los bei wolkigen aber trockenen Verhältnissen und die Bilder demnach sehr schön und interessant. Ich legte nur kurze, notwendige Pausen ein, denn der Weg ist teilweise nicht ganz einfach und wir waren langsam unterwegs. Es zog immer mehr zu. Wir erreichten die Wegstrecke, die mir am meisten Kopfzerbrechen gemacht hatte, erst ziemlich spät und stärkten uns direkt vorher nochmal. Dann hinauf im sehr steilen Schutthang zum Stempeljoch. Vor dieser Passage hatten alle Respekt schon beim Anblick, und ich kannte das schon, daß es nicht einfach werden würde. Noch im Juli diesen Jahres hatte es hier einen Murenabgang gegeben, der alles gesperrt hat. Erst vor wenigen Tagen wurde das Teilstück wieder freigegeben, was ich mir im Voraus von der Pfeishütte bestätigen lassen habe. Wir gingen hoch, es war schon anstrengend, aber weniger schlimm als vorab gedacht, und erreichten das Stempeljoch, wo es plötzlich windig, kalt und naß war – von Sicht nicht mehr zu reden. Die Stempeljochspitze, die von hier aus noch machbar gewesen wäre, hätte bei diesem Wetter keinen Sinn ergeben. Wir diskutierten nicht groß, sondern zogen unsere Regenjacken an und liefen zur Pfeishütte hinunter, auf der wir am frühen Nachmittag ankamen.

Wir wurden hier nett empfangen und legten uns erstmal trocken – es war eigentlich kein Regen, sondern nur dicker Nebel oder Wolke gewesen, in dem wir abgestiegen waren. Mit der Hoffnung, daß es doch nochmal aufreißen könnte, überlegte ich kurz zwecks Nachmittagsprogramm, evtl. die Sonntagskarspitze, aber auch die blieb uns verwehrt. Es riß nicht mehr auf.
Wir hatten also noch relativ Glück, daß wir hier gut rübergekommen waren, aber mehr wäre danach kein Spaß mehr geworden. So verbrachten wir den Nachmittag und Abend auf der Hütte. Wir sprachen unter anderem auch den nächsten Tag durch und ich überlegte zwecks Alternativen. Es gab Fußprobleme, es gab mehrere Alternativen, es gab das Wetter, das unsicher sein sollte für den Montag dann – nicht ganz einfach.
Letztendliche Entscheidung sollte am Morgen dann getroffen werden.
Wir spielten Kniffel und ließen uns ’nen Hüttenwein schmecken, bevor wir im winzigen 12er Lager mit max. 60cm Deckenhöhe im Stockbett oben zu Bett krochen. Die Nacht war lau für mich – viele schliefen und schnarchten – Lager eben.


26.08.2024

Wieder 6.30 Uhr Wecker, wieder 7 Uhr Frühstück, wieder 8 Uhr los. wolken- und nebelverhangen, aber toll. Der Plan stand. Wir gehen zum Stempeljoch zurück, gucken nach dem Wetter oben und entscheiden dann, ob über den Grat oder nicht.

Wir entschieden uns für den Grat und das Wetter sollte halten. Kurz vor der Pfeiser Spitze setzten wir die Helme auf, denn hier ging’s ganz schön zackig bergauf und bergab. Klettersteigähnlich, 2er Kletterstellen hinauf und wieder runter, bei denen wir alle zusammenhalfen und zusammenhielten. Das ein oder andere bedenkliche Gesicht gab es, aber es war ein Erlebnis sondergleichen. Wir waren langsam unterwegs, da nicht alle in dem Terrain so geübt, aber ich hatte mich nicht getäuscht – schließlich kenn ich die Leute, mit denen ich unterwegs bin – es war für uns alle ein tolles Erlebnis, das wohl erst im Nachhinein so richtig verarbeitet werden kann. Wir kamen also über die Pfeiser Spitze und die Lattenspitze sauber rüber – unter uns einzigartige Wolkenbilder für’s Auge.

Schwierig ging’s dann auch nochmal bergab, was ich nicht ganz so schwierig erwartet hatte, auch wenn’s hier keine großen Gefahren mehr gab. Wir waren wieder sehr langsam unterwegs und hatschten so hinunter. Bei den Herrenhäusern im Winterraum gab’s ein Zipfer für 2€, das wir uns nicht nehmen lassen wollten, und dann runter an St. Magdalena vorbei und gar bis zum Auto. Die einen nahmen hier die Teerstraße bergab, die anderen den Fluchtsteig, der auch nochmal toll war. Regen erreichte uns keiner und zum Abschluß gab’s ein paar Runden im Kneippbecken am Parkplatz.

Über 400hm hoch und über 1500 runter bei mächtig Kletterei – Ihr seid echt der Wahnsinn!! Sind ohne Regen geblieben am letzten Tag und fuhren dann noch im Bräustüberl am Teegernsee vorbei, wo wir was aßen und tranken, um zuletzt gar die Autobahn zu drücken. Um 22 Uhr war ich schließlich daheim.

Ich kann’s nach wie vor nicht glauben, was aus dieser Gruppe geworden ist und wie’s immer wieder so toll ist, mich Euch unterwegs zu sein – wer auch immer dabei ist – DAAANKE erneut für diese tollen Tage!!!

Venedigerrundtour 10.-15.08.2024

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Gerade mal zwei Wochen im Voraus entstand die Idee zum gemeinsamen Bergurlaub in der Venedigergruppe. Geschaut, geplant, Hütten gebucht und los ging’s am Freitag Nachmittag direkt nach der Arbeit.
Das Wetter sollte relativ stabil bleiben, was für diesen Sommer sehr außergewöhnlich war.

09.08.2024
Unser heutiges Ziel war Jochberg bei Kitzbühel, um hier eine Nacht im Caddy zu verbringen auf einem kleinen Wanderparkplatz umgeben von Kühen. Die Fahrt lief gut und der für abends dort angekündigte Regen ließ auf sich warten… um dann doch nicht vorbeizukommen. So liefen wir im kleinen Abendspaziergang zu einem Biergarten, aßen und tranken etwas, und gingen relativ früh schlafen, um morgen fit zu sein.

10.08.2024
Früh dann aufstehen, Kaffee kochen, Rucksack fertig packen und gut einschmieren für einen sonnigen Bergtag. Während der gut einstündigen Fahrt duch den Tauerntunnel, Matrei nach Prägraten, Hinterbichl sprachen wir nochmal den heutigen Tag durch. 1200Hm Aufstieg zur Sajathütte in knapp 4h Gehzeit war ursprünglich geplant, aber das war ja eigentlich kein tagesfüllendes Ziel. So beschlossen wir, heute noch die Umbalfälle zu besichtigen. Wir bekamen einen kostenfreien Parkplatz in Hinterbichl und zogen hier die leichten Turnschuhe an, um dorthin zu laufen. In Summe sollten das tortzdem noch 10km zum Eingehen werden bei zusätzlichen 500hm. Im Touristrom schauten wir uns die tollen Wasserfälle an, die da ins Tal toben und machten noch Mittag auf der Islitzer Alm, bevor es zurück zum Auto ging, von wo aus wir direkt starteten.

In der Gluthitze des südseitigen sonnigen Hangs ging’s nun mit 5-Tage-Gepäck inkl. Klettersteigausrüstung für tolle Touren und 4 Berghütten steil bergauf. Der Körper mußte sich erstmal an alles gewöhnen, so ging’s recht langsam und mühsam bergauf. Dank der hier schon tollen Bergkulisse bei strahlend blauem Himmel blieben wir aber auch gerne mal stehen, um zu verschnaufen und alles in uns aufzunehmen. Obwohl mir alles heute schwerfiel und ich kurzzeitig unseren morgendlichen 10km Spaziergang verfluchte, waren wir nach gesamt 3h 50min. oben angekommen auf 2575m, schweißgebadet.

Die Sajathütte, das Schloß in den Bergen, wird nicht zu Unrecht so genannt. 1250hm rauf und nur 20hm runter auf 6,7km – ordentlich. Das kalte Wasser zum Abwaschen tat gut, wir bezogen unser Lager und saßen vor und nach dem Abendessen noch auf der Terrasse, um die Bergluft einzuatmen und ausführlich die Karte zu studieren für den nächsten Tag. Was eine tolle Bergwelt hier – ein wahnsinns Vorgeschmack auf das, was kommen würde!

11.08.2024
Wie es an allen folgenden Tagen der Fall sein sollte, klingelte um 6.30 Uhr der Wecker. Nach einer Kleinigkeit zum Frühstück und Kaffee starteten wir um 10 vor 8 mit gepacktem Rucksack und Spannung auf den Tag im Kopf in Richtung Kreuzspitze. Zunächst verlief der Weg nur mäßig ansteigend durch’s Sajatkar bis zu einem etwas steileren Schotterfeld, was alles noch im Schatten lag. Am Fuß des Felsens angekommen setzten wir einen Helm auf, da der Steig ab hier nun steil zackig am Seil nach oben führt. Von der restlichen Klettersteigausrüstung sahen wir ab, da das Gelände mit max. Schwierigkeit A/B angegeben ist. So langsam erreichten uns die jetzt schon wieder heißen Sonnenstrahlen.

Ca. ab dem Schernerskopf auf 3034m dann erstmals Blick auf den Großvenediger mit seiner atemberaubenden Gletscherumgebung. Was eine Landschaft. Steinig ging’s dann noch die letzten gut 100hm hinauf auf die Kreuzspitze (3155m) mit ihrem beachtlichen Gipfelkreuz. Etwa um halb 10 waren wir oben. Wir trafen hier auf einen einsamen Berggeher und unterhielten uns kurz. Das Panorama in alle Richtungen war unglaublich.

Nach ausgiebiger Pause vierlief unser Weg dann weiter über eine lange Gratkette bis hin zum Vorderen Sajatkopf auf 2915m. Ausgesetztes Gehen auf der Gratkante auf griffigem Stein, aber auch Kletterei über Blockwerk, ebenso ausgesetzt, ist hier gefordert, Konzentration in jeder Sekunde absolut notwendig.

Am Vorderen Sajatkopf rasteten wir nochmal, um danach steil 600hm in Richtung Prägraten abzusteigen. Hier wurden die Knie zum ersten Mal getestet, bevor es unschwer und ohne nennenswerte Höhenmeter mehr am Hang entlang zur Eisseehütte auf 2521m weiterging. 7,8km bei 850hm Auf- und 937hm Abstieg waren nach etwas über 7h hinter uns gebracht.

Wieder gut sonnen- und schweißgebadet machten wir uns frisch und wuschen etwas Wäsche. Die Hütte war gut voll, so daß bei uns im 8er Lager sogar noch ein Notbett mit drin lag. Der gemütliche Hüttenabend war nett und ab hier sollten wir auch immer wieder auf die gleichen Gesichter stoßen, die in gleicher Richtung wie wir am Venediger Höhenweg unterwegs waren. Viel los insgesamt, aber über den Tag verlief es sich schön, so daß man doch die Ruhe in den Bergen genießen konnte. Wem will man es auch verdenken, hier in dieser irrsinnigen Bergwelt unterwegs zu sein.

12.08.2024
Für heute war der Plan, zunächst alles bis auf leichtes Gepäck noch auf der Hütte zu lassen, um zur Seewandspitze und evtl. auf die Weißspitze zu gehen, bevor es über die Zopetscharte hinüber zur Johannishütte weiterging. So starteten wir diesmal bereits um 20 vor 8 gleich steil hinauf vorbei am Eissee und dann nochmal steil zur Seewandspitze auf 3024m, die wir um 9 Uhr schon erreicht hatten. Unvergeßliche Ausblicke auch hier wieder und unterwegs Edelweiß ohne Ende. Im Anschluß querten wir hinüber über haufenweise Blockwerk zum Fuß der Weißspitze, die wir zwar angingen, aber dann nach wenigen Höhenmetern abbrachen. Der Weg war zu lange und schwierig im Hinblick darauf, daß wir noch zur Johannishütte rüber mußten. Es war bereits kurz vor 10 Uhr. Also den gegenseitigen Hang steil hinunter, so daß wir den Eissee quasi umrundeten, und wieder zurück zur Hütte, die wir um halb 12 erreichten.

Hier packten wir alles wieder in den großen Rucksack um und machten kurz Mittag.
Beim Umpacken fiel Andy auf, daß er sein Brillenetui mit der richtigen Brille verloren haben mußte – entweder an der Seewandspitze oder am Fuß der Weißspitze, den beiden Punkten, an denen wir als einziges den Rucksack offen hatten. Große Aufregung.. Wir überlegten, was tun. Alle möglichen Optionen wurden durchdacht – nochmal hoch und dann rüber zur nächsten Hütte war keine Wirkliche. Ich rüber und er hoch und wieder hierher zurück wäre denkbar gewesen. Letztlich hinterließen wir Kontaktdaten und hofften erstmal, daß die Brille von einem ehrlichen Finder evtl. zur Hütte gebracht werden würde. Ggf. wir am letzten Tag selbst zusammen nochmal hochgehen könnten – der Gedanke kam hier zum ersten Mal auf. Urlaub hatten wir beide die ganze Woche.
Wir liefen also weiter mit vollem Gepäck, nur ohne die Brille eben. Es ging nochmal steile 500hm hinauf zur Zopetscharte auf 2958m und dann wieder bergab zur Johannishütte auf 2121m. Nach gesamt gut 6,5h auf 13km und 1128hm Auf- sowie 1567hm Abstieg kamen wir an. Auch heute wieder den ganzen Tag heiß und sonnig. Man schwitzte am Berg einfach von früh bis spät – was kann es Schöneres geben!

Wie jeden Tag auch hier wieder das Übliche Lager beziehen, frisch machen, Wäsche machen und dann noch schön auf der Terrasse sitzen, bis nun doch einmal etwas Regen aufkam, als es schon fast dunkel war. Der störte uns nicht.

13.08.2024
Auch heute war der Himmel morgens wieder blau und strahlte uns entgegen wie bald auch schon die Sonne. Start um kurz nach halb 8 steil über tolle Bergwege hinauf zum Türmljoch auf 2770m.
Vor uns stand das Türml, zu dem ein Klettersteig hinaufführt, den wir probieren wollten. Der Steig ist angegeben mit C und sehr ausgesetzt. Von unserem Rastplatz aus schauten wir ihn uns an und entschieden dann wirklich, die Ausrüstung anzulegen und hochzugehen. Wir kamen bis ca. 20m unter den Gipfel, schätze ich. Ich ging voran. Waren die Seile meiner Meinung nach am gesamten Steig nich optimal patziert, so gab es hier eine Stelle, an der ich keine Chance für mich sah. Es hatte hier der Fels einen ganz leichten Überhang, über den man drüber mußte, sehr ausgesetzt. Es gab zwei Eisentritte und das Seil, aber dieses war für mich viel zu weit weg von den Tritten. Ich versuchte, mich mit dem Set in die Tritte umzuhängen, aber auch mein Set war hierfür zu kurz, so daß ich mich kaum hätte halten können. Klettern ist eben nicht ausschließlich meins, womit ich aber leben kann. Kurze Verschnaufspause nach 2 Versuchen, dann aber die Entscheidung zum Umkehren und alles wieder retour. Nicht schlimm – die kleine Einlage hatte dennoch Spaß gemacht.

Alles wieder im Rucksack verstauen und nun hinunter zur Essener Rostocker Hütte auf 2208m, wo wir uns kurz entschlossen nur schnell anmeldeten alles ins Lager brachten und dann mit leichtem Gepäck nochmal auf den Weg machten zurm Rostocker Eck auf 2749m. Schnell ging’s bergauf und es zogen dunkle Wolken auf. Wie jeden Tag schon waren Gewitter für den Nachmittag gemeldet, die bislang ja immer ausgeblieben waren, somit war’s einen Versuch wert. Heute wurde es allerdings wirklich schwarz am Himmel und als wir auf 2600m oben waren gab’s den ersten Donner. In dieser Position definitiv ein Zeichen zum Umkehren für uns, was wir auch nicht lange überlegten. Mehr im Laufschritt als anders kamen wir nach kürzester Zeit wieder auf der Hütte an – trocken. Es begann wenig später zu regnen und auch über uns zu gewittern. Morgen wäre unser Abstiegstag – es gäbe hier ja auch die Möglichkeit, nochmal da hochzugehen, aber es sollte alles anders kommen.

Heute also 12km in 6h 45min. mit 1135m Auf- und 1065m Abstieg.
Bereits bei der zweiten Ankunft auf der Hütte trafen wir auf einen Vater mit Tochter aus Hochstahl, er mit SpVgg Bayreuth Trikot, so daß wir gleich ins Gespräch kamen und uns nach dem Frischmachen in der Gaststube weiter unterhielten. Beide wollten am nächsten Tag zur Clarahütte laufen. Außerdem noch mit uns am Tisch ein Paar, mit denen wir schon am letzten Tag gesprochen hatten, von dem sie uns fragte, ob wir morgen auch den „7h-Abstieg“ machen wollten. Wir wurden hellhörig und schauten uns alles auf der Karte an. Der lange Abstieg war der Weg, den auch die beiden aus Hochstahl zur Clarahütte nehmen wollten. Der Weg war allerdings nur gestrichelt oder garnicht in den verschiedenen Karten eingezeichnet und ohne Internet ließ sich das nicht richtig einschätzen für uns. Im Hüttenflyer war der Übergang nichtmal als Möglichkeit erwähnt, so daß ich schon ins Grübeln kam. Bis zum ins Bett gehen stand dann eigentlich der Plan, diesen Weg zu nehmen und beim ersten Handyempfang auf der Clarahütte anzurufen, ob für uns beide noch ein Platz frei wäre für die Nacht. Wie gesagt, wir hatten ja Urlaub und waren völlig offen hintenraus.
Wir spielten später noch Uno und Arschkarte mit Alex und Lara und hatten so erneut einen lustigen Abend.

14.08.2024
Über Nacht grübelte ich. Wir brauchten Plan B für den morgigen Tag, falls der Weg nicht zu machen sein sollte. Ich setzte uns ein Zeitfenster. Sollten wir merken, daß wir es nicht bis spätens 12 Uhr zur Hochkarscharte auf 2888m schaffen würden, dann war umkehren angesagt und den Normalweg absteigen.
Um kurz nach halb 8 waren wir wieder in den Stiefeln und auf dem Weg. Das Wetter erneut herrlich, allererste Sahne. Zunächst lief es eben um das Rostocker Eck herum, das wir nicht erneut versuchten, dann durch ein Bachbett hindurch und nun steil über Schrofengelände und wenig markiert nach oben. Man mußte einige Male nach dem Weg suchen, was Zeit kostete und auch Kraft. Ein ganzes Stück vor uns waren allerdings zwei Mädels unterwegs, die uns zumindest die Richtung anzeigten, was garnicht schlecht war. Auch entsprach der Weg sehr genau dem, den ich auf der Uhr sehen konnte, so klappte die Orientierung schließlich doch besser als gedacht. Über den Schrofen kam ein sehr langes Stück über steile Grashänge in Serpentinen hinauf, auch das sehr kräftezehrend, so daß wir auf der dreiviertlen Höhe etwas Pause machten. Dann linksseitig auf der Südseite des Kammes entlang etwas flacher und schließlich in den plattigen Steinhang hinein, relativ unschwierig, aber wieder steiler hinauf zur Scharte, die wir um kurz nach halb 11 erreichten, wesentlich früher als gedacht also. Der Blick, der sich von hier bot, war überwältigend – wieder anders, wieder eine neue Landschaft, wie im Märchen.

Hier sprachen wir dann mit den zwei Mädels, die wir schon vorher am Hang eingeholt hatten. Auch sie gingen zu Clarahütte und kurzentschlossen rief ich dort an. Es waren noch zwei Plätze für uns frei und wir sagten zu. Im rasanten Abstieg nahmen wir dann mit leichtem Gepäck noch die 100hm zur Wiesbauerspitze (Mullwitzkogel 2767m) mit, um dann bis auf 2000m zunächst mäßig dann sehr steil abzusteigen. Hier zweigte nun der Hauptweg rechts zur Clarahütte, links zu den Umbalfällen und der Islitzer Alm ab.
Unterwegs unterhielten wir uns über den nächsten Tag, wenn wir jetzt auf die Clarahütte gingen. Andy hatte am Mullwitzkogel noch auf der Eisseehütte angerufen – seine Brille war nicht aufgetaucht bislang, und so war für uns eigentlich klar, daß wir da nochmal hoch mußten. Entweder mit Leihbikes 500m hoch zur Materialseilbahn Talstation auf etwas über 2100m, um von dort 1000m hoch und runter zu gehen, oder min. 1400hm Auf- und Abstieg. Wenn wir vorab noch die 10km von der Clarahütte (600m Abstieg) zu laufen hätten, dann noch Essen besorgen (wir hatten beide nichts mehr und Feiertag war außerdem) – das wäre alles irr geworden. So verwarfen wir den Plan mit der zusätzlichen Hütte wieder und liefen den Weg nach unten, wo ich so bald möglich zwecks Handyempfang nochmal auf der Clarahütte anrief und uns wieder abmeldete.
Auf der Islitzer Alm ließen wir uns Salat bzw. Schnitzel schmecken und unterhielten uns mit unseren Tischnachbarn, die aus der Gegend waren. Sie fragten wir nach einem Bikeverleih und evtl. einem Stellplatz für die Nacht. Sie gaben uns ein paar Tipps mit auf den Weg. Wir trotteten dann entspannt in Richtung Auto, zufrieden und wohlauf. Bis hierher war es erneut insgesamt warm und sonnig gewesen, nur kurz vor Hinterbichl kam ein Regenschauer – die einzigen Tropfen, die uns erreichten in den bislang 5 Tagen. Jetzt nicht mehr schlimm.
Heute lagen damit über 18km hinter uns mit 1024hm Auf- und 1864hm Abstieg in knapp 7,5h – schon ’ne Nummer für Tag 5, aber wir fühlten uns blendend, auch meine Knie machten keinen Mucks – einfach happy!

Während dem Gang zum Auto bekam ich überraschend eine WhatsApp Nachricht von Volker, einem Münchner, der im letzten Jahr mit mir in Pakistan unterwegs gewesen war und der in zwei Wochen bei der DAV Tour in die Dolomiten dabei sein würde, „Bin heute auf dem Campingplatz in Hinterbichl. Wo bist Du dann? Bzw. macht Ihr morgen auch noch eine Tour?“. Was ein Zufall – ich mußte lachen. Nach kurzem Anruf und dann noch 1-2 Nachrichten verabredeten wir uns für den Abend irgendwo.
Nun fuhren wir nach Prägraten zu einem Supermarkt und dann zum Bikeverleih wo wir auch gleich unseren Patz für die Nacht direkt an einer wunderschönen Badestelle in der Isel fanden. Die Bikes waren uns zu teuer und Lust hatte ich eigentlich auch keine drauf, mit Bergstiefeln radzufahren, also morgen alles laufen. Jetzt aber erstmal abkühlen im bergabpolternden Fluß. Was eine Wohltat! Nach etwas Gekrusche und Rucksack packen für morgen kamen dann Volker und Sara gefahren, die nun doch auf einem Campingplatz in Matrei gelandet waren. Mit ihnen saßen wir zusammen im Biergarten neben unserem Stellplatz und quatschten. Ich zeigten Ihnen unsere Tour für morgen und sie entschieden sich spontan, uns zu begleiten. Es gab also noch mehr Verrückte auf der Welt. Nicht allzu spät ging es schlafen, diesmal wieder im Caddy.

15.08.2024
Früh gab’s wieder löslichen Kaffee und ein Stückchen Brot, bevor wir zum Parkplatz Bodenalm hinauffuhren, wo wir uns um halb 8 mit Volker und Sara trafen. Tag 6. Kurz drauf stiefelten wir los, konstant zügig bergan, so daß wir die Eisseehütte nach 800hm Aufstieg bereits nach 2h erreichten. Hier war noch immer keine Brille abgegeben worden, also weiter hinauf. Um halb 11 machten wir nach 1000hm Pause mit Blick auf den Eissee, dann weiter zur Seewandspitze. Hier krampften die Waden nun doch etwas. Leider auch hier keine Brille, ebensowenig drüben am Fuße der Weißspitze. Blöd. Trotz allem ein wunderschöner Bergtag bei nochmals blauem Himmel und viel Sonne, die sich nur ab und an hinter Wolken versteckte. Im Abstieg machten wir dann ausgiebig Pause auf der Eisseehütte, aßen und tranken, bevor’s endgültig runter ins Tal ging. Gut 18km in 8h mit 1580hm Auf- und Abstieg an diesem wunderschönen letzten Tag in der Venedigergruppe.

Wir verabschiedeten uns von Volker und Sara und fuhren dann umgehend durch nach Hause. Um 22.30 Uhr schloß ich meine Haustür auf, kaputt aber glücklich über dieses wahnsinnige Ereignis, diese tollen Touren und die irren Bilder im Kopf.