Im Mai entstand die Idee zur Begehung der Soiernrunde im Karwendel Ende Juni als Einstieg in die Bergsaison und Vorbereitung für den Watzmann. Ein Freund wollte mich begleiten. Ich arbeitete eine Tour komplett aus, reservierte auf dem Soiernhaus und beobachtete das Wetter. Noch zwei Wochen vor unserer geplanten Tour schrieb mir die Hüttenwirtin auf Nachfrage, daß es vermutlich noch immer große Schneefelder zu überwinden geben würde. Wir würden also unbedingt Steigeisen einpacken müssen.
Geplant war, Freitag nach Krün zu fahren, dort in meinem Caddy zu übernachten und am Samstag früh loszuziehen. Ich rechnete mit 8-9 Stunden Gehzeit am ersten Tag, was mir die Wirtin auch bestätigt hatte. Zusätzlich wären noch 2 Gipfel möglich am Ende des Tages – falls es uns noch nicht reichen sollte.
Die Woche vor unserer Tour gab es eine irre Hitzewelle, so daß viel von dem Schnee schmolz. Ein Tag vor dem Start waren so gut wie alle Schneefelder verschwunden und wir packten die Steigeisen wieder aus, nachdem sie schon im Rucksack verstaut gewesen waren. Das Wetter war fantastisch gemeldet, warm strahlende Sonne und nahezu kein Gewitterrisiko – dem ein oder anderen vielleicht zu warm, aber für mich genau richtig.
28.06.2019

Direkt nach der Arbeit ging es los, und wir kamen ganz gut durch. Im Supermarkt in Garmisch besorgten wir zwei Bier für den Abend und fuhren dann zum Wanderparkplatz Seinsalm, wo wir noch lange in der Sonne sitzen konnten mit Blick zur Soiernspitze durch die Bäume hindurch. Es ging relativ bald bei Einbruch der Dunkelheit schlafen, denn wir wollten ja früh starten.
29.06.2019
Die ersten Wanderer kamen um 4.15 Uhr zum Parkplatz gefahren, der auf ca. 900m liegt, und liefen los. Etwas früh für uns, aber gegen 5 standen wir auch auf, und starteten um 5.30 Uhr nach einem Happen Brot und dem üblichen Morgengekrame im Rucksack. Genügend Brotzeit war eingepackt und ich hatte ca. 4l Wasser für den heißen Tag. Die Regenjacke steckte ganz unten – wir würden sie wohl nicht brauchen, aber ohne die geht man eben auch nicht los in den Bergen. Zunächst ging es auf einer Forststraße ca. 30 Minuten bergan, danach begann das Bergerlebnis. Steile Serpentinen durch den Wald mit teils schönem Waldboden, teils etwas Geröll oder größeren Steinblöcken, immer wieder hübsche Blicke zum Zugspitzmassiv hinter uns, das bereits von der Sonne bestrahlt wurde. Nach etwa 2 Stunden ließen wir so langsam den Wald hinter uns und standen in der ersten Scharte, der Schafkehre (1867m), wo wir unser zweites Frühstück in den ersten Sonnenstrahlen, die uns erreichten, einnahmen. Danach ging es weiter Richtung Feldernkreuz, vor dem man einen wunderschönen Blick rüber zur Schöttelkarspitze hat, die wir morgen überschreiten sollten, und vorbei an Feldernkopf, Soierschneid und der Reißenden Lahnspitze hinein in die Soiernscharte. Die Route führt sehr oft oben am Grat entlang, so daß man ständig wunderschöne Blicke auf die Soiernspitze und die Soiernseen vor Augen hat – ein wunderschönes Panorama.





Nach gesamt 5 Stunden Gehzeit standen wir auf der Soiernspitze mit ihren 2257m, die von allen Richtungen betrachtet einfach eine Gewalt von Berg ist und unverwechselbar heraussticht. Am Gipfel gab es wieder einen Bissen zu Essen, natürlich auch immer genug Wasser und eine Reihe von Fotos wurden geschossen. Man blickt von hier in der Ferne auf den Walchensee, viele Teile des Karwendels und immer wieder natürlich auf die Zugspitze.




Auf der Rückseite der Spitze stiegen wir dann etwa 470hm hinab zum Jöchel, querten lange den Hang in der prallen Sonne zwischen Latschen, Geröll und Grünflächen, wo wir auch ein kleines Schneefeld zu überwinden hatten, das aber sehr weich, fast matschig war, und stiegen dann wieder hinauf zur Jägersruh auf 1894m. Es war jetzt viertel nach eins. Hier mußten wir entscheiden, ob wir einen oder beide optionalen Gipfel noch mitnehmen wollten. Wir entschieden uns, auf den Ersten auf jeden Fall hinaufzugehen und dann weiterzusehen.

Die Gumpenkarspitze liegt auf 2010m, und die Aussicht von dieser Seite auf den gesamten Soiernkessel sowie die Spitze war hier absolut am beeindruckendsten. So wählten wir nun das Ende unserer heutigen Tour – besser konnte es nicht mehr werden, und es lagen noch 400hm Abstieg vor uns, die wir natürlich auch noch locker hinter uns ließen. Zunächst war der Weg etwas geröllig, dann ging es in den Wald hinein und durch ihn hindurch, vorbei an den Seen mit ihrem klaren blauen Wasser und wieder hinauf zum Soiernhaus. Etwa 1800hm im Aufstieg und 1100hm im Abstieg in 8,5 Stunden – überall tolle Bergwege und -steige, irre Panoramen zu jeder Zeit in jede Richtung – eine wirklich sehr besondere Bergwelt hier in den Bayerischen Alpen. Überaus freundlich wurde auf dem Haus jeder empfangen, die Lager sind prima, die Waschgelegenheiten und WC zwar im anderen Gebäude, aber dennoch top – absolut weiterzuempfehlen alles in allem.



Auf der Terrasse ließen wir uns noch ein paar Bier schmecken, aßen etwas und schon vor der Hüttenruhe um 22 Uhr vielen die Augen quasi von selber zu.
30.06.2019
Am Sonntag gab es um 7 Uhr Frühstück und um 7.30 Uhr waren wir wieder auf den Beinen hinauf zur Schöttelkarspitze. Die angeschriebene Gehzeit von 1.45h unterschritten wir um 40 Minuten und auch danach ging es zügig weiter bei wieder genialem Bergwetter, auf besten Bergwegen und mit umwerfenden Weitblicken. Zurück am Feldernkreuz verabschiedeten wir uns vom Soiernkessel, stiegen ab zur Schafkehre und liefen hier dann in die andere Richtung weiter über Seinskopf, Signalkopf und Lausberg, bevor uns steile Serpentinen, die teilweise sehr unangenehm sind, 650hm tiefer wieder auf den Schotterweg führten. Erwähnenswert hier noch der Signalkopf, der über eine steile Eisenleiter zu erreichen ist. Ohne die Leiter, die scheinbar recht neu montiert ist, hätte die Kletterei vermutlich mehr Spaß gemacht.








Um 12.30 Uhr waren wir wieder am Auto nach ca. 500m Aufstieg und über 900m Abstieg. Es war in jedem Fall eine knackige Tour mit viel Spaß, wie öfters erwähnt einzigartigen, so nicht erwarteten Ausblicken, und sehr gut für die Kondition und die Gewöhnung an den Fels für den Watzmann in zwei Wochen.
Auch wenn die Heimfahrt weniger lustig war (durch München hindurch schon eine halbe Stunde Zeitverlust und zwischen Hilpoltstein und Allersberg 3 Stunden Vollsperrung wegen Fahrzeugbrand in der Baustelle, was bei bis zu 37 Grad wirklich kein Spaß ist), war das Wochenende durch und durch gelungen, und die Sehnsucht nach den Bergen ist ungebrochen.

PS: Die 3 Stunden auf der heißen Fahrbahn überbrückten wir mit unserer Kostenabrechnung, ich mit meinen Dehnübungen für’s Knie und einen Stauflüchtling konnten wir beobachten, der einfach neben dem Seitenstreifen durch den kleinen Graben fuhr um dann über’s Feld zu verschwinden. Die Aktion sorgte natürlich für allgemeines Erstaunen und nachfolgende Belustigung.