4 Tage Alpen – 3 Übernachtungen im Caddy – gesamt 4740hm zu Fuß 18.-21.06.2022

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Mein erster Urlaub in 2022 Mitte Juni eine gute Woche inklusive Feier- und Brückentag stand an. Meinen erneuten Plan, mit dem Rad ein paar Tage durchzustarten, brach ich ab, und wir entschieden uns kurzfristig, einen Tag eher in Richtung Berge zu fahren – das Wetter sollte auf unserer Seite sein. Planung stand eigentlich nur insofern, daß wir die Schellschlicht überschreiten wollten, die Tour, die ich im letzten Jahr leider abbrechen mußte. Ansonsten irgendwas Ecke Garmisch und Nächtigungen im Caddy auf Wanderparkplätzen. Campingausrüstung sowie Bergequipment waren im Gepäck, dazu ein paar Wanderkarten.


18.06.2022

Wir starteten an meinem Geburtstag Vormittags und hatten uns, wenn wir gut durchkommen würden, das Ettaler Manndl (1633m – ein leichter Klettergipfel mit Klettersteig A/B in den Ammergauer Alpen) für den Nachmittag vorgenommen. Es lief. Ca. 13 Uhr waren wir in Ettal bereit zum Durchstarten auf den Berg.
Der Weg geht erst eine Schotterpiste nach oben, bevor man auf den Wanderweg durch den Wald stößt, der dann steiler bergan geht. Sobald es oben heller wird, steht man vor einer gewaltigen Wand, in der einige Kletterrouten eingebaut sind, die wir nicht nutzen sollten. Ein Stück rechts herum um den Zacken, und da geht’s dann links hoch in den Klettersteig rein. Wir gingen ungesichert, und das war alles kein Problem. Man ist in 15min. oben, dennoch machte es Spaß für den Einstieg, auch wenn ich hier noch nicht ahnte, was mich in den Tagen noch so erwarten würde. Oben kurze Pause, bißchen rundum blicken, und dann ging’s schon wieder auf dem gleichen Weg zurück – einfach ein Tag zum Warmlaufen, aber toll.

Im Anschluß gingen wir noch im Supermarkt einkaufen für die nächsten beiden Tage, tranken ein kühles Blondes in einem Biergarten und fuhren dann zu meinem Wanderparkplatz bei Lermoos, den ich im letzten Jahr ausfindig gemacht hatte – mitten im Wald gelegen an einem kalten Gebirgsbach.
Auf dem Weg dorthin fuhren wir durch Griesen, von wo aus wir eigentlich am nächsten Tag die Schellschlicht hätten angehen wollen. Wie so Vieles war auch dieser angedachte Parkplatz hier durch Polizei abgeriegelt wegen dem G7 Gipfel – somit planten wir um. Besteigung von Daniel (dem höchsten Gipfel der Ammergauer Alpen mit 2340m) und Upsspitze (lediglich 8m tiefer) direkt von „unserem“ Parkplatz aus lautete der neue Plan.


19.06.2022

Neuer Tag, neues Glück – der Tag startete sonnig und damit voller Energie. Ein bißchen Rucksack packen, ein bißchen was essen zu ner Tasse Kaffee – so liefen wir gegen 8 Uhr los, erst runter nach Lermoos und von dort stetig ansteigend vorerst im Wald und gleichmäßig aber nicht übermäßig steil. Irgendwann tritt man aus dem Wald heraus und hat beide Spitzen vor sich, die man auch von unten schon als mächtige Wände gut sehen kann. Die letzten Höhenmeter verläuft der Weg dann doch recht steil durch unangenehmen Schotter, aber die angegebene Zeit von 3.30h bis zum Gipfel haben wir trotz kurzer Pause unterwegs recht locker einhalten können. Man findet sich am Gipfel des Daniel unmittelbar vis-à-vis der Zugspitze wieder und kann zur Mieminger Kette mit der Ehrwalder Sonnenspitze im Vordergrund sowie auf die Gartnerwand sehen (Sonnenspitze war schon im Hinterkopf für den darauffolgenden Tag, daß wir am Übernächsten dann über den Grat der Gartnerwand steigen sollten, davon war zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht die Rede. Deshalb fand diese Gipfelkette in dem Moment auch noch keine allzu große Beachtung).
Es war auf der gesamten Wegstrecke doch einiges los und gerade hier am Gipfel schon schwer, ein Gipfelbild ohne weitere Köpfe hinzubekommen.

Vom Daniel läuft man den kurzen Grat wieder runter zurück, dann aber gerade in Richtung Ups und von dort wieder abfallend die über 1300hm nach unten über die Bichelbacher Alm. Auf dem Rückweg gab es etwas Wegfindungsschwierigkeiten, da ein Weg, der durchaus in den Karten überall drin ist, nicht mehr markiert und auch kaum mehr zu sehen ist. Dieses Stück sorgte dann etwas für Unmut und kostete Zeit, so daß wir uns auf der Bichelbacher Alm erstmal zwei erholsame Biers schmecken ließen. Bis runter nach Bichelbach und dann über Obergarten wieder hoch zum Auto war noch ein recht langer nervzehrender Hatsch, der aber auch verging. 1380hm und 15km lagen hinter uns an diesem heißen Tag, so daß die kalte Dusche unter dem Wasserfall einfach herrlich war.

Am Abend fixierten wir unseren Plan für den nächsten Tag und schauten uns nochmal alle möglichen Tourenbeschreibungen zur Ehrwalder Sonnenspitze an. Nicht ausgeschlossen, daß dieser Berg machbar war für mich, aber sehr viel Respekt vor diesem Gipfel lag schon in meinem Magen mit den beschriebenen 2er Kletterstellen in Auf- und gegenüberliegendem Abstieg, alles ungesichert und doch auch eine sehr lange Tour. We will see tomorrow..


20.06.2022

Früh wieder Gekrame wie immer vor einer Tour, dann Fahrt nach Ehrwald zur Talstation der Almbahn. Wir trafen am Parkplatz auf einen alten Berghasen, der uns quasi schon ein bißchen schlechtes Wetter vorausgesagte. Ja, die Vorhersagen waren nicht optimal für so einen ausgesetzten Gipfel wie die Ehrwalder Sonnenspitze, aber in dem Moment schien alles prima und wir liefen los. Zur Coburger Hütte über den Hohen Gang Klettersteig benötigten wir 2,5h so wie es das Schild unten angezeigt hatte.

Dort tranken wir was, schauten uns nochmal die Tour an und liefen in Richtung Sonnenspitze los. Nach etwas Bergwanderung und Geröllfeld ging es endlich an den Fels, der da schon überragend Spaß gemacht hat, wenn auch immer mit Blick nach oben in Richtung Himmel. Die Kletterei nach oben war genial, und wir kamen schon gut voran, aber vom Wetter her wurde es gefühlt nicht besser. Als wir ca. noch 150hm vor uns hatten und es immer dunkler wurde beratschlagten wir nochmal. Wir wußten nicht im Detail, wie lange wir da oben an der Spitze unterwegs sein würden, bzw. was uns an Kletterstellen noch erwarten würde, da der Berg schon echt mächtig ist. Ein Blitz am Gipfel kann alles zerstören. So einigten wir uns, umzukehren. Im Nachhinein wäre nichts passiert, auch wenn es kurz nach dem Umkehren ein paar Tropfen gab. Es war so in jedem Fall die sichere Variante und alles gut. Wir werden diese Tour irgendwann nochmal angehen – der Gipfel ist für uns beide machbar und ist für unsere Ansprüche wunderbar zu klettern.

Kurz vor der Talstation der Almbahn erfrischten wir uns im Gebirgsbach, da die Tour für den nächsten Tag bis dato noch völlig unklar war, aber beim Seidla kurz vorm Auto beschlossen wir, doch wieder unseren Wanderparkplatz der letzten Nächte aufzusuchen, wo wir uns nochmal erfrischen und waschen konnten.
Beratschlagung für unseren Abschlußtag: Ergebnis war eine Tour über die Gartnerwand, die sich mächtig über uns erhob. Wir googelten nach Tourenbeschreibungen und schauten uns die Route in der Wanderkarte an – doch eine lange Tour, aber auch die sollte bezwingbar für uns sein.


21.06.2022

Nach dem üblichen Zeremoniell liefen wir auch heute wieder gegen 8 Uhr los. Es ging hinab nach Obergarten und dann langezogen eine Forststraße hinauf bis wir links in den Wald abbogen. Schon sehr bald erwies sich die Route als sehr sehr wenig begangen. In den folgenden steilen Wiesenhängen hinauf waren die Trittspuren teilweise recht undeutlich zu sehen, aber dank Pfahlmarkierungen doch gut zu finden. Unterhalb vom Gartner Berg zweigten wir links ab in Richtung Sommerbergjöchle – das letzte Stück bis hierhin an einem unbequemen Berghang entlang, an dem die Kühe viele tiefe Spuren hinterlassen hatten. Zum Glück war alles trocken, sonst wäre das eine matschige Angelegenheit geworden.

Kurz oberhalb vom Jöchle begann der seilversicherte Steig nach oben zur Gartnerwand. Über 300hm waren hier noch zurückzulegen im bröseligen Schutthaufen. Die recht neu angelegten Stahlseile waren oft goldwert, teilweise aber auch einfach nur im Weg. Die Wegfindung stellte überhaupt kein Problem dar, dennoch zehrte dieser Abschnitt sehr an meinen Kräften und ich wurde ziemlich langsam, trotzdem immer mit dem Bewußtsein, daß ich es schaffen wollte und würde. Machte schon auch riesig Spaß und man mußte voll bei der Sache sein.

Am Gipfel auf 2377m angekommen konnte man den Weiterweg gut überblicken – ein ellenlanger Weg immer in Gratnähe oder ganz oben über noch 2-3 Gipfelchen hinüber zum Grubigstein bei wolkendurchtränkter aber doch stabiler Wetterlage und unsagbaren Tiefblicken. Wie auch schon vom Daniel aus, konnten wir bis zur Weißkugel im Ötztal sehen.

Vom Grubigstein geht es dann wieder bergab zur Bergstation der Grubigsteinbahn vorbei an Lawinenzäunen, die man teilweise unschön umgehen muß. Der kurz aufflammende Gedanke, hier nun die Bahn nach unten zu nehmen, verschwand sehr schnell wieder. Wir entschieden uns, in der Wolfratshauser Hütte kurz Pause bei einem schäumenden Kaltgetränk zu machen, bevor wir endgültig hinab ins Tal und zum Auto liefen. Der Abstieg hier zog sich auch nochmal in die Länge, wobei wir aber gut unterwegs, doch nicht ganz entkräftet waren und schnell unten ankamen.
Nun nochmal ein erfrischendes Bad im Gebirgsbach, bevor wir uns auf den Heimweg machten, der aufgrund recht leerer Autobahnen wirklich zügig verlief.
Es war ein wunderschönes Bergerlebnis gewesen und soll wohl nicht unser Letztes gewesen sein.
@Sonnenspitze: Wir kommen wieder!!!

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