Langes Wochenende – zwei Tage davon ließen sich nutzen, um ins Ötztal zu fahren und die Kreuzspitze noch einmal zu besteigen. Ich war hier bereits gewesen, in der Ecke schon oft auf dem Gipfel schon einmal fast und einmal richtig, und ich liebe diese Ecke der Alpen! Die Schneeverhältinisse schienen noch annehmbar und die Wetterbedingungen waren mehr als gut gemeldet für dieses Wochenende! Als ich mich darauf vorbereitete, las ich im Internet, daß es in diesem Jahr zu einem Hangrutsch gekommen war, so daß der Normalweg zur Martin Busch Hütte verschüttet war und man einen Umweg nehmen mußte, der einige Zeit mehr in Anspruch nehmen würde. Ich kam am 29.10. um halb 2 in Vent an und lief gleich los. Mein Tagesziel war nur die Hütte auf 2501m, das hieß 606hm. Das Wetter war gigantisch, die Hosen hochgekrempelt und im T-Shirt lief ich bis oben.
Übernachtung war im Winterraum, da die Hütte bereits geschlossen war um diese Jahreszeit, die Nacht unruhig, da einige Tschechen die Nacht zum Tag machten – egal – gegen 5:30 stieg ich los in Richtung Gipfel, zunächst mit Stirnlampe bis der Sonnenaufgang einsetzte. Die Bergwelt war fantastisch, ich war ganz allein. Die Sonne kam aus Richtung Obergurgel und beleuchtete zunächst den Similaun, später alles Weitere. Ich forderte mich, aber ich war nicht überfordert, so stand ich kurz vor neun am Gipfel. Im letzten Teilstück waren Schneeverwehungen zu überqueren, die mich zunächst etwas unsicher machten, aber sie waren kein Problem. Der Blick war überragend, nur Schleierwölkchen am Himmel, alles in eine leicht schneebedeckte Oberfläche getaucht und Sonne über Sonne. Ich war glücklich!
Auch wenn es der Abstieg war, der immer etwas beklemmend ist, war es einfach fantastisch, hier zu sein, und so ging es wieder hinab zur Hütte und runter zum Parkplatz – Abschied nehmen, heimfahren… Alles sehr kurz und sportlich, aber das sind die Touren, die mir ganz auf die Schnelle so viel Gutes tun… Ötztal, ich will wiederkommen, ganz bestimmt!
Am 14.10.2018 fiel mir auf, daß ich in diesem Jahr noch kein
einziges Mal in den Alpen unterwegs gewesen war. Das Wetter war einfach
grandios für diese Jahreszeit, so kontaktierte ich meinen Chef, ob ich am
nächsten Tag einen Tag Urlaub bekommen könnte. Er stimmte zu.
Ich packte meine Sachen, machte mein Auto campingfertig und
fuhr noch an diesem Nachmittag nach Mittenwald, von wo aus ich am nächsten
Morgen starten wollte.
Ich verbrachte eine ruhige Nacht auf einem Wanderparkplatz
und war einfach nur glücklich.
Morgens um kurz vor 6 brach ich im Dunkeln mit Stirnlampe auf. Der Weg ging steil nach oben durch den Wald, und als die Sonne so langsam hervorkam war ich bereits ein Stück jenseits der Mittenwalder Hütte und hatte einen tollen Blick zum Zugspitzmassiv.
Danach ging es steinig weiter mit einigen ganz leichten Kletterstellen unterhalb der Seilbahn entlang. An der Bergstation der Seilbahn angekommen erkundigte ich mich, ob die Bahn heute weiter fahren würde, da es recht windig war. Sie bestätigten es mir, und ich machte mich auf den Weg zum Gipfel.
Unterwegs traf ich dieses Gesicht …ein schlafender Kopf, ein nachdenklicher Kopf, ein trauriger Kopf, der da in der Landschaft liegt… etwa 50m unterhalb der Spitze.
Ich war noch ganz allein hier oben und genoß die Weite, die Sonne und mein Schinkenbrot.
Anschließend wanderte ich noch ein wenig auf der Höhe umher
und schaute mir auch den Einstieg zum Mittenwalder Klettersteig an. Es waren
jetzt doch einige Leute unterwegs, die meist mit der Seilbahn heraufgekommen
waren. Diese nahm ich dann auch, um wieder nach unten zu kommen und fuhr nach
Hause. Gerne hätte ich noch ein paar Tage hier verbracht, aber die Arbeit
rief…
Auf Korsika den GR 20 zu gehen war mein Traum seit 6 oder 7 Jahren. Damals schon hatte ich mir Wanderführer besorgt und viel darüber gelesen, leider hat es sich nie ergeben. Ein Multivisionsvortrag vom DAV Bayreuth sowie zahlreiche Berichte von Bekannten haben den Gedanken immer wachgehalten bei mir, und in diesem Jahr sollte es endlich wahr werden. Wir planten gemeinsam bereits im März unser Vorhaben, Flo, ich und Frank, ein Kumpel von Flo. Wir wollten meist auf den Hütten übernachten, aber die Infos über den Weg und das Vorhaben, keine Hütten zu reservieren veranlaßte uns, ein Zelt mitzunehmen – da waren wir flexibler. Ein paar Wochen vor der Tour mußte Frank leider aus gesundheitlichen Gründen absagen, so waren wir nur noch zu zweit, und wir freuten uns einfach auf den Urlaub. Nach dem Donauradweg auf dem Rennrad war 5 Wochen Lauftraining angesagt, was mein Knie auf Stand bringen sollte – leider nicht genug, wie sich dann herausstellen sollte.
12.08.2018 Am Tag vor Reiseantritt war Taufe von Flos Patenkind, so daß wir nicht allzu früh ins Bett gekommen sind, ein gewohnter Start für uns. Unser Flug ging früh um 8:30 in München, also früh auf, ab zum Flughafen. Es ging alles gut, und wir waren bereits am Vormittag in Bastia, hatten von dort nach Calvi einen Mietwagen und sahen das erste Mal, wie hoch die Berge hier wirklich waren. Am Nachmittag haben wir uns Calvi angeschaut. Hier sieht man bereits vom Hafen aus Schneefelder in den Bergen, auch wenn es über 30 Grad hier hatte. Natürlich waren wir auch im Meer baden an einer Felsküste nahe des Hotels und gingen abends noch mal gut essen.
13.08.2018 – Calenzana zur Refuge d’Ortu di u Piobbu Am Flughafen in Calvi gaben wir den Mietwagen ab nachdem wir noch gefrühstückt hatten und fuhren mit dem Taxi nach Calenzana auf ca. 200m. Dieses entließ uns dann quasi direkt am Startpunkt des GR20 am Rathaus und Dorfplatz des Ortes. Nach ein paar Anfangswegfindungsproblemen im Ort starteten wir in die Natur. Es war heiß, die Sonne schien, und es ging gleich ordentlich bergauf, so daß wir gleich durchgeschwitzt waren, von Beginn an tolle Wege und Aussichten.
Die dunklen Wolken, die schon am Vortag über den Bergen hingen waren bald wieder da, und als wir die erste Scharte erreicht haben nach ca. 1000hm (Bocca u Saltu, 1250m) standen wir mittendrin. Sicht war gleich null. Danach ging es wieder hinab und hinauf, die ersten leichten Kraxeleinheiten folgten, man sah auch wieder mehr, aber so richtig aufgerissen hat es an diesem Abend nicht mehr bis zum Sonnenuntergang, zu dem wie längst an der ersten Hütte waren, der Refuge d´ Ortu di u Piobbu. Gehzeit waren bis hierhin 5,5h, Aufstieg 1350m, Abstieg 115m. Wir bauten dort unser Zelt auf. Da wir nur zu zweit waren, war uns Zelt lieber, nur Frank hätte die Hütte bevorzugt. Mein Knie hatte sich schon heute gemeldet, was mir sehr unangenehm war, zumal wir fast nur hochgegangen waren. Abends aßen wir das Menü in der Hütte und trafen David aus Berlin. Er war von Süden gestartet und hatte morgen seinen letzten Tag vor sich bis Calenzana. Von ihm konnten wir schon einiges über den Weg in Erfahrung bringen – das war nicht schlecht. Die Hütte war gut ausgestattet, es gab Mietzelte, man konnte in der Hütte schlafen, es gab eine Kochstelle mit Geschirr und Töpfen, wo man sich auch selber was kochen kann. Duschen benutzten wir aufgrund der Schlange anstehender Leute heute nicht, wir machten Katzenwäsche an einer Quelle 100m von der Hütte entfernt. Die Ausstattung der Hütten war im Übrigen fast überall ähnlich. Man konnte sich auch Nudeln kaufen und selber kochen zum Beispiel. Das Bier war teuer (6 oder 7 Euro die Halbliterdose), der Wein eher nicht so – den günstigsten bekamen wir für 8 Euro/Liter. In der Nacht gab es heftig Gewitter, so daß am Morgen alles naß war.
14.08.2018 – Refuge d’Ortu di u Piobbu zur Refuge de Carozzu Als wir früh aufstanden, war der Zeltplatz schon fast geräumt. So schwer konnte es ja nicht sein – 6,40h Gehzeit hatten wir an diesem Tag, 680m hoch und 950m runter. Warum also mitten in der Nacht aufbrechen!? Aber die Mehrzahl hier machte das so, übrigens auch auf der ganzen Tour dann, evtl. rechneten alle doch gegen Nachmittag meist mit Regen. Wir aßen ein französisches Hüttenfrühstück, packten unsere Sachen und liefen los.
Es ging gleich wieder gut los, bald kam die Sonne und es war wirklich ein Gekraxel den ganzen Tag – mit wandern hatte es nicht viel zu tun. Für uns beide genial, aber das gefällt sicher nicht jedem. Erst Sonne, dann Wolken und dann Regen, nicht schlimm, nicht lange, aber wir waren da grad an Kletterstellen im Berg, die die Steine rutschig machten. Grundsätzlich war aber alles sehr griffig und gut zu machen. Zum Schluß ging’s trocken weit runter, wo ich mich sehr plagte. Mein Knie hat sich wirklich immens gesträubt, und ich war an diesem Abend nicht sicher, ob ich nach dem 3 Tag (nachdem wir hätten aussteigen können) weitergehen kann.
Wir kamen an bei der Refuge de Carozzu, stellten wieder unser Zelt auf, duschten kalt und unterhielten uns diesmal mit einem Italiener und einer Engländerin, die beide allein unterwegs waren. Sie war Läuferin, wollte den ganzen Weg land bis in den Süden die Etappen doppeln und war mit gerade mal 8kg inkl. Zelt unterwegs. Respekt. Allerdings hat sie die vielen Klettereien bemängelt – sie hatte sich wohl eher auf Laufen eingerichtet, dem war hier nicht so. 1-2 Tage später sollten wir sie wiedertreffen. Sie hatte das Doppeln der Etappen seingelassen und sich eher zum Baden an den Gumpen vergnügt, somit nur der halbe Weg für sie – Planänderung muß auch mal sein!!
15.08.2018 – Refuge de Carozzu nach Haut Asco Wir standen wieder später auf als die anderen und während wir frühstückten, die meisten schon losgegangen waren zog ein Gewitter auf, weswegen wir beschlossen, es abzuwarten und erst danach losgingen um halb 9 – die richtige Entscheidung. Es wurde ein toller Tag. 5h Gehzeit, 825m hoch, 675m runter, mehr klettern als laufen, einige seilversicherte Stellen und eine Hängebrücke nach Haut Asco, was eine Skistation ist mit Refuge und Hotel und Gites. Es bleib den ganzen Tag trocken und war großteils sonnig.
Wir zelteten wieder. Heute war Wäsche waschen angesagt, das Wetter war gut, Dusche gab’s auch und zum Abendessen kochten wir uns selbst Nudel mit Tomatensoße. Unsere Wegzehrung für unterwegs war fast aufgebraucht, und so kaufen wir uns hier die erste korsische Wurst und Brot, ebenso Klopapier, denn das gab es hier nirgends. Mein Mitgebrachtes war am Ende. Der Tag war mit Schmerztabletten besser verlaufen für mich, und so gab es keine Frage mehr – weitermachen um jeden Preis.
Ich wollte einfach den Weg gehen. Vor uns stand der schwerste und längste Tag der Tour über den Monte Cinto, den höchsten Berg der Insel mit 2076m.
16.08.2018 – Haut Asco über Monte Cinto zur Refuge de Tighiettu Über Nacht hatte es geregnet, so daß die Wäsche, die schon fast getrocknet war, wieder naß geworden ist. Wir starteten auch früh, weil wir auf den Gipfel wollten, der ca. 2 Stunden mehr in Anspruch nimmt als die Tagestour sonst. Hatten gesamt eine Gehzeit von 9h, 1400 im Aufstieg und 1150 im Abstieg. Der Anstieg war schon gigantisch mit viel Geröll und teils versicherten Stellen, an denen sich die Leute manchmal stauten.
Das Wetter war gut bis kurz vor der Scharte, wo der Weg zum Gipfel abzweigt. Wir kamen an einigen Schneefeldern vorbei. Mittagspause war noch in der Sonne, dann ging’s hinein in die Wolken und am Gipfel sahen wir nichts außenrum, leider.
Rucksackdepot war 100m tiefer, so daß wir den Gipfel ohne Gepäck machen konnten. Beim Abstieg klarte es langsam wieder auf, es gab’ einen tollen Ausblick auf einen großen See und das Meer sah man sowieso jeden Tag immer mal wieder. Der Abstieg war lang aber toll. Segelflieger begleiteten uns. Als wir an der Refuge de Tighiettu ankamen hatte es ganz schön zugezogen, so daß wir gerade mit dem Zeltaufbau fertig waren, als es zu regnen begann. Unsere Sachen vom Wäsche waschen gestern, heute den ganzen Tag am Rucksack außen gehangen, waren noch immer nicht trocken und auch im Zelt hatte sich Feuchtigkeit gebildet, so verlief alles nicht ganz so rund.
Abends saßen wir mit einer Belgierin am Tisch und einem alten Franzosen, der uns schon in Asco aufgefallen war. Wir unterhielten uns bruchstückhaft mit ihm, ihm gingen wohl die Schuhe kaputt, aber viel mehr war nicht zu erfahren, er sollte uns aber einige Tage später noch mal begegnen und dann wohl für immer im Gedächtnis bleiben.
17.08.2018 – Refuge de Tighiettu zur Refuge Ciuttulu Di i Mori Früh war herrlichster blauer Himmel und Sonnenschein. Es ging gleich ziemlich steil bergab zu einer Bergerie, wo mir das Knie wieder sehr zu schaffen machte. Wir hatten heute eine kurze Etappe vor uns, 4,5h, 705m Aufstieg und 400m Abstieg. So hatten wir Zeit. Gestern war ja sehr lange und morgen wieder ein Gipfel als Ziel, so kam diese kleine „Pause“ sehr gelegen.
Steile Bergwege nach unten, dann durch Pinienwald, von dem wir unser Gipfelziel für den morgigen Tag sehen sollten, und schließlich wieder ein Anstieg mit Geröll und kleinen Klettereien bis bis wir vom Kamm aus die Refuge Ciuttulu Di I Mori sehen konnten. Es zogen schon wieder dicke Wolken aus dem Nichts auf, und wir waren wohl keine 5 Minuten an der Hütte, als es zu regnen begann. Nachdem das rum war bauten wir Zelt auf, wuschen uns am Waschbecken und lagen 1-2 Stunden im Zelt, einfach mal abspannen. Die Hütte wird scheinbar hauptsächlich mit Mulis versorgt. Am Abend ging ein Trupp mit einem der beiden runter ins Tal, um vermutlich am Tag drauf wieder hochzukommen.
Beim Abendessen saßen wir mit einem Deutschen und seinen drei Kindern zusammen, ein Sohn und zwei Töchter, alle aber sicher schon um oder über zwanzig. War eine ganz nette Unterhaltung, sie waren lustig und eine richtig nette Familie. Sie spielten Tichu, ein Kartenspiel – das muß ich mir unbedingt einmal anschauen, hat interessant ausgesehen. Es gab einen tollen Sonnenuntergang, bei dem wir draußen standen.
18.08.2018 – Refuge Ciuttulu Di i Mori, Paglia Orba, Castel de Vergio Es hatte nachts wohl wieder geregnet, alles war naß. Wir konnten unser Zelt erstmal stehenlassen, denn wir wollten den Paglia Orba besteigen, nach dem wir zum Platz zurückkehren mußten. Der Paglia Orba, ist ein 2550m hoher Berg. Im Führer stand etwas von 2er Kletterstellen, weißen Markierungen und Steinmännchen, denen man folgen sollte. Wir hatten beide Respekt vor dem Berg, ich vor allem, weil ich so etwas noch nie gemacht hatte. Ich war weder frei klettern noch hatte ich je 2er Kletterstellen am Berg, bei denen ich ohne Sicherung unterwegs war. Es ging los über Geröll leicht steigend bis das Klettern anfing, jede Kletterstelle genommen wurde mit dem Gedanken „ich muß da auch wieder runter“. Ein paar kritische Stellen waren dabei, aber doch nicht so viele, allerdings war von den weißen Markierungen nichts mehr zu sehen, es gab nur Steinmännchen. Anstrengend war es und eine sehr interessante Strecke, die wir beide aber mehr genossen.
Oben noch ein langes Stück wie in einer Mondlandschaft bis der Gipfel vor uns lag. Schließlich standen wir oben, was ich vorher für fast unmöglich gehalten hatte. Leider war die Sicht nur nach einer Seite offen, aber wir standen oben und der Runterweg war leichter als gedacht. Ein paar Stellen, an denen Konzentration gefordert war, aber es hat einfach nur Spaß gemacht und die Stimmung für diesen Tag war immens gehoben. Als wir zurück zu Zelt kamen, war dieses fast trocken, allerdings waren schon wieder dunkle Wolken am Himmel. Wir packten ein, aßen etwas und weiter ging’s. Zunächst ein anstrengender Abstieg, die Sonne kam wieder und es kamen Gumpen, an denen einige zum Baden waren.
Auch wir stoppten an einer solchen und stiegen hinein – es war einfach toll und sehr erfrischend. Der Weiterweg ging weiter hinunter, dann durch Wald und es war auf einmal wieder sehr windig und man hörte Donnergrollen. Irgendwo im Wald ging es los, so plötzlich, daß wir nicht mal mehr die Regensachen auspacken konnten, um uns trocken einzupacken. Bei der Ankunft auf dem Castel de Vergio waren wir vollkommen durchweicht und liefen zum Hotel dort, ohne zu wissen, daß kurz dahinter ein Refuge mit Zeltplatz war. Wir mieteten uns in einem Zimmer ein und trockneten dort unsere Sachen, auch Zelt und Isomatten auf dem Balkon. Die warme Dusche und das Abendessen tat gut, auch wenn wir es doch etwas bereuten, nicht ins Refuge oder auf den Zeltplatz gegangen zu sein.
Im Laden am Refuge kauften wir uns Proviant für die nächsten Tage, u.a. eine fürchterliche Wurst, und wir sahen erstmals und einmalig auf dieser Tour die angekündigten Schweine in freier Wildbahn – ein riesen Erlebnis für mich. Insgesamt waren es dann 6,5h an diesem Tag, 630m hoch und 1200m runter. Beim Abendessen im Hotel war auf einmal wieder der französische Alte nebenan. Wir schätzten ihn auf über 70, hatten aber an diesem Abend keinen Kontakt zu ihm. Den letzten Schluck Wein nahmen wir mit auf’s Zimmer und genossen ihn auf dem Balkon dort. Etwas Gutes hatte das Hotelzimmer an diesem Abend – bei mir hatten sich seit heute Magenprobleme breitgemacht aufgrund der vielen Schmerztabletten für’s Knie. So konnte ich recht angenehm mehrmals in der Nacht aufstehen, um auf Toilette zu gehen…
19.08.2018 – Castel de Vergio zur Refuge de Manganu Dieser Tag sollte ein Wandertag werden. 4,4h Gehzeit, 625m hoch und 425m runter. Erst durch den Wald, dann bißchen hoch und runter, anschließend gerade durch Landschaften wie im irischen Hochmoor mit weidenden Kühen und Pferden um uns rum. Der alte Franzose war immer kurz hinter uns und wirklich schnell unterwegs. Uns machten meine Magenprobleme etwas langsamer, muß ich zugeben. Wir sahen faszinierende Formationen aus Wind und Wasser.
Den Endspurt zur Hütte waren wir sehr schnell unterwegs, da sich schon wieder Unwetter ankündigte, und wir trafen quasi mit den ersten Regentropfen auf dem Refuge de Manganu ein. Alles sammelte sich erstmal in der Hütte, wir entschieden uns diese Nacht für Übernachtung im Refuge und hatten somit etwas Zeit gewonnen. Duschen mußten wir heute nicht, dafür kochten wir abends Nudeln mit Tomatensoße und schnitten unsere fürchterlich schmeckende Salami hinein. Die Gute behielten wir für morgen unterwegs. An diesem Abend trafen wir auf eine Gruppe, die sich gefunden und seither zusammen gegangen war – ein Ami, ein Ire oder Waliser, eine Deutsche, ein Deutscher und ein französisches Pärchen. Wir aßen, tranken Rotwein, saßen und spielten Maumau, unterhielten und ab und zu mit den Leuten und lachten zusammen. Die drei Sprachen, deutsch, englisch, französisch gingen wild durcheinander. Von allem verstand ich das Meiste.
Der alte Franzose drehte seine Runden. Er war unermüdlich jeden Abend und ging mit seiner Plastiktüte auf und ab, verschwand in sämtliche Himmelsrichtungen, kam wieder, um auf’ Neue aufzubrechen. Heute fotografierte ich ihn, wie er so ging.
20.08.2018 – Refuge de Manganu zur Refuge Pietra Piana Das Wetter früh war wieder toll, nach einer kurzen recht ebenen Passage ging es wieder ordentlich hinauf. Erst einfach Bergwege in Serpentinen, dann großen Steinblöcke und steiles Geröll bis zu einer Scharte, hinter der sich wieder andere tolle Bilder zeigen sollten. Mehrere kleine Bergtümpel und –seen, zu denen man hätte absteigen und baden können. Von hier oben ging es wieder kletternd bergab, später in einer Art Bachbett steil hinunter zur Hütte. Gehzeit 5,5h, 810m hoch, 590m runter. Als wir ankamen war noch das tollste Wetter, nur ein paar Wolken, wir bauten in Ruhe Zelt auf, breiteten ein paar Sachen aus und Flo wollte erstmal duschen gehen. Ich blieb beim Zelt. Er war keine 5 Minuten weg, als es zu tröpfeln begann. Ich packte schnell alles in Zelt und hechtete hinterher, denn jetzt schon goß es und begann fast erbsengroß zu hageln.
Das Wetter war wirklich durchgängig überaus extrem hier in den Bergen. Es regnete bestimmt eine knappe Stunde, dann war es wieder vorbei und so langsam kam wieder die Sonne. Leider kühlte es bei diesen Güssen auch immer schnell ab. Wind war sowieso fast immer, so wurde es auch heute nicht mehr richtig warm. Jetzt konnte ich auch noch duschen und dann gab’s wieder selbstgekochte Nudeln. Wir trafen in der Küche Dominik und Sabine aus Berlin, die auch gerade am Kochen waren und saßen dann den ganzen Abend zu lange mit zu viel Wein zusammen. Sie liefen in die andere Richtung und waren nicht sicher, ob der restliche Teil was für sie wäre. Sabine hat wohl etwas Höhenangst. Die beiden hatten ein Stück Käse dabei, das sie irgendwo gekauft hatten und ließen uns probieren – nur ein kleines Stück… Das war der schärfste Käse, den ich je gegessen habe, echt verrückt, was es alles gibt. Ich glaube nicht, daß dieser Käse je aufgegessen wurde.
21.08.2018 – Refuge Pietra Piana zur Refuge de l’Onda Es gab zwei Varianten, eine nach unten und dann wieder hoch, die andere über den Grat rüber und dann runter zur Hütte. Wir entschieden uns für den Grat. Ursprünglich war der Plan gewesen, heute noch den Monte Rotondo zu besteigen, auch eine felsige Angelegenheit mit ausgesetzten Stellen. Es ist der 2. höchste Berg der Insel und liegt hinter der Refuge Pietra Piana. Beim Aufstehen war ein dermaßen starker Wind, zudem hing noch eine schwarze Wolke über dem Berg, so daß wir gemeinsam gegen dieses Abenteuer entschieden. Dazu kam jetzt wirklich gewaltig: Ich war einfach platt, meine Beine konnten nicht mehr und Flo hätte ein Tag Pause sicher auch gutgetan, aber jetzt mußten wir weiter, um unseren Zeitplan einzuhalten. Die Kammwanderung heute war echt traumhaft schön, ich wünschte mir, ich hätte sie mehr genießen können, denn ich mußte wirklich mit mir selber um jeden Schritt kämpfen. Hatte einfach keine Kraft mehr. Das Knie hatte sich mittlerweile eingelaufen, ich nahm auch seit gestern keine Schmerztabletten mehr, und es war so erträglich, aber der Körper war einfach am Ende. Ich war froh, daß mir Flo noch ein bißchen Gepäck abnahm, so daß mein Rucksack wirklich nur noch sehr leicht war.
Lustig war, daß wir ein anderes Pärchen, das wir in den letzten Tagen schon immer wieder gesehen hatten, immer wieder hinter uns sahen. Er trug mittlerweile ihren Rucksack am Bauch vorne und sie gar keinen mehr. Ich war also nicht die Einzige, dachte ich… Am Zeltplatz erfuhren wir, daß sie sich nachts übergeben hatte und wirklich krank war, sei’s drum, ich war auch unten. Der Zeltplatz war riesig. Der alte Franzose war da, Joe, ein Österreicher, mit dem Flo sich gestern schon unterhalten hatte, saß vor seinem Zelt und die „bunte Gruppe“ von vorgestern traf auch wieder ein, allerdings etwas später. Sie waren den Weg unten rum gegangen und waren in den Gumpen dort baden gewesen. Heute war das Wetter wirklich mal den ganzen Tag gut und schien auch wirklich gut zu bleiben. Nach der relativ kurzen Tour, 4h, 435m hoch und 880m runter tranken wir mitten am Nachmittag ein Bier mit Joe, als der alte Franzose vorbeilief. Wir sprachen ihn an, also meist ich auf französich als Übersetzerin. Wir hatten ihn echt über 70 geschätzt, aber er war 66. Er setzte sich zu uns und erzählte uns seine Geschichte von dem Weg. Als wir ihn in Haut Asco zum ersten Mal gesehen hatten, hatten wir ihm ja nichtmal den Weg über den Monte Cinto zugetraut, aber jetzt fielen wir echt vom Glauben ab. Er hatte sich in Haut Asco nach einem Führer umgesehen, der mit ihm die gesperrte Route gehen würde. Es war da früher eine andere, wohl auch schwerere Route mit vielen Kletterstellen und Seilversicherungen, die seit ein paar Jahren wegen eines Unglückes gesperrt ist. Die wollte er gehen um jeden Preis. Einen Führer bekam er nicht, aber nachdem er einen Tag gewartet hatte, erklärte sich wohl ein Ortskundiger bereit, das Ganze mit ihm zu wagen. Die Route ist mittlerweile nicht mehr markiert, Seilversicherungen und alle Hilfestellungen abmontiert. Aber er, er, der alte Franzose war sie gegangen. Er erzählte, wie er Angst hatte, wie es steil runter ging, er zeigte uns später sogar noch Bilder auf seiner Kamera und sagte, daß ihn der andere immer mit dem Handy fotografiert hätte. Er war wahnsinnig stolz auf sich und dieses Abenteuer schien irgendwie fast sein einziges Ziel bei dieser Tour gewesen zu sein. Was hat es nur für ihn mit dieser Route auf sich? Immer wieder kommt mir der Gedanke, daß er eventuell jemanden gekannt haben könnte, der dort ums Leben gekommen ist. Später saßen wir noch bunt gemischt am Tisch, aber heute nicht sehr lange.
22.08.2018 – Refuge de l’Onda nach Tattone 2,5h Gehzeit, 140m hoch, 695m runter. Letzter Wandertag heute. Es reichte auch. Hinunter ging es durch den Wald, dann immer am Fluß entlang, an dem immer wieder tolle Stellen zum Baden waren, was wir an einer Stelle auch taten. Einfach herrlich. Weiter hinunter durch eine klein Ortschaft, so langsam kamen wir wieder in die Zivilisation. Dann noch ein steiler Aufstieg im Wald bis Tattone. Wir trafen am Zeltplatz dort ein und schon wieder begann es einige Minuten später zu regnen, ziemlich heftig. Der Regen wollte gar nicht mehr aufhören, so nahmen wir hier noch mal ein Zimmer, einfach zwei Betten und die Duschen vom Campingplatz nebenan. Nach und nach trafen auch die anderen ein. Wir saßen noch gemeinsam draußen, aßen Pizza und Salat und quatschten wieder bunt gemischt umher. Für die meisten hier war die Tour nun zu Ende, einige wollten den Weg nach Süden weitergehen, es war Abschied angesagt.
23.08.2018 – Tattone nach Corte – 24.08.2018 – Corte nach Bastia Nach einem kleinen Frühstück fuhren wir mit dem Zug nach Corte. Wieder saß der alte Franzose schon drin, als wir einstiegen. Er hatte in Vizzavona übernachtet. Joe, Christopher, der Ami und Alex, der Deutsche fuhren auch mit, aber sie blieben sitzen, als wir in Corte ausstiegen, um zu unserem Hotel zu gehen. Wir besichtigten die Stadt, aßen den ersten richtigen Salat seit 10 Tagen und verbrachten den Tag dann noch mehr oder weniger im Hotel. Wir gingen im Supermarkt einkaufen, um uns zum Abendessen auszustatten, gingen noch kurz schwimmen im Hotelpool, dann duschen. Abends saßen wir auf dem Balkon und machten Spiele. Nach Bastia fuhren wir auch mit dem Zug, und dort hatte uns die Hitze wieder – über 30 Grad. Dennoch drehten wir eine Runde durch die Stadt und gingen später im Meer schwimmen bevor wir abends essen gingen, am Hafen auf den Steinen noch einen Wein tranken und dann im viel zu heißen Zimmer schliefen.
Heimflug war am 25.08.2018 – Korsika ade. Eine irrsinnige Insel mit tollen Erlebnissen und Erinnerungen…
Die Idee, eine mehrtägige Radtour mit Zelt zu machen, war schon lange entstanden, und uns hiermit am Donauradweg zu probieren war relativ schnell entschieden. Zeitlimit aufgrund meines erst kürzlichen Jobwechsels war begrenzt auf eine Woche, und so fixierten wir uns auf die erste Etappe – 630km von Donaueschingen, der Quelle der Donau, bis Passau. Nachdem ich in diesem Jahr schon mehrere 100km Touren gemacht hatte und auch Flo nach gemeinsamen 40 oder 70km gar nicht gemerkt hat, Sport gemacht zu haben, begannen die Zweifel. 630km in 7 Tagen – das wären nicht mal 100km am Tag, und schließlich hat man den ganzen Tag zur Verfügung. Also schauten wir, wie der Weg weitergehen würde und kauften uns den 2. Band des Radführers – noch 300km bis nach Wien. Plan war es dann sehr bald, das Zugticket nach Donaueschingen zu lösen und die Heimfahrt offen zu halten. Zunächst redeten wir hinter vorgehaltener Hand davon, es bis nach Wien zu probieren, aber bereits vor Antritt der Reise stand unser Plan, wenn alles einigermaßen laufen würde (Unwetter, Pannen, Verletzungen etc. sich in Grenzen halten würden) „wir fahren in 7 Tagen von Donaueschingen bis Wien mit Zelt von Campingplatz zu Campingplatz“. Mein Chef wünschte mir zum Abschied eine gute Reise und daß ich am kommenden Samstag auf dem Prater ankommen sollte. Flo hatte sich extra an sein Rennrad einen Gepäckträger montiert und die hinteren Ritzel tauschen lassen, ich habe mein Rad reisefertig gemacht. Im Gepäck hatten wir außer den Campingutensilien Zelt, Schlafsack, Isomatte noch Kocher und Geschirr, löslichen Kaffee und Zitronentee, ein paar Müsliriegel, Traubenzucker und Brotzeit, ein paar aber nicht viele Wechselklamotten, Rei in der Tube, eine Regenjacke und zuletzt ein paar Ersatzteile und Flickzeug. Die Knieprobleme, die ich mir 2 Wochen vor der Tour zugezogen hatte, mußten kurzfristig mit Cortison behandelt werden, und wie sich herausstellte hat radeln eine heilende Wirkung – nach der Woche waren die Knieprobleme restlos verschwunden!
29.06.2018
Am Vorabend der Reise war herrlichstes Sommerwetter und wir gingen, nachdem wir den Rest zusammengepackt hatten, auf die Keller. Natürlich wurde es viel zu spät, um morgen früh fit zu sein.
30.06.2018
Um 6:53 Uhr ging unser Zug in Forchheim ab, das hieß um halb 6 aufstehen. Mit dreimal umsteigen kamen wir um kurz vor 13:00 Uhr relativ pünktlich in Donaueschingen an. Die Sonne strahlte, es war angenehm warm, aber ein bißchen bewölkt. Wir fuhren als erstes zur Donauquelle, die nicht weit vom Bahnhof entfernt ist, um hier zu starten. Wir hatten uns für den ersten Abend drei Zeltplätze ausgeguckt, einer bei 70, 80 und 90km. 135km im Schnitt pro Tag waren Pflicht, also sollte es heute Nachmittag doch mindestens die Hälfte einer Tagesetappe werden. Es wehte ein leichter aber nicht zu verachtender Gegenwind, dennoch starteten wir gut bis in knapp 20km eine Umleitung kam, die wir nehmen mußten.
Prompt fuhr ich mir hier ziemlich genau bei Kilometer 20 den ersten Plattfuß – das ging ja gut los, dennoch mußten wir beide lachen. Viele Leute hielten an und fragten, ob wir alles hätten oder sie helfen könnten – das war schon echt ein schöner Anfang. Der Schlauch war blad geflickt und so konnte es weitergehen. Die Strecke heute beinhaltete doch einiges an Höhen, teilweise auch auf Schotterwegen, wofür unsere Räder natürlich nicht ganz gemacht sind, aber es ließ sich alles fahren – das Tal, durch das es ging, war sehr idyllisch, viele Felsen rechts und links, insgesamt ein toller Weg und Tag. Um 19:15 Uhr erreichten wir den Zeltplatz in Sigmaringen – natürlich den bei 90km, somit hatten wir schon 20 gut.
Ankommen, ein Bier trinken, dann Zelt aufbauen und duschen, danach wieder auf die Terrasse am Campingplatz, um eine Kleinigkeit zu essen. Hier machten wir Bekanntschaft mit drei Österreichern aus der Nähe von Wien. Die wollten ebenso wie wir am Samstag in Wien sein – sie fuhren von Donaueschingen quasi nach Hause. Die Nacht im Zelt war angenehm, nur laut. Ein paar Jugendliche, die hier auch campierten machten die Nacht zum Tag.
01.07.2018
Aufstehen um 7:00 Uhr, starten um 8. Die Österreicher sind eine halbe Stunde früher los. Wieder hatten wir unser Ziel des Tages definiert. Günzburg – das wären so knapp 140km. Frühstück, wie es sich einpendeln sollte mit Kaffee und dem Rest vom Tag vorher. Heute wehte uns permanent ein stärkerer Wind entgegen, was die Strecke ziemlich anstrengend machte. Mittagspause gab es nach 85km in Ersingen, danach sollten wir an einer Stelle, wo sich alle verfuhren, die Österreicher einholen. Wir fuhren mit ihnen knapp 20km in Kolonne im Windschatten bis nach Ulm, wo sie Pause machten.
Ein gutes Stück war somit geschafft und bald erreichten wir Günzburg, wo es, oh Schreck, den Zeltplatz, der noch im Führer vom letzten Jahr eingetragen war, nicht mehr gab. Knapp 140km waren gemacht, wir beide waren platt und standen nun da. Eine Frau empfahl uns einen Zeltplatz außerhalb, wohin es noch mal 8km waren, so kamen wir auf 143km heute. Der Zeltplatz war sehr familiär. Wir aßen und tranken etwas, nahmen uns noch 4 Flaschen Bier mit zum Zelt und spielten am Abend Kniffel. Die Nacht war recht kalt und wir froren beide etwas.
02.07.2018
Auch früh war es feucht und kühl. Wir standen schon um halb 7 auf und starteten so gegen halb 8. Diesmal sind wir den Schotterwegen ein bißchen ausgewichen. Es gab einige starke Steigungen, der Wind kam wieder entgegen den ganzen Tag, es war keine Wolke am Himmel. Heute führten wir ein zweites Frühstück ein, Mittag gab es dann erst nach knapp 100km in Neuburg. Dort gingen wir noch einkaufen und fuhren anschließend die letzten Kilometer bis nach Ingolstadt – 124km gesamt für heute. Der Zeltplatz lag an einem See, und wir wuschen Wäsche und haben dann den Abend auf einem Steg im Sonnenuntergang genossen.
03.07.2018
Jetzt drehte endlich der Wind. Wir starteten wie jetzt alle folgenden Tage um halb 8, und unsere Route führte uns von Ingolstadt über Neustadt, wo wir an unserer früheren Schlauchboot-Einstiegsstelle noch mal frühstückten, über Weltenburg, Kehlheim, Regensburg (Mittagspause) bis nach Straubing 139km. In Regensburg bei der Pause sahen wir unsere Österreicher noch mal vorbeifahren, auf die wir nun nicht mehr treffen sollten.
In Straubing am Zeltplatz schauten wir zusammen mit einem Vater-Sohn-Gespann aus Hamburg, die mit dem Auto unterwegs waren, das Achtelfinalspiel von England der Fußball WM und unterhielten uns kurz mit Moritz. Er war ein paar Stunden vor uns in Donaueschingen gestartet und wollte nun in zwei Monaten zum Schwarzen Meer durchfahren.
04.07.2018
Wir starteten als Moritz noch frühstückte. Er holte uns später ein, und wir fuhren ein bißchen gemeinsam bis dann der Schotter kam und er einfach schneller war als wir. Unterwegs einen Mann aufgelesen, der seine Frau verloren hatte, dann danach die Frau gefunden, die ihren Mann suchte – ja, man erlebt so einiges auf so einer Tour, aber überall nette, hilfsbereite Menschen, alle sind so unterwegs wie wir – man hat ja nichts außer sein Rad und das Allernötigste. Mittagspause machten wir in Passau, Mittwoch Nachmittag nach 96 Tageskilometern und 592km gesamt. Was hätten wir nur so lange anstellen sollen, wenn wir jetzt schon am Endziel gewesen wären!?
Kurze Zeit später erreichten wir die Grenze zu Österreich. Das Schild schon im Baum eingewachsen…
Am Abend kamen wir in Schlögen an der Donauschlinge an. Hier waren es 136,5km und wir wurden schneller – von 18kmh schon auf 19,4 gesteigert, auch wenn es zum Schluß noch mal ganz schön rauf und runter ging. Als wir unsere Räder vor der Rezeption abstellten wollten, stolperte Moritz aus dem Gebäude. Er war kurz vor uns eingetroffen. Wir tranken mit ihm zusammen ein Bier und bauten dann nebeneinander unsere Zelte auf, aßen gemeinsam zu Abend, beide von den Jungs besorgten viel zu viel Bier, und so wurde es ein langer feuchter Abend auf einer Bank am Donauufer, sehr nett und interessant! Haben Nummern ausgetauscht – Erfahrungsberichte aus erster Hand sind immer gut, und wir haben ja vor, irgendwann ebenso am Schwarzen Meer zu landen.
05.07.2018
Das Aufstehen war schwer, und es sollte ein richtig heißer Tag werden. Die Wege hier sind herrlich ausgebaut und der Wind war mit uns.
Wir trafen Moritz noch mal kurz unterwegs, dann war er weg oder wir – wie auch immer. Die Beine strampeln sich schnell wieder frei, und auch wenn man schon so viele Kilometer in den Knochen hat, macht es jeden Tag auf’s Neue Spaß und Freude! Das mit dem zweiten Frühstück hat noch geklappt, aber dann sollte es hart werden. Nachdem Wirtshäuser zu hatten, uns nicht gefallen hatten oder auch ein groß angekündigter Landgasthof ohne Ruhetag nicht geöffnet war, machten wir erst nach 120km Pause in Grein. Flo machte die Hitze sehr zu schaffen, mir meine Beine. Ein bißchen Schonhaltung zwecks meinem angeschlagenen Knie war denke ich noch dabei, so hatte ich öfters Krämpfe in der rechten Wade. Allerdings hatten wir uns auch auf einen 20er Schnitt gesteigert und kamen auch so in Granz an nach gesamt 147km. Der Zeltplatz war nicht ganz so einladend gelegen, aber die Leute dort nett. Abends saßen wir in einem Biergarten auf einem Boot im Hafen und nahmen noch ein Bier mit zum Zelt. Das Wetter sollte und schien auch umzuschlagen. Am Himmel schwarze Wolken und immer wieder Blitze, aber es blieb trocken.
06.07.2018
Früh war es sehr windig, allerdings in unsere Richtung. Wir brauchten heute auch mal die Regenjacken, aber es blieb dann doch beim Nieseln, solange wir auf den Rädern saßen. Es ging durch die Obst- und Weinberge der Wachau immer nahe der Donau. Mittags, als wir in Tulln beim Essen saßen, regnete es mal richtig, aber als wir weiterfuhren wurde es wieder trocken und alles war gerettet. Wir fuhren bis Klosterneuburg, 13km vor Wien, und waren gegen 15 Uhr da, so früh wie noch nie. Der Schnitt 20,5 kmh. Hätten locker bis Wien durchfahren können, aber wir wollten am Samstag bei schönem Wetter ankommen, außerdem gibt dort keinen so schönen Zeltplatz.
Nach dem Duschen gingen wir einkaufen – Bier und Wein und ein bißchen Gemüse. Wir machten Brotzeit und guckten danach im Biergarten Fußball. Moritz schrieb, daß er bereits in Wien angekommen ist, ob wir uns morgen auf einen Kaffee treffen wollen. Es begann zu regnen, regnete in der Nacht, war aber früh wieder herrlich schön und warm.
07.07.2018
Wir haben sogar das Zelt trocken bekommen, und auf ging es nach Wien. Es war wirklich nur noch ein Katzensprung. Da standen wir am Stephansdom früh um 9 Uhr. Wer hätte das gedacht… Beide fit wie Turnschuh und glücklich, eine so tolle Tour abgeliefert zu haben – in dieser Zeit.
Die Reifenpanne nach 20km war die einzige geblieben, alle Wehwehchen waren überstanden und stolz waren wir allemal. Moritz kam dann nach Absprache auch dahin, wir tranken einen Kaffee und erzählten von unseren Touren. Gemeinsam wollten wir dann zum Prater fahren, leider fuhren wir in die falsche Richtung los, so daß wir kurz vor dem Hauptbahnhof dann doch erstmal diese Richtung eingeschlagen haben.
Nach langem Hin und Her am Schalter bekamen wir noch eine Chance, heute Nacht in Forchheim zu sein. Kurz vor zwei fuhr der Zug bis 23:15 Uhr. Dreimal umsteigen in Salzburg, München, Nürnberg. Moritz war jetzt weg, und so nutzten wir unseren Aufenthalt, um noch mal quer durch Wien zum Prater zu fahren. Besuch und Fotos am Riesenrad, ein Bier vor dem Urwelttempel und dann zurück zum Bahnhof.
Wir hatten es geschafft und waren echt happy, auch wenn die Heimfahrt ziemlich lang und anstrengend wurde. Eine wirklich tolle Erfahrung und Tour! Nachwehen gab es absolut keine, nur das Rad putzen erforderte etwas Aufwand. Mein Knie ist wieder fit und die Kondition bei uns beiden dürfte top sein.
Auf der Suche nach einem Urlaubsziel für unsere gemeinsame freie Woche entschied zunächst die Jahreszeit. Die einzig gemeinsame mögliche Reisezeit fiel auf eine Woche Ende Oktober / Anfang November, so daß die eine Idee und der beiderseitige Wunsch, einmal den GR 20 auf Korsika zu bewandern, sich als eher ungünstig darstellte, da es dort um diese Zeit einfach schon zu kühl sein würde. Nach einigen Tagträumereien und auch aufgrund der Kurzfristigkeit unserer Planung – es war wohl Ende September, als wir den Urlaub festlegten – fiel die Entscheidung recht bald auf La Palma, eine der 7 kanarischen Inseln. Diese hatten wir beide noch nicht besucht gehabt, und wir wollten etwas Neues für uns erleben. Flo war zuvor schon auf Teneriffa zum Klettern gewesen, ich hatte Gran Canaria und Fuerteventura bereits gesehen, sowie La Gomera ausführlich bewandert. Von La Palma steckte mir im Hinterkopf, daß es eine schöne abwechslungsreiche Wanderinsel sein sollte. So legten wir mit unseren Vorbereitungen los, die sich bald als schwieriger als gedacht erwiesen, bei denen wir doch immer wieder an Punkte kamen, an denen die Reise beinahe gescheitert wäre. Beinahe – zum Glück nur beinahe – denn wir sollten in dieser Woche die bislang tollste und eindrucksvollste Tour überhaupt erleben, beide! La Palma ist eine fast herzförmige Insel, ca. 45km lang und 27km breit. Der höchste Punkt befindet sich auf 2426m – Roque de los Muchachos. Zunächst beschäftigten wir uns mit den Begebenheiten und Möglichkeit für eine ausführliche Trekkingtour auf der Insel. Daß es zwei Weitwanderwege gibt, hatten wir bald rausgefunden – einmal den GR 130, ein Rundweg, der nicht allzuweit von der Küste entfernt um die ganze Insel führt, und zum Zweiten den GR 131, besser gesagt ein Teil davon. Der GR 131 ist Teil des Europäischen Fernwanderweges E7, der sich im Ganzen über ca. 4300km von Ungarn bis zu den Kanaren erstreckt. Der GR 131 selber verläuft über die Kanarischen Inseln, auf jeder Insel ein Stück bis auf Gran Canaria, wo er erst noch eingebunden werden soll oder mittlerweile doch schon ist – das haben wir nach allen Internetrecherchen noch nicht wirklich belegt herausfinden können.
Die Strecke auf La Palma beläuft sich auf 68km vom Meer an der Westküste bis zum Meer am Südzipfel und über die höchsten Punkte der Insel, quasi eine Kammwanderung über riesige Vulkankrater hinweg und rund um den Nationalpark herum. Da wir beide sehr bergbegeistert sind, war diese Route ein Muß zu allererst und unser eigentliches Ziel. Wie läßt sich diese Wanderung begehen? Was gibt es für Möglichkeiten zu übernachten? Wievele Höhenmeter sind zu überwinden auf den jeweiligen Teilabschnitten? Wie viele Tage wollen wir veranschlagen? Wo gibt es Wasser? Wie ist das Wetter, was haben wir für Temperaturen? Fragen über Fragen. Wir besorgten uns Wanderkarte und Wanderführer, womit wir bald herausfanden, daß es keine Übernachtungsmöglichkeiten in Form von unseren in den Alpen altbekannten Berghütten geben würde. Zwar wären angeblich seit über 10 Jahren Hütten geplant, die aber bislang scheint’s niemand gebaut hat. Somit blieb das Zelt. Man dürfe nicht wild zelten, das stand überall zu lesen, aber auf der Wanderkarte waren Zeltplätze eingezeichnet – sollte also kein Problem sein… dachten wir blauäugig, aber Pustekuchen. Da war ein Verweis im Wanderführer auf die Umweltbehörde von La Palma, wo man sich eine Genehmigung zum zelten besorgen müßte. Ein Reisebericht aus dem Internet erschreckte uns, in dem stand, daß sich ebenso wanderlustige Leute wie wir einen ganzen Tag in Santa Cruz herumgeschlagen haben, um endlich widerwillig diese Genehmigung zu erhalten – darauf hatten wir keine Lust. Also setzten wir alle Hebel in Bewegung, um die Genehmigung schon von Deutschland aus organisieren zu können, um sie eventuell dann dort abzuholen oder vielleicht gleich geschickt zu bekommen. Flo kontaktierte die Touristeninformation vor Ort sowie im Anschluß die Umweltbehörde. Es gab ein paar Schreiben auf Englisch hin und her, sie wollten die Pässe von uns und haarklein wissen, wann wir wo würden übernachten wollen. Daraufhin erreichte uns ein spanisches Formular, das es auszufüllen gab, welches ich mit Hilfe des Googleübersetzers mühsam vervollständigte, und „schon“, siehe da – da war die Genehmigung für uns beide für 4 Zeltübernachtungen an den entsprechenden Plätzen. An einem der Plätze hätten wir sogar länger bleiben dürfen, aber generell galt die Vorschrift: 1 Nacht an einem Ort, Zelt Aufbau nach Sonnenuntergang, Zelt Abbau vor Sonnenaufgang und bloß keine Planänderung mehr Zwischendurch und nebenbei kümmerten wir uns natürlich noch um unsere Anreise auf die Insel, die sich in verschiedenen Varianten durchführen läßt. Es gibt wenig Direktflüge, da der Flughafen sehr klein ist, viele Flüge haben Zwischenstops, oder man fliegt nach Teneriffa und setzt dann mit der Fähre über, was auch Zeit kostet. Wie wir hier erst feststellten fiel unsere Woche genau in die Herbstferien, so daß die Flüge nicht gerade billig waren. Nachdem wir im Internet nichts uns angemessenes gefunden hatten, versuchten wir es im Reisebüro, aber dort waren die Kosten noch höher, also wieder heim und nach einem tiefen Blick in unsere Augen der Entscheid: Jetzt haben wir uns so weit durchgekämpft mit dieser Zeltgenehmigung, wir haben nur diese Woche – laß es uns machen! Hinflug von Frankfurt über Madrid nach Santa Cruz de La Palma am 27.10., Rückflug direkt nach Frankfurt am 03.11. Jetzt stand es fest – es war der 30. September, noch 4 Wochen Zeit. Im Anschluß buchten wir noch 3 Übernachtungen in Apartments und einem Hostel, der Plan stand. Das Thema mit dem Wasser wurde noch interessant. Tatsächlich fanden wir über die 4 Wandertage verteilt nur 2 Stellen an denen es Wasser geben sollte laut Berichten im Netz, wir müßten also für bis zu 1,5 Wandertage + eine Übernachtung Wasser tragen müssen. Glücklicherweise waren die Wasserstellen gut verteilt, aber insgesamt 8-9 Liter würden es wohl werden im Gepäck. Das Äußere der Tour: 27.10. Flug nach La Palma Santa Cruz, Übernachtung dort im Apartment, 28.10. früh Busfahrt nach Los Llanos, Essen, Getränke und eine Gaskartusche einkaufen, dann Busfahrt nach Puerto de Tazacorte, dort zu Mittag essen und dann Start. 28.10.: 7km; 1130hm rauf bis zum Torre del Time 29.10.: 15km; 1500hm rauf; 300hm runter über den Roque de los Muchachos bis zum Pico de la Cruz 30.10.: 21km; 528hm rauf; 1400hm runter bis El Pilar 31.10.: 17km; 650hm rauf; 1400hm runter bis Fuencaliente 01.11.: 13km; 700hm rauf; 700hm runter opt.: 02.11.: 25km; 500hm rauf; 1200hm runter bis Santa Cruz Am 31.10. wollten wir nach 3 Zeltübernachtungen auf dem Berg in Fuencaliente ankommen, dort noch einmal im Zelt schlafen, dann zum Endpunkt des GR131 laufen, noch eine Nacht in Fuencaliente, allerdings im Hostel, bevor wir zurück nach Santa Cruz mußten – ob zu Fuß oder mit dem Bus war bis dorthin unklar, aber ein Tag war Zeit dafür. Dort eine weitere Übernachtung im Apartment, und am 03.11. der Flieger zurück. Was das Klima und die Temperaturen anbelangt stellten wir uns auf eher kühle Nächte in den Bergen ein bis an die 0 Grad Grenze runter und auch teilweise Regen, da der November ein Monat der meisten Regentage sein kann. Unten auf Meereshöhe kann es gerne mal bis maximal 24-26 Grad gehen tagsüber, aber nach oben hin sinkt die Temperatur normalerweise um 1 Grad pro 100m in der Höhe. Dicke Schlafsäcke waren angesagt, Zelt, Isomatten, Klamotten von T-Shirt bis Daunenjacke im Zwiebelprinzip und eine Regenjacke. Wir entschieden uns für die dünne Wanderhose, keine Regenhose, aber ich packte mir ein Paar Kniestrümpfe mit ein.Es gab drei Bergsteigeressen, Brot, Wurst und Käse, Teebeutel, Zitronenteepulver und Brausetabletten für das teilweise wohl nach Chlor schmeckende Wasser. Der Trip konnte beginnen und wir freuten uns schon sehr, auch wenn ich Respekt hatte vor der Tour. Noch nie hatte ich so eine Tour mit Zelt gemacht und die Höhen und Weiten waren nicht zu unterschätzen. Am meisten bangte ich um meine Knie bei den vielen Abstiegen.
26.10.2017 Am 26.10. fuhren wir abends zu Lars nach Frankfurt, einem Kollegen und Freund von Flo. Wir verbrachten einen netten Abend mit dessen Familie und gingen nach einigen Bieren und Schnäpsen viel zu spät schlafen.
27.10.2017 Lars brachte uns um ca. 6 Uhr zum Flughafen, wir starteten um kurz nach 8 nach Madrid, wo wir bei der Zwischenlandung 2 Stunden Verspätung hatten. Ca. 17 Uhr Ortszeit waren wir in Santa Cruz (es war warm und leicht bewölkt), wo wir gleich mit dem Bus in die Stadt fuhren, um nach Gaspatronen für den Kocher Ausschau zu halten, die man im Flieger nicht mitnehmen darf.
Durch Zufall fanden wir einen kleinen Outdoorladen, in dem wir gleich von einem Deutschen freundlich bedient wurden. Hier hatten sie keine passenden Patronen, aber in Los Llanos, wo wir am nächsten Tag mit dem Bus hinfahren mußten, war ein zweiter Laden, wo es welche gab. Der Verkäufer machte telefonisch alles klar, damit wir dort am nächsten Tag ab halb 11 Gas kaufen konnten. Er war früher selber Wanderführer gewesen und freute sich zu hören, was wir vorhatten – es soll ein toller Weg auf einer tollen Insel sein. Im Anschluß fuhren wir per Bus zu unserem Apartment, ein Apartmentklotz aber tauglich für uns, in dem wir unsere Wohnung bezogen, sehr geräumig, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Bad und Balkon. Wir gingen noch am Strand im Meer baden (schwarzer Vulkangesteinstrand) und danach zum Essen in einer Pizzeria gleich nebenan. Vorher natürlich noch die Dusche – die letzte Dusche für mehrere Tage…
28.10.2017 Früh gegen 8 machten wir uns auf den Weg zum Bus nach Los Llanos noch im Dunkeln. Von der Straße konnten wir auf Santa Cruz und das Meer sehen. Nach ca. 1 stündiger Fahrt gingen wir einkaufen – 1500g Vollkornbrot, 300g Wurst und 300g Käse – und dann einen Kaffee trinken – der Letzte erstmal… Um halb 11 standen wir in dem Outdoorladen und bekamen unsere Gaskartusche, dann noch Wasser besorgen – 6 Liter zum Start – und eine Flasche Wein, die wir in Plastik umfüllten – die gönnten wir uns.
Wir hatten alles beisammen und die Rucksäcke waren voll und schwer. Nun Busfahrt nach Puerto de Tazacorte, ein letztes vernünftiges Mittagessen, dazu zwei Bier. Wir saßen in einem Restaurant draußen direkt am Meer, es war warm, aber windig und leicht bewölkt. Während dem Essen riß es auf, es wurde immer heißer, die Sonne knallte auf uns herab bei über dreißig Grad, wir schwitzten bereits vor dem Start und liefen los im T-Shirt, die Hosen hochgekrempelt.
Der Anstieg war hart und schweißtreibend, beide die schweren Rucksäcke nicht mehr gewohnt und gleich richtig steil rauf, Felswand, Südausrichtung. Auf ca. 600hm kamen wir, was wir beide nicht auf dem Schirm hatten, noch an einem Aussichtspunkt mit Kiosk vorbei, wo wir uns noch mal 2 Liter Wasser besorgten, Eiswasser, was wir zunächst zum Kühlen unserer erhitzten Schädel benutzten bis es geschmolzen war – dann tranken wir es.
Weiter ging es durch Bananenplantagen hindurch, teils Schotter, teils Teer, aber immer steil bergan. Am Weg standen Kaktusfeigen en masse, und ich hatte die dolle Idee, eine zu essen. Sie schmeckte lecker, nur was ich nicht bedachte, waren die feinen Stacheln, die ich danach zu hunderten in den Fingern hatte, in der Lippe und im Gaumen. Ich rieb sie einfach ab und Flo zog mir ein paar aus den Lippen, aber die Stacheln sollten mich noch ein paar Tage begleiten. Zum Glück entzündeten sie sich nicht, denn die Wanderstöcke waren ständig in Gebrauch und nicht wegzudenken. Schon von Weitem entdeckten wir den Torre del Time, einen Feuerwachturm, unter dem wir unsere erste Zeltübernachtung erleben sollten.
Auf dem Turm stand ein Mann, und als wir ankamen (die ersten 7km waren geschafft) wußten wir nicht recht, was dessen Aufgabe war. Wir warteten mit dem Zeltaufbau, aber er beachtete uns kaum und fuhr bei Sonnenuntergang davon. Unser Zelt stand direkt am Aussichtspunkt, es war kein Wind und so befestigten wir es lediglich mit Steinen und am Geländer. Wir aßen noch ein Brot und tranken einen kleinen Becher von unserem Wein im Teelichtschein und Softshell- bzw. Fleecejacke, bevor wir uns in die Schlafsäcke hüllten. Sehr kalt war es nicht, auch wenn dann über Nacht doch noch Wind aufkam. Ein bißchen unruhig waren wir noch. Es fuhr ein Auto her und wendete, dann ein Zweites, bei dem Flo aus dem Zelt kroch, aber der Fahrer fragte nur, ob wir einen großen Hund gesehen hätten – sie suchten einen. Nein, ein Hund war hier nicht vorbeigekommen, nur in der Ferne hörte man Gekläffe aus allen Ecken, was ein bißchen nervig war.
29.10.2017 Der Wecker stand auf 6.30. Es wurde diese Nacht die Zeit umgestellt, also schon eine Stunde früher hell.
Wir sahen einen schönen Sonnenaufgang über den Bergen hinter Los Llanos. Der Morgen war lau, der Himmel wolkenlos, schon jetzt Traumwetter für unsere Tour. Ein Brot, Tee kochen für den Tag, dann los. Der steile Aufstieg setzte sich bald fort, erst bewaldet, dann immer freier und die Sonne brannte vom Himmel. Wir achteten auf regelmäßige Trinkpausen und kurz was essen zwischendrin, trotzdem war ich abschnittsweise ziemlich geschafft. Flo drängte darauf, noch etwas von meinem Gepäck zu übernehmen, aber ich wollte das nicht. Die Herausforderung war für mich, die Tour so zu schaffen, und ich wußte, daß ich es packen würde.
Gegen Mittag trafen wir am höchsten Punkt der Insel ein, dem Roque de los Muchachos auf 2426m. Es war heiß auch hier. Man kann hier mit dem Auto rauffahren, somit waren wir nicht allein und das Erlebnis hielt sich in Grenzen, aber wir waren zu Fuß hier. Wir sahen die ersten Teleskope (es sollten noch mehr werden) und die Wetterstation, und wir trafen einen Wanderer, der auch mit schwerem Rucksack unterwegs war – der einzige auf unserer Tour. Er ging in die andere Richtung und hatte auf der Hütte, der wohl einzigen, übernachtet – machte nur 2 oder 3 Tage… Oben kochten wir unsere erste große Mahlzeit – Nudeln mit Hackfleischsoße aus der Tüte – lecker und viel. Schwarze Raben umkringelten uns. Bevor wir weiterzogen füllten wir unsere Wasserflaschen auf. Es war fast alles leer. Das Wasser lief langsam und so dauerte es eine Zeit, aber immerhin – auch das hatte geklappt.
Der Weiterweg ging jetzt mehr bergab, aber doch hoch und runter – einige Kilometer bis zum Nachtlager, dem Pico de la Cruz auf 2351m. Wir hatten phantastische Aussichten auf unseren bereits zurückgelegten wie auch noch bevorstehenden Weg, Schäfchenwolken unter uns, Blick auf das Meer im Norden der Insel, Steinformationen, Mauern, als wären sie dorthin gemauert worden, Bilder und Blicke des Wahnsinns, und wir landeten an einem irrsinnig tollen Gipfel, um unser Zelt aufzubauen. Der Sonnenuntergang war bezaubernd, wir blickten in die Ferne, sahen das Meer und die Berge, die Insel gehörte uns.
Es gab Brot und einen Becher Wein dann im Zelt, weil der Wind aufkam. Daunenjacken waren angesagt. Es war hier noch ein etwas seltsamer Typ aufgekreuzt mit einer Klappliege und Steppdecke – um die 50 – er kam hoch, begrüßte uns (ein Deutscher) und legte sich von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang auf die Liege keine 10 Meter neben uns…
30.10.2017 Vor Sonnenaufgang krochen wir aus dem Zelt – es war windstill und schon fast wieder lau. Wir erlebten an unserem Aussichtspunkt einen gigantischen Sonnenaufgang von hinter Teneriffa kommend.
Wir konnten die Inseln La Gomera und El Hierro deutlich sehen, und es war wieder keine Wolke am Himmel über uns. Unser Klappliegennachbar war auch auf. Wir hatten uns am Tag vorher so gut wie nicht unterhalten, weil auch er keine Anstalten machte, jetzt kam er auf uns zu: „Sagt mal, habt Ihr eine Ahnung, was das da hinten ist?“ Er zeigte auf Teneriffa und La Gomera. Er wäre seit zwei Wochen in dieser Art unterwegs, aber scheinbar hatte er keine Ahnung, wo er war… Dann trug er seine Sachen wieder den Berg runter… Die Rucksäcke waren schnell gepackt, wieder ein Brot zum Frühstück und Tee kochen, dann ging es los. Es lagen für diesen Tag 21km vor uns mit diesmal deutlich mehr Ab- als Anstiegen. Es wurde auch bald wieder warm und dann heiß wie gewohnt, man steigt auf und ab auf den unterschiedlichsten Untergründen, durch die unterschiedlichsten Vegetationen mit den unterschiedlichsten Ausblicken, aber einfach immer toll und phantastisch…
Unterwegs kamen wir an zwei Wasserstellen vorbei, mit denen wir nicht gerechnet hatten. Zuerst bei der Hütte Refugio Punta de Los Roques, in der man übernachten konnte, wenn man sich vorab einen Schlüssel in Santa Cruz besorgt hatte. Dort wusch ich mir seit vier Tagen zum ersten Mal die Füße – was eine Wohltat! Die 2. Wasserstelle befindet sich direkt an der Kreuzung des GR 131 mit dem Wanderweg PR LP 1, der Santa Cruz mit Puerto de Tazacorte verbindet. Wieder achteten wir auf unsere Pausen und mittags gab es Kartoffelbrei in einem Wegesabschnitt wie im Dschungel – Hauptsache ein bißchen Schatten.
Gegen späten Nachmittag erreichten wir El Pilar auf 1450m. Das Ganze glich schon eher einem Zeltplatz, es gab Grillplätze, noch 3 Zelte außer unserem, ein Häuschen mit kaltem aber fließendem Wasser mit Klo, Dusche und Waschbecken – und, zu unserem Erstaunen eine Imbißbude mit kaltem Bier. Hiermit hatten wir wahrhaftig nicht gerechnet.
Natürlich kauften wir uns jeder 2 Stück und tranken gleich eins – das tat gut. Das Refugio, in dem man wohl hätte übernachten können, war verschlossen. Zeltaufbau, wir wurden nach der Genehmigung gefragt, die wir vorwiesen, und dann setzten wir uns an einen Tisch zum Essen und Kniffeln. Kalt wurde es schnell, aber das war wohl auch ein bißchen Überanstrengung, die uns dieses Empfinden vortäuscht
31.10.2017 Wir frühstückten wieder am Tisch, nachdem wir alles zusammengepackt und uns im Waschhäuschen nochmals gewaschen hatten. Ich hatte mir hier auch meine Knie und Fersen neu verpflastert. Wie immer gab es Tee, Brot, Käse und Wurst. Beim Versuch, die Tüte der Wurst, die beträchtlich kleiner geworden war, ein Stück abzuschneiden, schnitt ich mir mit dem Messer in die Fingerkuppe, was noch mehrmals an diesem Tag neu verklebt werden mußte. Zunächst ging es durch den Wald steil bergan, dann über viele Vulkane und durch Sand in der prallen Sonne, was teils sehr anstrengend war, aber immer wieder mit wahnsinns Aussichten belohnt wurde. Man konnte quasi die komplette bislang begangene Tour sehen und hatte nach Osten und Westen gleichzeitig Meerblick neben den unglaublichen Vulkanbergen, meist schwarz, aber auch rot, braun, beige und vielen grün leuchtenden Kiefern mittendrin, die scheint’s ohne Nährstoffe und weichen Untergrund auskommen. Die Vegetation trotz des denkbar schlechten Untergrundes einfach unbeschreiblich und -faßbar.
Wir trafen heute viele Wanderer, die diese Etappe als Tagestour machten, da sie in allen Wanderführern als sehr aussichtsreich angepriesen wird, was durchaus zu bestätigen ist. So stießen wir auch Vater und Tochter aus Höchstadt – so klein ist die Welt.
Später ging es sehr viel durch Pinienwälder bergab, und man mußte aufpassen, um nicht auch Nadelpolstern, Vulkangesteinsbrocken oder Pinienzapfen auszurutschen. Es gab noch ein letztes Bergsteigermittagessen – Nudeln in Kräutersoße – bevor wir relativ bald am Nachmittag Fuencaliente nach gut 17km Wanderung erreichten. Die Suche nach dem Zeltplatz, auf dem wir heute übernachten wollten, verschoben wir auf später und gingen zunächst in den Ort, um uns ein kaltes Bier zu gönnen. In einem Café saßen wir mit einer Frau am Tisch, um die 60, wie sich später herausstellte, und auch weit gereist und viel unterwegs. Anschließend liefen wir bei dem Hostel vorbei, in dem wir am nächsten Tag Übernachtung gebucht hatten, um zu fragen, ob wir bereits morgens unser Gepäck bringen könnten, um ohne den schweren Rucksack die Etappe GR 131 La Palma bis zum Meer runter beenden zu können. Vor uns lagen noch ca. 700hm. Der Mann im Hostel war sehr nett, und bot uns an, sogar morgen früh schon unser Zimmer zu beziehen, falls am Abend niemand mehr kommen würde, an den er es vermieten könnte. Er erklärte uns dann auch den Weg zum Zeltplatz – wieder ein ganzes Stück den Berg hoch, am Fußballplatz, den wir bereits gesehen hatten, noch ca. 1km die Straße entlang. Unseren Plan, am Abend zum Essen ins Dorf zu gehen, legten wir ab, da der Weg dann doch recht weit war, und besorgten Bier, Wein und ein bißchen Brotzeit. D.h. Flo legte den Plan ab, da ich mich nicht traute, den Vorschlag zu machen oder gar nicht daran dachte, da er ja schon den ganzen Tag von dem lecker Essen heute Abend gesprochen hatte… Aber auch er hatte kein Problem mit der Planänderung. Am Zeltplatz trafen wir auf ein Aussteigerpaar aus Leipzig, die seit 2 Jahren mit ihrem Wohnmobil unterwegs waren. Mit ihnen saßen wir den Abend zusammen und unterhielten uns. Sie gaben uns 4 selbst gepflückte Äpfel von hier mit auf den Weg, und es wurde für unsere derzeitigen Verhältnisse spät bis wir ins Zelt krochen. Zum Glück gaben sie uns noch den Hinweis mit ins Bett, daß auch hier am nächsten Tag Feiertag ist und die Läden geschlossen haben sollten. Sie bestätigten uns außerdem, daß wir das wohl beste Wetter in dieser Konstanz auf dieser Insel erwischt hatten. Noch in den Tagen vor unserer Ankunft war es diesig von Saharastürmen, so daß man wohl nicht mal Teneriffa und La Gomera hätte sehen können. Auch diese Wärme ist für diese Jahreszeit längst nicht die Regel.
01.11.2017 Bei Sonnenaufgang nach Zusammenpacken und Frühstücken starteten wir ins Dorf, um uns dort noch einen Kaffee zu gönnen. Um 9 gingen wir zum Hostel, bekamen unser Zimmer, packen einen Tagesrucksack, den ich nicht tragen mußte, und machten uns auf die Zieletappe – 700hm bergab in ca. 7km zum Meer und diese anschließend wieder zurück. Eine neue tolle Vulkanlandschaft begleitete uns nach unten, skurrile Steinformationen, Farben und Mondlandschaften, die in der Sonne unter wieder wolkenlosem Himmel glühten.
Wir erreichten Faro de Fuencaliente gegen Mittag – blaues, türkises Wasser mit schwarzem Strand und schwarzer Steilküste erwartete uns zum Baden gehen – ein unglaublicher Sprung in den wohltuenden Atlantik, ein unbeschreibliches Gefühl – wir hatten es geschafft und waren so glücklich. Nichts würde uns diese Tour und dieses Erlebnis je nehmen können, uns beiden, Flo und mir.
Am Ort gab es ein Restaurant, in dem wir uns leckeres Essen und La Palmanesisches Bier gönnten, ein Zwischending aus Weizen und Bier, naturtrüb und recht süßlich, Tintenfischringe, kanarische in Meerwasser gekochte Kartoffeln mit Salzkruste und Fisch. Den Aufstieg durch die schwarze Sandwüste, durch Weinplantagen und Steppe erledigten wir wie im Flug. Ich hatte 3 Stunden geschätzt, der im Hostel sprach wohl von 4 Stunden, da heiß, steil und gen Süden gerichtet, aber wir waren in weniger als 1 ¾ Stunden oben und belohnten uns mit Bier an einem Imbißladen, da sonst alles geschlossen hatte um diese Zeit.
Nach der Dusche (ich rief kurz meine Mama an, die sich riesig freute, mich so glücklich zu hören und weil wir es geschafft hatten), Wäsche waschen (Wäsche, aus der Dreck und Vulkanstaub ohne Ende floß) und einer kleinen Ruhepause gingen wir ins Dorf. Es hatte wirklich fast alles geschlossen. Wir besorgten uns Brotzeit (Baguette und Streichwurst, ähnlich Teewurst) für den nächsten Tag und landeten wieder in dem Imbißladen, um eine Kleinigkeit zu essen. Danach noch in eine Taberna, wo lauter Einheimische waren, auf zwei Bier. Wir waren müde, geschafft und sehr entspannt ausgelassen.
02.11.2017 Wir hatten uns entschieden, auch diesen Weg noch zu laufen – ca. 25km auf dem GR 130 bis zurück zu Los Cancajos, wo wir für die letzte Nacht das Apartment der Ersten hier wieder reserviert hatten. Aufgrund des langen Weges verlegten wir die Aufstehzeit um eine Stunde nach vorne. 6 Uhr klingelte der Wecker. Wir packten, was wir nicht schon gepackt hatten, und machten Frühstück in der Gemeinschaftsküche des Hostels – heißes Wasser diesmal aus dem Wasserkocher, nicht vom Gaskocher, und schmierten die Baguettes mit der Streichwurst für unterwegs. Wir starteten im Sonnenaufgang mit heute wieder den schweren Rucksäcken, allerdings ohne das viele Wasser und den vielen Proviant.
Die ersten 5-6km waren noch sehr schön gelegen und wir erfreuten uns des Weges und des Laufens, danach wurde es anstrengend und karg – viel Straße, teilweise keine gute Beschilderung mehr, viele Ortschaften, die wir durchqueren mußten, viel Hunde, wenig Interessantes und die Füße taten bald weh von den glatten Wegen. Dennoch zogen wir es durch, aßen zu Mittag in Mazo und liefen dann bis zum Ausgangspunkt, der letzte Abschnitt von mehreren Kilometern auf einem abgrundtief häßlichen Weg. Immerhin konnten wir noch Apfelsinen vom Baum pflücken, die irre lecker schmeckten. Den ganzen Tag war es wolkig, anfangs noch etwas Sonne, dann immer trüber. Die Bergkette, über die wir gegangen hatten, die sich ab und an sehen ließ, lag in Wolken.
Als wir ankamen war uns nicht mal mehr nach Baden, da kühl, so setzten wir uns auf eine Mauer am Meer und tranken ein paar Dosen Bier, die Flo uns besorgt hatte, und feierten unsere über 100km zu Fuß in 6 Tagen mit über 5000m hoch und runter. Anschließend ins Appartement, Dusche, dann Essen gehen in der Pizzeria, wo wir anfangs schon waren. Wir aßen, tranken eine Flasche Wein und gähnten uns an – waren wirklich geschafft, aber sehr glücklich.
03.11.2017 Heute wieder früh aufstehen, den Rest packen, dann gleich zum Bus und zum Flughafen. Dort noch ein Kaffee, ein Abschlußbier und eins für im Flieger, dann heim nach Frankfurt. Wir landeten, Lars holte uns wieder ab, wir bekamen noch einen Happen zu essen bei seiner Familie, die so nett ist, und dann fuhren wir heim. Flo fuhr mich heim, um dann selbst gleich weiterzufahren. Es war eine absolute Traumwoche gewesen.