Für unsere Fortgeschrittenentour 2024 hatte ich diesmal wieder das Karwendel veranschlagt wie bei unserer allerersten Bergtour in 2019. Es war nun in Summe Tour Nr. 65. Die Bettelwurfhütte und Pfeishütte standen auf dem Programm, evtl. Großer Bettelwurf, Kleine Stempeljochspitze, Pfeiser Spitze und Lattenspitze. Ich war gespannt, was alles machbar sein würde. Angemeldet hatten sich 2 Jungs und 2 Mädels, so daß wir uns zu fünft in ein Auto zwicken konnten und los ging’s.
23.08.2024
Wir starteten Freitag nach der Arbeit, um nach Volders bei Innsbruck zu fahren und kamen dort gegen 19 Uhr an. Schon hier war klar, daß die Gruppe einfach wieder super harmonierte und die Vorfreude war groß. Die Zimmer im Landgasthof wurden bezogen, bevor wir zu einem Biergarten schlenderten. Schon auf dem Weg dorthin konnte man die Bettelwurfhütte am Berg ausmachen, auf der ich schon zweimal gewesen war, und ich zeigte unser morgiges Gipfelziel, den Großen Bettelwurf. Auch diesen hatte ich schon bestiegen, was allerdings 7 Jahre her ist. Damals leider bei null Aussicht am Gipfel wegen Wolken. Wir aßen eine Kleinigkeit, tranken was zusammen und nahmen uns noch ein Gute-Nacht-Bier mit zur Unterkunft, was wir auf dem Balkon unseres Zimmers genossen, um dennoch frühzeitig schlafenzugehen.


24.08.2024
Frühstück um 6.30 Uhr, 7.15 Uhr Abfahrt zum Parkplatz in Hall. Die ehemalige Mautstraße war nun für den öffentlichen Verkehr gesperrt, so daß wir einen Bus bis zur 2. Ladhütte nahmen um 8 Uhr. Das ersparte uns ca. 300hm entlang der Straße. Hier also Start. Auch von hier aus war ich schon zur Bettelwurfhütte gegangen, was allerdings schon 13 Jahre zurückliegt – damals im Winter mit Übernachtung im Winterraum.
Der Weg führt von Beginn an steil nach oben ohne Gegenabstiege bis zur Hütte. Zunächst noch annehmbar, dann ein ganzes Stück ein steiles Schuttfeld hinauf bis zum Einstieg in lustige Kraxelstellen – langweilig also nichtmal der Aufstieg zur Hütte. Das Wetter war blendend und so entstanden schon hier tolle Gebirgsfotos. Wir hatten sehr viel Spaß und waren aufgrund etwas Schuhproblemen bei einer von uns Mittags rum auf der Hütte. Dort ergatterten wir erstmal einen Platz auf der Sonnenterrasse, ich checkte uns ein, und wir konnten auch gleich das Lager beziehen. Was ein herrlicher Bergtag!






Wir starteten dann um halb 2 mit leichtem Gepäck in Richtung des Großen Bettelwurfs zu viert, da Nicole auf der Hütte blieb. Die Aussicht ins Halltal hinein war gigantisch mit Blick auf die Herrenhäuser und St. Magdalena, sowie immer wieder auch unsere Hütte für die Nacht. Zunächst quert man lange am Hang immer leicht ansteigend bis es dann ans Eingemachte geht. Schon sehr bald steile Passagen am Fels, teils seilversichert. Wir kamen schnell voran und waren nach nichtmal 2h am Gipfel. Selbst Andy, unsere Bergziege, war begeistert von dieser tollen Kraxelei und Kletterei und Elke hangelte sich hoch, als hätte sie nie was anderes gemacht, auch wenn es für sie die erste Tour dieser Art war. Wir alle, auch Reiner, waren glücklich am Kreuz bei dieser wundervollen Bergsicht in alle Richtungen und genossen das ausführlich, bevor es wieder bergab ging, den selben Weg zurück, den wir hochgekommen waren. Auch dieser verlief problemlos für alle, auch wenn’s natürlich an einigen Kletterstellen schon langsam ging, wenn die Routine noch nicht so da ist. Wir ließen uns Zeit und hetzten nicht, war schließlich auch ein langer Tag gewesen. In Summe dann 1650hm hoch und 640hm runter – mein Respekt an alle von Euch schon jetzt!










Unten kurz frischmachen und dann einen Tisch in der übervollen Hütte sichern. Der Hüttenabend war lustig und unterhaltsam, aber dankbar für die Hüttenruhe um 10 war dann denk‘ auch jeder von uns.
25.08.2024
Um 6.30 Uhr Wecker, dann Gekrusche im Lager und Frühstück, anderer Ort, gleiche Zeremonie – das passiert bei mir mittlerweile schon alles noch im Halbschlaf, dann aber umschalten auf die Tour für den heutigen Tag, Wetter checken in erster Linie war angesagt. Regen war angemeldet, ab wann und wo genau stand etwas in den Sternen. Zur Pfeishütte rüber mußten wir auf jeden Fall, aber auch da können blöde Verhältnisse schnell ganz schön schwierig werden, auch wenn ich den Weg schon gegangen bin. Demnach Start um 8 Uhr pünktlich. So ging’s dann auch los bei wolkigen aber trockenen Verhältnissen und die Bilder demnach sehr schön und interessant. Ich legte nur kurze, notwendige Pausen ein, denn der Weg ist teilweise nicht ganz einfach und wir waren langsam unterwegs. Es zog immer mehr zu. Wir erreichten die Wegstrecke, die mir am meisten Kopfzerbrechen gemacht hatte, erst ziemlich spät und stärkten uns direkt vorher nochmal. Dann hinauf im sehr steilen Schutthang zum Stempeljoch. Vor dieser Passage hatten alle Respekt schon beim Anblick, und ich kannte das schon, daß es nicht einfach werden würde. Noch im Juli diesen Jahres hatte es hier einen Murenabgang gegeben, der alles gesperrt hat. Erst vor wenigen Tagen wurde das Teilstück wieder freigegeben, was ich mir im Voraus von der Pfeishütte bestätigen lassen habe. Wir gingen hoch, es war schon anstrengend, aber weniger schlimm als vorab gedacht, und erreichten das Stempeljoch, wo es plötzlich windig, kalt und naß war – von Sicht nicht mehr zu reden. Die Stempeljochspitze, die von hier aus noch machbar gewesen wäre, hätte bei diesem Wetter keinen Sinn ergeben. Wir diskutierten nicht groß, sondern zogen unsere Regenjacken an und liefen zur Pfeishütte hinunter, auf der wir am frühen Nachmittag ankamen.









Wir wurden hier nett empfangen und legten uns erstmal trocken – es war eigentlich kein Regen, sondern nur dicker Nebel oder Wolke gewesen, in dem wir abgestiegen waren. Mit der Hoffnung, daß es doch nochmal aufreißen könnte, überlegte ich kurz zwecks Nachmittagsprogramm, evtl. die Sonntagskarspitze, aber auch die blieb uns verwehrt. Es riß nicht mehr auf.
Wir hatten also noch relativ Glück, daß wir hier gut rübergekommen waren, aber mehr wäre danach kein Spaß mehr geworden. So verbrachten wir den Nachmittag und Abend auf der Hütte. Wir sprachen unter anderem auch den nächsten Tag durch und ich überlegte zwecks Alternativen. Es gab Fußprobleme, es gab mehrere Alternativen, es gab das Wetter, das unsicher sein sollte für den Montag dann – nicht ganz einfach.
Letztendliche Entscheidung sollte am Morgen dann getroffen werden.
Wir spielten Kniffel und ließen uns ’nen Hüttenwein schmecken, bevor wir im winzigen 12er Lager mit max. 60cm Deckenhöhe im Stockbett oben zu Bett krochen. Die Nacht war lau für mich – viele schliefen und schnarchten – Lager eben.
26.08.2024
Wieder 6.30 Uhr Wecker, wieder 7 Uhr Frühstück, wieder 8 Uhr los. wolken- und nebelverhangen, aber toll. Der Plan stand. Wir gehen zum Stempeljoch zurück, gucken nach dem Wetter oben und entscheiden dann, ob über den Grat oder nicht.





Wir entschieden uns für den Grat und das Wetter sollte halten. Kurz vor der Pfeiser Spitze setzten wir die Helme auf, denn hier ging’s ganz schön zackig bergauf und bergab. Klettersteigähnlich, 2er Kletterstellen hinauf und wieder runter, bei denen wir alle zusammenhalfen und zusammenhielten. Das ein oder andere bedenkliche Gesicht gab es, aber es war ein Erlebnis sondergleichen. Wir waren langsam unterwegs, da nicht alle in dem Terrain so geübt, aber ich hatte mich nicht getäuscht – schließlich kenn ich die Leute, mit denen ich unterwegs bin – es war für uns alle ein tolles Erlebnis, das wohl erst im Nachhinein so richtig verarbeitet werden kann. Wir kamen also über die Pfeiser Spitze und die Lattenspitze sauber rüber – unter uns einzigartige Wolkenbilder für’s Auge.













Schwierig ging’s dann auch nochmal bergab, was ich nicht ganz so schwierig erwartet hatte, auch wenn’s hier keine großen Gefahren mehr gab. Wir waren wieder sehr langsam unterwegs und hatschten so hinunter. Bei den Herrenhäusern im Winterraum gab’s ein Zipfer für 2€, das wir uns nicht nehmen lassen wollten, und dann runter an St. Magdalena vorbei und gar bis zum Auto. Die einen nahmen hier die Teerstraße bergab, die anderen den Fluchtsteig, der auch nochmal toll war. Regen erreichte uns keiner und zum Abschluß gab’s ein paar Runden im Kneippbecken am Parkplatz.








Über 400hm hoch und über 1500 runter bei mächtig Kletterei – Ihr seid echt der Wahnsinn!! Sind ohne Regen geblieben am letzten Tag und fuhren dann noch im Bräustüberl am Teegernsee vorbei, wo wir was aßen und tranken, um zuletzt gar die Autobahn zu drücken. Um 22 Uhr war ich schließlich daheim.

Ich kann’s nach wie vor nicht glauben, was aus dieser Gruppe geworden ist und wie’s immer wieder so toll ist, mich Euch unterwegs zu sein – wer auch immer dabei ist – DAAANKE erneut für diese tollen Tage!!!






































































