Als ich Mitte Dezember auf hoehenrausch.de auf die Berge-Meer Tour von Sonja stieß, wußte ich noch so gut wie nichts über Marokko. Es war einfach die Art und Weise der Ausschreibung der Reise, die mich neugierig machte, und da auf meine Anfrage sofort eine so nette Antwort kam, war mein höchstes Interesse geweckt. Ein paar Mails und Infos hin und her, und es stand fest, daß ich die Mgoun-Tour im Sommer machen wollte – 12 Tage Trekking im Hohen Atlas mit marokkanischem Bergführer, Mulis, Muliführern und Koch zusammen mit einer Gruppe, die erst noch gefunden werden mußte. Das alles war privat organisiert, und da Sonja derzeit in der Ferne im Sabbathjahr verweilte, bot ich mich an, die Tour mit auszuschreiben und zu versuchen, auch Leute zu bekommen.
Nach einiger Organisation, Emails und Telefonaten stand im März fest, daß wir die Reise starten würden, und wir buchten Flüge. Zwei Frauen hatte ich aufgetan, die mit mir von Frankfurt aus fliegen sollten, und eine noch von Memmingen. Ausrüstung war komplett, nachdem ich mir etwas Langarm- und -beinkleidung besorgt hatte sowie einen dicken Schlafsack. Die restliche Trekkingbekleidung war klar. Ich war gespannt, was auf mich warten würde.
Kurze Unruhe gab es noch, als man uns 4 Wochen vor der Reise die Flüge alle drei annullierte, aber wir fanden zum Glück noch alle Platz im Ryanair Flieger von Memmingen aus und bekamen zum Glück auch unser Geld vom Air Arabia Flug zurück.
Die letzten Wochen bevor es losging, freute ich mich wie verrückt auf alles Neue, was in Marokko auf mich wartete.
27.07.2019
Mein großer Packsack stand mit 11kg bereit, und ich stand um 4 auf, um um 5:30 in Bayreuth und zu zweit um 6:30 in Schwabach zu sein. Wir kamen super durch trotz Ferienbeginn und trafen am Flughafen auf zwei weitere Teilehmerinnen der Gruppe.
Beim Flug klappte alles, auch bei der Ankunft am Flughafen, und dort wurden wir abgeholt, um ins Riad gebracht zu werden, mitten in Marrakesch ganz nah am großen Platz Djemaa el Fna in der Altstadt.
Nach kurzem Zimmer beziehen gingen wir zum Geldwechseln und schlenderten durch die Souks. Mir war das anfangs sehr unangenehm – man wird einfach überall angequatscht, weil sie ihr Zeug verkaufen wollen. Wie sehr freute ich mich auf die Berge!
Zurück im Riad trafen wir auf die letzte Teilnehmerin. Sonja sollte erst abends zu uns stoßen. Dann kam unser Bergführer, begrüßte uns kurz und ging mit uns zum nahegelegenen Lokal, um auf einer Dachterrasse über der Stadt etwas zu essen. Außerdem legte er noch den Plan für den nächsten Tag dar, bevor Sonja kam und wir somit endlich endgültig alle komplett waren.
Das Bett rief bald – es war ein langer Tag gewesen.



28.07.2019
Um halb 8 frühstückten wir auf der Dachterrasse des Riad bevor es im Kleinbus losging in Richtung Berge. Hier im Bus war ein bißchen Zeit, sich auszutauschen, und Bergführer und Busfahrer unterhielten sich lautstark und sangen – ein erster Vorgeschmack auf die marokkanische Mentalität.
Bei einer Pause dann gab es Picknick unter Bäumen auf einem Paß mit schon recht schöner Sicht auf die Berge. Nomaden aus der Nähe brachten uns Tee.
Am Nachmittag dann trafen wir endlich unsere Mannschaft und die Mulis mit ihren Führern. Die Begegnung war noch sehr fremd. Sie sollten unser Gepäck auf die Mulis packen und dann folgen. Wir starteten mit Tagesrucksack.
Die Wanderung heute dauerte nur ca. 2 Stunden bergauf auf schmalen Bergpfaden, bis wir ein tolles Plateau erreichten und zusammen mit den Muliführern wurden die Zelte aufgebaut. Kurz darauf bekamen wir Tee und Kekse, zum ersten Mal nun von unserem Koch für die Tour. Hierfür wurde eine große Decke aufgeschlagen im Freien, um die man dann ringsum auf unseren Schaumstoffmatten für die Nacht saß.




Zum Abendprogramm saß Sonja da, spielt Guitalele und sang, wir liefen zu dritt noch eine kleine Runde und zum Abend gab es erstmals leckerstes Essen aus unserer Berberküche – Reis, Gemüse und zartestes Rindfleisch. Wie uns diese Küche noch überraschen sollte, ahnten wir bis dato noch nicht.

Als alles getan war, machte unsere Crew Feuer und begann zu singen, ums Feuer zu tanzen mit Tamburin und noch ner Felltrommel. Zögerlich stellten wir uns dazu und klatschten und tanzten zaghaft mit. Trotz wenig Verständigungsmöglichkeiten mit den Muliführern entstand schnell eine recht freudige, lachende Runde – das erste Eis war gebrochen. Die Leute sprechen hier ihre Berbersprache (ⵜⴰⵎⴰⵣⵉⵖⵜ Tamaziɣt). Französich sprach nur der Koch, und unser Bergführer auch sehr gutes Deutsch. Eine so tolle Atmosphäre unter dem irren Sternenhimmel – wüßte nicht, wann und wo ich so einen schonmal gesehen haben könnte. Ganz deutlich und hell zu sehen die Milchstraße.
Wie es jeden Abend der Fall werden würde, gingen wir recht früh schlafen.
29.07.2019
Um 7.30 Uhr gab es das erste Frühstück unserer Trekkingtour. Auch hier fehlte es an nichts. Es gab löslichen Kaffee oder Berberkaffe, Tee, frischen Orangensaft, Weißbrot, Marmelade, Honig und Streichkäse.
Wie es jeden Tag ablaufen sollte, wurden unsere Taschen von den Mulis getragen, wir selbst gingen wieder mit Tagesrucksack. Die Einblicke ins Land waren fantastisch heute – eine Landschaft wie im Film, Blicke auf rote und grüne Täler, noch ziemlich viel Baumbestand, weil noch recht weit unten, Steineichen und Wachholder, wie hier überall zu finden. Ab und zu begegneten uns Ziegen. Auf steinigen tollen Bergpfaden ging es bergauf und bergab, nach 2-3 Stunden gab es Nüßchenpause und nach ca. 4 Stunden erreichten wir einen schattigen Platz unter einem Walnußbaum, an dem unser Koch bereits seine Feldküche aufgebaut hatte und fleißig war. Unsere Sitzgruppe war bereitgelegt und zwei der 5 Muliführer waren mit ihren Tieren anwesend, um alles zu richten. Auch das sollte jeden Tag so sein. Die Mulis, Muliführer und Koch gingen stets nach uns los, wenn sie alle Zelte und Ausrüstung verpackt und aufgeladen hatten, und überholten uns dann kurze Zeit später, um wieder für uns vorzubereiten. Wirklich ein irres Pensum, was sie alle zusammen geleistet haben.





Nach dem Essen (frischer Salat wie jeden Mittag und dann Ratatouille, danach Melone) war jeweils meist eine Stunde Ruhepause, in der die anderen die Augen zumachten. Ich ging umher, fotografierte und wechselte ab und zu ein paar Worte gebrochenes Französisch mit dem Koch.
Nachmittags liefen wir noch 2 Stunden bis zu unserem heutigen Lagerplatz nahe einem Dorf am Fluß unter Walnußbäumen. Als wir ankamen gab es gleich wieder Tee und Kekse, dann wuschen wir ein bißchen Wäsche und ich machte mich mit Sonja auf den Weg, um hinter ein paar Flußbiegungen im Wasser mit einem kleinen Eimerchen zu „duschen“. Anschließend spielte sie Guitalele und wir sangen gemeinsam. Kinder aus dem Ort kamen und schauten zu, bzw. klatschten dann auch mit.
Zum Essen gab es Suppe und dann Couscous mit Gemüse, Lammfleisch und Gemüsesauce – wieder nur vom Feinsten.





Wieder ging es bald zu Bett, aber die Nachtruhe sollte heute nicht lange anhalten. Ein irrer Sturm kam auf, mit dem hier wohl keiner gerechnet hatte. Erst stand ich auf, um meine Wäsche aus den Bäumen zu retten, später um die Heringe unseres Zeltes neu zu befestigen und noch ein bißchen abzuspannen. Auch einige andere und die Mannschaft waren lange beschäftigt, um weitere Zelte, auch das Küchenzelt stabil zu bekommen. Die Zeltstangen bogen sich bis sie fast platt am Boden lagen, und so richtig die Augen schloß dann wohl niemand mehr.
30.07.2019
Am Morgen hatte der Wind etwas nachgelassen, aber nicht ganz. Es war sehr warm.
Nach der Morgenwäsche, der Frühstücksprozedur und allem Packen ging es los, den Fluß aufwärts, sehr lange durch das Tal leicht bergan durch irre Felslandschaften und sehr grüne Ecken. Es war weiterhin sehr warm, die Sonne stach herunter, aber der Wind war ebenfalls sehr stark. Die letzte Stunde vor dem Mittag stieg der Pfad steiler an und wir landeten zur Pause im Schatten eines Felsen in überwältigender Landschaft mit tollem Farbspiel zwischen Steinen, Pflanzen, dem blauen Himmel und ein paar vereinzelten weißen Wolken. Leider wehte der Wind uns ziemlich viel Dreck auf unser Essen, so daß das nicht ganz der Genuß war, aber es schmeckte trotzdem, der Salat und die Linsen im Anschluß.




Nach dem Essen wieder Ruhepause, ich spazierte ein bißchen umher, schrieb mein Tagebuch, fotografierte und hängte die Füße in ein Bächlein, das etwas unterhalb vorbeifloß.
Es folgte noch ein Anstieg, bei dem das Tempo wieder sehr langsam war, dann ein Abstieg zum Lagerplatz in einer Senke. Es waren heute wohl so 1000hm hoch und 600 runter – das kam von Pensum her schon eher in meine Richtung, allerdings kam mir alles weniger vor, was evtl. dem langsamen Tempo geschuldet war.




Wir waren hier in der Nähe eine Quelle, wo einige andere zum Waschen hingingen. Ich hatte ja gestern geduscht und machte nur Katzenwäsche mit Eimerchen. Ich hatte Kopfschmerzen heute vom Wind und die Augen schmerzten wohl ebenfalls zwecks Wind und Sand darin.
Wie fast jeden Tag machte ich meine Kniedehnübungen im Zelt. Bislang merkte ich nichts von meinen Knieproblemen, auch wenn ich die ganze Zeit ohne Stecken unterwegs war. Das baute mich echt riesig auf.
Zu Essen gab es Spargelsuppe, Gemüse und Obstsalat zum Nachtisch.
Unsere Jungs machten dann wieder Feuer, tanzten, trommelten und sangen, aber mein Kopf tat weh, ich wollte nicht mehr mitmachen, und so setzte ich mich abseits auf einen Stein, schrieb ein bißchen und schaute den anderen zu. Es machte so glücklich, diese Stimmung zu sehen – diese kleine Glückseligkeit, wenn man zusammen Musik machen und lachen kann. Ich wollte das nächste Mal unbedingt wieder mitmachen.
31.07.2019
Heute Nacht habe ich zum ersten Mal auf der Tour gut geschlafen. Es gab gleich zu Beginn einen steilen Anstieg so um die 1000hm über viel Geröll etwas alpiner bis zu einem Paß auf 3200m. Man hatte hier wieder eine tolle Aussicht, und wir verweilten ein bißchen mit Nüssen und trinken. Ich fand auf dem Weg eine kleine Versteinerung. Hatte mir aufgrund des langsamen Tempos angeeignet, ganz hinten zu gehen und hinterherzuträumen. Ich konnte fotografieren und Steine anschauen und war trotzdem mehr als relaxed immer und nie außer Atem.



Nach ein paar Metern über die Höhe ging es wieder 300m hinab zu einem Bach, wo wir Mittag machten. Hier konnte ich mir die Haare waschen. Zum Essen gab es Grünzeug und Berberomelette im Tajine, danach Orangenscheiben mit Zimt. Als danach wieder fast alle schliefen (es war heiß und der Wind zumindest hier nicht so zu spüren), lief ich mit einer anderen den Bach aufwärts entlang, und wir badeten an einer Stelle, wo es ein richtiges Becken gab. Herrlich, so im klaren kalten Wasser zu liegen!
Von hier aus war es noch ca. eine Stunde über ein Plateau zum Lagerplatz. Hier waren mehrere Gruppen zum Übernachten und es gab auch eine Berghütte.



Nun wurde es ernst. Morgen war der optionale Gipfel zu machen, ein 4000er der Mgoun-Kette. Unser Bergführer meldete an, daß nicht jeder da mitkommen könnte und so sollten wir nur zu dritt mit ihm gehen am nächsten Tag.
Abends gab‘ es noch ein Spiel Heckmeck, was die Stimmung einigermaßen hielt, nachdem es doch einige enttäuschte Mienen gegeben hatte.
01.08.2019
Um 4 Uhr wurden wir geweckt, bzw. waren schon wach. Heute lief es etwas anders. Unsere Begleitmannschaft ging unten, und so mußten wir Brotzeit selbst einpacken. Zum Frühstück gab es diesmal auch Müsli, und der Koch hatte schon frisches Brot gebacken. Es war wohl die erste Tour, bei der der neue kleine Gasbackofen mit an Bord war – herrlich. Auch die Klamotten fielen diesmal wärmer aus. Skiunterhemd und Daunenjacke, im Rucksack noch Handschuhe, Mütze und Skiunterhose, was ich aber alles nicht brauchen sollte. Mit Stirnlampen liefen wir um 5 los. Es ging ein paar Meter recht flach, dann gleich steil hinauf, und auch das Tempo hatte sich geändert. Heute stand eine richtige Bergtour an – 1200 Meter hoch und ca. 1300 wieder runter.
Langsam wurde es hell, als wir am steilen Hang liefen, stetig alpin bergan und auch noch steiler ein Stück im feinen Geröll. Es war windig, aber das Wetter sah stabil aus. Ziemlich weit oben dann wieder etwas flacher, Querung eines Hanges auf gleicher Höhe und dann ging es auf den Grat hinauf, auf dem so ca. 2 Stunden Gehzeit veranschlagt waren. Hier traf es uns – es war richtig stürmisch. Eine von uns bekam anfangs schon schlecht Luft ab ca. 3700m, und weiter oben spielte dann noch ihr Magen verrückt, dazu kam, daß es teilweise wirklich nicht einfach war, sich zu halten. Man lief so zu und plötzlich kam eine Böe, die einen einen halben Meter nach links versetzte. Wir waren die einzigen, die an diesem Tag auf den Gipfel gingen, alle anderen kehrten um. Es war schon wirklich grenzwertig da oben, und auch unser Bergführer, der ja schon Schnee und alles mögliche hier oben kannte, hatte es so wohl noch nicht vorher erlebt gehabt.
Es war so gut, daß wir nur zu viert unterwegs waren. Er mußte eine von uns führen, und auch für mich war das hier wirklich eine Grenzerfahrung, mit der ich aber dank guter Kondition und keinerlei Höhenproblemen gut zurecht kam. Irgendwann standen wir nach vielen kurzen Pausen tatsächlich oben auf 4071m laut Gipfelkreuz. Hier war die Stimmung kurzzeitig dann doch sehr glücklich und ausgelassen für uns alle. Nun mußten wir aber auf der anderen Seite wieder runter, und der Wind ließ nicht nach. Es war steil und tiefes Geröll zum Abfahren. Meine Knie muckten kein bißchen, auch hier ohne Stöcke unterwegs genoß ich es fast, den Berg runterzulaufen, was ich mir noch vor einem halben Jahr nie hätte träumen lassen können.









Etwas unterhalb tranken wir einen Schluck Gipfelschnaps, und es ging dann auch unserer etwas Höhenkranken bald viel besser, als die Höhe wieder nachließ. Hatte mir oben wirklich Sorgen gemacht um sie. Im Abstieg kamen uns noch 2 Dromedare allein entgegen – was für ein tolles Bild – und dann nach 7,5h gesamt gab es endlich eine längere Pause, in der wir was essen konnten. Ab hier ging es nur noch steil und zügig bergab, später noch ein Hatsch durch ein trockenes Flußbett. Nach gesamt 10 Stunden waren wir am nächsten Lagerplatz, erschöpft, glücklich – ein wahnsinniges Erlebnis hinter uns.





Die Stimmung hier unten war leider nicht die Beste. Eine hätte wohl unbedingt mitkommen wollen auf den Gipfel, aber das wäre wirklich Nonsense gewesen. Für uns, die wir wußten, was wir erlebt hatten, war es perfekt so wie es war. Es war auch so schon problematisch genug.
Für uns gab es gleich Nudelsalat, Gemüse, Melone und Tee, ich konnte aber nicht viel essen. Die Erlebnisse des heutigen Tages in meinem Kopf und die Anstrengung, das war einfach genug.
Später ging ich zum Bach baden und Wäsche waschen, dann gab es Abendessen und Heckmeck spielen, nachts wieder irrer Wind und sehr viel Staub auch im Zelt.
02.08.2019
Früh noch immer Wind, aber alles doch besser als Regen, von dem wir noch nichts abbekommen hatten. Heute war eine kurze Etappe geplant. 4 Stunden zu einem tollen Lagerplatz am Wasser. Essen, Wäsche waschen, Spaziergang zur Badestelle im Bach, dann Ruhe genießen und Füße ins Wasser hängen – wahnsinns Bilder mit den Mulis um unsere Zelte herum und der verrückten Landschaft.



Ich denke, hier war der Tag, an dem es zum ersten Mal nachmittags Kuchen gab, was dann noch öfters geschehen sollte. Der Koch begann wohl, seinen neuen Ofen zu lieben.
Wir sangen noch ein paar Lieder zum Guitalelenspiel von Sonja, aber nach dem Abendessen war so ziemlich Ende. Ich schaute dann im Zelt noch Bilder an und schrieb. So früh schlafen war nichts für mich.
03.08.2019
Heute gab es um 7 Frühstück, also etwas früher. Es sollte ein langer Tag werden, weil umgeplant wurde. Zwei Tagesetappen zusammengelegt, dafür ein Tag mehr Spielraum am Ende. Darüber freute ich mich sehr. Allerdings erwachte ich mit Halsschmerzen, die mir etwas zu schaffen machten. Es war sehr warm und eine tolle Tour, Steinformationen teils ähnlich der Fränkischen, nicht so anspruchsvoll, aber es gab tolle Bilder. Mittags saß ich und begann die Landschaft zu zeichnen, während die anderen schliefen. Warum war ich da nicht vorher drauf gekommen?




Abends waren wir dann in einem Dorf, unser Lagerplatz sehr klein aber toll, nur die Leute alle wieder müde. Wir begannen zu viert ein Kniffel, das nie zuende gespielt wurde und um halb neun wollten plötzlich fast alle schlafen. Langsam wurde mir das doch etwas zu nervig. Zum Glück kamen dann noch Jungs aus dem Dorf (Teenageralter plus minus) und unsere Crew machte „Feuer“ mit ner Gaslampe. Ein paar von uns waren dann doch dabei, und es war so ziemlich der schönste Abend der Reise letztendlich wieder mit Musik, singen tanzen, klatschen und trommeln. Ach, wie werde ich das vermissen.
04.08.2019
Heute hieß es schon um 5 Uhr aufstehen, Start um 6.15. Wir stiegen 1200m hoch auf 3500. Es war ein anstrengender Anstieg auch für mich aufgrund meiner Halsschmerzen, aber dennoch wieder tolle Landschaft und einfach erfüllend. Meine Zehen machten mir langsam zu schaffen. Alles war abgeklebt, aber die rechte Kleine war schon sehr demoliert. Mittags gab es nur ein Picknick vom Koch, diesmal kalt, aber dennoch so lecker, und unser Lagerplatz war wieder sehr idyllisch gelegen in einer Senke. Waschen war an einer Quelle, alles erledigen, und dann gab es wieder Singen, Trommeln auf Kanister und auch die Muliführer sangen und trommelten zu unserer Musik. Das Zusammenleben hatte nun wirklich gewonnen und ich glaube, wir alle haben es sehr genossen.





05.08.2019

Heute war der Morgen wieder entspannt und wir halfen dem Koch noch beim Abtrocknen. Routine hatte sich eingestellt, und ich war sowieso immer schneller zum Gehen bereit als die meisten anderen. Gepackt und versorgt war ohnehin schon immer alles am Abend. Den heutigen Marsch empfand ich als Hatsch mit wenig Abwechslung der Bilder, aber so ist das eben. Meine Zehe schmerzte sehr, und so war ich nicht ganz unzufrieden. Die Weite der Landschaft war herrlich an diesem Abend.
06.08.2019
Heute 50er Geburtstag einer Teilnehmerin. Wir sangen schon am Morgen für sie, dann wandern in glückliche Tal, das Ait Bouguemez. Ich lief ab der Nüssepause in Sandalen, weil Zehe nicht mehr mochte. In der Mittagspause zeichnete ich auf den Umschlägen als Dankeschön für die Muliführer und den Koch. Bald würde es heißen Abschiednehmen.



Es gab nach unserer Ankunft erstmal Kuchen und Luftballons für das Geburtstagskind. Später Abendessen und singen, Bedanken bei den Muliführern – die waren so toll – und sie bedankten sich auch bei uns. Der eine war so glücklich, daß er mal die Guitalele in die Hand nehmen und spielen durfte. Das beeindruckt schon sehr.



Spielten dann noch eine Runde Kniffel, aber ich war nicht müde. Wollte mich raussetzen mit Stirnlampe und schreiben, aber da waren zu viele Insekten, also hab‘ ich wieder im Zelt noch ewig gebraucht zur Ruhe zu kommen mit schreiben und zeichnen.
07.08.2019
Nach dem Frühstück gab es ein Gruppenfoto – das Letzte mit allen zusammen. Gleich verabschiedeten sich dann drei von den Muliführern. Der Weg vom Plateau runter war sehr steil. Eine von uns konnte kaum mehr laufen, so organisierte unser Bergführer eine Mitfahrgelegenheit. Sie hatte Probleme mit dem Knie. Ach, wie glücklich war ich doch, daß mich das nicht mehr belastet hat mit den Dehnübungen fast täglich und ohne Stöcke die gesamte Tour über außer die letzten beiden Stunden vom Gipfel runter.
Wir liefen zwischen Gärten und Plantagen zum Berg eine Opferstätte und dort steil hinauf. Wir bekamen da Tee und konnten uns den Bau ansehen, ein Rundbau, der früher ein Wachposten war mit vielen Zimmern und einem Dachplateau. Hier war viel Aussicht auf die umliegenden Berge und Dörfer.


Essen gab es unten wieder unter Bäumen in der Nähe der Ortschaft. Danach schliefen wieder alle, und ich schrieb und schaute… Die letzten beiden Muliführer verabschiedeten sich. Anschließend liefen wir zur Gite d’étappe, in der wir heute übernachten sollten. Es regnete zum ersten Mal auf unserer Tour in den letzten 20 Minuten oder so. Nun konnten wir duschen, umpacken, auf der Terrasse sitzen und unsere Zimmer beziehen. Hier wieder ein richtiges Bett, das ich nicht vermißt hatte nach den wirklich bequemen Matratzen im Lager. Wir aßen zusammen am niedrigen Tisch, ein letztes Abendessen von unserem Koch, und wir sangen und verabschiedeten uns nun auch offiziell von ihm, auch wenn es morgen nochmal Zeit zum frühstücken von ihm gab und er mit uns nach Marrakesch fuhr.
08.08.2019
Frühstück in der Herberge, dann hieß es einsteigen in den Bus, der uns schon hier ins Tal gebracht hatte vor über einer Woche. Man konnte auf der holprigen Fahrt nochmal alles revue passieren lassen, und es gab letzte Einblicke zurück in die Berge, bevor wir endgültig in der Zivilisation zurück waren. Unterwegs eine Kaffeepause und später was essen, und um ca. 15 Uhr dann Aussteigen in Marrakesch. Das Hineinstürzen ins Getümmel des großen Platzes bei über 40 Grad war wie ein Schlag ins Gesicht, aber es hieß einfach Augen zu und durch.
Im Riad bezog ich mein Zimmer mit Sonja, und wir liefen nochmal über den Markt und gingen dann einen Melonencocktail trinken auf einer Dachterrasse – natürlich alkoholfrei.
Ich kaufte mir eine Djembé. Mir hatte das Trommeln so viel Spaß gemacht unterwegs, so daß dies mein Andenken werden sollte, ja, und ich fand es sogar lustig in dem Musikladen in den Souks. Der eine hier hatte echt was drauf, konnte super trommeln und wußte, wovon er sprach – zum Glück auf Englisch. Ich entschied mich für eine ganz Schlichte mit Keramikkorpus und Ziegen- oder Schafhaut überzogen. Es gab auch welche, die mit Fischhaut bespannt waren. Darauf wäre ich bislang nie gekommen.
Abends besorgten wir alle zusammen etwas zu essen und saßen auf der Dachterrasse des Riad noch etwas zusammen mit einer kleinen Dose Bier und dann einer Flasche Wein – diesmal mit Volumenprozent.
Sonja und ich nahmen uns noch ein Bier mit auf’s Zimmer und quatschten noch eine Weile. Die Luft in der Gruppe war irgendwie raus, und es wurde Zeit, daß die Reise zu Ende ging. Wir beide aber verstanden uns wirklich sehr gut.
09.08.2019
Heute früh ging es gleich los zur Stadtführung, auf die ich im Nachhinein lieber hätte verzichten sollen. Mein Kopf war einfach noch in den Bergen und nicht aufnahmefähig. Zudem ging es mir wirklich zu sehr ins Detail um Dinge, für die ich ohnehin nicht geschaffen bin. Egal, es ging vorbei. Danach traf ich mich kurz mit Sonja auf einer weiteren Dachterasse, um einen Orangen-Karottensaft zu trinken, und dann verzogen wir uns ins Zimmer. Ich schrieb an ein paar Leute nach Hause, bekam auch prompt nicht wirklich erfreuliche Neuigkeiten zu hören, und kam so ein bißchen runter.
Abends trafen wir uns ein letztes Mal mit unserem Bergführer zum Essen und zum Verabschieden. Auch für ihn hatte ich noch einen Umschlag gezeichnet, in dem wir unser Trinkgeld übergeben konnten. Nachdem wir zusammen noch draußen gesessen haben, lief ich mit Sonja nochmal über den großen Platz. Es war ein wildes buntes Treiben wie jeden Tag hier bis in die Nacht. Gesänge, Spiele, Getrommel, Tänze, einfach irre, was da auf den Beinen war jeden Tag.


Auch heute gab es noch ein Bier im Zimmer, wieder quatschten wir noch lange, so daß mir nur drei Stunden zum Schlafen blieben. Samstag um 4 Uhr sollten wir zum Flughafen abgeholt werden. Die Reise war vorbei, und der Rückflug sollte reibungslos klappen.
Mein Schwebezustand und die unglaublichen Eindrücke werden aber wohl noch einige Zeit anhalten und nachwirken – ich bin geflasht von dem Land, von den Bergen, den Leuten, der Mentalität derer, die ich kennenlernen durfte. Ich bin mir fast sicher, daß ich eines Tages hierher zurückkehren werde.
Hey,
coole Tour👍🏻
Gut dass Knie fast komplett gepasst hat!
Und ich hoffe die Zehe ist bald wieder fit!
LG,
Flo
LikeGefällt 1 Person
Danke Dir – das Knie hat top gehalten, das is wie neu, und die Zehe ist auch wieder i.O. mittlerweile 😉
lg susan
LikeLike
Hallo Susan,
eine tolle Tour und deine „Reisereportage“ macht richtig Lust auf mehr. Ich freue mich schon auf unsere erste gemeinsame Tour.
Liebe Grüße,
Dietmar
LikeGefällt 1 Person
Hallo Dietmar,
vielen Dank! Ich freu‘ mich auch und bin gespannt – is ja nimmer lang!!
lg susan
LikeLike