Für Mitte September 2021 meldete ich mich schon sehr früh im Jahr für die „Bergtouren um die Pforzheimer Hütte“ beim DAV an, für die sicheres Gehen im Blockwerk und Klettererfahrung bis II. Grad erforderlich sein sollten. Nachdem das Jahr eher durchwachsen war, wir aber am Wochenende vorher nochmal den Mittenwalder Höhenweg zu dritt gegangen waren, sollte das nun genau das Richtige werden. 4 Tage, von Donnerstag bis Sonntag im Sellrain mit 5 Personen eine Tour, die vom DAV Bayreuth organisiert war. Gepackt wurde der mittelgroße Rucksack. Sommerschlafsack war erforderlich, da angeblich keine Decken ausgegeben werden durften wegen Corona, ein paar Klamotten und diesmal auch Kletterhelm, Gurt, Bandschlingen und Karabiner.
09.09.2021
Zu dritt starteten wir um 6 Uhr bei Mistelgau, um gegen 11 die drei anderen Teilnehmer am Parkplatz in St. Sigmund im Sellrain zu treffen. Die Fahrt lief gut und der Himmel war blau – so fuhren wir in Richtung und in die Berge hinein bis auf ca. 1500m hoch zum Wanderparkplatz. Schon im Auto wurde sich ausgetauscht und ein wenig kennengelernt, was auf Anhieb sehr vielversprechend war. Am Parkplatz dann in die Wanderschuhe schlüpfen noch in ein Brot beißen, auf die anderen drei warten und los ging’s bei spätsommerlich warmen Temperaturen und wie gesagt blauem Himmel.
Der Weg zog sich erst länger leicht ansteigend auf einem Schotterweg, dann immer steiler werdend am Gleirschbach entlang, es gab viele Pferde und Kühe auf der Weide zu sehen und rauschendes Wasser zu hören. Die Hütte konnte man schon recht früh sehen. Bis zur Talstation der Materialseilbahn also Fahrweg, der sich zog, und dann noch einen etwas steileren Hang hinauf auf Pfaden. Die Hütte thront am Rande des Hanges auf 2308m – ca. 800hm waren gemacht.






Hier bezogen wir gleich unsere Lagerplätze, um dann mit leichtem Rucksack, also wirklich nur Getränk und etwas zum Anziehen, noch ein Stück hoch zu laufen in Richtung Samerschlag, zu dem wir aber nicht ganz aufstiegen. Wir genossen die Berge um uns herum und schauten uns von unten die Wege, Grate und Gipfel der kommenden Tage an.



Zurück auf der Hütte gab’s noch ein Bier auf der Terrasse bis es kalt wurde. Dann packten wir unseren Kram um für den morgigen Tag und saßen in der Hütte bis zur Hüttenruhe um 10 zusammen, aßen zu Abend und tauschten uns weiter aus. Die Hütte war an diesem Donnerstag nur wenig belegt und die Nacht recht ruhig im 32-Betten-Lager.
10.09.2021
Pünktlich um 7 saßen wir beim Frühstück und starteten um kurz vor 8 an einem erneut sehr sonnigen Tag. Erst ging es den Weg hoch, den wir schon am Vortag ein Stück gegangen waren, dann zweigte er ab bis es steil in Serpentinen die letzten 200hm zum Gleirschjöchel auf 2750m hinauf ging.
Ab dort wurde es steiniger und felsiger und ging langsam in eine Gratwanderung über. Hinter dem Gleirscher Roßkogel auf 2994m legten wir sicherheitshalber Gurt und Helm an und machten Bandschlinge und Karabiner bereit, was wir aber alles nicht brauchen sollten, nur Sicherheit geht vor. Es war ab hier tolles Gratgekraxel und eine steile Felswand lag noch vor uns mit Bügeln und Eisen versehen, die doch relativ leicht zu überwinden waren, auch wenn man dabei natürlich jeden Tritt bedenken und sicher sein muß. Es machte riesig Spaß. So kamen wir am Zwieselbacher Roßkogel an auf 3082m. Endlich mal wieder die 3000 geknackt – vielleicht hat mir einfach die Höhenluft gefehlt. Auf der anderen Seite ging’s wieder runter in ein Schotterfeld, in dem ein steiler Weg bergab führt.




















Zurück auf der Hütte erstmal frischmachen, dann packen für den nächsten Tag, Spiele spielen – ein schöner Hüttenabend eben. Heute war schon mehr los in der Gaststube und im Lager, was sich morgen dann wohl fast bis zum letzten Platz noch füllen sollte.
11.09.2021
Das übliche Szenario am Morgen. Nachts hatte es geregnet, aber jetzt war wieder alles trocken, so machten wir uns nach 8 auf den Weg zum Zischgeles. Die Wolken hingen tief über uns und es war trüb, aber beim Loslaufen trocken von oben. Sollte sich später auch nur zeitweise in Nieselregen verwandeln das Ganze. Wir hatten ca. 100hm abzusteigen von der Hütte, um danach am Bach entlang zu laufen bis zum Abzweig in Richtung Gipfel. Es ging steile Wiesenhänge hinauf, dann Steinfelder und schließlich wieder Gekraxel. Aufgrund dem rauhen Stein in der Ecke war alles sehr griffig und wieder ging es am Grat entlang bis zum Gipfel auf 3004m. Sehen konnte man leider nicht viel, aber dennoch schöne Bilder für’s Auge ringsum mit dem Spiel der Wolken.





Rückwärts ging es ein ganzes Stück den Aufwärtsweg wieder runter, entschlossen uns dann aber nochmal ein Stück aufzusteigen und an den zwei Bergseen entlang zu gehen zurück zur Hütte. Es war ein schöner Tag, wenn auch nicht allzu lange – das Bergerlebnis war da.

Wieder folgten Frischmachen und Spiele im Gastraum der Hütte bis es Essen gab und wir den Abend ausklingen ließen.
12.09.2021
Heute wurde früh anders gepackt. Alles fertigmachen zum Abstieg und zur Heimfahrt. Allerdings wurden die Rucksäcke so bepackt erstmal im Trockenraum gebunkert und wir stiegen mit leichtem Gepäck zunächst noch einmal nach oben in Richtung Haidenspitze, einem fast-3000er. Das Wetter war wieder gigantisch warm, die Sonne schien und ein Wolkenmeer lag über dem Inntal – so boten sich phantastische Bilder für’s Auge und für die Linse der Kamera. War die Gehzeit hier bis zum Gipfel mit 2,5h angegeben, so standen wir nach 1h 50min. oben – richtig gut unterwegs alle. Es war einfach wunderschön, erst Wiesenhänge, über die man hoch und entlang ging, später auch wieder Blockwerk. Auch an diesem Tag kamen noch zeitweise die Hände zum Einsatz. Ein toller Abschlußgipfel dieser insgesamt sehr gelungenen Tour.







Schließlich aber ging’s den selben Weg zurück zur Hütte, kurz noch alles wieder in den großen Rucksack packen und dann Abstieg in Richtung Parkplatz. In der Gleirschalm kurz vor St. Sigmund tranken wir noch ein alkoholfreies Weizen und danach ging’s heim.
Das Wochenende wird in guter Erinnerung bleiben, ebenso die Menschen, die ich hier treffen durfte – könnte sein, daß es mit dem ein oder anderen nicht die letzte gemeinsame Runde war.
