Wenn ich ehrlich bin hatte ich den Oman bis ca. November noch überhaupt nicht als mögliches Reiseland wahrgenommen. Ich wußte, daß es ihn gibt, aber wenn mich im Oktober noch jemand gefragt hätte, wo der liegt, dann hätte ich wohl kläglich mit den Schultern gezuckt und den Kopf eingezogen. Nun sitze ich hier und schreibe meinen Bericht von meiner ersten Omanreise.. Ja, von meiner ERSTEN, was eigentlich schon fast inbegriffen hat, daß ich mit ziemlicher Sicherheit wieder zurückkommen werde in dieses unbeschreibliche Irgendwo zwischen den vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Jemen mit einer ellenlangen Küste am Golf vom Oman und dem Arabischen Meer. Ich kann’s nicht anders sagen – das Land hat mich dermaßen geflasht über die für mich triste Weihnachts- und Neujahrszeit hinweg, so daß ich jetzt beruhigt in das neue turbulente Jahr starten kann, das mir bevorsteht. Ich hoffe, ich kann in meinem folgenden Bericht wiedergeben, was mich bewogen hat, das hier zu schreiben.
Als mir im Oktober fast alle für unsere über Weihnachten geplante Gran Canaria Wanderreise absagten, war ich ganz schön am Boden und auch, ja, sauer und sehr enttäuscht. Ich konnte zu dem Zeitpunkt nicht erahnen, daß es für mich auch eine Chance sein könnte, etwas Neues, völlig Anderes zu erleben und kennenzulernen. Ich setzte mich hin und fing an zu googlen. Eigentlich wollte ich nur über die Tage wandern, aktiv sein, möglichst im Warmen und die Zeit vergessen können, egal wo. Und so stolperte ich über den Oman und diese Trekkingreise, die ich kurzerhand buchte nach einigen Rückfragen und Überlegungen. Aufgrund von hohem Arbeitsaufkommen, eine Woche vorher beruflich noch schnell zwei Tage in Stockholm usw. befaßte ich mich relativ wenig damit, was mich erwarten könnte. Das Motto war einfach nur noch wegzukommen. Das Packen lief wie am Schnürchen, da ich ja schon einige solcher Reisen gemacht hatte, und nachdem ich noch bis Mittags auf Arbeit war, würde Freitag 21.45 Uhr dann mein Flieger in München starten. Alles andere war mir relativ egal. Ich rechnete einfach mit ein bißchen Berge, ein bißchen Wüste, ein bißchen laufen, ein bißchen warm, aber auch kalt – mehr nicht. HAUPTSACHE weg von hier.
20.12.2024
Nach entspannter Autofahrt nach Neufahrn stand ich bei Volker an der Tür, ließ mein Gepäck dort stehen und verfrachtete schnell mein Auto in einer Straße, in der es gut 2 Wochen lang stehen konnte. Zurück zu Fuß bei ihm saßen wir kurz zusammen, um ein Bierchen zu trinken, bevor ich mich mitsamt Gepäck auf den kurzen Fußweg zur S-Bahn machte, die mich zum Flughafen bringen sollte. Es lief alles glatt und ich hob ab – ab in eine andere Welt. Ca. 6,5h dauerte der Flug und ich konnte auch etwas schlafen.
21.12.2024
Hier war es drei Stunden früher, als wir landeten um ca. 7.30 Ortszeit. Unser deutschsprachiger Guide Saif holte mich ab zusammen mit drei anderen Teilnehmern unserer Tour (Rainer und Christiane sowie Matthias) und auch Zweien, die über die selbe Agentur eine Jeep-Tour gebucht hatten (Viola und Nicole). Wir konnten gleich am Flughafen Geld abheben, Omanische Rial, und fuhren im kleinen Bus zusammen zum Hotel in Muskat / Mutrah, der Hauptstadt des Landes. Da es bis zum Treffen mit den anderen Teilnehmern noch etwas hin war, verabredete ich mich nach dem Zimmer beziehen und Frühstück im Hotel bekommen noch mit Nicole und Viola zum Gang zum Fisch- und Gemüsemarkt der Stadt. Wir liefen entlang einer Hauptstraße hinunter zum Hafen. Anders als aus anderen solchen Ländern gewohnt lief der Verkehr hier fast schon zu westlich. Es gab hier keine Mopeds, Rikschas, andere Gespanne, einfach nur den glatt laufenden Verkehr einer gediegenen westlichen großen Stadt. Alles sah gepflegt und sauber aus, auch wenn es am Vormittag schon richtig warm war. Zunächst gingen wir zum Gemüse- und Fischmarkt, da der bald schließen würde, wie man uns sagte. Man konnte da einfach durchlaufen, gucken und fotografieren. Niemand störte sich daran.






Im Anschluß schlenderten wir die Promenade entlang – drei Mädels ungestört. Die beiden aus der anderen Gruppe hatten noch mehr Zeit, ich aber mußte um 13.30 Uhr zum Treffpunkt erscheinen, so ging ich die paar Kilometer allein zurück. Vollkommen gespannt, was da kommen könnte.




Wir trafen uns alle 12 Leute um 13.30 Uhr in der Hotel-Lobby, stellten uns kurz vor und wurden dann mit dem Bus zum Palast des Sultans gebracht. Die Fahne war oben, das heißt, er war aktuell hier.



Im Anschluß gab es eine kleine Wanderung durch eine Schlucht. Leider war hier gerade teilweise Baustelle, aber wir mußten dennoch bißchen kraxeln und alle zogen gut mit.


Zurück in der Stadt ging es Richtung Souk, den ich mit Denise und Christiane durchlief. Hier wird man auch von allen angesprochen, alle möchten ihre Ware anpreisen, aber nicht allzu aufdringlich. Geht um einiges entspannter zu als beispielsweise in Marrakesch oder Rawalpindi.







Wir trafen uns dann wieder zum Abendessen mit den anderen und wurden danach ins Hotel gebracht. Ich packte jetzt alles um für die Trekkingtour, schrieb noch mein Reisetagebuch und schlief sehr bald ein. Es waren doch zwei lange Tage gewesen.
22.12.2024
7.45 Uhr Frühstück, 8.30 Uhr sollte es losgehen. Wir trafen nun erstmals unsere beiden anderen Begleiter neben Saif, Haitham und Salim. Alles Gepäck wurde in drei Geländewagen eingeladen und dann ging’s zur großen Moschée, die wir besichtigten. Ist relativ neu und es ging sehr entspannt zu. Saif erzählte immer wieder etwas über dieses monströse Bauwerk und wie alles hier abzulaufen hatte, der beeindruckende tonnenschwere Kronleuchter, sowie der beeindruckende handgeknüpfte Teppich – der Gebetssaal der Männer – wesentlich mächtiger als der der Frauen. Hier nun wirklich erstmals der muslimische Ansatz zu spüren.



Im Anschluß fuhren wir zu einem verfallenen Lehmdorf, das gerade dabei war, für Touristenunterkünfte wieder aufgebaut zu werden. Interessante Stätte.




Dann Mittagessen in einem Lokal außerhalb. Es gab lecker Buffet, das die ganze Reise über immer wieder kommen sollte. Viel Salat, viel Gemüse, aber auch meistens Reis, Fladenbrot und Hähnchenfleisch oder / und Fisch. Alles sehr lecker zubereitet.
Nachmittags liefen wir mit Haitham noch durch ein Dorf und dessen Terrassengärten mit vielen Treppen – tolle Vegetation überall, wo die Wasserkanäle hingeleitet wurden.



Am Ende unseres Spaziergangs wurden wir mit Kaffee und Datteln empfangen, was es auch immer wieder geben sollte, und dann ging’s im Auto zum ersten Lagerplatz auf über 2000m. Den Sonnenuntergang verpaßten wir knapp, wir bauten unsere Zelte auf und bekamen dann Abendessen unter freiem Himmel. Hatte es sonst immer ein Gruppenzelt gegeben, so gab es das hier nicht. Wir saßen also dick eingepackt in der Höhe am Feuer, wo Saif uns noch das Programm für den nächsten Tag mitteilte, und verschwanden gegen halb 9 in unseren Zelten. Die erhofften Fotos vom beleuchteten Zelt mit Sternenhimmel gab es hier nicht, da es aufgrund heraufscheinender Lichter einer Stadt zu hell war.



In der Nacht wurde es kalt bis zum Gefrierpunkt, so daß ich mir die dicke Daunenjacke im Schlafsack um die Füße wickelte und den Biwaksack über den Schlafsack zog. Die Zelte waren nicht ganz geeignet für diese Temperaturen. Es zog ordentlich durch, da sie über dem Netzteil nur die Außenhaut hatten, die abgespannt wurde.
23.12.2024
Um 8 Uhr das erste Frühstück in der Sonne, was immer sehr ausreichend werden sollte und von dem wir uns auch für den Tag etwas einpacken konnten für unterwegs. Es gab jedesmal Kaffee und Tee, viel Obst, Fladenbrot, Weißbrot, Käse, Wurst, Marmelade, Müsli, frisch gekochte Eier, Croissants, Joghurt. Es war eine ganz nette und entspannte Atmosphäre zwischen uns und auch unseren drei Begleitern, die uns prima umsorgten. Mit Saif lief die Konversation meist auf Deutsch, aber auch auf Englisch sehr gut, Salim sprach recht gut Englisch und Haitham verstand zumindest das meiste in Englisch – man konnte sich gut verständigen.



Die Zelte blieben für die nächste Nacht stehen und dann ging’s in den Autos zum Startpunkt unserer Tagestour. Wir liefen hoch zu einer Scharte mit bezauberndem Ausblick ins andere Tal. Bis auf 2300m hoch ging die Tour und es war sonnig, so daß T-Shirt angesagt war. Einigen ging es zu schnell, anderen zu langsam – mal sehen, wie sich das einpendeln würde. Für mich war das Tempo in Ordnung, nach oben viel Luft, nach unten kann ich mich anpassen.





Nach den rund 10km mit 500m hoch und 600 runter wurden wir zurück zu dem selben Camp vom Vortag gebracht. Hier bekamen wir Kaffee, machten uns etwas frisch und wurden dann ins Tal zum Essen gefahren, wo es wieder ähnliches Essen gab, diesmal inklusive Pizza. Ich bekam von der Pizza etwas mit für den nächsten Tag, da ich meine Eßgewohnheiten (abends höchsten ganz wenig Salat und Gemüse) diesmal einhalten wollte, um nicht wieder die selben Probleme wie in Pakistan zu bekommen. Ich hatte das mit Saif abgesprochen, und es stellte kein Problem dar.
Nachdem wir zurück am Camp waren ging es gleich in unsere Zelte. Zwar war die Nacht nicht ganz so kalt wie die Letzte, aber dennoch nicht gut mehr zum draußen sitzen.
24.12.2024
Nun also Heilig Abend.
7.30 Uhr gab es Frühstück, der Himmel schwer bewölkt. Schnell waren die Zelte abgebaut.


Wir wurden wieder zum Startpunkt einer Wanderung gefahren und liefen los. Diesmal ließ Saif uns Schnellere vorausgehen, immer unter der Prämisse, daß wir hinter uns die nächsten noch im Blick hatten. Das Feld zog sich nun ganz schön auseinander. Er lief hinten mit. Wie er uns erzählte, war er bei seiner letzten Tour umgeknickt mit dem Fuß und hatte wohl deutlich sichtbar nun auch Schmerzen. Es ging über 11km weit mit 800m hoch und 500 runter, nur ab und zu kam die Sonne zum Vorschein. Das Laufen hier machte Spaß. Die Wege waren gut markiert und abwechslungsreich mit immer wieder neuen Einblicken in die omanische Bergwelt.





Unterdessen lernten wir uns auch untereinander besser kennen, mit den einen sprach man mehr, mit den anderen weniger. Es filterten sich schon merkwürdige Charaktere heraus, aber noch hielt sich alles im Rahmen. Unter den 12 Teilnehmern insgesamt waren 3 Pärchen im oder nahe am Rentenalter und 6 Alleinreisende, 3 Männer und 3 Frauen, unter denen 2 Mädels mit 36 Jahren und ich die Jüngsten waren. Die Erfahrungen bislang mit solchen Trekkingtouren waren sehr unterschiedlich. Nicht alle hatten Gruppenerfahrung und nicht alle waren schon so ohne Infrastruktur in Zeltcamps unterwegs gewesen. Es wurde viel erzählt und berichtet und konnte noch interessant werden – wie interessant, dem will ich allerdings nicht vorgreifen.
Nach der Wanderung erwarteten uns Salim und Haitham mit frischen Kiwis und brachten uns zum nächsten Zeltlagerplatz auf ca. 700m in der Nähe eines Dorfes und eines weiteren verfallenen Lehmdorfes nebenan. Hier gab es gegenüber des Camps eine Wasserrinne, in der wir uns waschen konnten, was wir alle gerne annahmen. Ich spülte auch ein paar meiner Kleidungsstücke aus und hängte sie zwischen meinem Zelt und dem Zaun auf.
Es war deutlich wärmer, die Jungs kochten wieder lecker auf inkl. Grillspießen und Kochgemüse. Der Abend wurde nun etwas länger, obwohl wir diesmal ohne Feuer saßen, bis wir gegen 10 Uhr in den Zelten lagen. Frohe Weihnachten.



25.12.2024
Die Nacht hatte mich etwas gestreßt, da gefühlt ständig Autos auf der Piste vorbeirollten. Ich vermißte im Gegensatz zu den anderen Trips, die ich in Zelten verbracht hatte, die Abgeschiedenheit, die uns durch’s weite Wandern jeweils beschert worden war. Es sollten hier auch nur wenige völlig ruhige Nächte werden, womit das Ganze so ein bißchen Abstriche von mir bekam, aber das war eigentlich fast alles. Fast alles bis auf den Silvesterabend. Aber hierzu später.
Um 6 Uhr stand ich auf, weil ich nicht mehr schlafen konnte. 7.30 Uhr gab es Frühstück, die Zelte wurden abgebaut und wir starteten um 9 Uhr, besichtigten kurz das nahegelegene Lehmdorf, welches völlig zerfallen war, hielten dann unterwegs noch an einem Aussichtspunkt und fuhren weiter nach Balad Seet.





Hatte kurz nach dem Aussichtspunkt die Teerstraße geendet ging’s nun wirklich über irre Pisten weit hinab ins Tal. Nicht so irr und vergleichbar mit Georgien oder Pakistan, aber doch beeindruckende Pässe, Serpentinen und Steigungen / Gefälle. Die Fahrt machte schon Spaß!
Nach dem Aussteigen in Balad Seet vermißte Daniel sein Handy. Die Fahrer waren schon wieder weg, wurden aber nochmal zurückgerufen. Sie nahmen ihn mit, um nach dem Handy zu suchen, was dann auch am Punkt einer Pinkelpause gefunden wurde. Wir anderen liefen ca. 6km mit um die 500m hoch und runter. Es waren steile interessante Wege, wir machten Pause an einer Scharte. Saif hatte die Gas-Kaffeemaschine dabei und versorgte uns. Von der Scharte ging es ein kleines Stück seilversichert nach unten, dann hinein in Terrassenlandschaften mit Gärten und zum Schluß durch ein Flußbett bis zu einer „Berghütte“, „Lodge“, oder wie auch immer man das bezeichnen konnte. Auf den letzten Metern waren uns zunächst Daniel und später Salim entgegengekommen. Gemeinsam trudelten wir in unserer diesmal festen Unterkunft ein.







Auf den letzten Metern dorthin (ich lief mit Saif und Salim ziemlich hinten, da Saif nun doch noch größere Schmerzen hatte) fand Saif ein Handy, das mit wenig Akku noch angeschaltet war. Mir war nicht bewußt, ob es jemandem aus unserer Gruppe gehören konnte, aber wir steckten es ein. Es war wohl der Tag der verlorenen Handys. Tatsache, es gehörte Lisa. Ab diesem Zeitpunkt wurden die beiden nun öfters gefragt, ob sie denn ihr Handy einstecken hätten.
Wir bezogen unsere Zimmer, ich war mit Christiane und Denise, den beiden Youngsters, im Nebengebäude im Zimmer – drei Betten und ein kleines Badezimmer. Wir duschten kalt, da das Wasser bei uns nicht warm wurde, und dann lief ich etwas durch die Lodge, um zu gucken und zu fotografieren. Kurzes Gespräch mit Salim, der grad im Auto kramte – es waren einfach alle so herzlich und nett.



Später gab es Abendessen (Buffet). Das Programm für den nächsten Tag wurde besprochen. Es stand die längste und herausforderndste Etappe an, über 1000hm bergauf. Allerdings war das Wetter nicht sicher und es sah nach Regen aus. Wir würden den Morgen abwarten müssen, ob die Tour möglich sein würde. Saif würde nicht mitkommen, da die Schmerzen im Fuß zu groß waren. Uns würden aber zwei andere Bergführer begleiten dann.
Außenrum in der Lodge waren überall kleine Sitzecken eingerichtet. Salim hatte sich abseits gesetzt und ließ arabische Musik über seine kleine Bluetooth Soundbox laufen. Daniel hatte sich zu ihm gesellt. Er tat sich wohl hart, uns zu verstehen, wenn viele durcheinander sprachen. Nachdem ich kurz auf Toilette war, lief ich an ihnen vorbei und Salim lud mich ein, mich dazuzusetzen und fragte „something to drink?“ Erst verstand ich nicht, bis er mich in seinen Rucksack schauen ließ, in dem 2 Flaschen Wodka waren. Das hatte ich nun wirklich nicht erwartet. Er schenkte mir versteckt etwas Wodka mit Lemonsaft ein. Wir saßen, quatschten und hörten Musik. Auch Haitham kam dazu, trank aber keinen Alkohol. Er tanzte mit Daniel, dann mit Salim und sie riefen auch noch Lutz, Christiane und Denise hinzu. Alle anderen waren in ihren Betten verschwunden. Es war ein lustiger Abend bis wir um 23 Uhr auch schlafen gingen.
26.12.2024
Um 7 Uhr gab es Frühstücksbuffet – eher englischer Art, aber auch etwas Müsli. Das Wetter war besser als befürchtet, wir würden also gehen können. Zwei junge Bergführer kamen hinzu und wir wurden ein Stück gefahren, ehe wir losliefen. Rainer und Christiane, das eine Pärchen, entschied sich, nicht mitzukommen. Es ging sogleich steil bergan und nach anfänglichen Wegfindungsproblemen fanden wir uns auf einem gut markierten Bergweg wieder. Mit immer wieder Pause ging es die 1200hm ziemlich ohne Geraden oder Gegenabstiege hinauf. Die angekündigten kleinen Kletterpassagen hielten sich in Grenzen, aber es war doch ab und an ausgesetzt mit tollen Einblicken in das tief gelegene Tal. Am Gipfel, der mit einem aufgestellten Holz markiert war, angekommen machten wir eine etwas längere Pause. Ich saß mit Christiane und Denise zusammen und fotografierte ein bißchen umher. Danach liefen wir noch einige Kilometer bis zu dem Aussichtspunkt, an dem wir gestern kurz gestoppt hatten. Hier warteten Saif, Salim und Haitham auf uns. 9,5km, 1200m hoch und 200m runter lagen hinter uns. Im kleinen Café am Viewpoint ließen sich einige von uns Kaffee und Kuchen schmecken. Vom Gipfel her, von dem wir gekommen waren, zog es nun richtig schwarz auf am Himmel. Es schien eine Regenfront auf uns zuzurollen.











Wieder in den Autos fuhren wir hinab ins Tal. Eigentlich stand uns laut Plan eine Zeltnacht bevor, aber die Guides entschieden sich dagegen aufgrund des Wetters, welches zu kommen schien, auch wenn es sich dann doch entschied, es hier nicht regnen zu lassen. Wir wurden nach etwas Wartezeit in ein Resthouse gebracht, das noch nicht fertig zu sein schien. Es war Hauptreisezeit hier, in der es wohl schwer war, kurzfristig für so viele Leute eine Unterkunft zu bekommen. Denise, Christiane und ich bezogen ein Zweibettzimmer, in das sie mir zwei zusätzliche Matratzen mit Decke und Kissen brachten. Ich würde hier also auf dem Boden nächtigen auf einer Unterlage, die selbst mir zu kurz war. Die Dusche war wieder nicht warm.
Zum Essen fuhren wir zu einem Restaurant. Es gab wieder massig von allem und Denise konnte sich in der Küche im Brot backen in einem Tandoori Ofen versuchen.
27.12.2024
Wir trafen uns unten an den Autos fertig gepackt, aber ohne Frühstück. Alles wurde eingeladen und Haitham lief mit uns zu einem Café hier in Misfat al Abriyeen, in dem wir etwas zu essen bekamen.



Saif würde heute nach Nizwa ins Krankehaus fahren, um seinen Fuß ansehen zu lassen. Wir saßen hier auf einer Dachterrasse. Anschließend liefen wir mit Haitham ein Stückchen an einem Honigladen vorbei, dann in eine Oase hinein und am Hang wieder zurück. Alles grün und saftig. Wir befanden uns hier rückseitig des gestrigen Aufstiegs, von wo aus man auch zum Gipfel kommen konnte.







Nach dem kleinen Spaziergang wurden wir in einem Café abgesetzt, in dem wir 2h warten sollten. Haitham und Salim organisierten das Hin- und Hergefahre der Autos und das Essen für den Abend bis Haitham uns wieder abholte und mit uns zum nächsten Zeltcamp lief auf einer Anhöhe jenseits vom Dorf. Wir bauten die Zelte auf, ich meins schön weit abseits, und danach war noch ordentlich Zeit, so daß ich ca. eine Stunde umherkletterte durch die steinige Landschaft und tolle Fotos machte. Am Rande gab es eine große Schlucht, das Gestein leuchtete teils schwarz, teils rötlich in der langsam absinkenden Sonne. Nun fühlte ich mich wirklich im Urlaub angekommen – es fiel einiges von mir ab und ich war glücklich, hier zu sein.




Als ich zurück war, war auch Saif wieder da. Es war einfach eine Bänderdehnung, die aber bekanntlich langwieriger sein kann, als ein Riß.
Es wurde Feuer für uns gemacht, Salat gemacht und Gemüse gekocht. Dazu wurde Fisch geliefert. Unsere Guides hatten Besuch von einem österreichischen Guide, der lange blieb und immer wieder fuhr dann noch ein Auto her, bis es endlich still wurde. Uns wurde eine Flasche Whiskey serviert, wir saßen mit den drei Jungs am Feuer und erzählten in Gruppen. Ich unterhielt mich lange mit Lutz über mögliche Touren, dann mit Lisa, Ede, Lutz, Salim und Haitham bis zum Ende. Heute schlief ich erst recht spät ein. Viele Eindrücke hatten sich mittlerweile angesammelt.





28.12.2024
Frühstück am Camp, Zelte abbauen. Die Felsen „glühten“ in der Morgensonne.




Gemeinsam fuhren wir in Richtung Jebel Shams, der höchsten Erhebung des Landes mit rund 3000m. Es gab einen kurzen Fotostopp oberhalb des großen Canyons, in den wir heute hinein wandern würden, mit beeindruckenden Bildern.
Dann Fahrt zum Ausgangspunkt der Tour. Wir bekamen jeder drei Rollos (in Fladenbrot gewickeltes Gemüse, Hähnchen und Falafel). Ziegen liefen umher. Rainers Rucksack stand offen auf dem Boden, als er gerade einen Rollo auswickelte. Eine Ziege kam an und schnüffelte am Rucksack, so daß Rainer nach ihr trat. Da schrie ihn plötzlich Lisa an, daß er keine Ziegen zu treten habe. Kurze erste Eskalation in der Gruppe also.
Nun ging wieder Saif mit uns – den „Balcony Walk“. Wahnsinns Landschaft, aber viel zu viele Menschen um uns herum. Es ist eine one-way-Wanderung hinein bis zum Ende des Canyons und wieder hinaus. Am Ende fanden wir uns an einer Gumpe wieder, von der auch ein Klettersteig aus der Schlucht hinausführt. Hier machten wir lange Pause – fast zu lange für meinen Geschmack. Saif kochte wieder Kaffee für uns. Den Rückweg ging ich schnell mit Lutz zusammen. Mir war nach Bewegung und etwas weniger Gruppengeplapper heute. Es war toll warm in der Sonne.










Unsere heutige Unterkunft befand sich wieder auf über 2000m, ein Resort in den Bergen. Wir bekamen einzelne feste Hütten zugeteilt. Ich ging hinein – das war riesig. Fühlte mich hier komplett verloren und es war kalt, keine Möglichkeit zum Heizen, auch nicht mit den Klimageräten an der Wand. Ein riesiges Schlafzimmer mit zwei riesigen Betten. Als ich alles ausgepackt hatte, kamen Lutz und Matthias, ob sie mit mir tauschen könnten, da sie nur ein Doppelbett mit einer Decke bekommen hatten. Also gut, wieder alles einpacken und umziehen. Die Hütte war die gleiche, unterschied sich nur in der Art der Betten. Ich duschte und wusch etwas Wäsche. Alles hier war eine Fehlkonstruktion. Das Wasser lief quer durch’s ganze Bad zum Abfluß unter dem Waschbecken. Alles war neu hier und teilweise noch verpackt, Schutzfolien an Türen und Fernseher nicht abgezogen, an der Tür sogar mit einsilikoniert. Der untere Teil des Bettes war in Folie verpackt – ziemlich skurril. Beim Einschalten des Lichts im Flur knisterte der Schalter und es flackerte. Türscharniere waren mit lasiert worden, so das die Tür klebte. Lichtschalter fielen teilweise aus der Wand.
Nebenan wohnten Denise und Christiane. Sie kamen herüber, ob ich warmes Wasser hätte. Ja, das ging bei mir. So duschte Denise bei mir. Irgendwann klopfte es und mir wurde ein kleiner Radiator gebracht. Wir bekamen also alle eine Heizung, die allerdings niemals die ganze Bude hätte heizen können. Immerhin konnte ich darauf meine Wäsche trocknen. Denise und Christiane wurde ein „Elektriker“ geschickt, der den Boiler über dem Waschbecken in der Decke reparieren sollte. Als Denise ins Bad guckte, lief das Wasser aus der Decke und so sollten sie dann spät in der Nacht noch umziehen in eine andere Hütte. Es war ziemlich komisch alles und wir wußten nicht so recht, wie wir damit umgehen sollten. Immerhin entstand somit der running gag der Tour. Immer wenn es ein Problem zu lösen gab, sagten wir, wir holen einfach den Elektriker – der macht das dann.






Zum Abendessen gab es Buffet in einem riesigen Raum, der auch recht kühl, aber nicht ganz so kalt war. Es gab Suppe.
29.12.2024
Um 7 Uhr gab es englisches Frühstück, 8 Uhr Abfahrt, zunächst nach Nizwa. Wir hatten hier 2h Zeit für Souk und Besichtigung der Festung, wo wir alle mit Saif gehen sollten. Lisa, Ede, Lutz und ich hatten heute etwas Gruppenkoller und sagten Bescheid, daß wir alleine gehen wollten. Es ist manchmal einfach notwendig, wenn man 24/14 mit fremden Leuten aufeinanderhocken soll, sich auch mal aus dem Weg zu gehen. Wir schlenderten durch den Souk und etwas durch die Straßen. Ich besorgte Briefumschläge in einem Schreibwarenladen für die Trinkgelder für unsere 3 Guides. Habe mit allen gesprochen und ich würde diese bemalen, ähnlich wie ich es damals in Marokko gemacht habe.









Mittagessen gab es bei einem Türken, danach ging’s mit den Autos in die Wüste. Ich saß bei Salim hinten in der Mitte und bekam schon bei dem kleinsten Driften Schiß. Die Fahrer hatten riesig Spaß, insbesondere Haitham, der beste Wüstenfahrer, wie uns alle versicherten. Im Leben hätte ich nicht bei ihm im Auto sitzen wollen. Saif war der Vorsichtigste, aber auch der Erste, der sich fest fuhr. Haitham mußte ihn rausziehen, was gut gelang. Anschließend fuhr auch er sich kurz fest, konnte sich aber selbst wieder befreien. Puh, das Spektakel war nicht wirklich was für mich.



Heute gab’s Zeltcamp im Wüstensand. Ich baute mein Zelt etwas abseits der Gruppe auf einer Sandscharte auf, leider falsch rum. Als der Wind einsetzte blies es mir allen Sand in den Eingang rein und ich bat Lutz, Denise und Christiane mit anzupacken, um mein Zelt zu drehen – besser so. Es gab Sonnenuntergang, später Feuer, wir bekamen Kartoffeln in Alufolie und saßen heute nicht lange beieinander, bzw. ging ich heute sehr zeitig ins Zelt, um zu schlafen. Als ich gegen 12 mal raus mußte, gab es endlich den ersehnten Sternenhimmel. Zwar nicht so ausgeprägt, wie ich ihn schon kannte, aber es reichte für ein paar schöne Fotos.





30.12.2024
Am nächsten Morgen war alles recht feucht – ungewöhnlich für Wüste. Ich räumte das Zelt aus, ließ es aber bis nach dem Frühstück stehen und trocknete es dann sogar mit dem Handtuch nach, um es möglichst nicht naß einpacken zu müssen.
Wir packten wieder alles in die Autos und starteten direkt zu einer kleinen Wüstenwanderung durch die nicht allzu großen Sanddünen. Es wurde heute schnell heiß – genau mein Wetter. Weite Wüste, tolle Bilder. Immer wieder Pause auf den Dünen. Zum Ende der Wanderung rannten wir eine recht große Sanddüne hinunter und erreichten dann unser festes Zeltcamp, wo wir Tee, Kaffee und Datteln in einem großen Lehmbau bekamen. Hier standen viele Tische umher, außenrum Sitzkissen. Es war angenehm kühl und die meisten ließen sich nieder, um der Nachmittagshitze auszuweichen, nachdem wir unsere Zelte zugewiesen bekommen hatten.










Ich machte mich auf, um außerhalb des Camps auf einer Düne sitzend nun die Umschläge für die Trinkgelder zu bemalen und hockte so eine Stunde in der Sonne.

Ich genoß es. Zurück im Zelt gab es eine weitere kleine Eskalation in der Gruppe. Ich war bei all dem unbeteiligt.
Uns war nun angekündigt worden, daß wir mit den Jeeps irgendwo hin gefahren werden sollten, um im Sand den heutigen Sonnenuntergang genießen zu können. Erst kurz vor Abfahrt erfuhren wir, daß wir erst noch etwas durch die Wüste cruisen sollten. Mein Versuch zu sagen, daß ich lieber zu der Düne laufen wollte, mißlang. Ich mußte wohl im Auto platznehmen, wieder bei Salim, diesmal aber auf dem Beifahrersitz.Ich schnallte mich an und mein Herz rutschte mir sonstwo hin. Im Konvoi mit noch anderen Fahrzeugen einer italienischen Gruppe, die auch im Zeltcamp war, ging’s nun los. Ich versuchte einfach zu vertrauen. Die würden schon wissen, was sie mit uns machen. Haitham fuhr die krassesten Stellen an, Salim etwas bedachter, aber auch das für mich nicht ohne. Nun fuhr sich auch Salim kurz fest ohne die Möglichkeit, ihn mit dem anderen Auto rauszuziehen. Wir bekamen ihn heraus, indem Haitham Anweisungen gab, wie wir alle von vorne, von hinten, von vorne und wieder von hinten zu schieben hatten. Ich machte mit und überlebte es und dann ging’s zum Sonnenuntergang, wo ich meinte, es hinter mir zu haben. Ich konnte es so genießen. Wir schossen ein paar Fotos, aber die Sonne war auch schnell weg.
Als wir wieder im Auto saßen die Frage von Salim „does anyone of you need to go straight to the camp right now?“. Alle verneinten – Grinsen auf Salims Gesicht. Shit – was kam jetzt? Saif fuhr direkt zum Camp, aber Haitham und unser Auto nahmen einen anderen Weg – wieder hinein in die Dünen, und nun hatten die beiden wohl richtig Spaß mit uns. Ich war zwischen Herzinfarkt und „calm down and trust“ hin und hergerissen. Aber ich sagte zu Salim „don’t pay attention on me – just have fun. I trust in you. I only want to survive.“ Alle lachten. Die Situationen, die dann kamen, kann ich nicht beschreiben. Ich habe es einfach erlebt und mir ging’s erstaunlich gut dabei. Die Italiener standen mit ihren Fahrzeugen auch noch da rum und haben geguckt. Ich glaube, sie waren etwas neidisch auf uns.






Nach allem ging’s auch für uns ins Camp zurück und ich duschte in unserer Freiluftdusche vor dem Abendessen.

Wieder in dem großen Lehmbau mußten wir noch etwas warten, so setzten Denise, Christiane und ich uns zurückversetzt hinter einem Tisch mit unseren Sitzkissen an die Wand, um uns anlehnen zu können, und unterhielten uns. Matthias saß wo ganz anders, Lisa, Ede und Lutz nicht weit weg von uns in der Nähe unseres Tisches. Buffet wurde aufgefahren, als plötzlich Matthias herkam und seine Sachen am Platz direkt vor mir auf dem Tisch ablegte. Als Christiane darauf hinwies, daß wir hier drei Plätze brauchen würden, kam nur zurück „das kann ich nicht garantieren“. Jetzt platzte Ede heraus „geh‘ doch woanders hin, es gibt genug freie Plätze“, aber Matthias schnappte sich ein anderes Kissen und setzte dich direkt vor meine Nase. Ich beobachtete nur. Da stand Ede auf, Matthias ebenfalls, beide gegenüber und Ede schubste ihn weg. Genau in diesem Moment kamen unsere drei Guides rein und erschraken wohl etwas. Saif war entsetzt und kam gleich hergelaufen, was denn da los sei. Ich glaube, die Omanis konnten das einfach nicht fassen, was da abging – so etwas gab es hier nicht, so ging man nicht miteinander um. Sie schauten erst entsetzt, als sie uns dann aber sahen (Christiane, Denise und mich), wie wir die Augen zuhielten und doch etwas grinsen mußten und uns ansahen, waren sie wohl auch beruhigter. Matthias nahm seine Sachen und ging zum Nachbartisch, wir setzten uns vor und auch Ede blieb wieder ruhig. Wir erklärten Saif kurz die Situation und es war somit in Ordnung, auch wenn Matthias ab da doch etwas außen vor von uns allen war. Salim und Haitham fragten mich einen Tag später nochmal auf Englisch, was da vorgefallen war, und ich versuchte es zu erklären. Da mußten dann auch sie lachen. Eskalation Nummer 3 also. So hatte ich es noch nie erlebt.
Nach dem Abendessen gingen wir in Richtung Zelt von Christiane und Denise, außer ihnen noch Lisa und Ede, Manu und Bernd, Haitham, Salim und ich. Die Jungs hatten uns Wein besorgt und Nüsse, und wir saßen noch bis ca. 10 Uhr gemütlich zusammen und plauderten.
31.12.2024
An diesem Tag war nun Schwimm-Wanderung durch ein Wadi angesagt, was auch immer das heißen mochte. Ich erwachte früh, mir war kalt. Es hatte mich ganz schön gebeutelt. Nase war zu, der Hals kratzte, der Kopf tat weh. Shit, das konnte ich nun überhaupt nicht gebrauchen. Ich lief zu Christiane und Denise hinüber, die mir eine Ibu gaben. Ich wollte doch alles hier mit erleben können, war mir aber anfangs nicht sicher, wie der Tag werden könnte. Irgendwer steckte es wohl Saif, daß es mir nicht gutging und er erkundigte sich, ob ich mit laufen wollen würde. Wirklich so lieb und hilfsbereit. Wir frühstückten alle zusammen fuhren dann zu dem Wadi. Besonders gut ging’s mir nicht, aber ich wollte mitkommen. Bikini drunter in leichten Klamotten, das Wetter warm aber nicht heiß. So liefen wir los, heute wieder mit Haitham. Nach einigen hundert Metern kündigte er an, daß es hier ins Wasser gehen würde. Wir kleideten uns aus, Bikini oder eben Schwimmklamotten und Sandalen, den Rest verpackt in wasserdichten Säcken, die wir bei uns tragen sollten mit Proviant und der Kleidung. Es ging insgesamt 5-6km durch das Wadi, immer wieder im Wasser, auch schwimmen bis 300m war angesagt, dann wieder laufen und über Felsen klettern. Die Sandalen hierfür nicht immer geeignet, weil rutschig. Es gab die Möglichkeit, ins Wasser zu springen aus 3-5 Metern, was ich nicht ausfallen ließ.













Dennoch war mir am Ende sehr kalt und ich war trotz des tollen Erlebnises froh drüber, mich trockenlegen zu können und wieder Klamotten anzuziehen, um entlang Wasserkanälen aus dem Wadi herauslaufen zu können, wo uns Saif und Salim erwarteten. Gut ging’s mir hier nicht mehr, aber ich nahm alles in mich auf. Wir bekamen Sandwiches zu essen und fuhren dann ca. 2h nach Sur, einer Stadt am Meer.
Silvesterabend also in einem Hotel – „Best Western“ in Sur. Als wir ankamen wurde alles etwas komisch. Die Jungs lieferten uns ab und Saif teilte uns mit, daß wir den Abend nicht gemeinsam verbringen würden. Wir bekamen Karten für die Silvesterparty des Hotels. Als wir so langsam checkten, daß wir den Abend ohne die Jungs verbringen würden (war wohl als „Upgrade“ der Reise angedacht) waren wir alle etwas verstört und enttäuscht. Schließlich hatten wir uns so toll zusammengefunden und doch alle eine Trekkingreise mit Guides gebucht und keine Silvesterparty. Wir ließen das auch alle raus, dennoch half unsere „Beschwerde“ nichts. Wir waren allein hier. Für die Guides hatte die Agentur wohl kein Geld für sowas übrig. Ging garnicht. Wir gingen auf unsere Zimmer, danach zu der komischen Poolparty mit riesen Buffet und Showküche inklusive viel zu lautem DJ und schrecklicher Musik. Jeder bekam ein Freigetränk, auch Alkohol. Das hatten wir uns alle anders vorgestellt. Zwar genossen einige das riesig tolle Essen, aber der Abend war von Diskussionen und Gesprächen geprägt, die sich über alles aufregten und keiner war glücklich darüber. Nach und nach verließen wir alle die Party, um entweder auf’s Zimmer zu gehen oder ein paar Meter die Straße hoch und runter zu laufen. Einige saßen dann noch in der Lobby und trafen sich um 12 wohl auf dem Zimmer von Lisa und Ede. Ich hatte hierzu keine Lust, bzw. war einfach früh schlafen gegangen neben dem lauten Sound von der Party und scheinbar auch anderen Parties außenrum. So toll fühlte ich mich nicht. Wir waren uns einig, daß wir alle hier gegen an die Agentur schreiben würden. Das war ein No-go schlechthin. Aber gut, es war einfach nur Silvester und uns standen noch 2 Abende bevor.
01.01.2025
Ich erwachte und mir ging’s nicht gut. Packte meine sieben Sachen und ging hinunter zum Frühstück, wo schon einige andere von uns saßen. Es gab wieder reichhaltig, aber ich hatte nicht viel Hunger. Wir fuhren zu einem Viewpoint, wo wir etwas Zeit hatten, dann besichtigten wir eine Werft, die wirklich beeindruckte an Handwerkskunst. Wir konnten Schiffe bestaunen, die gerade im Aufbau waren. Über drei Jahre wurde an ihnen handgefertigt nach Bestellung.



Nebenbei sammelte ich die Trinkgelder für unsere Guides ein. Wir hatten vor, das einfach in die Umschläge zu tun, die ich bemalt hatte, als plötzlich Matthias meinte, er wolle drauf unterschreiben. „Sonst wissen die ja garnicht, von wem das ist“. Die meisten schlossen sich meiner Meinung an, daß hier Namen doch nicht wichtig waren, da sie ohnehin alle so viele Gruppen führten und sich sowieso nicht an uns erinnern würden, aber Manu pflichtete ihm bei. Ok, dann besorgt einfach jeweils ein Blatt Papier, das wir unterschreiben und mit in die Umschläge stecken können – ich würde mich darum nicht kümmern. Waren in der Reisebeschreibung Trinkgelder in Höhe von 15-20 Rial pro Person für den Hauptguide und 10-15 für die Fahrer als Orientierung angegeben, so gaben fast alle an die 50€ pro Person, was in Etwa den 20 Rial entsprach. Alle waren einfach so toll. Matthias, der unbedingt die Unterschrift geben wollte, gab‘ mir je 5 Rial für Salim und Haitham und 10 Rial für Saif. Ich stand ungläubig da. War das wirklich sein Ernst?? Ich kommunizierte das in der Gruppe. Nun war das Unverständnis für diesen Menschen perfekt. Der Mann, der so viel gereist sein wollte und alles gesehen zu haben schien, rückte sich damit doch irgendwie endgültig ins Aus.
Wir fuhren dann noch gemeinsam in einen großen Supermarkt, in dem es für mich einfach interessant war, das Angebot und die Preise zu sehen. Viel günstiger als in Deutschland konnte man hier nicht leben, auch wenn alle deutlich weniger verdienen als bei uns. Das Land, der Oman, ließ Fragezeichen in meinem Kopf offenstehen. Die Guides kauften für unsere letzte Zeltnacht ein.
Ein Spaziergang zu einem Wadi folgte, in dem ein paar von uns schwammen.



Abschließend die Fahrt zum Meer in der Nähe von Fins (la fin de la terre aus „der Nachtzug nach Lissabon“ kam mir in den Sinn). Nach etwas Suchen fanden wir einen herrlichen Platz direkt an der Küste für uns, wo wir die Zelte aufschlugen. Wir liefen umher und jeder nahm wohl ein bißchen für sich auf, was er konnte. Im Zelt sortierte ich dann Gedanken und auch die Trinkgelder in die Umschläge hinein, zu denen mir Manu noch die Unterschriften-Zettel brachte. Danach saßen wir zusammen auf Meereshöhe mit dem Rauschen im Hintergrund. Wieder lecker Essen, Kartoffeln aus Alufolie, Hähnchenfleisch, Gemüse, Salat. Hier verabschiedeten wir uns von allen und übergaben unsere Kleinigkeiten, denn die beiden Fahrer und auch Saif sollten uns morgen verlassen. Wir feierten mit Whiskey und Wein Silvester noch ein bißchen nach und wieder bildeten sich einige Grüppchen. Zuletzt saß ich mit Salim und Haitham am Feuer. Sie zeigten mir Fotos und wir lachten viel. Wir rauchten Shisha.








02.01.2025
Unser letzter Tag mit den drei Jungs ging viel zu schnell vorüber. Wir bekamen unser letztes Camp-Frühstück serviert und halfen dann alle zusammen, um alles einzupacken – Zelte, Stühle, Sonstiges. Im Auto fuhren wir zu einem weiteren Wadi, in welches wir eine kleine Wanderung unternahmen. Die meisten von uns schwammen nochmal, aber auch hier wieder viele Leute. Mein Gesundheitszustand ließ mich am Ufer sitzen.





Zurück an den Autos bekamen wir wieder Rollos und fuhren dann lange bis nach Muskat zurück, wo wir uns vor dem Hotel recht schnell verabschiedeten mit einem Gruppenfoto und kurzen Umarmungen. Ich werde Euch alle vermissen.

Mit Denise und Christiane schlenderte ich erneut durch den Souk in Mutrah, wo ich mir nun als Andenken eine Hose und einen Schlüsselanhänger kaufte, der an meinem Rucksack Platz finden sollte.



Letztes Abendessen, wo wir schon am ersten Tag waren, dann Hotelzimmer. Ich konnte lange nicht schlafen.
03.01.2025
11.20 Uhr sollten wir hier abgeholt werden zum Flughafen. So schrieben wir uns zusammen, um früh gemeinsam zu frühstücken und dann nochmal über den Fisch- und Gemüsemarkt liefen. Alleine lief ich dann noch ein paar Schritte an der Promenade entlang und konnte es einfach nicht fassen, daß es nun vorbei war. Wir wurden im Kleinbus zum Flughafen gebracht und hoben erneut ab, ab in die Welt zu Hause. Ich traf Nicole und Viola wieder. Es fand ein kurzer Austausch statt. Auch sie waren begeistert von ihrer Tour und dem Land. In München ging’s zur S-Bahn, dann zu Fuß zum Auto und knapp 2,5h heim. Um 23 Uhr schloß ich die Haustür auf und konnte lange nicht schlafen, bis mir einfach auf dem Sofa die Augen zufielen.
Noch Tage danach fühle ich mich nicht wieder zu Hause angekommen und träume.
