Wie startet man in eine Bergsaison? Am besten mit einfach zu variierenden Touren, damit man spontan unterwegs erweitern oder verkürzen kann.
Spontan und kurz über’s Wochenende, dazu noch nicht in Hochform, wollte ich nicht allzu weit fahren, dennoch aber die „richtigen“ Berge in der Ferne sehen können. Die Bayerischen Voralpen hatte ich noch nicht wirklich besucht, aber wie ich bald feststellen mußte gibt es auch hier einige mittelmäßig anspruchsvolle Touren laut Internet, natürlich wichtig auch dabei, nicht zu sehr überlaufene Orte auszuwählen. 1000hm am Tag sollten Maximum sein, so dachte ich, und ich fand bei meinen Recherchen eine mit 1000, eine mit 850 in der Nähe von Bayrischzell, die mir interessant erschienen.
03.07.2020
Gedacht, getan, Freitag Nachmittag fuhr ich nach Bayrischzell und von dort aus noch ca. 4km bis zu einem Wanderparkplatz am Sillbachhaus, von dem ich vorhatte, zu starten am nächsten Tag.
Plan war hier eine Rundtour mit 1000hm über die Auerspitz zu machen. Als ich ankam fand ich dort einige Schilder mit Tourentipps, so auch eine mögliche Erweiterung meiner Tour mit 1270hm und dem zusätzlichen Gipfel, der Rotwand, was ich mir sogleich abfotografierte.
Um ein bißchen Campingfeeling aufkommen zu lassen, gab’s noch zwei in Bayrischzell gekaufte kühle Teegernseer Hell im Klappstuhl vor meinem Caddy, aber es wurde schnell kühl hier am Bach, so daß ich bald schlafen ging.
04.07.2020
Früh um dreiviertel 7 stand ich auf, kochte mir Kaffee, aß etwas und machte mich auf den Weg – 1000m hinauf zur Auerspitz mit 1811m, was mit 3 Stunden angegeben war. Nach 2,5 Stunden war ich oben und hatte, wenn auch etwas Wolken am Himmel, doch gute Fernsicht. Die Wege waren einfach, wenn auch teilweise recht steil über Almen und ein paar richtige Gebirgspfade. Da ich nicht Mittags schon wieder unten sein wollte, entschloß ich mich, die Rotwand noch mitzunehmen. War ich bis hierher doch relativ einsam unterwegs, herrschte auf der Rotwand reges Treiben – das scheint wohl der bekanntere Gipfel zu sein mit 1884m. Hierher waren schlammige Stellen zu überwinden, die einfach schmierig und rutschig waren, was in dem Sinn eine kleine Herausforderung darstellte, hier nur nicht auszurutschen.
Von da aus ging es hinunter zum Soinsee, ein hübscher größerer Bergsee. Aber auch hier waren mir zu viele Leute unterwegs, als daß ich mich lange hätte aufhalten wollen.
Der Abstieg war dann doch noch ein ganzes Stück, sehr viel auf Fahrwegen, und die Füße merkte ich am Ende doch – die waren das einfach nicht mehr gewohnt, woher auch!?
Um 15 Uhr war ich wieder am Auto, recht früh, aber es reichte mir dennoch für den ersten Tag. 1300hm hatte ich auf der Uhr und 6,5 Stunden Gehzeit. So fuhr ich über Fischbachau und Bad Feilnbach zum Parkplatz am Jenbach, wo ich die Nacht verbringen wollte. Ich saß hier noch lange in der Sonne, die nun endlich richtig rauskam, und las, ging aber nochmals recht früh schlafen.








05.07.2020
Diesmal wartete ich schon auf den Wecker. Ab halb 5 fuhren Autos hier an, um loszuwandern oder zu laufen, und so war ich nach kurzer Brotzeit mit Kaffee um dreiviertel 7 auf den Beinen. Der Weg war sehr abwechslungsreich mit ein paar steileren Anstiegen durch den Wald und über Almen, dann wieder recht ebener Fahrweg und wieder steil hinauf bis zur Ramoldplatte – knapp 600hm bis hier. Heute echt gutes Bergwetter und schnell warm. Die Fernsicht vom Gipfel genial, und ich machte kurze Foto- und Eßpause.
Dann ging es weiter zur Hochsalwand auf 1624m. Hier hinüber waren die Wege wirklich noch etwas alpiner und teilweise sogar stahlseilversichert. Das kleine bißchen Kletterei machte Spaß und Lust auf mehr. Auch diese Tour war nicht übermäßig überlaufen und wirklich toll vom Panorama her bei diesen Verhältnissen.
Hinunter ging es ebenfalls nicht ungemütlich steil, so daß ich ein paar hundert Meter im Laufschritt abstieg, um diese Variante mal für meine Knie zu testen. Jetzt am Tag danach muß ich sagen, die haben das sehr gut verkraftet, und es wird für mich wohl eine Alternative bleiben, die Berge etwas schneller wieder runterzukommen – ohne Stöcke. Der Weg führte direkt am Wendelstein vorbei, und ich durfte eine Zahnradbahn von oben runterkommend beobachten – das Ding ist echt steil, muß ich sagen.
Gegen 12 war ich wieder am Auto nach einem längeren Hatscher zum Schluß, der dann doch nochmal müde macht 900hm, 4,75 Stunden Gehzeit. Alles in allem aber eine gelungene Tour zum Anfang, und was echt irre war: Ich habe die Berge zu dieser Jahreszeit, was ja doch schon oft heiß, trocken und richtig Sommer ist, noch nie so farbenfroh, frisch und grün wahrgenommen, oder zumindest in den ganzen letzten Jahren nicht mehr so gesehen – das war auch mal wieder ein Erlebnis für mich.




Jetzt freue ich mich auf unsere Gruppentour mit Wandern 3F ins Tannheimer Tal in 2 Wochen und kann es kaum erwarten!
