Berchtesgaden mit Watzmannüberschreitung 19.09.-21.09.2025

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Recht wirr und dadurch sehr spontan gestaltete sich der Gedanke, am Wochenende vom 19.09.-21.09. noch eine Bergtour zu machen. Bei mir stand die Watzmannüberschreitung ja seit mehreren Jahren schon im Hinterkopf, auch einen Versuch mit Umdrehen wegen schlechtem Wetter hatte es 2019 schon gegeben, wie ich’s hier beschrieben habe:
Tour am Watzmann ohne Überschreitung 21.09.-22.09.2019 – my touring blog
Hier stand auch, daß ich nicht weiß, ob ich das Thema nochmal angehen werde, aber irgendwie ließ mich der Gedanke über Jahre nicht los. Einmal 2022 war sogar schon die Übernachtung auf dem Watzmannhaus reserviert gewesen, die wir dann wieder absagen mußten wegen Schneefall Mitte September.
Es war jetzt wieder September. Nach meinem 11-tägigen Bergurlaub im August und einer weiteren Frühstartertour fühlte ich mich langsam wieder richtig fit nach meinem Ausfall in diesem Sommer, aber was dieses Wochenende anging hatte ich eigentlich nicht mehr an den Watzmann gedacht.
Als am 15.09. endgültig feststand, daß dieses Wochenende inklusive Freitag arbeitsfrei war bei Martin und mir schrieben wir uns zusammen, um zu überlegen, wo wir eine Tour würden machen wollen. Das Bergwetter war top gemeldet. Auch wenn er einer derer war, mit dem ich über die mögliche gemeinsame Watzmannüberschreitung gesprochen hatte, war ich gedanklich bereits am Suchen nach Touren zwischen Garmisch und Oberstdorf, als plötzlich das Handy brummte und da stand „mir geht der Watzmann noch immer nicht aus dem Kopf“. Ich mußte lachen.
Nach kurzer Überlegung schaute ich im Online-Reservierungstool nach Schlafplätzen am Freitag – nur ein Lagerplatz frei. Gut, so weitere Planung nochmal kurz pausiert. Irgendwo las ich, daß sich das Reservierungstool stündlich aktualisiert, so klickte ich mehr zum Spaß nach ner halben Stunde nochmal drauf und glaubte meinen Augen nicht. So waren da plötzlich 2 freie Plätze im Lager, die ich sofort reservierte. Es brauchte nicht mehr viel Abstimmung und unser Plan stand.
Für die zweite Nacht war eventuell Übernachtung im Caddy angesagt, so packte ich die Woche noch mein Campingzeug zusammen und Freitag früh ging’s los.


19.09.2025

Wir trafen uns um 8.30 Uhr in Lauf bei Nürnberg und fuhren weiter in Richtung Ramsau bei Berchtesgaden. Wir kamen einigermaßen zügig durch und auch die Parkplatzsuche gestaltete sich erfolgreich. Parkticket lösen, Schuhe schnüren, Rucksack drauf und los um ziemlich genau 13 Uhr in Richtung Watzmannhaus. Ich entschied mich sogar gegen die Stöcke, die ich mitgenommen hatte. So fit fühlte ich mich wieder. 1280M Aufstieg in 3h 20 min. inklusive kurzer Pause. Das Wetter war gigantisch. Es war natürlich mächtig was los und klar würden wir auch morgen nicht allein sein, aber es war alles einfach mehr als verlockend, da jetzt endlich drüberzukommen.

Die Stimmung bei uns war großartig. Wir bezogen unser Lager, machten uns etwas frisch, tranken ein Bier auf der Terrasse und hatten dann einen gemütlichen Hüttenabend mit anderen Berggehern und beim UNO spielen, wo ich ordentlich abgezockt wurde.
Die Aufregung vor dem morgigen Tag war stark vorhanden, aber nachdem alles so reibungslos geklappt hatte bis hier, war ich auch guter Dinge. Was sollte schon passieren. Wir würden in Richtung Mittelspitze gehen und miteinander sprechen. Sollte einem von uns irgendwo unwohl sein, könnte man bis hierhin auch umdrehen, aber daran glaubte ich nicht wirklich. Dennoch war diese Abstimmung im Vorfeld sehr wichtig für mich – ist ja immer auch tagesformabhängig und die Strecke ist schon lang und nicht ohne, was uns beiden bewußt war.


20.09.2025

Um 5.30 Uhr klingelte der Wecker nach einer Nacht, die bei mir katastrophal war. Gefühlt hatte ich nicht geschlafen und zuletzt um 1.30 Uhr auf die Uhr geschaut. Hatte Martin am Vorabend Kopfschmerzen, so waren die jetzt bei mir angekommen. Aber so ist das. Berge sind nicht zum schlafen da, hab‘ ich mal gesagt, und natürlich spielte die Aufregung vor dem großen Tag sicher auch eine Rolle. Wir wollten um 6 Uhr frühstücken und spätestens 7 Uhr los. Mein Frühstück unterbrach ich kurz für eine Fotosession auf der Terrasse.

Es war gigantisch, das Panorama vor dem Sonnenaufgang und gar nicht kalt. Wir waren schnell fertig und um 6.30 Uhr schon startbereit vor der Hütte. Die Sonne war schon sichtbar und der Weg schon hell genug beleuchtet, so daß wir ohne Stirnlampen starten konnten hinauf zum Hocheck auf 2651m, wo wir nach 2h 10min. ankamen nach 720m Aufstieg. Ich erkannte den Weg nicht wieder, war ich ihn doch 2009 im Winter gegangen bei Schnee.
Watzmann Hocheck an Silvester 2009 (2651m) – my touring blog
Heute strahlte uns die Sonne an, die Bilder um uns rum waren traumhaft schön – Hochkalter im Westen, den ich 2023 überschritten hatte, Hoher Göll, den ich gerne noch machen würde, auf der Ostseite. Meine Kopfschmerzen waren schnell verschwunden.
Am Hocheck gab’s eine kurze Pause – durchschnaufen, Helm aufsetzen und den Blick rüber zur Mittelspitze begutachten. Das ist schon echt gewaltig. Wenn man weiß, man soll hier über den Grat tapsen, wird’s schon etwas flau im Magen bei dieser Wucht von Berg.

Wir gingen es an, immer wieder in Absprache, wie’s dem anderen geht, was mir super gefallen hat.
Es gab sehr viele Drahtseile, wo sich manche überall einklickten mit ihrem Klettersteigset. Von daher waren’s anfangs immer mal längere Wartezeiten, da bei diesem Wetter natürlich irre viel los war, was mich heute aber gar nicht störte. Ich war einfach happy und mir ging’s super gut. Später zog sich das Feld auseinander und man war auch ab und zu allein unterwegs. Wir hatten Gurt und Klettersteigset weggelassen, weil uns das vom technischen Schwierigkeitsgrad nicht notwendig erschienen war, was sich auch bewahrheiten sollte.
Der Weg zur Mittelspitze (2713) war für uns beide überhaupt kein Problem, auch wenn’s natürlich an die Kraft geht. Wir erreichten diese trotz Warterei nach ziemlich genau einer Stunde ab dem Hocheck, wie es angeschrieben war, um 9.40 Uhr. Es war eine lustige Gratkraxelei mit irren Tiefblicken auf den Königssee.
Auch hier pausierten wir kurz und genossen das Panorama, sowie den Ausblick zur Südspitze. Der Grat dorthin sah nun noch wesentlich länger und gewaltiger aus als der vom Hocheck zur Mittelspitze. Es waren auch 2,5h bis rüber veranschlagt. Uns ging es beiden sehr gut. Wir genossen diese Tour bis hierhin. Somit stand dem Weitergehen nichts mehr im Weg, die Option umzudrehen nun ad acta gelegt.

Nach etwas Fotos schießen, Austausch und Beine entspannen machten wir uns auf den Weg, um diesen Traum „Watzmann“ endlich wahr werden zu lassen für uns beide. Vom Wetter her hätte man keinen schöneren Tag erwischen können und auch die ganze Atmosphäre war einfach zum Wohlfühlen gemacht trotz der mächtigen Anstrengung, die damit verbunden ist. Der Kopf war zu diesem Zeitpunkt freier denn je, weil die Konzentration nur noch auf der Umgebung und jedem einzelnen Schritt, Tritt und Griff lag. Wir packten den Weg an und ließen uns Zeit. Immer mal stehenbleiben und gucken, den Tag und die Weite genießen, auch um Kräfte zu schonen für den vor uns stehenden Abstieg später. Uns drängte niemand und nichts.
Es war kraß, das muß ich sagen. Nicht wirklich schwierig, aber über die Dauer merkt man dann schon die Konzentrationslast, die auf einem liegt. Die Kraxelstellen nahmen zu, die Augesetztheit auch. Dazu kommt die Anstrengung auch körperlich irgendwann. Wenn ich weiß, was noch alles vor mir liegt, drossel ich dann gerne automatisch ein, um mich nicht zu verausgaben und es hinten raus eventuell nicht zu schaffen. Hier hatte ich den kleinen Vorteil, daß ich den Abstieg schon kannte. Ich denke, das Tempo hat für uns beide gepaßt, auch wenn Martin sicher schneller drüber gewesen wäre als ich insgesamt.
Die Blicke zur Watzmann Ostwand, der Biwakschachtel und der Wiederroute waren toll. Wir konnten natürlich auch einige Kletterer beobachten, die hier aufstiegen.
Nach 2h 10min. ab der Mittelspitze erreichten wir die Südspitze. Das war top und schneller als angeschrieben, obwohl wir auch zwischendrin nochmal Pause gemacht hatten und uns insgesamt nicht hetzen lassen hatten. Wir sprachen viel und konnten denke beide etwas voneinander abschauen. Die eine Stelle ist für den einen schwieriger, die andere für den anderen. Auch wenn es jeder von uns sicher auch alleine gepackt hätte, war dieses Gefühl, daß man nicht allein ist, doch toll für uns beide. Ich genoß diese Bergtour in vollen Zügen.

Nach einer halben Stunde Pause begaben wir uns auf den Abstieg, der dann wirklich hart wurde und noch über 4h dauern sollte. Es war im oberen Bereich, den ich noch nicht gekannt hatte, viel zum Abklettern und steiles grieseliges Gelände. Auch weiter unten in dem Bereich, den ich schon gegangen war, stellte die Tour jetzt eine ziemliche Herausforderung dar. Schotterfelder, steil, rutschig und immer irgendwo im Abbruchgelände, welches keinen falschen Tritt verzeiht. Höchste Konzentration ist hier angesagt nach dieser langen Tour und dem, was man schon in den Beinen hat bis dorthin. Klar wären Stöcke hier hilfreich gewesen, aber ich war aufgrund der Felskletterei vorher doch froh, daß ich sie im Auto gelassen hatte. Alles richtig gemacht.
Zu dem schwierigen Weg kam an diesem Tag die Gluthitze hier im „Kessel“. Man war der Sonne ausgesetzt und meist gut im Windschatten unterwegs. Es brannte einfach runter und viele andere waren sichtlich auch davon beeinträchtigt. So machten wir langsam. Ich brauchte das auch, denn bis zu einer halben Stunde vor der Wimbachgrieshütte ist höchste Konzentration notwendig. Hier merkte ich dann, daß ich die Kraft wohl doch noch nicht ganz wieder aufgeholt hatte, die mir verlorengegangen war.
Gegen 16.30 Uhr kamen wir auf der Wimbachgrieshütte an. Das waren ziemlich genau 10h, die wir unterwegs waren. Wir waren nicht schnell, aber wir haben uns auch wirklich Zeit gelassen und die Tour sehr genossen bei dem Wetter. Dennoch waren wir etwas platt, wenn auch überhaupt nicht überfordert oder so. Es waren ja trotzdem 950m hoch und 1530m runter mit einigem an Kletterei. Wir hatten es geschafft und setzten uns erstmal hin, gingen Hände waschen und tranken etwas, um auch zu besprechen, wie wir weitermachen. Das war ja alles noch offen.

Die Strecke zurück zum Auto wären noch gut zwei Stunden gewesen. Da hätten wir dann nach einem Parkplatz und einer möglichen Tour für morgen suchen müssen. Wir waren uns schnell einig, daß wir es nicht übertreiben müssen. Wir hatten den Tag so wunderschön im Kopf und wollten nicht zwingend mehr alles herausfordern. Nachdem auf Anfrage auch noch zwei Lagerplätze für uns frei waren, nahmen wir dies gerne an und stellten uns auf einen weiteren Hüttenabend ein, den wir einfach relaxt gestalteten mit viel reden und Fotos angucken von der heutigen Tour, nachdem wir uns frisch gemacht hatten und etwas rumgekruscht haben in den Rucksäcken. Lager einrichten, etc.
Ich glaub‘, wir waren beide einfach ziemlich geflasht von dem Tag.
Um kurz vor 10 noch etwas Plausch mit der Hüttenwirtin und dann ab ins Lager. Schlafen konnte ich besser, aber wieder nicht gut.


21.09.2025

Der Abstieg stand bevor und wir ließen es gemütlich angehen. Frühstück und langsam los. Einen Übergang über die Hochalmscharte hatten wir noch im Blick, aber aufgrund dessen, daß wir beide noch eine lange Heimreise vor uns hatten, entschieden wir uns, auf dem Heimweg einfach noch einen kleinen Spaziergang zu machen, nachdem wir zum Auto gelaufen waren.

Es war ein wunderschönes Wochenende und auch wenn ich diesen Abstieg aktuell noch verfluche, weil mir dermaßen die Beine brennen, kann ich nicht garantieren, es nicht nochmal angehen zu wollen. Die Tour ist einfach gigantisch!
Danke Martin, daß Du meinen Traum so unkompliziert hast wahr werden lassen!!

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