Trekking durch Djebel Bani mit seinen Palmenoasen und bizarren Felsformationen hin zu den hohen Sanddünen des Erg Chegaga 25.10.-03.11.2019

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…und wie ich hier wieder zurückkehren würde…

Seitdem ich Anfang August von meiner ersten Marokkoreise zurückgekommen war, hatte ich sofort auch schon wieder „Heimweh“ dorthin. Mich hatten Land und Leute so gepackt, es war wirklich verrückt. Einige sprachen mich auch drauf an, was mit mir los sei – irgendetwas in mir hatte sich in den zwei Wochen im Hohen Atlas verändert, und ich vermißte alles sehr schnell. Viele Abende saß ich zu Hause, schaute immer wieder Bilder der Tour an und träumte mich dorthin zurück. Kein Land hatte mich bislang je so gefesselt, keine Mentalität so sehr beeindruckt wie diese. Die Aufgeschlossenheit, die Wertschätzung eines jeden, die Stimmung der Menschen, die Sanftheit und Anmut auch derer, die offensichtlich kein Zuckerschlecken geerbt hatten, die Heiterkeit und Freundschaftlichkeit, die man, wenn auch manchmal nur versteckt, doch überall wahrnehmen konnte – das alles löste so einiges in mir aus.

Der Kontakt zu Sonja bestand weiter, und so fragte sie mich Anfang September, ob ich im Oktober nicht nochmal mitkommen wollte zum Wüstentrekking für eine Woche in den Herbstferien. Ich fackelte nicht lange, klärte tags darauf meinen Urlaub ab, kümmerte mich um Flüge und war sehr sehr glücklich mit riesen Vorfreude auf den nächsten Urlaub.

Als es auf Ende Oktober zuging (am 25.10. sollte ich fliegen), waren alle Vorbereitungen getroffen, aber wieder sollte nicht alles glattgehen und mir noch einige Nerven kosten. Mein Hinflug von Dresden über Stuttgart, Neapel nach Marrakesch war in Gefahr, als am 22.10. plötzlich von Streiks am 25.10. in ganz Italien die Rede war, was den kompletten öffentlichen Verkehr betreffen sollte, also auch die Flughäfen. Anfangs hielten die Fluggesellschaften sich bedeckt, so kam ich über die Hotlines nicht weiter. Nur die Pressemitteilungen verschärften sich – ein Zwischenstopp an diesem Tag in Neapel schien unmöglich. Nach einigem Hin und Her und einem Telefonat mit Sonja entschied ich am 23.10. auf gut Glück einen weiteren Flug zu buchen – den sie auch nehmen würde von Frankfurt über Casablanca nach Marrakesch, und tatsächlich gab Eurowings am 24.10. die Meldung raus, daß mein Flug von Stuttgart nach Neapel nicht starten würde können. Ich hoffte so auf meine Chance, das Geld für dieses Paket zurückzubekommen und packte meinen restlichen Krempel für die Tour – jetzt doch erleichtert, daß ich mich so entschieden hatte. Sausen lassen wollte ich dieses Erlebnis in keinem Fall mehr.


25.10.2019

Mein Flug würde um 16.40 Uhr in Frankfurt starten, so hatte ich Freitag noch in Ruhe Zeit, alles daheim in Ordnung zu bringen, bevor ich mich gegen Mittag ins Auto setzte. Wieder hatte mein Packsack gerade mal knapp 11kg, und diesmal waren sogar noch ein paar von mir aussortierte Trekkingklamotten enthalten, die ich Zakaria geben wollte, damit er sie in Marokko weitergeben konnte. Außerdem befand sich diesmal eine kleine Trommel im Gepäck – ich freut mich riesig auf die Abende am Feuer oder auch so einfach mit Musik im Lager.

Am Parkplatz in Neu-Isenburg angekommen, stellte ich mein Auto ab und wurde zum Flughafen gebracht, gab mein Gepäck auf, ging durch die Kontrollen und saß letztlich am Gate mit einer Dose Abschiedsbier. Hier fiel endlich die Anspannung zwecks den Flügen der letzten Tage von mir ab – es konnte nun nichts mehr passieren. Kurz drauf traf auch Sonja ein, die Wiedersehensfreude war groß, und noch eine weitere Teilnehmerin, die wir beide bis dato nicht gekannt hatten.

Die Flüge verliefen gut, der Umstieg in Casablanca war etwas hektisch aber klappte, und wir kamen mit ein wenig Verspätung in Marrakesch am Flughafen an, von wo aus es mit etwas Ungereimtheiten und nochmal etwas verspätet ins Riad ging – das selbe wie im Sommer nahe dem großen Platz. Auch hier war das Wiedersehen und die Begrüßung sehr herzlich nachts um 1, und wir nahmen uns noch ein Bier mit auf’s Zimmer, packten um, quasselten noch ein wenig, um dann bald zu schlafen.


26.10.2019

Nach dem Aufstehen und Duschen trafen wir uns (bis auf 2 Teilnehmer, die wir erst später treffen sollten) alle zum Frühstücken. Auch Zakaria stieß hier zu uns – ein weiteres freudiges Wiedersehen. Auch die anderen machten auf den ersten Blick einen aufgeschlossenen lustigen Eindruck und die Truppe schien bunt gemischt, diesmal Männlein und Weiblein und vom Alter doch etwas jünger im Schnitt als bei der Bergtour im Sommer.

Ähnliches Prozedere nach dem Frühstück – wir wurden mit dem Bus geholt und los ging die lange Fahrt gen Wüste.

Kurz vor Ouarzazate bei Aït-Ben-Haddou machten wir Mittagspause, um danach das Weltkulturerbe am Fuße des Hohen Atlas zu besichtigen. Hier wurden einige Szene von großen bekannten Filmen gedreht wie zum Beispiel dem Gladiator, der Mumie, Alexander oder auch Game of Thrones. Beim Durchstreifen der noch immer zum Teil bewohnten Stadt kann man sich viele Szenen hier vorstellen und ich konnte nun endlich weiter mit meiner neuen Kamera experimentieren.
Zakaria erzählte etliches in der alt gewohnten Manier – einfach immer schön, zuzuhören.

Wir hatten hier nun auch noch die letzten beiden Teilnehmer getroffen, die schon eine Woche in Marokko mit Mietauto unterwegs gewesen waren – ein Ehepaar, das auch schon die M’Goun Tour vor ein paar Jahren mitgemacht hatte. Nun waren wir endlich komplett.

Dann holperten wir weiter bis in die Dunkelheit hinein und erreichten unser erstes Lager erst sehr spät, zu dem wir direkt per Bus gebracht wurden. Die Zelte waren aufgebaut, Küchenzelt, Gemeinschaftszelt und die Iglus nebenan. Die Dromedare hockten oder schliefen schon im Hintergrund, und wir begrüßten die Mannschaft (diesmal eine andere Gruppe, da ja auch andere Tiere) und den Koch – den weltbesten Feldküchenkoch. Auch hier nochmal ein ausgelassenes „hallo – wie geht’s – schön, Dich wiederzusehen“.

Wir setzten uns zum Abendessen – Gemüsetajine mit etwas Fleisch. Es war eine rege Unterhaltung, aber nicht mehr sehr lange heute. Wir waren alle platt vom Busfahren und gingen bald in die Zelte um zu schlafen.


27.10.2019

Aufstehen früh um 7. Jetzt konnten wir erst mal richtig sehen, wo wir waren. Eine weite Landschaft, steinig, platt, am Fuße eines Hügels aus Fels, Steinen und Geröll. In der Ferne waren noch ein paar Häuser sichtbar. Wir räumten die Zelte und bauten sie ab, dann frühstückten wir im Freien. So langsam kam die Sonne über den Berg und es wurde wärmer. Ich war Feuer und Flamme, endlich loszulaufen, endlich über den Paß gehen zu können, um dahinter in Richtung Wüste (erst Steinwüste, dann Sandwüste) der bewohnten Welt zu entkommen, auch wenn es nur für ein paar Tage war. Das Handy war aus schon seit gestern, jetzt mußte nur noch mein Stecker im Kopf gezogen werden, der allerdings auch schon fast lose war zu diesem Zeitpunkt. So sehr war ich schon eingetaucht.

Es war alles gepackt und wir liefen langsam los dem Fuß des Berges immer weiter entgegen, um dann den Anstieg zu nehmen noch auf der Schattenseite. In Serpentinen ging es hoch zum Paß, und oben angekommen gab es erste Einblicke in die irre Steinlandschaft dahinter mit seinen Tafelbergen. Langgezogen ging es leicht bergab in die Steinwüste. Zwei Reitdromedare waren an Bord, die anderen liefen voraus mit all unserem Gepäck. Wir selbst wanderten wieder mit Tagesrucksack wie es jeden Tag sein sollte.

Mittags wartete unser Koch mit einem Dromedarführer unter einem Baum auf uns. Es gab lecker Thé à la menthe, Salat und Reis mit Gemüse. Für die Siesta Zeit nach dem Essen erspähte ich mir einen Berg aus, den ich begehen wollte, und als ich das ankündigte, waren gleich zwei weitere Teilnehmer dabei und wollten mitkommen. Wir stapften zusammen den Hügel hoch, hinter dem sich ein tolles Hochplateau erstreckte mit weiteren Bergen, die zum Vorschein kamen.

Wolkenloser Himmel, die Sonne stach herunter, eine Landschaft wie im Märchenbuch. Es fanden nette Gespräche statt, man lernte sich kennen, und auch auf der Wanderung bis zum Lagerplatz wechselten noch ein paarmal die Gesprächspartner. Es machte einfach Spaß, wieder hier zu sein. Fremde fühlt sich anders an – ich kann es nicht beschreiben – es war wie wieder angekommen zu sein.

Unseren Lagerplatz fanden wir kurz nach einer Oase wieder auf einem Plateau, im Hintergrund Berge. Unsere Zelte waren aufgebaut, aber ab dieser Nacht sollte ich kein Zelt mehr zum Schlafen brauchen für den Rest dieser Reise. Nach dem Waschen sangen wir zusammen, ich packte zum ersten Mal meine Trommel aus, und auch ein paar der Dromedarführer gesellten sich zu uns. Der Bann war schnell gebrochen. Wir sangen unsere Lieder und sie ihre im Wechsel – die Stimmung war einfach toll. Nach dem Essen gab es Feuer, an dem musiziert wurde und wir zuletzt zu viert lange saßen – Der Koch, Zakaria, Sonja und ich. Wir bauten kleine Steinmännchen, schauten in die Flammen und unterhielten uns.

Ich bettete meine Matratze neben dem Zelt und blickte noch lange in den Himmel… fast die ganze Nacht lang… ungewollt… es waren unzählige Stechmücken, die mich zwar nicht stachen, aber unermüdlich um mein Ohr summten – etwas nervig zugegeben, aber ich genoß die Nacht dennoch. Der Himmel war umwerfend und ich sah zig Sternschnuppen, die es auch jeden Abend geben sollte.


28.10.2019

Das Prozedere am Morgen war stets das Gleiche. Wir bauten die Zelte ab, Frühstück, packen, loslaufen – die Stimmung und das Team schon wesentlich vertrauter als am ersten Tag.

Wir liefen ein weitgehend trockenes Flußbett entlang und kamen zu einer Badestelle. Hier wurde nach Männlein und Weiblein getrennt und wir gingen schwimmen. Wieder Sonne, wieder sehr bald sehr warm – einfach traumhaft.

Zu Mittag waren wir wieder im Schatten mitten in steiniger Berglandschaft. Unterhalb eine schöne Badewanne, rechts und links Hügel für den Verdauungsspaziergang. Diesmal ging ich mit einem alleine los, die anderen wollten alle ausruhen. Wir stiegen hoch und erblickten in der anderen Richtung einen tollen Tafelberg, der uns noch aus anderer Perspektive am Abend wieder begegnen sollte. Der Mittagsausflug dauerte diesmal nicht so lange, so daß wir im Anschluß noch baden gehen konnten, was wieder sehr erfrischend toll war. Es war das letzte Mal auf dieser Tour, daß das möglich war.

Zum Lagerplatz war es diesmal nicht mehr weit, schade eigentlich, aber es war wieder ein sehr toller Flecken Erde (oder besser Steinwüste). Wir musizierten und sangen auch hier noch in der Dämmerung und liefen auch hier nochmal auf einen Hügel, um die Abendstimmung zu genießen, bevor es wieder leckeres Essen gab, Feuer im Anschluß und wieder Musik, Gesänge und Tänze. Wir blieben lange sitzen und erneut schlief ich neben dem Zelt. Hier gab es keine Mücken mehr, nur Ruhe und unglaubliche Sterne zum Greifen nahe.


29.10.2019

Früh wachte ich auf wie von selbst, um noch etwas in die Sterne zu gucken, bevor sie von der Sonne unsichtbar gemacht wurden, die langsam hinter den Hügeln hervorkroch. Es ist ein Schauspiel sondergleichen.

Die Wanderung sollte uns heute in die Sandwüste führen. Der Übergang ist schleichend, es beginnt mit ein paar Häufchen Sand, dann wieder Steine und harter Untergrund, bis es irgendwann in die Dünen geht, die schon glühten in der Mittagssonne. Mir machte die Hitze nichts, aber es gab doch einige, die zu kämpfen begannen. Unterwegs sahen wir eine Gruppe von Perlhühnern und Gazellenspuren..

Es gab Mittagessen unter einem Baum wie stets, und im Anschluß entfernte ich mich alleine, da diesmal alle ausruhten. Ich lief umher und fotografierte Dünen mit Gestrüpp darin. Es standen auch einige Dromedare in der Landschaft, die nicht zu uns gehörten – es war einfach fantastisch..

Nach der Pause wollten wieder zwei reiten wie fast auf allen Etappen. Einer stieg auf, saß schon drauf, aber als das Dromedar aufstand, was eine wackelige Angelegenheit jedesmal war, brach plötzlich der Griff und der Reiter purzelte vornüber hinunter… Was eine Reaktion von Zakaria, der da stand – er fing ihn einfach auf und trug ihn sozusagen im Arm. Das hätte durchaus anders ausgehen können, und wir alle waren kurz in Schockstarre. Ok, somit vorerst nur noch ein Reittier. Wir zogen alle zusammen los, und schon bald wurde das zweite Dromedar ohne Griff umfunktioniert zum Holzträger. Wir sammelten dürres Holz ein, um Abends Feuer machen zu können – es sollte Sandbrot gebacken werden.

Weiter stapften wir durch immer höher werdende Dünen. Auch Jeeps waren hier teilweise unterwegs – nicht immer ganz idyllisch, aber die Landschaft machte doch alles gut. In der Nähe des Lagers gab es feste Lagerplätze, zu denen die Touris teilweise mit Jeeps gekarrt wurden, um dann per Dromedar auf eine Sanddüne geschaukelt zu werden – naja, jedem das Seine…

Unser Platz war dennoch sehr separiert gelegen, und wir kamen über eine hohe Sanddüne darauf zu. Wir blieben oben darauf sitzen, aber hier hielt es mich nicht. Als die Sonne immer tiefer ging, tranken die anderen den hochgeholten Kaffee und Tee auf der Düne, während ich umherlief und Fotos machte. Es war zu beeindruckend, die Dämmerung und der Sonnenuntergang hier.

Als es dunkel wurde, war schon Feuer angezündet für das Sandbrot, es wurde Glut gemacht. Ich setzte mich dort etwas abseits, genoß heute ein bißchen die Abgeschiedenheit. Gruppe auf Dauer ist schon auch nicht ohne, auch wenn es überhaupt keine Probleme gab.

Aus dem Sandbrot backen wurde dann ein richtiges Event gemacht, und es war toll anzusehen. Als genügend Glut da war, wurde die Asche aus dem Sand gekehrt und ein großer Hefeteigfladen hineingelegt, der dann mit Glut bedeckt wurde. Es dauerte keine 2 Minuten bis der Teig sich wölbte… Nach vielleicht 5 Minuten wurde abgekehrt, und der Fladen hatte nun schon eine beachtliche Dicke. Einmal wenden und wieder zudecken, um noch ein paar Minuten zu warten, dann war das Brot gebacken. Es wurde sehr gründlich gesäubert und abgekratzt und sogleich für jeden eine Ecke serviert. Es schmeckte fantastisch..

Danach aßen wir wieder unter freiem Himmel und sangen und trommelten schließlich am Tisch (Teppich am Boden). Diesmal ging meine kleine Trommel kaputt, eine Keksdose, die ich als Kind gebastelt hatte, mit Futterseide bespannt und mit Kleber eingeschmiert – das Fell riß. Dem Abend tat es jedoch keinen Abbruch. Zakaria übersetzte den Inhalt eines Liedes für uns – ein Liebeslied, einer Liebe, die starb, weil nichts mehr da war, kein Feuer mehr brannte…

Meine Nacht verbrachte ich wieder mit Sterne gucken und diesmal wollte ich meine neue Kamera ausprobieren. Ich fotografierte in den Himmel hinein, um zu sehen, ob ich den Sternenhimmel abbilden konnte, aber es ging nicht – dazu ist das kleine Gerät zu schwach. Ich schoß ein Bild in den Himmel hinein, das Erste. Beim Anschauen auf dem Display konnte ich erst nichts erkennen…, aber dann, was war das?? Ich zoomte… Da war eine Lichtspur zu sehen, eine Spur, ein Bogen – ich hatte tatsächlich eine Sternschnuppe fotografiert an diesem Abend, in dieser Nacht – was ein Zufall…


30.10.2019

Ich erwachte wieder viel zu früh, um noch in den Himmel blicken zu können. Das Licht war so toll hier. Wir frühstückten wieder im Freien und ich half erneut beim Abtrocknen und Abspülen, weil eh immer schon lange vor den anderen fertig. Mit dem Essen hielt ich mich auf dieser Tour erfolgreich zurück, auch wenn es so irre gut schmeckte, alles, was unser Koch servierte, so wie im Sommer.

Es ging gleich wieder über Dünen los, und ich entschied mich, mich in der Kühle des Morgens auch mal auf das Dromedar zu setzen für eine kurze Strecke. Erleben wollte ich das natürlich mal, auch wenn das Laufen hier meine Berufung zu sein schien. Nach anfänglichen Schwierigkeiten weil einfach ein sehr ungewohntes Gefühl für mich, die Beine nicht auf dem Boden zu haben, ging es dann doch, und es machte sogar Spaß. Ja, man konnte die Landschaft viel besser genießen, und ich sah mehr von dem Wüstenfuchs, der über die Dünen sprang, als die anderen, und ich sah unseren Dromedarführer, wie er losrannte, um einen Sandfisch zu fangen und uns zu geben, bzw. zu zeigen – eine Eidechse im Sand. Dann stieg ich wieder ab. Wir fanden Schneckenhäuser, Muscheln und Korallenähnliches im Sand.

Es wurde langsam wieder heiß, und wir näherten uns einer Oase, in der wir Mittag machten, nahe einem Brunnen. Salat und Nudeln mit Gemüse… Nach dem Essen holte ich mir einen Kübel Wasser aus dem Brunnen und goß ihn über meinen Kopf – die nassen Haare waren sehr angenehm. Danach ging ich spazieren durch die platte Landschaft mit wenigen Palmen und Büschen bis wir alle weitergingen. Es war sehr heiß geworden. Viele hatten damit so ihre Probleme.

Der Lagerplatz lag wieder zwischen Sanddünen. Mit Kaffee und Tee setzten wir uns auf eine, und ich konnte viele Fotos machen vom Himmel, den Dünen und dem Sonnenuntergang. Diesmal zogen ein paar Wolken auf, die das Bild noch irrer erscheinen ließen.

Als die anderen nach dem Essen spielten, wollte ich nicht. Ich setzte mich an das brennende Feuer und genoß es, hier zu sein, einfach nur hier, in diesem Land. Der Koch setzte sich ein bißchen zu mir, und ich kramte all meine französischen Wörter raus, die noch vorhanden waren – eine nette Plauderei. Auch heute wurde noch gesungen und getrommelt am Feuer, die Atmosphäre so toll…


31.10.2019

Heute war unser letzter echter Wandertag. Wir hatten nur noch eine kurze Strecke zu gehen. Nach dem Frühstück galt es wieder zu helfen, dann trotteten wir los, diesmal wirklich nur durch den Sand. Jetzt ging es richtig hohe Sanddünen hinauf und hinunter, der Boden glühte schon bald, und die Bilder waren fantastisch.

Schon mittags waren wir dann am Lager, bevor wir noch an ein paar festen Lagern mit Zelten vorbeigekommen waren. Es gab lecker Gemüse, Salat, Berberomelette und Granatapfel zum Nachtisch. Hier waren wir bis auf das Gruppenzelt, von dem die Wände aufgemacht waren, total der Hitze ausgesetzt. Alle lagen unter Dach, als ich wieder losstapfte. Diesmal nicht zum wandern, sondern zum Zeichnen der Umschläge für die Trinkgelder für Zakaria, den Koch und die Mannschaft. So langsam hieß es Abschied nehmen. Ich zeichnete für Zakaria ein Wüstenbild mit zwei Dromedaren, für den Koch unseren Essenstisch, der aufgedeckt war und für die Mannschaft Zelte, ein Dromedar, Feuer und ein Tambourine. Es sollte allen ganz gut gefallen.

Als wir dann am Zelt saßen kam ein Hubschrauber geflogen. Sonja hatte hier noch nie einen gesehen. Es stellte sich heraus, daß sie einen amerikanischen Promi eingeflogen hatten, damit der eine Nacht in der Wüste verbringen kann – watt ’ne Show… Leute in Uniform auf der Düne bewachten den Lagerplatz des Typen und wehe man kam zu nahe. Auch ein Feuerlöscher stand mitten auf der Sanddüne bereit. Den genauen Zweck dessen erfuhren wir leider nicht. Ob sein Zelt wohl klimatisiert war???

Heute hielt ich mich die Dämmerung über abseits meiner Gruppe, um alles noch aufzunehmen und auch um zu fotografieren. Ich fühlte mich wirklich glücklich hier.

Nach dem leckeren Essen (Engelshaar mit Gemüse und Hähnchenfleisch – wo auch immer sie Letzteres jetzt herhatten…?) sangen wir wieder und verabschiedeten dann die Mannschaft und den Koch. Das waren hier wie auch bei der letzten Tour doch wirklich wieder Momente, bei denen man schlucken mußte – und nicht nur wir. Auch die Einheimischen schienen die Tour mit uns wirklich genossen zu haben. Es war auch eine gute Truppe, die wir da beisammen hatten.

An diesem Tag nahm ich mein Gepäck und eine Matte und schleppte sie weit weg hinter die nächste Düne, um wirklich allein diese Nacht hier genießen zu können. In meinem Schlafsack liegend, die Sterne über mir ließ ich alles nochmal durch meinen Kopf gehen – keine Spur von Unwohlsein, einfach nur Geborgenheit im Sand, in der Weite…


01.11.2019

Das Frühstück verlief diesmal etwas anders. Das Küchenzelt und alles andere war bereits abgebaut – Aufbruchsstimmung. Nach dem Frühstück machten wir noch zwei Gruppenfotos alle zusammen – ich mit meiner Kamera mit Stativ und Selbstauslöser, und dann kamen unsere zwei Jeeps, die uns aus der Wüste rausbringen sollten. Alles wurde bepackt und beladen. Während sie noch packten liefen wir bereits ein Stück voraus, um dann aufgelesen zu werden. Uns stand eine irre Fahrt bevor, auf der wir uns festhalten bzw. vom Dach des Autos abstützen mußten, um nicht mit dem Kopf anzuschlagen. Dem einen Dromedarführer, der noch mit uns fuhr, wurde schlecht, so daß wir halten und ihn vorne sitzen lassen mußten, aber auch das ging letztlich alles gut.

Nach ca. 2 Stunden raus aus der Wüste wartete unser Bus auf uns, in den wir umstiegen. Unser Koch fuhr noch mit, und so kamen wir nach einiger Zeit zu unserem letzten Picknickplatz, an dem er uns nochmal lecker Essen bereitete. Fladenbrot, das er noch in der Wüste gebacken hatte, mit allen möglichen Leckereien, Gurken, Tomaten, Zwiebeln, Thunfisch, Käse, usw. Danach auch Abschied von ihm. So ging es nun weiter bis Marrakesch im Bus, wo wir am Riad abstiegen gegen Spätnachmittag.

Wir teilten uns zu dritt ein Zimmer, gingen abends essen mit fast allen und saßen danach noch auf der Dachterrasse des Riad, um ein wenig Wein und Bier zu trinken. Die Leute paßten wirklich toll und alle waren begeistert von dem Erlebten.


02.11.2019

Dieser Tag war für uns. Die, die noch nicht hier gewesen waren machten eine Stadtführung mit, die ich schon kannte. Sonja, Marion und ich schlenderten durch die Souks. Auch die überforderten mich diesmal nicht mehr so sehr wie bei meinem ersten Aufenthalt hier. Irgendwie verging der Tag.

Abends kam Zakaria nochmal ins Riad, und wir aßen dort gemeinsam leckere Tajine, jedoch nicht zu vergleichen mit unserer Feldküche. Es wurde noch viel und lebhaft geplaudert bis auch die letzte Verabschiedung anstand, die von Zakaria. Da wir versäumt hatten, vorher groß drüber zu sprechen, wer das machen sollte, übernahm ich den Part, und ich denke, meine Worte kamen gut an. Die Stimmung war fröhlich und ausgelassen. Ich fühlte mich sehr sehr wohl.


03.11.2019

Das war das Ende… Mein Flieger ging früh am nächsten Morgen, so daß ich nur noch eine der Gruppe traf, die mit mir zum Flughafen gebracht wurde, die aber einen anderen Flug hatte etwas früher als meiner. Ich flog über Casablanca, wo es regnete. Der Umstieg klappte und auch alles Weitere… Daheim war ich nachts um halb 10.

…auch nach meinem zweiten Aufenthalt in Marokko möchte ich wiederkommen. Es fasziniert mich alles dort, ich fühle mich ein bißchen zu Hause, ein zu Hause, nach dem ich mich zurücksehne und das ich noch besser kennenlernen möchte.

Ein Kommentar zu „Trekking durch Djebel Bani mit seinen Palmenoasen und bizarren Felsformationen hin zu den hohen Sanddünen des Erg Chegaga 25.10.-03.11.2019

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