Der Watzmann… Ich stand vor knapp 10 Jahren oben am Hocheck zu Silvester, wir verbrachten Silvester im Winterhaus des Watzmannhauses, der Berg ging mir nie mehr aus dem Kopf. Es war mein erster Gipfel und die Bilder sind noch heute unvergessen.
Ein Gedicht entstand, das sich auf so viele Berge, die noch kommen sollten, ummünzen ließ, und dennoch war es nur für diesen Berg geschrieben.
der Berg
so stolz erhaben steht er da
–
unnahbar
unerreichbar nah
angsteinflößend
die Sinne lösend
langsam behäbig geht es bergan
mühsam
ehrfurchtsam
näher rückt
die Sonne
ferner die Weite
ihr Wolken, ich komme
Qualen beiseite
nichts drückt
je weiter man nach oben steigt
alles in andrem Licht sich zeigt
die Watte ist über und unter einem
Gipfel erscheinen
tiefer und höher
weiter und näher
die Luft, die Ruhen
Freiheit ohne Suchen
die Liebe, die Einsamkeit
schutzlos, Geborgenheit
nichts ist größer
in diesem Moment
ohne Dimension
ohne Zeit
alles lösbar
unverklemmt
nicht blanke Vision
sondern eiserne Wirklichkeit
unnahbar
unerreichbar nah
Je mehr ich in den Bergen unternahm, kam immer mehr der Gedanke auf, den Watzmann irgendwann zu überschreiten, und jetzt war ich soweit. Ich wußte, daß ich es schaffen würde – technisch und auch konditionell. Ich traf einen möglichen Tourenpartner, der das selbe Vorhaben hatte, und wir beschlossen, zusammen loszuziehen. Mein Vorschlag war, in der Gegenrichtung der üblichen Überschreitung zu gehen, um uns den Abstieg zu ersparen, und er war einverstanden. Für Mitte Juli waren die Hütten gebucht, aber als es soweit war, waren Schneefall und Sturm angesagt, was uns die Tour verschieben ließ. Wir einigten aus auf einen Termin Ende September, zu dem durchaus nichts mehr dort oben zu machen sein kann, oder dann eben im nächsten Jahr angreifen. Das Wochenende Ende September schien gut zu werden. Erst am dritten Tag beim Abstieg vom Watzmannhaus sollten uns Regenfälle erwarten, also starteten wir.
21.09.2019

Ich fuhr früh zu Hause los, und wir trafen uns um halb 12 an der Wimbachbrücke. Da hier kein Parkplatz mehr zu haben war, mußten wir nach Ramsau fahren und konnten dort die Autos stehen lassen. Gemütlich liefen wir zur Wimbachgrieshütte, um dort nach 2h 15min. anzukommen, nicht nach 3h und mehr, wie die Schilder ausgesagt hatten. Wir waren also gut unterwegs. Dort angekommen tranken wir etwas, bezogen unser Lager und gingen dann noch bergauf, um uns die Einstiegsstelle der Watzmann Südwand anzusehen, wo es morgen richtig losgehen sollte.
Leider war der Wetterbericht für den nächsten Tag etwas vage. Am späten Nachmittag sollte es Regen geben. Wir hatten keinen Handyempfang, um nochmal abgleichen zu können.
Langsam trafen die Überschreiter diesen Tages auf der Hütte ein in unterschiedlichster Verfassung. Nicht gerade ermunternd – ich hatte riesen Respekt vor dem Berg – aber es war auch klar, daß sich viele hier rumtreiben, die hier nichts verloren haben. So schlecht fühlte ich mich dann doch nicht.
22.09.2019
Wir hatten uns entschieden, am Abend vorher noch Brotzeit geben zu lassen, damit wir früher als der normale Hüttenbetrieb starten konnten, und so klingelte um 5:30 Uhr der Wecker. Um 6 Uhr liefen wir mit Stirnlampen los. Erstmal ging es in Richtung Ingolstädter Hütte – da sollte irgendwann Handyempfang sein. Wir wollten das Wetter noch aktuell checken, aber leider fanden wir die Stelle nicht. Somit liefen wir los durch’s Wimbachgries hin zum Berg.
Um 7 Uhr standen wir am Einstieg in den steilen Südaufstieg. Es war so warm, daß wir schon hier auf kurze Klamotten wechselten, und die Stirnlampen konnten wir wieder einpacken. Es dämmerte. Der Aufstieg, über den sich viele im Abstieg beklagen, lief gut an. Steil, grieselich, dann Passagen mit Kette, kurze Gehwege, Fels und wieder Geröll oder Griesel. Es war nicht einfach, aber ich fühlte mich sicher und gut. Irgendwo machten wir Pause und sprachen mit einem, der hier übernachtet hatte sowie mit einem, der gerade schon von oben runter kam. Der Zweite war um halb zwei nachts an der Wimbachbrücke gestartet und nun schon eher am Ende seiner Tour.
Weiter ging es steil bergan. Die Wolken, die lange noch flach waren, begannen sich aufzutürmen, aus zwei Richtungen war der Himmel dunkel und wenig vielversprechend. Wir gingen bis ca. 500m unterhalb der Südspitze bis wir uns zum Umkehren entschieden. Wir waren gut schnell unterwegs, schneller als die Zeit auf den Schildern aussagte, und es war klar, daß wir spätestens an der Südspitze umdrehen würden. Diese 500m hoch und wieder runter wollte ich meinem Knie ersparen, auch wenn es echt super mitgemacht hatte bis dahin. Ja, wir liefen den ganzen Mist wieder runter, und ich muß sagen, auch den Abstieg auf diesem Weg hatte ich mir wesentlich schlimmer vorgestellt. Es lief und ich war top in Form, aber leider sollte es nicht sein. Bitter war, daß das Wetter wieder besser wurde, indem wir runterliefen, aber wer weiß, wofür es gut sein sollte!? Wir haben abgebrochen, sind runter bis zum Auto, und ich bin heimgefahren – das war’s…
Ich weiß nicht, ob ich wiederkommen werde. Der fast schon Massentourismus hat mich abgeschreckt, und noch mehr die Leute, die an dem Berg nichts verloren haben und wirklich ihr Leben riskieren, ohne es scheinbar zu wissen. Vielleicht gehe ich die Überschreitung nochmal wochentags an, wenn es paßt, aber es ist kein Muß mehr. Die Erfahrung, die ich daraus gezogen habe ist die, daß ich es schaffen würde. Es ist eine ellenlange Tour, aber die Kraft dazu bekomme ich hin und technisch hatte ich mehr Bedenken vor dem Südteil, den ich ja nun kenne, als vor dem Grat.
C’est la vie – es sollte nicht sein…









