Ca. 1,5 Jahre nach Gründung meiner Wandergruppe Wandern 3F fand an diesem Wochenende die 2. Bergeinsteiger Tour statt. Die Gruppe hat sich bis heute auf aktuell 32 aktive Teilnehmer entwickelt, wir schrieben hiermit die 19. Wanderung / Tour (davon 6 3F Specials mittlerweile) zu Buche und waren diesmal zu 9. mit zwei Autos im Tannheimer Tal. Das eine Auto bekam früh um vor 9 noch einen Parkplatz am Vilsalpsee, wir waren etwas später dran und parkten so in Tannheim, um mit dem Bus nach oben zu fahren.
Dort trafen wir uns alle zusammen bei gigantischem Wetter und in gigantischer Kulisse schon am Start. Ich selbst war auch noch nie in dieser Ecke gewesen vorher, somit konnte ich das Ambiente auch nur von Bildern aus dem Netz erahnen, aber es erwies sich schon bei der Ankunft als traumhaftes Stückchen Erde, was die Stimmung von Anfang an nochmal zusätzlich auffrischte und die Gesichter lachen ließ.

Die Truppe war wieder sehr gemischt was Alter und Bergerfahrung anging, dennoch lief es von vorne bis hinten deutlich „runder“ als beim letzten Mal im Karwendel, so daß wir meinen erwarteten Zeitplan sogar deutlich unterschreiten konnten und damit mehr geschafft haben als ich tatsächlich gedacht hatte.
Es stand unten am Vilsalpsee z.B. am Wegweiser mit 3h zur Landsberger Hütte, an der wir nach gut 2h schon ankamen. Zunächst ging es steil durch den Wald meist an einem Bach entlang, immer wieder mit Blick rückwärts auf den Vilsalpsee. Gerade bis zum Traualpsee war sehr viel unterwegs hier auf dem Weg, an dem man plötzlich auf einer Hochebene stand – die Idylle nochmal gesteigert und schon ein wenig mehr alpine Landschaft für’s Auge.



Ab hier leicht ansteigender Bergweg bis man zum letzten Stückchen Steilanstieg auf teils rutschigem Gestein kam, das auch stahlseilversichert war. Aber alle haben das prima gemeistert und die Augen wurden nochmal größer, als man hier erneut aus dem Wald stieg mit Blick auf einen kleinen See, die Lache, im Talkessel, und darüber ein paar Spitzen, die teilweise schon beeindruckende Felswände zeigten, darunter die Lachenspitze, die wir u.A. heute noch besteigen wollten.
Auf der Landsberger Hütte angekommen bekamen wir gerade noch einen Tisch draußen auf der Terrasse. Kleine Pause von ca. 1 Stunde war angesagt, um etwas zu essen oder zu trinken. Ich kümmerte mich erstmal ums Einchecken und wir konnten gleich ins Lager „Schwalbennest“ einziehen, bevor wir weitergingen, so konnten wir viel Gepäck einfach schon hierlassen und mit leichtem Rucksack unsere Gipfel besteigen.

Alle zusammen starteten wir um ca. 13 Uhr zur Schochenspitze. Bis hierhin waren es bereits 620hm und gut 4km zu gehen und alle waren noch immer voll motiviert und bester Laune. Der Weg ist ein Panoramaweg oberhalb der Lache entlang, teils steil, teils mit hohen Stufen, so daß eine gewisse Anstrengung schon gegeben war, aber die tollen Einblicke in die umliegenden Täler, als man weiter und weiter nach oben kam, entschädigten auch die Schwächeren alle wieder. So erreichten wir die 2068 Meter hohe Spitze alle 9 auch wieder unter der angegebenen Zeit, und ich war irre stolz auf meine Leute – die Stimmung war großartig.


Ein paar Meter ging es dann zusammen wieder nach unten, und hier sprachen wir über den nächsten geplanten Gipfel, die Lachenspitze, die noch ca. 200hm mehr bedeutet hätte, aber am Gipfel oben luftige Kletterstellen im 1er Grad aufweist. Drei von uns machten sich von hier aus auf den Weg zurück. Teils ließen schon die Kräfte etwas nach, und gerade das bevorstehende Stück Weg würde noch einiges an Kraft und Konzentration fordern, außerdem absolut Schwindelfreiheit. Meiner Meinung nach sehr gute Selbsteinschätzung von jedem Einzelnen, und so gingen wir zu sechst weiter, ich meinerseits bedenkenlos mit diesen Jungs und Mädels, was sich ebenso als richtige Einschätzung erwies. Zwar hatten, oben auf 2126m angekommen, doch welche weiche Knie und wohl nen kleinen Adrenalin Kick bekommen, aber alles im grünen Bereich und gutem Empfinden.




Kurzer Aufenthalt am Gipfel, und dann auf der anderen Seite wieder runter – wesentlich einfacher. Zum Glück hatte ich die Richtung der Tour vor ein paar Tagen noch umgedreht – ich wollte sie ursprünglich andersrum gehen, hatte dann aber eben wegen diesem Kletterstück umentschieden.
Unten an der Steinkarscharte angekommen kam uns einer unserer drei entgegen, der mit zur Hütte zurückgegangen war. Mit ihm gemeinsam bestiegen wir dann noch die Steinkarspitze mit 2067m, bevor wir zur Landsberger Hütte zurückkehrten. Einer von uns nahm auch die Rote Spitze zum Schluß noch mit, aber für die anderen war es für heute ausreichend Weg und Höhe (zumal wir früh um 5 schon zu Hause gestartet waren und die 4h Fahrt ja auch anstrengen) – laut Komoot 1070m hoch, 450 runter und 11km – für eine Einsteigertour in den Bergen und vor allem auch die Berg-Neulinge eine beachtliche Leistung!
Zwei Jungs von uns gingen abends noch in der Lache baden, die anderen machten sich so frisch, da Duschen zwecks Corona geschlossen hatten (was allerdings das einzig merkliche so richtig war auf der Hütte Corona betreffend), und dann das übliche Hüttenzeremoniell – gutes Hüttenessen, paar Biers trinken quatschen und entspannt den beeindruckenden Tag ausklingen lassen.
Zum vereinbarten Frühstück um 7 Uhr saßen wir alle schon um halb 7 bereit – die Motivation schien hoch zu sein ;-). Essen, packen, anziehen und los den Berg hinauf bei strahlend blauem Himmel – Bergwetter aus dem Bilderbuch. Zusammen ging es auf dem Saalfelder Höhenweg zur Scharte, von der wir gestern Abend auch runtergekommen sind, und dann hinüber in den nächsten Kessel, an einer Kesselwand ziemlich eben dahin und hinüber ins nächste kleine Tal, langsam und ab jetzt stetig immer mehr Blicke auf den tollen Hochvogel und seine umliegenden Spitzen. Nach 250hm aber schon 4,5km erreichten wir endlich die Stelle, von wo aus zum ersten Mal der Schrecksee zu sehen war. Etwas unterhalb diesen Punktes machten wir etwas Pause und entschieden uns für eine der drei möglichen Varianten – Abstieg zum Schrecksee und wieder hoch, auf gleicher Höhe weiter mit Blick auf den Schrecksee, oder noch über zwei Gipfel drüber, die auch etwas luftiger sein würden. Wir entschieden uns für die zwei Gipfel, Knappenkopf und Kugelhorn, was gesamt nochmal 150hm mehr bedeuten sollten.





Diese „Überschreitung“ war mit der Gruppe etwas haariger als gedacht. Schon kurz vor dem Gipfel am Knappenkopf gab es eine etwas ausgesetzte Gratstelle, die man unterhalb umgehen konnte, aber auch diese Umgehung war matschig im steilen Wiesengelände und war somit nicht jedem ganz geheuer. Oben ging es dann recht gemütlich weiter zum Kugelhorn, hier also nun alle zusammen auf 2126m, was sich natürlich auch für’s Gruppenfoto angeboten hat.



Ich hatte es am Tag vorher schonmal erwähnt, daß es da noch eine kraxelige Stelle geben wird, aber das war wohl nicht so richtig angekommen, bzw. war es aufgrund der einfachen Strecke oben wieder in Vergessenheit geraten, aber beim Abstieg zur nächsten Scharte galt es dann ein bißchen, die Hände mit am Fels zu haben. Im Ganzen nur ein kurzes Stück, aber das verursachte dann doch bei einigen etwas zittrige Beine und schwindelige Gefühle. Der tolle Zusammenhalt der Gruppe hat sich aber hier dann wirklich erwiesen. Es wurden Tipps gegeben, geholfen, gehalten und Füße beim Rückwärtsklettern geführt, und so ging es zwar langsam aber stetig bergab bis alle durch waren. Unten wurde erstmal durchgeschnauft, und bei einigen dauerte es etwas länger bis sie ganz drüber hinweg waren. Resumée war aber durch die Bank am Schluß für alle, die etwas gezittert hatten, daß es eine tolle Erfahrung war, mal an so eine Grenze zu stoßen und so etwas zu erleben. Und ich erinnere an den Spruch aus der Gondel, den Simone im letzten Jahr im Karwendel für uns fotografiert hat: „Nur wer riskiert, zu weit zu gehen, kann überhaupt herausfinden, wie weit man gehen kann.“ Ich würde diesen etwas abwandeln, denn zu weit gehen wollen wir ja nicht: „Nur wer an seine Grenzen geht, kann diese Grenzen auch kennenlernen.“ (Anm.d.Red.: …das haben bestimmt schon zig schlaue Köpfe gesagt, deswegen ist es an dieser Stelle ein Zitat von irgendwem… ;-))
Von meiner Seite hierzu: Es war auch für mich eine Erfahrung, wie schnell bei dem ein oder anderen die „Starre“ einsetzen kann und an was für unterschiedlichen Stellen das bei allen ist. Dadurch, daß ich vorher gute Tourenbeschreibungen gelesen hatte, war ich mir der Schwierigkeit dieser Stelle absolut bewußt, wobei das jetzt keine Kletterstelle ist oder so, und somit natürlich angespannt schon vorher. Dennoch gab es zu keiner Zeit Bedenken, und wenn ich jeden einzeln darüber hätte führen müssen – Gefahr bestand zu keiner Zeit. Durch die super gemischte Gruppe, wo absolut jeder auf jeden geschaut hat, sind wir hier super durchgekommen und gaben uns dann dem Abstieg zum Vilsalpsee hin. Ein langer Abstieg, was auch hier nochmal neu war für viele, denn im letzten Jahr waren wir ja gemütlich mit der Bahn abgefahren.
Die Füße brannten nach 400hm hoch, 1020hm runter und 12km, ebenso bei manchen die Haut, da die Sonne uns heute wirklich gut bedient hatte.
Vorbei an der Vilsalpe dann noch ein Hatscher entlang des Sees.


Wir erreichten unseren Bus gerade so, so daß wir nicht noch länger hätten warten müssen und fuhren schnell nach unten. Das andere Auto ging oben noch was trinken und baden im See.
In Leups trafen wir uns dann noch nach reibungsloser Heimfahrt im Biergarten und aßen und tranken zusammen bei etwas müder aber sonst doch glücklicher Stimmung. Es war wieder ein tolles Erlebnis für alle, so wie ich den Eindruck habe, und ich habe eine Ecke kennenlernen dürfen, die ich sicher nicht zum letzten Mal besucht habe. Alle Mühen im Vorfeld haben sich absolut gelohnt!
