Zum Glück hatte ich wieder 15 Betten in der Neuen Bielefelder Hütte reserviert, denn meine Gruppe Wandern 3F rannte mir fast die Bude ein. Sehr schnell waren die Plätze belegt und ich hab‘ kurzzeitig schon drüber nachgedacht, noch weitere Plätze zu reservieren. Allerdings war bei 15 dann doch Schluß und einer mußte kurzfristig leider noch absagen. So also die diesjährige Einsteigertour mit 13 + ich. Zwei Personen wollten nachkommen am Sonntag Morgen, die restlichen 12 dann am Samstag schon in Telfs.
05.07.2025
Wir trafen uns um 13 Uhr in Bayreuth bei bestem Wetter, um mit 3 Autos à 4 Personen da runterzufahren. Gen Süden verschlechterte sich das Wetter kurzzeitig und es war auch für die nächsten Tage recht schwierig gemeldet. Die Spannung stieg bei mir. In der Unterkunft in Telfs angekommen (wir hatten 4x 3er Zimmer) war die Begrüßung sehr nett, aber unser Zimmer war nicht gemacht worden. Decke zerknüllt auf dem Bett, Handtücher auf dem Boden im Bad, usw. So bekamen wir gleich mal ein Bier auf’s Haus für die Wartezeit, die wir draußen vor dem Hotel in der Sonne verbrachten, bevor wir zum Essen gingen.
Kurz bevor wir loslaufen mußten, da wir einen Tisch reserviert hatten, kam die Info, daß das mit dem Zimmer machen noch länger dauern würde – wir hätten also später noch ein Bier gratis. Gemeinsam liefen wir durch Telfs, um in einer tollen Pizzeria gut zu essen und zu trinken. Wir hatten hier schon viel Spaß zusammen, was meine Gruppe immer ausmacht. Danach zurück zum Hotel, noch ein Absacker und dann ins frisch gemachte Bett, aus dem ich dann aus Insidergründen gegen halb 4 auswanderte, um auf dem Boden zu schlafen, wo ich wirklich noch 3 Stunden Schlaf ergatterte.
06.07.2025
Früh duschte ich, zahlte unsere Zimmer und um 7.15 Uhr trafen wir uns zum Frühstücksbuffet. War die Unterkunft sehr günstig hier, so übertraf der Service all unsere Erwartungen um ein Vielfaches. Anschließend fuhren wir ca. eine halbe Stunde zum Wanderparkplatz, an dem wir uns mit Nicole und Roland trafen – kurz umpacken, Schuhe anziehen und los ging’s um 9 Uhr wie geplant. Das Wetter zeigte sich sonnig und schwül warm. 2,5h Aufstieg waren angesagt zur Neuen Bielefelder Hütte auf rund 2100m. Nach 2,5h waren wir oben. Es ging steil bergauf auf von Beginn an Bergpfaden – richtig schön! Auch wenn ich mir schwertat aufgrund gesundheitlicher Einbußen 2 Wochen vorher konnte ich es doch genießen – meine Stöcke halfen mir, den Anstieg zu bewältigen. Erst 3 Tage vorher hatte ich entschieden, überhaupt mitzukommen.
Als wir auf der Hütte ankamen, war es ringsrum schwarz am Himmel. Auf verschiedenen Wetterapps waren auch Regen und Gewitter gemeldet, was mir etwas Bauchschmerzen bereitete. Wie es aktuell aussah würden wir nicht ganz so schnell weitergehen können wie ursprünglich geplant. Ich checkte uns ein, fragte auch nochmal nach dem Wetter und meine Annahmen wurden bestätigt. Die Wirten rieten auch anderen Gruppen von Gipfeltouren ab, wie ich mitbekam. Ich sagte zu meinen Leuten, daß die die am Nachmittag noch mit wollen bitte ihre Rucksäcke umpacken, so daß wir schnell losgehen könnten, wenn das Wetter sich aufklaren sollte. Wir bezogen unsere Lager (ein 9er und ein 7er Zimmer) und aßen und tranken danach etwas auf der Terrasse. Es war deutlich frisch geworden.
Regen kam aktuell noch keiner, das ganz Schwarze verzog sich wieder etwas und so rief ich für 13.30 Uhr auf zum Start. Wir würden zwar nicht die ganze Tour machen können, aber ein Stück weit sicher. Sollte es irgendwo donnern, kündigte ich vorher schon an, würden wir sofort umkehren. Alle waren einverstanden und so ging’s zu zwölft los. Zwei blieben auf der Hütte. Im Aufstieg Richtung Roßkopf und Wetterkreuzkogel fing es an zu regnen. In Anbetracht auf mögliche Gewitter ließen wir den Roßkopf links liegen, zu dem es Stahlseile am Berg gab – das war mir zu riskant. Als wir kurz in den Gipfelanstieg zum Wetterkreuzkogel eingetaucht waren, gab es Donner aus Richtung Süden. Aus dieser Richtung war zwar das Wetter nicht zu erwarten, aber ich rief dennoch zum Umkehren auf. Wir würden hier hochgehen und etwas am Grat unterwegs sein, was mir zu gefährlich schien, schließlich hatte ich die Verantwortung. Durch die Tatsache, daß alles wolkenverhangen oder im Nebel lag, konnte man sehr schwer einschätzen, wie sich das entwickeln würde. Wir liefen also erstmal den eben begangenen Weg wieder zurück, als der Regen auch wieder nachließ und nichts mehr zu hören war. So checkte ich kurz unseren Standpunkt und die Alternativrouten, die ich mir vorher schon angeschaut hatte. Alle wollten noch weiter laufen und nicht gleich zur Hütte zurückkehren. Ich berechnete die ungefähren Zeiten, die wir benötigen würden – erst einen Hang queren, dann hinabsteigen und nochmal 200m bergauf zurück zur Hütte. Ca. 17 Uhr sollten wir wieder dort sein. Die Gruppe war einverstanden und happy, sich noch etwas bewegen zu können und genauso machten wir es. Wir gingen ein Stück weit den Besinnungsweg zur Alten Bielefelder Hütte, die nur noch Ruine ist, dann hinab zur Acherberg Alm und wieder hinauf zu unserem Nachtlager, der Neuen Bielefelder Hütte, wo wir wie geplant gegen 17 Uhr eintrafen. Für so einen Regentag und die Gruppengröße war der Tag somit beachtlich mit 1240m im Aufstieg und 660m im Abstieg. Alle waren zufrieden, denke ich!
Kurz frischmachen, Sachen trockenlegen und um 18 Uhr gab’s lecker Abendessen. Die Wirte waren hier äußerst freundlich und man quatschte hier und dort. Im Anschluß ans Essen gab’s einen gemütlichen Hüttenabend – an einem Tisch wurde gewürfelt, wir spielten Schnauz und machten Kartentricks. Gelacht wurde sehr viel, bis es gegen 10 Uhr ans Zahlen und ins Bett ging. Die Lagerbetten waren furchtbar wie Hängematten. Dennoch auch in unserem Lager noch viel Unruhe und Gelächter über… diese Insider werden nicht verraten :D.
07.07.2025
In der Nacht hatte es stark geregnet, was deutlich hörbar war. Beim Aufstehen alles naß draußen, aber von oben wieder trocken. Ab 7 Uhr gab’s das gewöhnliche Hüttenfrühstück und um 8 Uhr wollten wir los. Hatte ich auch früh gleich wieder wegen Wetter geschaut, stellte ich fest, daß wir zwar ziemlich sicher naß werden würden, aber nur kurz und überschaubar ohne Gewitterneigung. So mußten wir zwar beim Loslaufen schon wieder in Regenkleidung starten, aber alle zogen dennoch mit, auch wenn es hier relativ einfach die Möglichkeit der Talfahrt mit der Bahn gegeben hätte. Es ging ein kleines Stück den Weg zurück, den wir gekommen waren, bis wir abzweigten in Richtung Zwölferköpfl. Irgendwann wurde es trocken und auch wieder sonnig. Die Lust am Wandern schlug wieder zu bei allen. Es waren deftige Anstiege dabei, aber nichts Schwieriges. Kurz verzettelte ich mich und wir mußten ein Stück wieder zurück, aber wir kamen nach ca. 2,5h am Zwölferköpfl an auf 2253m. Hier war es trocken und teilweise sonnig und wir genossen unsere Gipfelpause.
Was folgte war ein steiler Abstieg, den ich nun wieder genießen konnte nach dem langen Tüfteln zwecks Wetter. Auch meine physische Kraft kam langsam zurück. Ich ging voran und mußte immer wieder warten, was für mich völlig ok war. Ich fühlte mich einigermaßen wieder hergestellt. Auf den letzten Kilometern, die bergab gingen, hat es uns nochmal kurz eingeweicht, aber das war nun kein Problem mehr. Wir waren bei wieder Sonnenschein alle zurück am Auto, zogen uns um und machten uns auf den Heimweg, der zügig verlief und ohne Staus. Nicole und Roland fuhren gleich durch, wir anderen trafen uns in Bayreuth, um dort noch beim Mannsbräu einzukehren – ein schöner Abschluß einer tollen Bergtour meiner Gruppe 3F.
…und wieder DANKE an alle, die Ihr so toll dabei seid!!
In diesem Jahr als Bergvorbereitungstour, der 2. Wandermarathon meiner Gruppe Wandern 3F. Wir waren diesmal nur zu dritt und starteten um 7 Uhr in Teuschnitz am Sportplatz, um die Strecke des letztjährigen Frankenwaldwandermarathons zu gehen. Meine beiden Begleiter waren Marathon-Neulinge und es sollte heiß werden an diesem Tag.
Auch wenn es vorwiegend harte Wege waren diesmal war es eine wunderschöne Landschaft in unserem Frankenwald. Viel Rennsteig, etwas Kolonnenweg, aber auch tolle naturbelassene Pfade, die teilweise schwer zu finden waren. Klar, die offizielle Strecke vom letzten Jahr war ja heuer nicht „hergerichtet“ worden. Die Strecke beinhaltete viel Abschnitte des neuen FrankenwaldSteigla „Dobertal-Weg“, sowie später das Steigla „Steinbacher Lebenslinien“, der zur Kategorie „Weite atmen“ zählt. Man hatte also viele Fernblicke auf teilweise noch tote Wälder, aber auch unglaublich viel neues Grün schon wieder nach der unweigerlichen Naturveränderung der heutigen Zeit.
Wir stoppten nach 25km kurz in Steinbach am Wald, um im Edeka Getränke aufzufüllen, da ich aufgrund Gewicht drum gebeten hatte, nicht so viel mitzunehmen für diesen heißen Tag. Paar Kilometer später, noch immer am Rennsteig unterwegs, machten wir Brotzeitpause. Waren wir bis dahin schon ungewohnt langsam für mich für einen Wandermarathon unterwegs, wurde es dann noch langsamer, was aber grundsätzlich nicht schlimm war. Nur schlug die Hitze auch noch zu… So schlug ich vor, das Auto alleine zu holen, und der Vorschlag wurde dankend angenommen. Ca. 5km vor Schluß und noch 130hm hoch vor uns machten wir einen Treffpunkt aus, an dem ich die beiden einsammeln würde, nachdem ich das Auto geholt hatte. Wir trennten uns und ich trabte die 5km teilweise joggend so dahin. Mir fehlte einfach garnichts und die Hitze ließ mich kalt. In einer dreiviertel Stunde war ich alleine am Ziel, machte ein schnelles Bild, zog meine Schuhe und Socken um und begab mich in Steffis Auto.
Wieder mal gestartet beim Wandermarathon 2025 vom Frankenwald Tourismus. Der eigentliche Startpunkt in Helmbrechts diesmal, aber zu dritt liefen wir ab Walberngrün, um alleine laufen zu können, was wieder gut funktioniert hat. Roland, Nicole und ich waren am Sportplatz dort um kurz vor 7 Uhr.
Das Wetter war gut, zwar kühl, aber ok zum Laufen, kein Regen in Sicht. So ging’s dahin, immer gut in der Zeit. Wir genossen die Tour, den Frankenwald und immer wieder gute Unterhaltung unterwegs ob mit Anwohnern oder den Leuten der Verpflegungsstationen, die noch nicht wirklich auf Wanderer vorbereitet waren, weil wir natürlich ca. eine Stunde eher dran waren.
Die Auswahl an Wegen war super und wir waren gut drauf. Es lief und wir liefen… durch’s Ziel in Helmbrechts, welches aber noch nicht unser Ziel war. Nach 8h 13min. waren wir zurück in Walberngrün und tranken zusammen unser Zielbier. Danke für diesen tollen Tag!!
…erste Frühstartertour in 2025 – leider ohne Wolfgang…
Rezept: Wie immer : Man nehme diesmal 3 Leute mit guter Laune und Lust auf Berge, packe sie in ein Auto, fahre gen Süden nach Farchant und los geht’s… Zubereitung: sehr simpel Zubereitungsdauer: …viel zu schnell vorbei…
Im September 2024 entschied ich mich, über Ostern nach Marokko zurückzukehren, wo ich 2019 bereits 2x gewesen bin. Waren es damals eine Tour im Hohen Atlas mit Besteigung des M’Goun, eines 4000ers sowie eine Woche in der Wüste, so sollte es nun eine Kombireise werden – ein paar Tage in der Wüste und dann eine Woche im Antiatlas (Saghrogebirge), der Gebirgskette südlich des Hohen Atlas. Ich freute mich auf den Urlaub, das Land, aber ganz besonders auch auf ein Wiedersehen mit Sonja, Zakaria, Ahmed und eventuell ein paar anderen der Dromedar- oder Muliführer. Was genau mich erwarten würde zu dieser Jahreszeit war mir zum Zeitpunkt der Anmeldung nicht ganz klar. Ich wußte nur, daß ich wieder nach Marokko möchte – es zog mich förmlich wieder dorthin.
12.04.2025
Gegen Mittag fuhr ich hier los gen Frankfurt, um dort bei den Farbwerken Höchst zu parken, dann Shuttle zum Flughafen, check-in und ab zum Gate. Der Flieger hatte gleich mal eine knappe Stunde Verspätung. Zum Glück wartete der Anschlußflug in Casablanca, von wo aus es mit einer kleinen Propellermaschine nach Marrakesch ging.
Mitten in der Nacht traf ich dort ein und wurde zusammen mit Elke zum Riad Andalla in der Innenstadt gebracht, in dem ich schon zweimal auch gewesen bin. Schon hier fühlte ich mich wieder sehr wohl, auch wenn das Bild der Stadt diesmal im Regen ein anderes war. Triefend naß kamen wir in unserem Zimmer an, unterhielten uns, packten um und hängten unsere Klamotten zum Trocknen auf. Erst gegen 2 oder 3 Uhr Nachts war endlich schlafen angesagt.
13.04.2025
Um 8 Uhr trafen wir uns alle zum Frühstück. Freudiges Wiedersehen mit Sonja und dann auch mit Zakaria. Hatte man sich 2 und über 5 Jahre nicht gesehen, so war es so herzlich dennoch, als wäre die Zeit zwischendrin verflogen. Marokko ist und bleibt für mich ein Land, das ich niemals mehr missen möchte, es gesehen und erlebt zu haben – auch wenn ich hier erst am Anfang meiner Erzählung bin. So geflasht vom ersten Moment an wieder sitze ich jetzt hier, um all das aufzuschreiben, was ich in den letzten beiden Wochen erlebt habe. Die Gruppe schien im ersten Moment gut. Auch Andrea war dabei. Sie hatte ich 2023 schon in Pakistan kennenlernen dürfen. Wir fuhren gemeinsam mit dem Bus über Aït-Ben-Haddou, wo wir zu Mittag aßen und durch die große Filmstadt liefen, was ich schon einmal erlebt hatte, weiter durch’s Land. Wir stoppten an großen Wassermelonenfeldern und an Aussichten auf Oasen. Alles war sehr grün im Vergleich zu den letzten Besuchen, da es hier viel geregnet hatte. Es war auch der Regen der vergangenen Tage, der uns kurz vor unserer ersten Unterkunft stoppen ließ. Hier hatte es eine Brücke über einen Fluß weggerissen, die nun unpassierbar war mit dem Auto. So schnappten wir uns also unsere Tagesrucksäcke und kletterten über verbliebene Betonteile hinüber nach Foum Zguid und liefen zum Riad Assia, wo wir unsere erste Nacht verbringen sollten. Im Innenhof gab es den ersten Grüntee mit Minze und später unser Abendessen. Ahmed hatte uns hier erwartet und die Begrüßung war sehr herzlich nach all den Jahren. Ich schlief im 4-Bett-Zimmer zusammen mit Andrea, Elke und Petra.
14.04.2025
Am Morgen gab es Frühstück für uns und dann kam unsere Mannschaft hier an, die Dromedarführer. Ibrahim begrüßte mich erst knapp, aber kurz drauf schaute er genauer hin – „Rasta“ – ein Grinsen auf dem Gesicht – er hat mich also wieder erkannt. Ibrahim hat uns damals auf unserer Tour in der Wüste schon begleitet und hat mich immer „Rasta“ genannt. Es war so schön, diese Freude zu sehen. Solche Momente sind unvergeßlich. Wir liefen dann gemeinsam in den Ort, wo wir uns Tücher für die Wüste kaufen konnten. Uns wurde gezeigt, wie sie gewickelt werden können und direkt drauf ging’s dann los mit den Jeeps in die Wüste. Die Strecke kannte ich ja bereits in umgekehrter Richtung, aber es war wieder ein Erlebnis, da hin und her geschaukelt zu werden und die Landschaft zu genießen. Sonja, Andrea, Zakaria, Katharina und Kordula waren im selben Jeep, ebenso Ahmed mit den Eiern auf dem Schoß neben mir. So langsam versuchte ich wieder, mein Französisch auszupacken und unterhielt mich mit ihm, so gut es ging. Schon hier bereute ich es ein wenig, mich nicht mehr besser vorbereitet zu haben. War mein Englisch doch um Welten besser geworden in den letzten Jahren, so fehlte es mir einfach an französischen Wörtern und Ausdrücken. Wir aßen zu Mittag und liefen ein Stück durch die Wüste zu unserem ersten Zeltcamp. Wir liefen auf die Dünen zum Sonnenuntergang, saßen draußen zum Abendessen, Sonja spielte Ukulele, wir sangen – es gab Feuer, an dem ich alleine saß.. und schliefen draußen vor dem Zelt.
15.04.2025
Um halb 7 wachte ich vor dem Wecker auf, putzte Zähne, packte und lief auf die Dünen hoch, um den Sonnenaufgang zu bewundern und zu fotografieren. Frühstück gab es auf einer Düne im Freien und um 9 Uhr liefen wir los durch Sanddünen und Steppe. Nüßchenpause wurde eingelegt, und wir kamen an einem Brunnen vorbei, wo wir alle die Haare waschen konnten. 13.30 Uhr gab es Mittagessen an einem Fluß in der Wüste. Auch Sonja hatte hier noch nie so viel Wasser erlebt gehabt. Die Bilder waren einzigartig. Es gab Salat wie jeden Tag, dann Berberomelette mit Gemüse, Rührei, Oliven und Käse. Alle legten sich nach dem Essen zum Ausruhen nieder, ich aber wanderte 1,5h durch die Steppenlandschaft, die es hier gab. Die Strecke gab nicht viel her für’s Auge, aber ich genoß die Sonne und das Gehen auf dem Wüstensand, der nach den vielen Regenfällen sehr krustig war. Zurück am Mittagsplatz wachten alle so langsam auf und es wurde eifrig gepackt, Wasser aufgefüllt und wieder bereit gemacht zum Weiterlaufen. Im Anschluß ging es durch den Fluß, nachdem wir eine passierbare Stelle gefunden hatten, und dann durch hohe Dünen zum nächsten Camp. Wir bekamen Tee, machten uns frisch und stiegen erneut auf eine Düne hoch, um den Sonnenuntergang zu sehen, nachdem wir wieder etwas Musik gemacht hatten. Es war ziemlich windig an diesem Abend. Uns wurde Feuer gemacht, an das ich mich setzte. Ibrahim kam zu mir und fragte auf Englisch / Französisch / mit Händen und Füßen, wann ich zuletzt hier gewesen war. Ich sagte 2019 und er konnte es nicht glauben. Dachte, es wäre 2022 oder 2023 gewesen. Die Zeit verfliegt wohl auch hier bei den Leuten. Wir schliefen wieder unter freiem Himmel.
16.04.2025
Wieder wache ich um halb 7 auf ohne Wecker, wieder Frühstück auf einer Sanddüne im Freien bei etwas Wind diesmal, der dann stärker werden sollte. Ich half beim Abspülen des Frühstücksgeschirrs und danach ging’s ab in die sehr windige Wüste. Laut Zakaria kein Sandsturm, eher nur starker Wind, der uns nun 1,5 Tage begleiten sollte. Es ging relativ eben dahin. Zur Mittagspause hatten unsere Jungs sogar das Küchenzelt für Ahmed aufgebaut und uns wurde relativ windgeschützt eine leckere Mahlzeit serviert. Petras Zehe hatte sich entzündet, die wir nach dem Essen verarzteten, und dann lief ich noch eine Runde, während die anderen sich ausruhten. Ich lief durch ein paar Dünen, fotografierte und schrieb mein Tagebuch. Die Dromedare hatten sich einige hundert Meter weit entfernt und fraßen an den dürren Büschen. Im Anschluß ging’s noch etwa eine Stunde zu einem wunderschönen Zeltplatz. Ich lief von hieraus nochmals spazieren zusammen mit Elke und Andrea. Es gab dann Tee und Popcorn und Zakaria zeigte uns auf der Karte, wo wir entlang gelaufen waren und noch laufen werden würden. Ich wusch mich aus einer Schüssel Wasser im Zelt und spülte auch mein Hemd durch. Die Luft war staubig vom Wüstensand. In der hereinbrechenden Dunkelheit wurde von Ibrahim Sandbrot gebacken, was mit Trommelmusik und Gesängen unserer Dromedarführer begleitet wurde. Wegen dem Wind aßen wir diesmal halb im Zelt, so daß wir etwas geschützt waren. Es gab Suppe, Tajine und eben das gerade frisch gebackene Brot dazu. Uns wurde hier nun die Planänderung mitgeteilt. Wir würden einen Tag länger als gedacht in der Wüste bleiben, dafür einen Tag weniger im Saghro haben, morgen also nochmal im Zelt, bevor es in die Gite d’étappe ging. Andrea und ich schliefen wieder draußen vor dem Zelt unter freiem Himmel.
17.04.2025
So gut wie heute hatte ich schon lange nicht mehr geschlafen. Ich war nun wohl endlich angekommen, zurück zum dritten Mal in diesem wunderschönen Land unter all den tollen Menschen um mich rum. Um halb 7 war ich wach, putzte die Zähne und fotografierte mal wieder den Sonnenaufgang. Es wurde langsam wieder richtig windig und ich half nach dem Frühstück erneut beim Abwasch. Um 9 Uhr starteten wir in Tücher gehüllt, die uns vor dem Sand schützten. Es ging durch Dünen und Steppenlandschaften. Petras Zehe wurde nicht so richtig besser und sie ritt am Ende ein weites Stück auf einem Dromedar, was auch andere immer wieder nutzen konnten. Ich lief ausschließlich, um im Training zu bleiben und das Dromedarreiten kannte ich ja bereits aus 2019. Mittags kochte Ahmed wieder im Zelt, es gab Salat, Reis, Linsen und Orangen zum Nachtisch. Erneut lief ich meine Mittagsrunde während die anderen ruhten oder schliefen. 1,5h trotteten wir dann noch zum nächsten Lagerplatz. Der Wind legte sich einigermaßen und es wurde richtig heiß. Der Platz war toll in einer Oase gelegen unter Palmen. Sonja gab mir einen Briefumschlag für die Trinkgelder der Dromedarführer, die wir am Abend verabschieden sollten. Ich machte mich sogleich an die Arbeit und zeichnete im Schatten einer Palme einen Dromedarkopf und Dünenlandschaft. Ahmed hatte zum Nachmittagstee Kuchen gebacken, von dem alle begeistert waren, und wir saßen zusammen und besprachen die bevorstehende Verabschiedung. Danach lief ich noch mit Andrea zu den nahegelegenen Ruinen, die bis vor ein paar Jahren noch bewohnt gewesen sein sollen. Es entstanden wieder schöne Bilder in der untergehenden Sonne. Ich versorgte Ahmed und sein Handy mit Strom in Form meiner Powerbank und zum Essen gab’s lecker Suppe, Engelshaar, Gemüse und Obstsalat. Neben uns brannte Feuer gegen die Mücken, in dem Palmwedel verbrannt wurden. Als Ibrahim den Tisch abräumen wollte, standen alle Teller noch verstreut. Ich sagte zu den Leuten: „Gebt Ihr mir bitte Eure Teller rüber.“ Da sah er mich ganz erstaunt an. „Qu’est-ce que tu sais? C’est pas d’Allemand!?“ (Was hast Du gesagt? Das ist doch kein Deutsch!?) Er war so wißbegierig und ich mußte ihm übersetzen, was ich gesagt hatte. Das ist hier alles so nett, das Interesse so groß – die Marokkaner machen einfach Spaß und ich war so glücklich, hier zu sein. Dennoch stand nun der Abschied an. Die Jungs trommelten und sangen für uns und wir überreichten mit einer kleinen Dankesrede von Annette den Briefumschlag. Teil 1 unserer tollen Reise war hiermit beendet, auch wenn die Jungs uns erst morgen früh verlassen sollten. Ich genoß ihr Lachen auf den Gesichtern so sehr. Auch heute schliefen Andrea und ich wieder draußen – diesmal etwas abseits auf einer kleinen Düne im Sand.
18.04.2025
Diese Nacht hatte ich nicht so gut geschlafen, dennoch als Erste wach und auf den Beinen. Aus dem Küchenzelt klapperte es bereits wieder wie jeden Morgen. Nach dem Frühstück gab es noch ein Gruppenbild mit den Dromedarführern, dann trennten wir uns.
Wir liefen heute nur ein paar Kilometer zum nächsten Dorf und trafen dort auf unseren Bus. Unterwegs kurze Kaffeepause, zu Mittag dann Picknick zubereitet von Ahmed und anschließend ins Hamam. Mal wieder gewaschen zu sein war gut, aber die Art und Weise brauche ich kein zweites Mal. Naja, habe hier mal wieder was Neues gesehen und dazu gelernt. Dann Weiterfahrt nach Handour zur Gîte d’étape von Ahmeds Vater. Auf der Dachterrasse gab es Tee für uns. Ich bezog mein Zimmer mit Elke und Andrea, wir wuschen Wäsche und ich ließ aufgrund Mangel an Steckdosen meine Powerbank in der Küche laden. Schließlich hatte Ahmed mir meinen letzten Strom geraubt. Ich versprach ihm Wiedergutmachung in den Bergen. Ganz unauffällig beim Wäschewaschen fragt Ahmed nach meiner Schuhgröße. Ich nannte sie ihm und fragte warum, worauf ich nur ein Schulterzucken bekam. Als ich mit Elke und Andrea um Zimmer am Kramen war, kam Sonja an und überreichte mir einen Beutel von Ahmed mit pinken Sandalen. Mir ist scheinbar das Gesicht eingeschlafen und wir alle mußten lachen. Sonja hatte auch welche bekommen in türkis. Wir gingen zusammen zu ihm und bedankten uns herzlich, zeigten unsere Sandalen an den Füßen vor und er machte ein Foto von uns beiden. Ich behielt sie an und lief dann noch mit Andrea eine Runde durch’s Dorf. So unbequem waren sie garnicht. Wieder zurück gab’s Essen, das natürlich Ahmed gekocht hatte. Linsensuppe, Kartoffeln, Karotten, Fleischklößchen mit Ei und danach eine Banane für jeden. Nach dem Essen fragt Sonja mich, ob wir Schuhe tauschen wollen. Sie hatte mir wohl angesehen, daß ich mit pink so meine Probleme hatte und zu meiner roten Hose paßten die überhaupt nicht. Ihr war es eher egal und so hatte nun ich die Türkisen, die ich tatsächlich wieder anziehen werde. Der Abend wurde etwas länger mit Elke, Andrea und Sonja auf der Terrasse. Vor dem Schlafengehen bedankte ich mich nochmals für die Schuhe und ließ auch meine Powerbank noch in der Küche, da sie noch blinkte.
19.04.2025
Es gab nun Frühstück auf der Dachterrasse, das Wetter war super. Petras Zehe hatte sich so verschlechtert, daß sie hier abbrechen mußte. Durch die ganze Organisation eines Transports zurück nach Marrakesch und natürlich beratende Gespräche / Telefonate war alles etwas in Unruhe geraten an diesem Morgen. Dennoch war sie glaub froh, hier gehen zu können. So wie der Fuß aussah würde ich nicht wandern gehen wollen. Unsere Mulis waren eingetroffen inklusive den Besitzern. Auch von ihnen kannte ich noch einige aus 2019 und das Wiedersehen war spannend. Unsere Tour heute verlief weit an einem Bach ins Tal hinein, durch kleine Ansiedlungen und an Gärten mit Getreide vorbei. Viele Fotos entstanden. Zu Mittag waren wir noch immer im Tal, aber es kamen die ersten Hügel in Sicht – schon hier tolle Felsen, auf die ich in der Mittagspause der anderen hochklettern ging nach Salat, Gemüse und Melone. Auf dem Rückweg meiner kleinen Exkursion fand ich Andrea am Bach sitzen und wir liefen gemeinsam. Vom Mittagsplatz ging’s weiter zu einer Oase hinter der wohl erstmal letzten Ortschaft, bevor’s in die Bergwelt des Antiatlas (Saghro) hineingehen sollte. Die Zelte waren schon aufgebaut, als wir dort ankamen. Sonja und ich machten etwas Musik, diesmal auch mit Trommel und wir übten das Lied, das wir vor 3 Jahren in Georgien kennengelernt hatten. Nach 2x Marokko in 2019, Georgien Kaukasus 2022, Pakistan Karakorum 2023 war dies nun meine 5. Reise mit ihr zusammen und schon immer hatten wir gemeinsam Musik gemacht – immer wieder einfach schön!! Zum Abendessen gab es Suppe, Couscous, Gemüse und Apfelkuchen aus der Zauberfeldküche und im Anschluß wurden uns gekochte Eier serviert, die wir fleißig für den Ostersonntag anmalten mit Filzstiften. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich Ostern schon total vergessen und war einfach nur glücklich, hier zu sein. Unsere Mannschaft trommelte und sang im Küchenzelt – das war Eindruck genug.
20.04.2025
Ein Frühstück mit Ostereiern am Ostersonntag im Saghro Gebirge also – was will man mehr. Es ging lange durch ein Tal zu Beginn, dann langsam aber stetig aufwärts gen tollen Felsen und Aussichten. Zakaria erzählte die Geschichte von Ayse und Ali, die hier versteinert standen. Unterwegs sahen wir eine Agame, die sich von sehr nah gerne fotografieren ließ. Wir erreichten unser nächstes Camp bereits zur Mittagszeit gegen 14 Uhr, wo es Salat, Gemüse, Reis und Orangen gab, dann Tee und Kaffee. Zakaria gab mir seine Wanderkarte von hier, die mich interessierte, aber sie war sehr klein. Anders als wir es bei uns in den Alpen gewohnt sind. Zusammen mit Andrea kletterte ich etwas auf den Bergen umher, bevor wir alle zusammen noch ins Tal liefen, um uns in einem Flußbett zu waschen und auch einiges an Wäsche waschen konnten. Eine Herde an Kindern verfolgte uns. Zurück im Lager gab es wieder Tee und Essen, Suppe, Hähnchen auf Zitrone, Gemüse Obstsalat. Wir schliefen abermals draußen vor unserem Zelt „unter“ Ali und Ayse, den beiden Felsformationen.
21.04.2025
Frühstück heute etwas früher um 7.30 Uhr schon. Es sollte heiß werden, was sich bewahrheitete. Wir liefen hinab ins Tal und durch eine enge Schlucht, in der wir immer wieder auch Wasser zu durchqueren hatten. Die Gruppe war homogen, wir halfen uns gegenseitig, um alles gut zu bewältigen. Hier wie vorher und nachher immer wieder Nomaden- Berberleute, die Schmuck anboten, handgefertigte Bommeln, Armbänder und so. Sie waren da, sobald sich eine Gruppe wie die unsere näherte, und breiteten Ihre Sachen vor uns aus. Immer wieder wurde etwas gekauft für 1 oder 2 Euro umgerechnet. Dann ging’s bergan. Mittags in einer Oase mit Salat, Gemüse, Berberomelette, Melone und Tee. Wir aßen wie immer gut zu Mittag und ich lief im Anschluß ein paar Meter extra für mich. Beim Aufstieg nach der Pause ging’s Doris nicht so gut und ich trug ihren Rucksack weiter. Ohne Gepäck ging’s für sie besser. Kurz nach dem höchsten Punkt befand sich unser Nachtlager auf ca. 2100m. Es war kühl hier oben trotz Sonne. Ich machte mich im Zelt etwas frisch und wir bekamen Tee, aber die Sonne war schnell hinter die Berge gefallen. Alle waren irgendwie in ihren Zelten verschwunden und Elke und ich dehnten uns etwas im großen Gruppenzelt. Im Anschluß gab es Essen, Suppe und Lammtajine mit Gemüse. Andrea schlief wieder draußen, aber ich entschied mich für das Zelt. Es wurde kalt heute Nacht.
22.04.2025
Auch beim Aufstehen war’s noch kalt, aber die Sonne kam bald hinter den Bergen vorgekrochen, so konnten wir erneut draußen frühstücken. Heute ging’s auf den höchsten Gipfel des Saghro mit knapp 2600m. Der letzte Teil hinauf war etwas zum Klettern, aber wir schafften das alle prima. Oben verweilten wir eine ganze Weile bis wir hinab stiegen zur Mittagspause mit Salat, Bohnen und Orangen. Ich kraxelte nach der Mittagspause wieder etwas herum und fotografierte die Landschaft – einfach glücklich, hier zu sein.
Im Anschluß liefen wir hinab in Richtung eines Nomadendorfes und dann zum Lagerplatz. Da es für Andrea und mich etwas wenig war heute machten wir uns noch auf zu einem Gipfel mit Baum, von dem aus wir unser Zeltlager sehen konnten. Wir harmonierten toll beim nicht ganz leichten Auf- und Abstieg und Zakaria war erstaunt, daß wir binnen einer Stunde da oben gewesen waren.
Als wir wieder runterkamen, hatte es Tee und Crêpes gegeben, zudem wurde wieder Brot gebacken am Feuer. Ich machte mich etwas frisch und zeichnete die Umschläge für unsere Mulitreiber sowie für Ahmed, der hier nun nochmal auf meine Powerbank zurückgriff, die ich ihm gerne gab. Sie alle sollten wir bald verabschieden müssen. Sonja zog nochmal die Ukulele hervor und wir machten Musik zusammen mit ein paar anderen aus der Gruppe und Zakaria. Zum Abendessen gab es Suppe, Spaghetti, Pizza und Obstsalat. Die Mulijungs trommelten und sangen.
Als wir noch abräumen und die Küchenutensilien zurückbringen verabschiede ich mich und wollte Richtung Zelt gehen, als plötzlich Ahmed vor mir stand. Wir redeten noch länger in meinem schlechten Französisch, aber es war einfach ein toller Moment. Ich genoß Land und Leute hier so sehr.
23.04.2025
Früh war es kalt und die Sonne kam erst nach dem Frühstück hinter dem Berg hervor. Annette hatte Geburtstag und wir sangen ihr ein Ständchen. Es ging dann nochmal 200m nach oben und auf der anderen Seite 650m wieder runter. Bei einer kleinen Ortschaft unser letztes Mittagessen unter Bäumen. Salat, Linsen, Melone und Orangen. Diesmal wanderte ich nicht noch eine extra Tour, sondern setzte mich auf einen Stein und zeichnete die Umschläge für Ahmed und Zakaria fertig.
Dann fing es kurz an zu nieseln, was aber gleich wieder aufhörte. Wir liefen weiter, eben aus den Bergen hinaus bis nach Tagdilt zu unserer letzten Gîte d’étappe. Ich lief hinter der Gruppe her und träumte etwas vor mich hin, als Ahmed aufschloß. Wir unterhielten uns bis zum Erreichen des Dorfes über alles Mögliche auf Französisch und Deutsch. Es war lustig, kurzweilig und lehrreich mit Wörtern, die wir uns gegenseitig übersetzten. In der Gîte bezogen wir unsere Zimmer und konnten duschen. Es gab Kaffee, Tee und Kekse im Innenhof, wo es durch den Wind ganz schön kalt wurde. Zum Essen konnten wir nach drin umsiedeln. Es gab Suppe, Engelshaar, Hähnchen auf Zitrone, Gemüse, Joghurt und zum Abschluß noch einen Geburtstagskuchen für Annette. Anschließend wechselten wir zum Abschiednehmen in einen größeren Raum, wo auch unsere Mulitreiber hinzukamen. Sie trommelten und sangen nochmal für uns und Andrea, Chris und Katharina sprachen ein paar Worte für sie und Ahmed, bevor wir die Umschläge übergaben. Zum Ende noch Abschieds-Gruppenfotos.
24.04.2025
Um 7.30 Uhr gab’s Frühstück im Innenhof, dann endgültig Abschied von Ahmed und der Truppe – Abfahrt per Bus ins Rosental, wo wir unterwegs Kaffee tranken, einen Rosenölshop besuchten und zu Mittag aßen. Dann über den Hohen Atlas weiter nach Marrakesch und wieder ins Riad Andalla. Ich lief etwas mit Elke und Andrea durch die Souks, bevor wir uns mit Sonja, Katharina und Kordula zum Abendessen bei einem Indonesier trafen. Zu 6. dann nochmal in die Souks, wo wir zu einem guten Nüssestand gingen, an dem wir uns etwas eindeckten. Im Zimmer im Riad quatschte ich noch mit Andrea, bevor wir schliefen.
25.04.2025
Um 8 Uhr das letzte Frühstück für mich im Riad auf der Dachterrasse. Auch hier war es kühl an diesem Morgen, der Himmel bedeckt. Nachdem die anderen zur Stadtführung aufgebrochen waren, die ich schon kannte, lief ich mit Elke, Andrea und Sonja zu einer Kooperative, in der behinderte Frauen Klamotten bestickten. Wir durften einen Blick in die Werkstatt werfen und Elke und Andrea wurden fündig mit Bluse und Kleid. Danach ging es wieder ins Riad, nun war es Zeit zum Abschiednehmen von Elke, die heute schon nach Frankfurt zurückflog. Den restlichen Tag verbrachte ich mit Andrea in den Souks, wo wir ein paar Dinge kauften und auch Mitbringsel besorgten. Zu Mittag holten wir uns Gegrilltes an einem Straßenstand und aßen gemeinsam auf der Dachterrasse des Riads.
Um 19.30 Uhr trafen wir uns wieder alle zusammen mit Zakaria und aßen gemeinsam, bevor wir uns auch von ihm verabschiedeten. Ich denke, wir waren schon alle etwas gerührt und beeindruckt von der unglaublich schönen Reise, dem Land und der wahnsinnig entschleunigten Menschen, die eine Freude und Herzlichkeit ausstrahlen, von der wir Deutsche uns alle eine dicke Scheibe abschneiden sollten.
Nachdem Zakaria gegangen war, verabschiedete auch ich mich. Mein Flieger würde gleich morgen früh gehen, während die anderen noch ein paar weitere Stunden zusammen haben sollten. Ich brauchte noch etwas Zeit für mich allein und wollte eigentlich früh schlafen, was nicht gelang. Als Andrea nach 12 erst ins Zimmer kam, lag ich noch immer wach und wir unterhielten uns noch eine Weile.
26.04.2025
Ganz früh hieß es Abschiednehmen auch von Andrea, ich wurde zum Flughafen gebracht und landete sicher über Casablanca in Frankfurt, kam zu meinem Auto zurück und fuhr nach Hause, wo ich um 21.45 Uhr die Tür aufschloß.
Ein weiteres Mal kehrte ich schwer beeindruckt aus Marokko zurück und hatte auch bereits wieder mehr oder weniger zugesagt für Pfingsten 2026. Habe ich viele tolle Reisen dieser Art auch in andere Länder unternehmen dürfen, so ist es hier doch etwas ganz Besonderes für mich. Ich bekomme die Menschen und die Wärme, die sie ausstrahlen einfach nicht mehr aus dem Kopf und aus meinem Herzen heraus.
Wenn ich ehrlich bin hatte ich den Oman bis ca. November noch überhaupt nicht als mögliches Reiseland wahrgenommen. Ich wußte, daß es ihn gibt, aber wenn mich im Oktober noch jemand gefragt hätte, wo der liegt, dann hätte ich wohl kläglich mit den Schultern gezuckt und den Kopf eingezogen. Nun sitze ich hier und schreibe meinen Bericht von meiner ersten Omanreise.. Ja, von meiner ERSTEN, was eigentlich schon fast inbegriffen hat, daß ich mit ziemlicher Sicherheit wieder zurückkommen werde in dieses unbeschreibliche Irgendwo zwischen den vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Jemen mit einer ellenlangen Küste am Golf vom Oman und dem Arabischen Meer. Ich kann’s nicht anders sagen – das Land hat mich dermaßen geflasht über die für mich triste Weihnachts- und Neujahrszeit hinweg, so daß ich jetzt beruhigt in das neue turbulente Jahr starten kann, das mir bevorsteht. Ich hoffe, ich kann in meinem folgenden Bericht wiedergeben, was mich bewogen hat, das hier zu schreiben. Als mir im Oktober fast alle für unsere über Weihnachten geplante Gran Canaria Wanderreise absagten, war ich ganz schön am Boden und auch, ja, sauer und sehr enttäuscht. Ich konnte zu dem Zeitpunkt nicht erahnen, daß es für mich auch eine Chance sein könnte, etwas Neues, völlig Anderes zu erleben und kennenzulernen. Ich setzte mich hin und fing an zu googlen. Eigentlich wollte ich nur über die Tage wandern, aktiv sein, möglichst im Warmen und die Zeit vergessen können, egal wo. Und so stolperte ich über den Oman und diese Trekkingreise, die ich kurzerhand buchte nach einigen Rückfragen und Überlegungen. Aufgrund von hohem Arbeitsaufkommen, eine Woche vorher beruflich noch schnell zwei Tage in Stockholm usw. befaßte ich mich relativ wenig damit, was mich erwarten könnte. Das Motto war einfach nur noch wegzukommen. Das Packen lief wie am Schnürchen, da ich ja schon einige solcher Reisen gemacht hatte, und nachdem ich noch bis Mittags auf Arbeit war, würde Freitag 21.45 Uhr dann mein Flieger in München starten. Alles andere war mir relativ egal. Ich rechnete einfach mit ein bißchen Berge, ein bißchen Wüste, ein bißchen laufen, ein bißchen warm, aber auch kalt – mehr nicht. HAUPTSACHE weg von hier.
20.12.2024
Nach entspannter Autofahrt nach Neufahrn stand ich bei Volker an der Tür, ließ mein Gepäck dort stehen und verfrachtete schnell mein Auto in einer Straße, in der es gut 2 Wochen lang stehen konnte. Zurück zu Fuß bei ihm saßen wir kurz zusammen, um ein Bierchen zu trinken, bevor ich mich mitsamt Gepäck auf den kurzen Fußweg zur S-Bahn machte, die mich zum Flughafen bringen sollte. Es lief alles glatt und ich hob ab – ab in eine andere Welt. Ca. 6,5h dauerte der Flug und ich konnte auch etwas schlafen.
21.12.2024
Hier war es drei Stunden früher, als wir landeten um ca. 7.30 Ortszeit. Unser deutschsprachiger Guide Saif holte mich ab zusammen mit drei anderen Teilnehmern unserer Tour (Rainer und Christiane sowie Matthias) und auch Zweien, die über die selbe Agentur eine Jeep-Tour gebucht hatten (Viola und Nicole). Wir konnten gleich am Flughafen Geld abheben, Omanische Rial, und fuhren im kleinen Bus zusammen zum Hotel in Muskat / Mutrah, der Hauptstadt des Landes. Da es bis zum Treffen mit den anderen Teilnehmern noch etwas hin war, verabredete ich mich nach dem Zimmer beziehen und Frühstück im Hotel bekommen noch mit Nicole und Viola zum Gang zum Fisch- und Gemüsemarkt der Stadt. Wir liefen entlang einer Hauptstraße hinunter zum Hafen. Anders als aus anderen solchen Ländern gewohnt lief der Verkehr hier fast schon zu westlich. Es gab hier keine Mopeds, Rikschas, andere Gespanne, einfach nur den glatt laufenden Verkehr einer gediegenen westlichen großen Stadt. Alles sah gepflegt und sauber aus, auch wenn es am Vormittag schon richtig warm war. Zunächst gingen wir zum Gemüse- und Fischmarkt, da der bald schließen würde, wie man uns sagte. Man konnte da einfach durchlaufen, gucken und fotografieren. Niemand störte sich daran.
Im Anschluß schlenderten wir die Promenade entlang – drei Mädels ungestört. Die beiden aus der anderen Gruppe hatten noch mehr Zeit, ich aber mußte um 13.30 Uhr zum Treffpunkt erscheinen, so ging ich die paar Kilometer allein zurück. Vollkommen gespannt, was da kommen könnte.
Wir trafen uns alle 12 Leute um 13.30 Uhr in der Hotel-Lobby, stellten uns kurz vor und wurden dann mit dem Bus zum Palast des Sultans gebracht. Die Fahne war oben, das heißt, er war aktuell hier.
Im Anschluß gab es eine kleine Wanderung durch eine Schlucht. Leider war hier gerade teilweise Baustelle, aber wir mußten dennoch bißchen kraxeln und alle zogen gut mit.
Zurück in der Stadt ging es Richtung Souk, den ich mit Denise und Christiane durchlief. Hier wird man auch von allen angesprochen, alle möchten ihre Ware anpreisen, aber nicht allzu aufdringlich. Geht um einiges entspannter zu als beispielsweise in Marrakesch oder Rawalpindi.
Wir trafen uns dann wieder zum Abendessen mit den anderen und wurden danach ins Hotel gebracht. Ich packte jetzt alles um für die Trekkingtour, schrieb noch mein Reisetagebuch und schlief sehr bald ein. Es waren doch zwei lange Tage gewesen.
22.12.2024
7.45 Uhr Frühstück, 8.30 Uhr sollte es losgehen. Wir trafen nun erstmals unsere beiden anderen Begleiter neben Saif, Haitham und Salim. Alles Gepäck wurde in drei Geländewagen eingeladen und dann ging’s zur großen Moschée, die wir besichtigten. Ist relativ neu und es ging sehr entspannt zu. Saif erzählte immer wieder etwas über dieses monströse Bauwerk und wie alles hier abzulaufen hatte, der beeindruckende tonnenschwere Kronleuchter, sowie der beeindruckende handgeknüpfte Teppich – der Gebetssaal der Männer – wesentlich mächtiger als der der Frauen. Hier nun wirklich erstmals der muslimische Ansatz zu spüren.
Im Anschluß fuhren wir zu einem verfallenen Lehmdorf, das gerade dabei war, für Touristenunterkünfte wieder aufgebaut zu werden. Interessante Stätte.
Dann Mittagessen in einem Lokal außerhalb. Es gab lecker Buffet, das die ganze Reise über immer wieder kommen sollte. Viel Salat, viel Gemüse, aber auch meistens Reis, Fladenbrot und Hähnchenfleisch oder / und Fisch. Alles sehr lecker zubereitet. Nachmittags liefen wir mit Haitham noch durch ein Dorf und dessen Terrassengärten mit vielen Treppen – tolle Vegetation überall, wo die Wasserkanäle hingeleitet wurden.
Am Ende unseres Spaziergangs wurden wir mit Kaffee und Datteln empfangen, was es auch immer wieder geben sollte, und dann ging’s im Auto zum ersten Lagerplatz auf über 2000m. Den Sonnenuntergang verpaßten wir knapp, wir bauten unsere Zelte auf und bekamen dann Abendessen unter freiem Himmel. Hatte es sonst immer ein Gruppenzelt gegeben, so gab es das hier nicht. Wir saßen also dick eingepackt in der Höhe am Feuer, wo Saif uns noch das Programm für den nächsten Tag mitteilte, und verschwanden gegen halb 9 in unseren Zelten. Die erhofften Fotos vom beleuchteten Zelt mit Sternenhimmel gab es hier nicht, da es aufgrund heraufscheinender Lichter einer Stadt zu hell war.
In der Nacht wurde es kalt bis zum Gefrierpunkt, so daß ich mir die dicke Daunenjacke im Schlafsack um die Füße wickelte und den Biwaksack über den Schlafsack zog. Die Zelte waren nicht ganz geeignet für diese Temperaturen. Es zog ordentlich durch, da sie über dem Netzteil nur die Außenhaut hatten, die abgespannt wurde.
23.12.2024
Um 8 Uhr das erste Frühstück in der Sonne, was immer sehr ausreichend werden sollte und von dem wir uns auch für den Tag etwas einpacken konnten für unterwegs. Es gab jedesmal Kaffee und Tee, viel Obst, Fladenbrot, Weißbrot, Käse, Wurst, Marmelade, Müsli, frisch gekochte Eier, Croissants, Joghurt. Es war eine ganz nette und entspannte Atmosphäre zwischen uns und auch unseren drei Begleitern, die uns prima umsorgten. Mit Saif lief die Konversation meist auf Deutsch, aber auch auf Englisch sehr gut, Salim sprach recht gut Englisch und Haitham verstand zumindest das meiste in Englisch – man konnte sich gut verständigen.
Die Zelte blieben für die nächste Nacht stehen und dann ging’s in den Autos zum Startpunkt unserer Tagestour. Wir liefen hoch zu einer Scharte mit bezauberndem Ausblick ins andere Tal. Bis auf 2300m hoch ging die Tour und es war sonnig, so daß T-Shirt angesagt war. Einigen ging es zu schnell, anderen zu langsam – mal sehen, wie sich das einpendeln würde. Für mich war das Tempo in Ordnung, nach oben viel Luft, nach unten kann ich mich anpassen.
Nach den rund 10km mit 500m hoch und 600 runter wurden wir zurück zu dem selben Camp vom Vortag gebracht. Hier bekamen wir Kaffee, machten uns etwas frisch und wurden dann ins Tal zum Essen gefahren, wo es wieder ähnliches Essen gab, diesmal inklusive Pizza. Ich bekam von der Pizza etwas mit für den nächsten Tag, da ich meine Eßgewohnheiten (abends höchsten ganz wenig Salat und Gemüse) diesmal einhalten wollte, um nicht wieder die selben Probleme wie in Pakistan zu bekommen. Ich hatte das mit Saif abgesprochen, und es stellte kein Problem dar. Nachdem wir zurück am Camp waren ging es gleich in unsere Zelte. Zwar war die Nacht nicht ganz so kalt wie die Letzte, aber dennoch nicht gut mehr zum draußen sitzen.
24.12.2024
Nun also Heilig Abend. 7.30 Uhr gab es Frühstück, der Himmel schwer bewölkt. Schnell waren die Zelte abgebaut.
Wir wurden wieder zum Startpunkt einer Wanderung gefahren und liefen los. Diesmal ließ Saif uns Schnellere vorausgehen, immer unter der Prämisse, daß wir hinter uns die nächsten noch im Blick hatten. Das Feld zog sich nun ganz schön auseinander. Er lief hinten mit. Wie er uns erzählte, war er bei seiner letzten Tour umgeknickt mit dem Fuß und hatte wohl deutlich sichtbar nun auch Schmerzen. Es ging über 11km weit mit 800m hoch und 500 runter, nur ab und zu kam die Sonne zum Vorschein. Das Laufen hier machte Spaß. Die Wege waren gut markiert und abwechslungsreich mit immer wieder neuen Einblicken in die omanische Bergwelt.
Unterdessen lernten wir uns auch untereinander besser kennen, mit den einen sprach man mehr, mit den anderen weniger. Es filterten sich schon merkwürdige Charaktere heraus, aber noch hielt sich alles im Rahmen. Unter den 12 Teilnehmern insgesamt waren 3 Pärchen im oder nahe am Rentenalter und 6 Alleinreisende, 3 Männer und 3 Frauen, unter denen 2 Mädels mit 36 Jahren und ich die Jüngsten waren. Die Erfahrungen bislang mit solchen Trekkingtouren waren sehr unterschiedlich. Nicht alle hatten Gruppenerfahrung und nicht alle waren schon so ohne Infrastruktur in Zeltcamps unterwegs gewesen. Es wurde viel erzählt und berichtet und konnte noch interessant werden – wie interessant, dem will ich allerdings nicht vorgreifen. Nach der Wanderung erwarteten uns Salim und Haitham mit frischen Kiwis und brachten uns zum nächsten Zeltlagerplatz auf ca. 700m in der Nähe eines Dorfes und eines weiteren verfallenen Lehmdorfes nebenan. Hier gab es gegenüber des Camps eine Wasserrinne, in der wir uns waschen konnten, was wir alle gerne annahmen. Ich spülte auch ein paar meiner Kleidungsstücke aus und hängte sie zwischen meinem Zelt und dem Zaun auf. Es war deutlich wärmer, die Jungs kochten wieder lecker auf inkl. Grillspießen und Kochgemüse. Der Abend wurde nun etwas länger, obwohl wir diesmal ohne Feuer saßen, bis wir gegen 10 Uhr in den Zelten lagen. Frohe Weihnachten.
25.12.2024
Die Nacht hatte mich etwas gestreßt, da gefühlt ständig Autos auf der Piste vorbeirollten. Ich vermißte im Gegensatz zu den anderen Trips, die ich in Zelten verbracht hatte, die Abgeschiedenheit, die uns durch’s weite Wandern jeweils beschert worden war. Es sollten hier auch nur wenige völlig ruhige Nächte werden, womit das Ganze so ein bißchen Abstriche von mir bekam, aber das war eigentlich fast alles. Fast alles bis auf den Silvesterabend. Aber hierzu später. Um 6 Uhr stand ich auf, weil ich nicht mehr schlafen konnte. 7.30 Uhr gab es Frühstück, die Zelte wurden abgebaut und wir starteten um 9 Uhr, besichtigten kurz das nahegelegene Lehmdorf, welches völlig zerfallen war, hielten dann unterwegs noch an einem Aussichtspunkt und fuhren weiter nach Balad Seet.
Hatte kurz nach dem Aussichtspunkt die Teerstraße geendet ging’s nun wirklich über irre Pisten weit hinab ins Tal. Nicht so irr und vergleichbar mit Georgien oder Pakistan, aber doch beeindruckende Pässe, Serpentinen und Steigungen / Gefälle. Die Fahrt machte schon Spaß! Nach dem Aussteigen in Balad Seet vermißte Daniel sein Handy. Die Fahrer waren schon wieder weg, wurden aber nochmal zurückgerufen. Sie nahmen ihn mit, um nach dem Handy zu suchen, was dann auch am Punkt einer Pinkelpause gefunden wurde. Wir anderen liefen ca. 6km mit um die 500m hoch und runter. Es waren steile interessante Wege, wir machten Pause an einer Scharte. Saif hatte die Gas-Kaffeemaschine dabei und versorgte uns. Von der Scharte ging es ein kleines Stück seilversichert nach unten, dann hinein in Terrassenlandschaften mit Gärten und zum Schluß durch ein Flußbett bis zu einer „Berghütte“, „Lodge“, oder wie auch immer man das bezeichnen konnte. Auf den letzten Metern waren uns zunächst Daniel und später Salim entgegengekommen. Gemeinsam trudelten wir in unserer diesmal festen Unterkunft ein.
Auf den letzten Metern dorthin (ich lief mit Saif und Salim ziemlich hinten, da Saif nun doch noch größere Schmerzen hatte) fand Saif ein Handy, das mit wenig Akku noch angeschaltet war. Mir war nicht bewußt, ob es jemandem aus unserer Gruppe gehören konnte, aber wir steckten es ein. Es war wohl der Tag der verlorenen Handys. Tatsache, es gehörte Lisa. Ab diesem Zeitpunkt wurden die beiden nun öfters gefragt, ob sie denn ihr Handy einstecken hätten. Wir bezogen unsere Zimmer, ich war mit Christiane und Denise, den beiden Youngsters, im Nebengebäude im Zimmer – drei Betten und ein kleines Badezimmer. Wir duschten kalt, da das Wasser bei uns nicht warm wurde, und dann lief ich etwas durch die Lodge, um zu gucken und zu fotografieren. Kurzes Gespräch mit Salim, der grad im Auto kramte – es waren einfach alle so herzlich und nett.
Später gab es Abendessen (Buffet). Das Programm für den nächsten Tag wurde besprochen. Es stand die längste und herausforderndste Etappe an, über 1000hm bergauf. Allerdings war das Wetter nicht sicher und es sah nach Regen aus. Wir würden den Morgen abwarten müssen, ob die Tour möglich sein würde. Saif würde nicht mitkommen, da die Schmerzen im Fuß zu groß waren. Uns würden aber zwei andere Bergführer begleiten dann. Außenrum in der Lodge waren überall kleine Sitzecken eingerichtet. Salim hatte sich abseits gesetzt und ließ arabische Musik über seine kleine Bluetooth Soundbox laufen. Daniel hatte sich zu ihm gesellt. Er tat sich wohl hart, uns zu verstehen, wenn viele durcheinander sprachen. Nachdem ich kurz auf Toilette war, lief ich an ihnen vorbei und Salim lud mich ein, mich dazuzusetzen und fragte „something to drink?“ Erst verstand ich nicht, bis er mich in seinen Rucksack schauen ließ, in dem 2 Flaschen Wodka waren. Das hatte ich nun wirklich nicht erwartet. Er schenkte mir versteckt etwas Wodka mit Lemonsaft ein. Wir saßen, quatschten und hörten Musik. Auch Haitham kam dazu, trank aber keinen Alkohol. Er tanzte mit Daniel, dann mit Salim und sie riefen auch noch Lutz, Christiane und Denise hinzu. Alle anderen waren in ihren Betten verschwunden. Es war ein lustiger Abend bis wir um 23 Uhr auch schlafen gingen.
26.12.2024
Um 7 Uhr gab es Frühstücksbuffet – eher englischer Art, aber auch etwas Müsli. Das Wetter war besser als befürchtet, wir würden also gehen können. Zwei junge Bergführer kamen hinzu und wir wurden ein Stück gefahren, ehe wir losliefen. Rainer und Christiane, das eine Pärchen, entschied sich, nicht mitzukommen. Es ging sogleich steil bergan und nach anfänglichen Wegfindungsproblemen fanden wir uns auf einem gut markierten Bergweg wieder. Mit immer wieder Pause ging es die 1200hm ziemlich ohne Geraden oder Gegenabstiege hinauf. Die angekündigten kleinen Kletterpassagen hielten sich in Grenzen, aber es war doch ab und an ausgesetzt mit tollen Einblicken in das tief gelegene Tal. Am Gipfel, der mit einem aufgestellten Holz markiert war, angekommen machten wir eine etwas längere Pause. Ich saß mit Christiane und Denise zusammen und fotografierte ein bißchen umher. Danach liefen wir noch einige Kilometer bis zu dem Aussichtspunkt, an dem wir gestern kurz gestoppt hatten. Hier warteten Saif, Salim und Haitham auf uns. 9,5km, 1200m hoch und 200m runter lagen hinter uns. Im kleinen Café am Viewpoint ließen sich einige von uns Kaffee und Kuchen schmecken. Vom Gipfel her, von dem wir gekommen waren, zog es nun richtig schwarz auf am Himmel. Es schien eine Regenfront auf uns zuzurollen.
Wieder in den Autos fuhren wir hinab ins Tal. Eigentlich stand uns laut Plan eine Zeltnacht bevor, aber die Guides entschieden sich dagegen aufgrund des Wetters, welches zu kommen schien, auch wenn es sich dann doch entschied, es hier nicht regnen zu lassen. Wir wurden nach etwas Wartezeit in ein Resthouse gebracht, das noch nicht fertig zu sein schien. Es war Hauptreisezeit hier, in der es wohl schwer war, kurzfristig für so viele Leute eine Unterkunft zu bekommen. Denise, Christiane und ich bezogen ein Zweibettzimmer, in das sie mir zwei zusätzliche Matratzen mit Decke und Kissen brachten. Ich würde hier also auf dem Boden nächtigen auf einer Unterlage, die selbst mir zu kurz war. Die Dusche war wieder nicht warm. Zum Essen fuhren wir zu einem Restaurant. Es gab wieder massig von allem und Denise konnte sich in der Küche im Brot backen in einem Tandoori Ofen versuchen.
27.12.2024
Wir trafen uns unten an den Autos fertig gepackt, aber ohne Frühstück. Alles wurde eingeladen und Haitham lief mit uns zu einem Café hier in Misfat al Abriyeen, in dem wir etwas zu essen bekamen.
Saif würde heute nach Nizwa ins Krankehaus fahren, um seinen Fuß ansehen zu lassen. Wir saßen hier auf einer Dachterrasse. Anschließend liefen wir mit Haitham ein Stückchen an einem Honigladen vorbei, dann in eine Oase hinein und am Hang wieder zurück. Alles grün und saftig. Wir befanden uns hier rückseitig des gestrigen Aufstiegs, von wo aus man auch zum Gipfel kommen konnte.
Nach dem kleinen Spaziergang wurden wir in einem Café abgesetzt, in dem wir 2h warten sollten. Haitham und Salim organisierten das Hin- und Hergefahre der Autos und das Essen für den Abend bis Haitham uns wieder abholte und mit uns zum nächsten Zeltcamp lief auf einer Anhöhe jenseits vom Dorf. Wir bauten die Zelte auf, ich meins schön weit abseits, und danach war noch ordentlich Zeit, so daß ich ca. eine Stunde umherkletterte durch die steinige Landschaft und tolle Fotos machte. Am Rande gab es eine große Schlucht, das Gestein leuchtete teils schwarz, teils rötlich in der langsam absinkenden Sonne. Nun fühlte ich mich wirklich im Urlaub angekommen – es fiel einiges von mir ab und ich war glücklich, hier zu sein.
Als ich zurück war, war auch Saif wieder da. Es war einfach eine Bänderdehnung, die aber bekanntlich langwieriger sein kann, als ein Riß. Es wurde Feuer für uns gemacht, Salat gemacht und Gemüse gekocht. Dazu wurde Fisch geliefert. Unsere Guides hatten Besuch von einem österreichischen Guide, der lange blieb und immer wieder fuhr dann noch ein Auto her, bis es endlich still wurde. Uns wurde eine Flasche Whiskey serviert, wir saßen mit den drei Jungs am Feuer und erzählten in Gruppen. Ich unterhielt mich lange mit Lutz über mögliche Touren, dann mit Lisa, Ede, Lutz, Salim und Haitham bis zum Ende. Heute schlief ich erst recht spät ein. Viele Eindrücke hatten sich mittlerweile angesammelt.
28.12.2024
Frühstück am Camp, Zelte abbauen. Die Felsen „glühten“ in der Morgensonne.
Gemeinsam fuhren wir in Richtung Jebel Shams, der höchsten Erhebung des Landes mit rund 3000m. Es gab einen kurzen Fotostopp oberhalb des großen Canyons, in den wir heute hinein wandern würden, mit beeindruckenden Bildern. Dann Fahrt zum Ausgangspunkt der Tour. Wir bekamen jeder drei Rollos (in Fladenbrot gewickeltes Gemüse, Hähnchen und Falafel). Ziegen liefen umher. Rainers Rucksack stand offen auf dem Boden, als er gerade einen Rollo auswickelte. Eine Ziege kam an und schnüffelte am Rucksack, so daß Rainer nach ihr trat. Da schrie ihn plötzlich Lisa an, daß er keine Ziegen zu treten habe. Kurze erste Eskalation in der Gruppe also. Nun ging wieder Saif mit uns – den „Balcony Walk“. Wahnsinns Landschaft, aber viel zu viele Menschen um uns herum. Es ist eine one-way-Wanderung hinein bis zum Ende des Canyons und wieder hinaus. Am Ende fanden wir uns an einer Gumpe wieder, von der auch ein Klettersteig aus der Schlucht hinausführt. Hier machten wir lange Pause – fast zu lange für meinen Geschmack. Saif kochte wieder Kaffee für uns. Den Rückweg ging ich schnell mit Lutz zusammen. Mir war nach Bewegung und etwas weniger Gruppengeplapper heute. Es war toll warm in der Sonne.
Unsere heutige Unterkunft befand sich wieder auf über 2000m, ein Resort in den Bergen. Wir bekamen einzelne feste Hütten zugeteilt. Ich ging hinein – das war riesig. Fühlte mich hier komplett verloren und es war kalt, keine Möglichkeit zum Heizen, auch nicht mit den Klimageräten an der Wand. Ein riesiges Schlafzimmer mit zwei riesigen Betten. Als ich alles ausgepackt hatte, kamen Lutz und Matthias, ob sie mit mir tauschen könnten, da sie nur ein Doppelbett mit einer Decke bekommen hatten. Also gut, wieder alles einpacken und umziehen. Die Hütte war die gleiche, unterschied sich nur in der Art der Betten. Ich duschte und wusch etwas Wäsche. Alles hier war eine Fehlkonstruktion. Das Wasser lief quer durch’s ganze Bad zum Abfluß unter dem Waschbecken. Alles war neu hier und teilweise noch verpackt, Schutzfolien an Türen und Fernseher nicht abgezogen, an der Tür sogar mit einsilikoniert. Der untere Teil des Bettes war in Folie verpackt – ziemlich skurril. Beim Einschalten des Lichts im Flur knisterte der Schalter und es flackerte. Türscharniere waren mit lasiert worden, so das die Tür klebte. Lichtschalter fielen teilweise aus der Wand. Nebenan wohnten Denise und Christiane. Sie kamen herüber, ob ich warmes Wasser hätte. Ja, das ging bei mir. So duschte Denise bei mir. Irgendwann klopfte es und mir wurde ein kleiner Radiator gebracht. Wir bekamen also alle eine Heizung, die allerdings niemals die ganze Bude hätte heizen können. Immerhin konnte ich darauf meine Wäsche trocknen. Denise und Christiane wurde ein „Elektriker“ geschickt, der den Boiler über dem Waschbecken in der Decke reparieren sollte. Als Denise ins Bad guckte, lief das Wasser aus der Decke und so sollten sie dann spät in der Nacht noch umziehen in eine andere Hütte. Es war ziemlich komisch alles und wir wußten nicht so recht, wie wir damit umgehen sollten. Immerhin entstand somit der running gag der Tour. Immer wenn es ein Problem zu lösen gab, sagten wir, wir holen einfach den Elektriker – der macht das dann.
Zum Abendessen gab es Buffet in einem riesigen Raum, der auch recht kühl, aber nicht ganz so kalt war. Es gab Suppe.
29.12.2024
Um 7 Uhr gab es englisches Frühstück, 8 Uhr Abfahrt, zunächst nach Nizwa. Wir hatten hier 2h Zeit für Souk und Besichtigung der Festung, wo wir alle mit Saif gehen sollten. Lisa, Ede, Lutz und ich hatten heute etwas Gruppenkoller und sagten Bescheid, daß wir alleine gehen wollten. Es ist manchmal einfach notwendig, wenn man 24/14 mit fremden Leuten aufeinanderhocken soll, sich auch mal aus dem Weg zu gehen. Wir schlenderten durch den Souk und etwas durch die Straßen. Ich besorgte Briefumschläge in einem Schreibwarenladen für die Trinkgelder für unsere 3 Guides. Habe mit allen gesprochen und ich würde diese bemalen, ähnlich wie ich es damals in Marokko gemacht habe.
Mittagessen gab es bei einem Türken, danach ging’s mit den Autos in die Wüste. Ich saß bei Salim hinten in der Mitte und bekam schon bei dem kleinsten Driften Schiß. Die Fahrer hatten riesig Spaß, insbesondere Haitham, der beste Wüstenfahrer, wie uns alle versicherten. Im Leben hätte ich nicht bei ihm im Auto sitzen wollen. Saif war der Vorsichtigste, aber auch der Erste, der sich fest fuhr. Haitham mußte ihn rausziehen, was gut gelang. Anschließend fuhr auch er sich kurz fest, konnte sich aber selbst wieder befreien. Puh, das Spektakel war nicht wirklich was für mich.
Heute gab’s Zeltcamp im Wüstensand. Ich baute mein Zelt etwas abseits der Gruppe auf einer Sandscharte auf, leider falsch rum. Als der Wind einsetzte blies es mir allen Sand in den Eingang rein und ich bat Lutz, Denise und Christiane mit anzupacken, um mein Zelt zu drehen – besser so. Es gab Sonnenuntergang, später Feuer, wir bekamen Kartoffeln in Alufolie und saßen heute nicht lange beieinander, bzw. ging ich heute sehr zeitig ins Zelt, um zu schlafen. Als ich gegen 12 mal raus mußte, gab es endlich den ersehnten Sternenhimmel. Zwar nicht so ausgeprägt, wie ich ihn schon kannte, aber es reichte für ein paar schöne Fotos.
30.12.2024
Am nächsten Morgen war alles recht feucht – ungewöhnlich für Wüste. Ich räumte das Zelt aus, ließ es aber bis nach dem Frühstück stehen und trocknete es dann sogar mit dem Handtuch nach, um es möglichst nicht naß einpacken zu müssen. Wir packten wieder alles in die Autos und starteten direkt zu einer kleinen Wüstenwanderung durch die nicht allzu großen Sanddünen. Es wurde heute schnell heiß – genau mein Wetter. Weite Wüste, tolle Bilder. Immer wieder Pause auf den Dünen. Zum Ende der Wanderung rannten wir eine recht große Sanddüne hinunter und erreichten dann unser festes Zeltcamp, wo wir Tee, Kaffee und Datteln in einem großen Lehmbau bekamen. Hier standen viele Tische umher, außenrum Sitzkissen. Es war angenehm kühl und die meisten ließen sich nieder, um der Nachmittagshitze auszuweichen, nachdem wir unsere Zelte zugewiesen bekommen hatten.
Ich machte mich auf, um außerhalb des Camps auf einer Düne sitzend nun die Umschläge für die Trinkgelder zu bemalen und hockte so eine Stunde in der Sonne.
Ich genoß es. Zurück im Zelt gab es eine weitere kleine Eskalation in der Gruppe. Ich war bei all dem unbeteiligt. Uns war nun angekündigt worden, daß wir mit den Jeeps irgendwo hin gefahren werden sollten, um im Sand den heutigen Sonnenuntergang genießen zu können. Erst kurz vor Abfahrt erfuhren wir, daß wir erst noch etwas durch die Wüste cruisen sollten. Mein Versuch zu sagen, daß ich lieber zu der Düne laufen wollte, mißlang. Ich mußte wohl im Auto platznehmen, wieder bei Salim, diesmal aber auf dem Beifahrersitz.Ich schnallte mich an und mein Herz rutschte mir sonstwo hin. Im Konvoi mit noch anderen Fahrzeugen einer italienischen Gruppe, die auch im Zeltcamp war, ging’s nun los. Ich versuchte einfach zu vertrauen. Die würden schon wissen, was sie mit uns machen. Haitham fuhr die krassesten Stellen an, Salim etwas bedachter, aber auch das für mich nicht ohne. Nun fuhr sich auch Salim kurz fest ohne die Möglichkeit, ihn mit dem anderen Auto rauszuziehen. Wir bekamen ihn heraus, indem Haitham Anweisungen gab, wie wir alle von vorne, von hinten, von vorne und wieder von hinten zu schieben hatten. Ich machte mit und überlebte es und dann ging’s zum Sonnenuntergang, wo ich meinte, es hinter mir zu haben. Ich konnte es so genießen. Wir schossen ein paar Fotos, aber die Sonne war auch schnell weg. Als wir wieder im Auto saßen die Frage von Salim „does anyone of you need to go straight to the camp right now?“. Alle verneinten – Grinsen auf Salims Gesicht. Shit – was kam jetzt? Saif fuhr direkt zum Camp, aber Haitham und unser Auto nahmen einen anderen Weg – wieder hinein in die Dünen, und nun hatten die beiden wohl richtig Spaß mit uns. Ich war zwischen Herzinfarkt und „calm down and trust“ hin und hergerissen. Aber ich sagte zu Salim „don’t pay attention on me – just have fun. I trust in you. I only want to survive.“ Alle lachten. Die Situationen, die dann kamen, kann ich nicht beschreiben. Ich habe es einfach erlebt und mir ging’s erstaunlich gut dabei. Die Italiener standen mit ihren Fahrzeugen auch noch da rum und haben geguckt. Ich glaube, sie waren etwas neidisch auf uns.
Nach allem ging’s auch für uns ins Camp zurück und ich duschte in unserer Freiluftdusche vor dem Abendessen.
Wieder in dem großen Lehmbau mußten wir noch etwas warten, so setzten Denise, Christiane und ich uns zurückversetzt hinter einem Tisch mit unseren Sitzkissen an die Wand, um uns anlehnen zu können, und unterhielten uns. Matthias saß wo ganz anders, Lisa, Ede und Lutz nicht weit weg von uns in der Nähe unseres Tisches. Buffet wurde aufgefahren, als plötzlich Matthias herkam und seine Sachen am Platz direkt vor mir auf dem Tisch ablegte. Als Christiane darauf hinwies, daß wir hier drei Plätze brauchen würden, kam nur zurück „das kann ich nicht garantieren“. Jetzt platzte Ede heraus „geh‘ doch woanders hin, es gibt genug freie Plätze“, aber Matthias schnappte sich ein anderes Kissen und setzte dich direkt vor meine Nase. Ich beobachtete nur. Da stand Ede auf, Matthias ebenfalls, beide gegenüber und Ede schubste ihn weg. Genau in diesem Moment kamen unsere drei Guides rein und erschraken wohl etwas. Saif war entsetzt und kam gleich hergelaufen, was denn da los sei. Ich glaube, die Omanis konnten das einfach nicht fassen, was da abging – so etwas gab es hier nicht, so ging man nicht miteinander um. Sie schauten erst entsetzt, als sie uns dann aber sahen (Christiane, Denise und mich), wie wir die Augen zuhielten und doch etwas grinsen mußten und uns ansahen, waren sie wohl auch beruhigter. Matthias nahm seine Sachen und ging zum Nachbartisch, wir setzten uns vor und auch Ede blieb wieder ruhig. Wir erklärten Saif kurz die Situation und es war somit in Ordnung, auch wenn Matthias ab da doch etwas außen vor von uns allen war. Salim und Haitham fragten mich einen Tag später nochmal auf Englisch, was da vorgefallen war, und ich versuchte es zu erklären. Da mußten dann auch sie lachen. Eskalation Nummer 3 also. So hatte ich es noch nie erlebt. Nach dem Abendessen gingen wir in Richtung Zelt von Christiane und Denise, außer ihnen noch Lisa und Ede, Manu und Bernd, Haitham, Salim und ich. Die Jungs hatten uns Wein besorgt und Nüsse, und wir saßen noch bis ca. 10 Uhr gemütlich zusammen und plauderten.
31.12.2024
An diesem Tag war nun Schwimm-Wanderung durch ein Wadi angesagt, was auch immer das heißen mochte. Ich erwachte früh, mir war kalt. Es hatte mich ganz schön gebeutelt. Nase war zu, der Hals kratzte, der Kopf tat weh. Shit, das konnte ich nun überhaupt nicht gebrauchen. Ich lief zu Christiane und Denise hinüber, die mir eine Ibu gaben. Ich wollte doch alles hier mit erleben können, war mir aber anfangs nicht sicher, wie der Tag werden könnte. Irgendwer steckte es wohl Saif, daß es mir nicht gutging und er erkundigte sich, ob ich mit laufen wollen würde. Wirklich so lieb und hilfsbereit. Wir frühstückten alle zusammen fuhren dann zu dem Wadi. Besonders gut ging’s mir nicht, aber ich wollte mitkommen. Bikini drunter in leichten Klamotten, das Wetter warm aber nicht heiß. So liefen wir los, heute wieder mit Haitham. Nach einigen hundert Metern kündigte er an, daß es hier ins Wasser gehen würde. Wir kleideten uns aus, Bikini oder eben Schwimmklamotten und Sandalen, den Rest verpackt in wasserdichten Säcken, die wir bei uns tragen sollten mit Proviant und der Kleidung. Es ging insgesamt 5-6km durch das Wadi, immer wieder im Wasser, auch schwimmen bis 300m war angesagt, dann wieder laufen und über Felsen klettern. Die Sandalen hierfür nicht immer geeignet, weil rutschig. Es gab die Möglichkeit, ins Wasser zu springen aus 3-5 Metern, was ich nicht ausfallen ließ.
Dennoch war mir am Ende sehr kalt und ich war trotz des tollen Erlebnises froh drüber, mich trockenlegen zu können und wieder Klamotten anzuziehen, um entlang Wasserkanälen aus dem Wadi herauslaufen zu können, wo uns Saif und Salim erwarteten. Gut ging’s mir hier nicht mehr, aber ich nahm alles in mich auf. Wir bekamen Sandwiches zu essen und fuhren dann ca. 2h nach Sur, einer Stadt am Meer. Silvesterabend also in einem Hotel – „Best Western“ in Sur. Als wir ankamen wurde alles etwas komisch. Die Jungs lieferten uns ab und Saif teilte uns mit, daß wir den Abend nicht gemeinsam verbringen würden. Wir bekamen Karten für die Silvesterparty des Hotels. Als wir so langsam checkten, daß wir den Abend ohne die Jungs verbringen würden (war wohl als „Upgrade“ der Reise angedacht) waren wir alle etwas verstört und enttäuscht. Schließlich hatten wir uns so toll zusammengefunden und doch alle eine Trekkingreise mit Guides gebucht und keine Silvesterparty. Wir ließen das auch alle raus, dennoch half unsere „Beschwerde“ nichts. Wir waren allein hier. Für die Guides hatte die Agentur wohl kein Geld für sowas übrig. Ging garnicht. Wir gingen auf unsere Zimmer, danach zu der komischen Poolparty mit riesen Buffet und Showküche inklusive viel zu lautem DJ und schrecklicher Musik. Jeder bekam ein Freigetränk, auch Alkohol. Das hatten wir uns alle anders vorgestellt. Zwar genossen einige das riesig tolle Essen, aber der Abend war von Diskussionen und Gesprächen geprägt, die sich über alles aufregten und keiner war glücklich darüber. Nach und nach verließen wir alle die Party, um entweder auf’s Zimmer zu gehen oder ein paar Meter die Straße hoch und runter zu laufen. Einige saßen dann noch in der Lobby und trafen sich um 12 wohl auf dem Zimmer von Lisa und Ede. Ich hatte hierzu keine Lust, bzw. war einfach früh schlafen gegangen neben dem lauten Sound von der Party und scheinbar auch anderen Parties außenrum. So toll fühlte ich mich nicht. Wir waren uns einig, daß wir alle hier gegen an die Agentur schreiben würden. Das war ein No-go schlechthin. Aber gut, es war einfach nur Silvester und uns standen noch 2 Abende bevor.
01.01.2025
Ich erwachte und mir ging’s nicht gut. Packte meine sieben Sachen und ging hinunter zum Frühstück, wo schon einige andere von uns saßen. Es gab wieder reichhaltig, aber ich hatte nicht viel Hunger. Wir fuhren zu einem Viewpoint, wo wir etwas Zeit hatten, dann besichtigten wir eine Werft, die wirklich beeindruckte an Handwerkskunst. Wir konnten Schiffe bestaunen, die gerade im Aufbau waren. Über drei Jahre wurde an ihnen handgefertigt nach Bestellung.
Nebenbei sammelte ich die Trinkgelder für unsere Guides ein. Wir hatten vor, das einfach in die Umschläge zu tun, die ich bemalt hatte, als plötzlich Matthias meinte, er wolle drauf unterschreiben. „Sonst wissen die ja garnicht, von wem das ist“. Die meisten schlossen sich meiner Meinung an, daß hier Namen doch nicht wichtig waren, da sie ohnehin alle so viele Gruppen führten und sich sowieso nicht an uns erinnern würden, aber Manu pflichtete ihm bei. Ok, dann besorgt einfach jeweils ein Blatt Papier, das wir unterschreiben und mit in die Umschläge stecken können – ich würde mich darum nicht kümmern. Waren in der Reisebeschreibung Trinkgelder in Höhe von 15-20 Rial pro Person für den Hauptguide und 10-15 für die Fahrer als Orientierung angegeben, so gaben fast alle an die 50€ pro Person, was in Etwa den 20 Rial entsprach. Alle waren einfach so toll. Matthias, der unbedingt die Unterschrift geben wollte, gab‘ mir je 5 Rial für Salim und Haitham und 10 Rial für Saif. Ich stand ungläubig da. War das wirklich sein Ernst?? Ich kommunizierte das in der Gruppe. Nun war das Unverständnis für diesen Menschen perfekt. Der Mann, der so viel gereist sein wollte und alles gesehen zu haben schien, rückte sich damit doch irgendwie endgültig ins Aus. Wir fuhren dann noch gemeinsam in einen großen Supermarkt, in dem es für mich einfach interessant war, das Angebot und die Preise zu sehen. Viel günstiger als in Deutschland konnte man hier nicht leben, auch wenn alle deutlich weniger verdienen als bei uns. Das Land, der Oman, ließ Fragezeichen in meinem Kopf offenstehen. Die Guides kauften für unsere letzte Zeltnacht ein. Ein Spaziergang zu einem Wadi folgte, in dem ein paar von uns schwammen.
Abschließend die Fahrt zum Meer in der Nähe von Fins (la fin de la terre aus „der Nachtzug nach Lissabon“ kam mir in den Sinn). Nach etwas Suchen fanden wir einen herrlichen Platz direkt an der Küste für uns, wo wir die Zelte aufschlugen. Wir liefen umher und jeder nahm wohl ein bißchen für sich auf, was er konnte. Im Zelt sortierte ich dann Gedanken und auch die Trinkgelder in die Umschläge hinein, zu denen mir Manu noch die Unterschriften-Zettel brachte. Danach saßen wir zusammen auf Meereshöhe mit dem Rauschen im Hintergrund. Wieder lecker Essen, Kartoffeln aus Alufolie, Hähnchenfleisch, Gemüse, Salat. Hier verabschiedeten wir uns von allen und übergaben unsere Kleinigkeiten, denn die beiden Fahrer und auch Saif sollten uns morgen verlassen. Wir feierten mit Whiskey und Wein Silvester noch ein bißchen nach und wieder bildeten sich einige Grüppchen. Zuletzt saß ich mit Salim und Haitham am Feuer. Sie zeigten mir Fotos und wir lachten viel. Wir rauchten Shisha.
02.01.2025
Unser letzter Tag mit den drei Jungs ging viel zu schnell vorüber. Wir bekamen unser letztes Camp-Frühstück serviert und halfen dann alle zusammen, um alles einzupacken – Zelte, Stühle, Sonstiges. Im Auto fuhren wir zu einem weiteren Wadi, in welches wir eine kleine Wanderung unternahmen. Die meisten von uns schwammen nochmal, aber auch hier wieder viele Leute. Mein Gesundheitszustand ließ mich am Ufer sitzen.
Zurück an den Autos bekamen wir wieder Rollos und fuhren dann lange bis nach Muskat zurück, wo wir uns vor dem Hotel recht schnell verabschiedeten mit einem Gruppenfoto und kurzen Umarmungen. Ich werde Euch alle vermissen.
Mit Denise und Christiane schlenderte ich erneut durch den Souk in Mutrah, wo ich mir nun als Andenken eine Hose und einen Schlüsselanhänger kaufte, der an meinem Rucksack Platz finden sollte.
Letztes Abendessen, wo wir schon am ersten Tag waren, dann Hotelzimmer. Ich konnte lange nicht schlafen.
03.01.2025
11.20 Uhr sollten wir hier abgeholt werden zum Flughafen. So schrieben wir uns zusammen, um früh gemeinsam zu frühstücken und dann nochmal über den Fisch- und Gemüsemarkt liefen. Alleine lief ich dann noch ein paar Schritte an der Promenade entlang und konnte es einfach nicht fassen, daß es nun vorbei war. Wir wurden im Kleinbus zum Flughafen gebracht und hoben erneut ab, ab in die Welt zu Hause. Ich traf Nicole und Viola wieder. Es fand ein kurzer Austausch statt. Auch sie waren begeistert von ihrer Tour und dem Land. In München ging’s zur S-Bahn, dann zu Fuß zum Auto und knapp 2,5h heim. Um 23 Uhr schloß ich die Haustür auf und konnte lange nicht schlafen, bis mir einfach auf dem Sofa die Augen zufielen.
Noch Tage danach fühle ich mich nicht wieder zu Hause angekommen und träume.
Ein weiteres Special sollte meine Gruppe heuer im Herbst erwarten, die 12-Gipfel-Tour im Fichtelgebirge über 12. höchsten Gipfel der Region, den Kornberg, Epprechtstein, Waldstein, Rudolfstein, Schneeberg, Nußhardt, Ochsenkopf, Platte, Hohe Matze, Kösseine, Burgstein, Haberstein. Nachdem ich eine Umfrage gestartet hatte, ob die Tour lieber an einem Tag komplett oder verteilt auf zwei Tage gemacht werden sollte, wurde sich für die 2-Tages-Variante mit Übernachtung auf dem Seehaus entschieden, also arbeitete ich die Tour aus und reservierte für uns 10 Lagerplätze vom 12. auf den 13. Oktober 2024. Bis kurz vor der Tour wurden An- und Abmeldungen hin und her geschoben, bis zuletzt die 8 Teilnehmer feststanden, die sich am frühen Morgen des 12.10. treffen sollten. Es gab im Vorfeld jede Menge an Klärungsbedarf zwecks Ausrüstung, Fahrgemeinschaften, Auto stellen (schließlich liefen wir an einem anderen Punkt los, als wir ankommen würden) und Unsicherheiten, ob die Tour denn zu meistern sein würde – 2 Tage hintereinander, jeweils über 30km und über 1000hm hoch und runter – kein allzu leichtes Unterfangen. Aber mein Zureden half in ein paar Fällen und so war ich voller Erwartung und Vorfreude.
12.10.2024
Um 5.30 Uhr sollte ich abgeholt werden. Kurz bevor Reiner hier eintraf bekam ich eine Nachricht von Elli, daß es etwas später wird – das Pegnitzer Auto hatte soeben einen Wildunfall mit einem toten Reh. Ohweh, das geht ja gut los, dachte ich. Aber gut, eine halbe Stunde Verzögerung sollte zu verkraften sein. So viel Puffer hatte ich eingeplant. Ich bat Reiner noch zu mir rein und verständigte die anderen, daß ich pauschal eine halbe Stunde Verspätung einrechnen würde, und so warteten wir auf neue Nachrichten. Tatsächlich kam gut 25Min. später die nächste Nachricht, daß das Auto nun weiterfahren konnte, und so starteten auch wir, um Daniel und Maxie abzuholen um zur Vorsuchhütte am Kornberg direkt zu fahren. Als wir dort ankamen, war das andere Vierergespann mit Wolfgang, Benedikt, Andy und Elli schon vor Ort, es gab die kurze Begrüßungsrunde, Schuhe anziehen und los. Der Nebel war sehr dicht, aber wir konnten schon ohne Stirnlampe nun starten, da es gerade hell wurde gegen halb 8. Sehr schnell ging es steil bergan, zunächst durch den Wald und dann über die Skipiste hoch zum ersten Gipfel, dem Großen Kornberg mit 827m. Die Aussicht in alle Richtungen vom Turm runter war grandios – man sah einfach überhaupt nichts außer dick weißen Nebel. Dennoch, es war trocken und sollte trocken bleiben, alles andere war halb so schlimm. Danach ging’s wieder weit runter über die Ruine Hirschstein nach Niederlamitz und durch Kirchenlamitz, um danach wieder aufzusteigen zum zweiten Gipfel, dem Epprechtstein mit seiner Ruine auf 798m. Um die 12km waren geschafft und schon hier zeigte sich, daß wir für so eine große Gruppe recht schnell unterwegs waren. Vielleicht lag’s auch an dem immernoch andauernden feuchten Nebel, zu dem der Wind sein Übriges tat. Es war nicht wirklich warm. Die nächsten 7km bis zum Großen Waldstein (877m) ging es nur immer leicht auf und ab, dennoch war gegen Mittag damit ein gute Stück der Strecke geschafft, so daß wir uns spontan ein Getränk im Waldsteinhaus genehmigten und uns etwas aufwärmten. Die Gruppe war super, die Stimmung war toll und die, die sich noch nicht gekannt hatten, lernten sich kennen und unterhielten sich – jeder mal mit dem, mal mit dem. Anschließend ging’s lange wieder runter, nicht ganz so weit, aber doch bis nach Weißenstadt, hier am See entlang und auf der anderen Seite rauf zum Rudolfstein auf 866m, vorbei an den Drei Brüderfelsen hoch zum Schneeberg, dem Höchsten von allen auf 1053m. Zwar hatte es ab dem Abstieg angefangen aufzuklaren, aber der Wind ließ nicht nach und pfiff, gerade auf den Gipfeln, so daß hier lange Aufenthalte nicht angenehm waren, was uns sicher auch deutlich Zeit sparte. Dennoch genossen wir jeden wenigstens kurz und kletterten hoch, wo man hochklettern konnte. Auch wenn sich mittlerweile bei dem ein oder anderen gewisse Knochen bemerkbar machten, war die Freude über das Geschaffte und über’s einfach gemeinsam unterwegs sein in der Natur deutlich spürbar für mich. Nach dem höchsten Punkt unserer Tour überhaupt stapften wir noch über den Nußhardt mit 972m und dann gar runter zum Seehaus welches wir nach 35,5km, 1284m Auf- und 1029m Abstieg nach 9,25h Gesamtzeit erreichten – etwas erledigt für den Tag aber glücklich. Die ersten 6 waren geschafft. Auf der Hütte angekommen, war diese noch voll von Tagesgästen und was auch immer. Die nette Hüttenwirtin bat mich, erstmal Essen zu bestellen und dann würde sie uns den Rest zeigen. Der andere Kerl vom Personal war dann gleich zu beginn schon unwirsch und trieb uns zur Eile an, um reinzukommen und zu bestellen noch ehe wir alle saßen. Das Hinsetzen zögerte sich nämlich durch riesiges Überraschungspaket hinaus. An unserem Tisch saßen bereits zwei Personen – ich war völlig verwirrt im ersten Moment. Christian (im 3F T-Shirt) und Kathrin waren gekommen, um uns zu empfangen – wie hab‘ ich mich gefreut!!! Natürlich mußten wir uns alle erst begrüßen. …aber der Typ trieb uns schnell wieder an, um endlich die Karte zu studieren oder einfach zu bestellen, so ging’s zackzack. Getränke für alle, anstoßen auf den erfolgreichen Tag und diese tolle Gruppe. Es gab lecker Essen (für mich den Beilagensalat), aber alles andere sah auch super aus und schien zu schmecken ;-). Es war laut in der ganzen Hütte und bei uns am Tisch natürlich auch. Nach dem Essen zeigte mir die nette Wirtin das Lager in der Nebenhütte – wir hatten einen Raum für uns, der platztechnisch für einige mehr Personen gedacht ist. Somit hatten wir unsere „Ruhe“. Was das bedeuten würde (Stichwort Schnarcher unter uns) würde sich dann nachts erweisen. Einige verabschiedeten sich recht früh zum Schlafengehen, so daß wir nur noch zu 6. mit Christian und Kathrin länger saßen und am Ende zu dritt bis zur Hüttenruhe um 22 Uhr. Die angespannte Stimmung zwischen dem Bedientypen und uns sollte sich bis zum Ende nicht legen, aber egal. Man überlegt dann halt im Nachgang, ob man sich das nochmal antun wollen würde. Er war der einzige Störenfried des Abends für uns und wir genossen die gemeinsame Zeit mit Kartenspielen und Quatschen und natürlich mit dem ein oder anderen alkoholischen Getränk. Pünktlich ging’s schlafen oder eher ruhen für mich, denn Schnarcher waren vorhanden. So ist eben Hütte jedesmal.
Als ich um 3 Uhr mal mußte und über den Hof lief, war’s trocken und relativ „warm“. Als ich kurz drauf wieder im Schlafsack war, begann plötzlich das Geprassel und heftiger Wind. So dachte ich drüber nach, was wir machen könnten, wenn’s am Morgen noch so wäre. Irgendwann schlief ich wieder ein und träumte davon, wie wir gemeinsam unsere Tour umplanten aufgrund des schlechten Wetters – kein so schöner Traum.
13.10.2024
Da es erst ab 8 Uhr Frühstück geben sollte, klingelte der Wecker auch erst um halb 8. Ich war schon ein paar Minuten vorher wach und kroch aus dem Bett. Die ersten Gedanken waren: Was macht das Wetter? Es war still draußen – das Prasseln hatte aufgehört. So ging ich nach draußen, putzte Zähne und „googelte“ danach nach dem Wetter. Tatsache.. hatte es die ganzen Tage vorher für Sonntag früh immer um die 60% Regenwahrscheinlichkeit angezeigt, so war diese nun auf 30 / 20% geschrumpft. Ich verpackte die Gedanken und die Träume um die Umplanung der Tour ganz schnell im hintersten Hinterkopf und freute mich auf den Tag. Ich packte meine 7 Sachen und machte mich fertig, bevor ich ins Haupthaus rüberlief, als gerade die Tür zum Frühstück aufgeschlossen wurde eine Viertel Stunde früher als gedacht. Ich verständigte alle anderen, da wir wirklich so früh wie möglich los wollten (alle). Es gab zwar nur Aufbackbrötchen und Cornflakes für’s Müsli, aber der Rest war ordentlich – Wurst, Käse, Grünzeug, Saft, Marmelade – wirklich gutes Essen hier. Um 8.35 Uhr waren wir alle abmarschbereit. Alle schienen fit – besser als zuvor befürchtet – und guter Laune. Zwar war es trüb und windig, dennoch lange nicht so neblig wie gestern. Es ging zurück zum Nußhardt und kurz drauf der Abzweig nach unten. In Karches überquerten wir die Straße, bevor es auf der anderen Seite wieder anstieg vorbei an der Weißmainquelle zum 2. höchsten Gipfel, dem Ochsenkopf auf 1024m. Vor oder während des Anstiegs wurde sich nach und nach entkleidet, da das in Summe doch 300hm relativ am Stück sind, die zu bewältigen sind. Leider verabschiedete sich Maxie am Ochsenkopf Gipfel von uns, da sie sich wegen leichter Erkältungserscheinungen die Tour nicht komplett weiter zutraute. Es waren bis hierhin ja grad knapp 7km Strecke geschafft. Auf dem Asenturm war’s auch ungemütlich wie es auch heute auf allen anderen Gipfeln so sein sollte zwecks dem Wind, aber wir hatten noch keinen Tropfen Regen bis dato abbekommen und sollten das auch nicht mehr auf der ganzen Tour – soviel vorab. Wir erblickten hier nun den Kösseine-Gipfel, au Backe – da müssen wir heute noch hin und noch weiter unter Anbetracht, daß wir ja die „Hügel“ zwischendrin auch noch mitnehmen wollen. Der sieht schon ganz schön entfernt aus von hier. Gut, also weiter… Erstmal wieder bergab über den Goethefelsen und dann zum Parkplatz vom Seehaus runter, danach Aufstieg zur Platte (884m), wo wir ca. die Hälfte der Wegstrecke für heute hinter uns hatten, wenn auch erst den 2. Gipfel. Das Gelände sehr abwechslungsreich, wenn man die Strecke so geht. Nebenbei an dieser Stelle mal angebracht ein Lob an die Streckenersteller: auch wenn natürlich Hatscher immer mal dazwischen sind, es wurden schon wirklich die schönsten Wege für diese Runde gewählt! Nach diesem Gipfel nun noch über die Hohe Matze mit 813m und hinunter zum wohl tiefsten Punkt der Tour überhaupt, bevor es hoch geht zur Kösseine auf 939m. Also nochmal knapp 300m hoch und hoch und hoch. Hier waren jetzt die letzten Kräfte wirklich gefragt. Was ein Event, was für Leute von uns – auch wenn sich gequält wurde, alle zogen mit, alle liefen und kämpften sich da hinauf bis wir sie erreicht hatten um uns hier ein Gipfelgetränk zu gönnen. Alle waren happy, das war das Wichtigste für mich! Trotzdem standen noch 5-6km vor uns und zwei Gipfel. Diese spulten wir im Anschluß noch runter wie geplant. Den Burgstein (879m) und den Großen Haberstein (848m). Wir gingen auch hier noch hoch, aber der Wind hatte nochmal zugenommen und die Sonnenstrahlen, die uns doch ab und an zwischendurch erwischt hatten, waren auch weg. Zufrieden liefen wir den Weg gemeinsam zum Parkplatz. Ich denke, wir waren alle geschafft, aber doch nicht kaputt, sondern einfach stolz und erfüllt von den Erlebnissen des Wochenendes. Es waren heute nochmal 30,5km bei 1177hm Auf- und 1402hm Abstieg in einer Gesamtzeit von 8,5h. Zusammengepfercht inklusive Rucksäcke ging es im 7-Sitzer dann zurück zur Vorsuchhütte. Hier verabschiedeten sich drei Insassen des Wildunfallautos, da es zwecks dem Unfall noch etwas zu klären gab, und die übrigen 4 ließen sich in einer guten günstigen Dorfpizzeria noch Pizza, Salat und Bier oder Spezi schmecken bevor sie heimfuhren. Die Resonanz am Tag danach durchweg positiv – ich glaube, wir können alle stolz auf uns sein!
Danke an meine umwerfende Gruppe und auch nochmal ausdrücklich an unsere Überraschungsgäste!!
Für Anfang Semptember standen nun noch die Dolomiten auf dem Zettel, eine Tour mit dem DAV Bayreuth – Dolomiten Höhenweg 4, auf die ich mich riesig gefreut und dafür sogar meine Bergtour mit der Gruppe verschoben hatte. 6 Leute sollten wir sein, einen davon kannte ich im Vorfeld und hatte ihn dazu animiert, alle anderen waren Überraschung. Die Orga im Vorfeld war schon prima, alle brachten sich in der Whatsappgruppe gut ein und so trafen wir uns einen Tag vorher, um gemeinsam einen Übernachtungszwischenstopp noch in der Nähe von Kufstein einzulegen. Zu viert ab Bayreuth, dann zu fünft ab Neufahrn, so ging’s los. Im Auto wurde schon rege gequatscht und sich ausgetauscht, in Bad Häring die Unterkunft bezogen und noch was essen gegangen. Schon hier ein lustiger Abend.
01.09.2024
Gegen 7 Uhr duschten wir der Reihe nach und legten dann die letzten Kilometer bis Innichen zurück, wo wir auf unseren Guide trafen am Parkplatz. Sie war schon vorher in der Ecke gewesen, von wo aus wir starteten. Nach kurzer Begrüßung und Schuhe schnüren ging’s los zur ersten Hütte des Dolomiten Höhenweg 4, der Dreischusterhütte. Zunächst fuhren wir mit dem Sessellift zur Riese Haunold Hütte hoch, von wo aus wir nun endgültig losstiefelten bei bestem Wetter, etwas wolkig noch, aber dennoch stabil, so daß wir gleich den ersten Gipfelabstecher auf’s Haunoldköpfl machten. Hier gab’s nun doch einen Donner in der Ferne, der uns schnell weitergehen ließ zum ersten Übernachtungsziel, wo wir ein Lager mit Balkon hatten, das wir mit einigen anderen teilen sollten. Nur ganz am Ende der Wanderung erreichten uns ein paar Regentropfen. 12,3km bei 885m Auf- sowie 759m Abstieg lagen hinter uns. Die Gruppe war schnell und schien gut zu harmonieren.
Beim Hüttenabend gab’s eine Vorstellungsrunde und wir schauten uns gemeinsam auf der Karte unser Vorhaben der nächsten Tage an.
02.09.2024
Morgens dann Sonnenschein pur, der allerdings erstmal nur die umliegenden Gipfel erreichte, da die Dreischusterhütte auf 1635m doch recht tiel im Tal noch liegt. Um 7 Uhr trafen wir uns zum Frühstück und um kurz vor 8 gingen wir los im noch schattigen Einschnitt zwischen den dort noch garnicht so hohen Bergen. Schon vor 9 Uhr erreichten uns dann die ersten Sonnenstrahlen und es wurde gleich ordentlich warm. Wir stiegen zu einem Joch hinauf und dann durch einen kurzen seilversicherten Steig noch ein paar Meter höher, um am Hang entlang um den Schwabenalpenkopf herum zu gehen. Ab hier waren nun langsam die Drei Zinnen zu sehen, denen wir nun immer näher kamen. Es boten sich fantastische Ausblicke auf die Felsriesen mit den knapp 3000m. Gegen halb 1 waren wir pünktlich zum Mittagspause machen auf der Dreizinnenhütte, wo wir uns auf der Terrasse ein Bier schmecken ließen und etwas aßen. Hier war ganz schön Trubel und viele Tagesgäste wuselten umher, die ausschließlich hier waren, um die Drei Zinnen einmal zu umrunden.
Anschließend deponierten wir unsere Rucksäcke im windstillen Bereich über den Bödenseen, um, wer wollte, den Klettersteig Toblinger Knoten zu gehen (max. C mit vielen Leitern, die teilweise leicht überhängend sind). Wir gingen diesen zu fünft ohne Gepäck, nur mit bereits unten angelegtem Klettersteigset und Helm hinauf zum Gipfel mit 2617m, der wieder eine tolle Rundumsicht bot.
Zurück beim Depot verstauten wir alles wieder in den Rucksäcken und setzten nun den Weg fort, westlich um die Drei Zinnen herum. Bei der Langalm stoppten wir nochmal auf ein kühles Getränk, um letztlich auf die Südseite der Bergriesen zu laufen, wo wir auf der Auronzohütte übernachten wollten nach 17,6km mit 1554m hoch und 872m runter – doch schon recht ordentlich. Hier war noch immer die Hölle los. Ein riesengroßer Parkplatz mit Autos und ganzen Busladungen voll Menschen war gerade dabei, sich langsam zu leeren, als wir ankamen. Kein schöner Ort, keine empfehlenswerte Hütte für Berggeher, die die Ruhe genießen wollen. Auch das Ambiente ließ hier sehr zu wünschen übrig.
Massenabfertigung, dafür aber massig zu essen für die Halbpensionsgäste. Wir alle freuten uns wohl auf die nächsten Tage, die dann hoffentlich uriger werden würden. Ich wusch Wäsche, wir spielten etwas Karten, nachdem wir den nächsten Tag besprochen hatten und gingen zur Hüttenruhe um 22 Uhr wie gewohnt schlafen in unserem 6er Lager, das wir somit für uns hatten.
03.09.2024
Um 7 Uhr zum Frühstück nochmal Kantinenatmosphäre ehe wir um 10 vor 8 aufbrachen. Eine kürzere Etappe sollte nun folgen, die aber endlich weniger begangen war, da doch etwas steiler und augesetzter. In südlicher Richtung ging es teils seilversichert und später auch steiler aufwärts zur Rifugio Fonda Savio, wo wir gegen halb 11 eine Pause einlegten.
Das Steilstück anschließend wieder hinunter, um dann über drei Scharten immer wieder steil an- und absteigend zu laufen, bis wir um kurz vor 14 Uhr schon die Rifugio Città di Carpi auf 2110m erreichten. 770m hoch und 940m runter bei 11km sollten heute reichen, schließlich hatten wir noch 4 Tage vor uns. Wir saßen noch eine zeitlang auf der Terrasse, bevor es doch kühl wurde, wir unser Lager bezogen und drin Triominos spielten. Essen, Karte für morgen gucken und noch ein bißchen Spiele machen, das füllte unseren Abend neben den kreativen Origami-Werken, welche wir aus den Tellerunterlegern aus Papier nach dem Essen bastelten. Es entstanden Schiffe, Hüte und sogar eine tolle Tulpe ;-).
Es waren viele englischsprachige Leute unterwegs, Amis, Engländer, aber auch Deutsche, von denen wir die meisten in den nächsten Tagen immer wieder treffen sollten. Es gab an diesem Höhenweg immer überall verschiedene Wegmöglichkeiten aber auch unterschiedliche Übernachtungsziele, so daß man immer wieder auch andere Varianten berichtet bekommen sollte, die man selbst nicht gegangen war oder gehen wollte.
04.09.2024
Drei von uns starteten heute sehr früh vor Sonnenaufgang zum Croda de Ciampodura mit 2244m, einem kleinen leichten Klettersteig, um hier herrliche Bilder zu schießen. Ich ließ dies aus und hoffte auf ein wenig mehr Schlaf, als ich ihn in den letzten Tagen bekommen hatte. Das klappte diesmal ganz gut. Um 7 trafen wir uns zum Frühstück wieder alle zusammen und um kurz nach 8 starteten wir diesmal zunächst bergab ins Ansiei Tal, um auf der anderen Seite wieder hochzulaufen zur Rifugio Vandelli. Es war heute stärker bewölkt. Auf der Hütte nochmal ziemlich viele Tagestouristen. Wir pausierten hier, um dann noch etwas aufzusteigen zu viert. Hier fanden wir einen Punkt mit Handyempfang, um nochmal genauer nach dem Wetter des nächsten Tages zu gucken, an dem unsere schwierigste und längste Etappe hätte sein sollen. Leider sah’s dafür nicht gut aus. Dennoch hatten wir hier einen tollen Blick zurück, bei dem wir fast die gesamte Strecke sehen konnten, von wo wir gekommen waren. Als die ersten Regentropfen einsetzten machten wir uns auf den Weg zurück zur Hütte, bzw. vorher noch kurz zum immernoch überlaufenen Sorapissee. Damit waren’s dann immerhin 15,6km bei 1053 hoch und 1230 runter. Nach dem Frischmachen war noch Wäsche waschen angesagt, die draußen noch einigermaßen trocknen konnte, bevor es nachts dann naß werden sollte.
Nun stand die Planung für den nächsten Tag in der gesamten Gruppe auf der Tagesordnung. Die Wetterprognosen lauteten je nach App sehr unterschiedlich. Wir überlegten hin und her. Eigentlich war ein langer Klettersteig geplant, der schließlich auch ziemlich ausgesetzt am Grat entlangführen würde. Fit waren wir alle, aber im Steig vielleicht nicht ganz so schnell. Was machen? Letztlich befragten wir dann die Hüttenwirtin, die uns definitiv abriet, den Steig zu gehen. Auch wenn natürlich etwas Enttäuschung durchschlug, war die ganze Gruppe sofort einer Meinung und dabei. Niemand wollte riskieren. Auch alle anderen Gruppen auf der Hütte waren sichtlich am Überlegen und alle suchten nach Lösungen. So stand morgen also ein langer Tag durch’s Tal an und wir würden auch früher starten müssen als sonst. Trotz allem war die Stimmung gut und das war wirklich überragend an dieser Gruppe, die sich vorher so gut wie nicht gekannt hatte. Jeder half dazu und stand zu deren Entscheidung, die wir gemeinsam getroffen hatten, ein Zusammenhalt, der einfach Spaß gemacht hat, die gesamte Woche über!
05.09.2024
Aufstehen also diesmal um halb 6, Frühstück um 6 Uhr dann. Wenigstens war hier der Kaffee gut heiß. Losgelaufen sind wir schon um kurz nach halb 7, als es gerade mal so hell wurde unter den dunklen Wolken. Es hieß absteigen die ca. 600hm, den selben Weg, den wir gestern hier hochgekommen waren. Es war stellenweise ziemlich rutschig auf dem abgetretenen Gestein. Wir waren dennoch schnell unten und gingen dann in den erneuten Aufstieg hinein. Als nur wenig Höhenmeter zurückgelegt waren, blieb einer von uns stehen und überlegte, wieder runterzugehen, da er Druckschmerzen am Knöchel hatte, von denen er schon gestern erzählt hatte. Der Aufstieg machte ihm besonders zu schaffen und es sollten knapp 1200hm werden. Wir ließen uns nieder und beratschlagten, als lange ein Hubschrauber über uns kreiste und immer wieder kam. Wir waren vis-à-vis zu dem Steig am Grat, den wir hätten gehen wollen. Es war, als würde er etwas suchen. Ich gab das „NO“ Zeichen, als er zum 3. Mal direkt über uns hinwegflog. Irgendwann verschwand er wieder. War da etwas passiert? Wir sollten es nicht erfahren… Derjenige mit dem Fußproblem entschloß sich schweren Herzens abzusteigen, erstmal vom Tal aus mit dem Bus zum Auto zurückzufahren und dann weitersehen. Evtl. würde er nach flachen Schuhen gucken und theoretisch vielleicht wieder von der anderen Seite zu unserer Hütte für die Nacht aufsteigen. Wir wollten in Kontakt bleiben, sofern es der Empfang ermöglichen sollte oder dann über’s Telefon auf der Hütte weitere Absprachen treffen. Zu fünft liefen wir weiter, einen teilweise erschwerlichen Berg- und Geröllhang im dichten Nebel hinauf. Zu sehen war umliegend irgendwann so gut wie nichts mehr, und gerade als wir uns zum Vesper an einem Fluß niederließen, begann es doch ordentlich zu regnen. Dennoch mußten wir essen, um etwas Kraft zu tanken, bevor es weiterging im teilweise strömenden Regen. Die Füße schwammen irgendwann in den Schuhen, weil einfach Wasser von oben reinlief. Waren ja noch immer in kurzen Hosen unterwegs und hatten uns nur obenrum in Regenjacken verpackt. Hinauf bis zu einer Scharte, hinter der, wir konnten es kaum glauben, doch mal wieder was zu sehen war. Zwar war noch immer keine Rede von guter Fernsicht, aber wir sahen zumindest das Tal und einen Teil der gegenüberliegenden Bergkette… sowie endlich auch die Hütte für den Abend – Rifugio San Marco. Diese lag gut 400hm unter uns, die es noch steil abzusteigen galt. Wir erreichten sie um 20 Minuten vor 2, was wirklich schnell war insgesamt unter Anbetracht der Umstände. 18,8km, 1195hm hoch und 1287hm runter mit einer Gruppe, das war schon echt eine Leistung.
Alles tropfte. In die Lager konnten wir erst um 16.30 Uhr, so zogen wir uns unter einem kleinen Vordach oder auch in der Gaststube um, wenigstens obenrum trockenlegen und raus aus den schwimmenden Schuhen. Wir bekamen Zeitungspapier, um es in die Schuhe zu stopfen und tranken erstmal ein Bier. Immer mehr Leute trafen ein, die wir schon getroffen hatten. Wir tauschten uns aus, wie wir hier her gelangt waren an diesem Tag. Später waren zum Glück die Heizungen etwas warm, so daß wir Sachen drauf trocknen konnten, aber gutriechend war ab jetzt dennoch endgültig vorbei. Die Waschgelegenheiten waren wie auf allen Hütten bislang sehr begrenzt. Gut war, daß es hier geringen Handyempfang gab, so konnten wir uns zumindest verständigen. Unser 6. Mann war abgestiegen, zum Auto mit dem Bus gefahren, hatte Trailrunningschuhe gekauft und traf dann knapp vor dem Abendessen hier ein. Nun also wieder alle zusammen, in den Schuhen hatte er keine Probleme mehr, und das Auto auch näher am Endpunkt unserer Tour – sogesehen insgesamt eine win-win-Situation für uns alle. Ich will’s nicht ständig wiederholen, aber die Truppe war einfach cool! Wir sprachen wieder den nächsten Tag durch. Auch dieser sah wettertechnisch nicht berauschend aus, so daß wir auch den letzten Steig in Frage stellten, aber das wollten wir dann am nächsten Morgen beschließen, nachdem wir zur Rifugio Galassi gegangen waren. So gab’s noch Spiele am Abend und dann ab in die Kiste.
06.09.2024
Nach sehr eingeschränktem Frühstück, weil’s „standard“ einfach nicht mehr gab, starteten wir um halb 8 im Regen. Alle waren in ihre noch immer nassen Schuhe geschlüpft und hatten diesmal komplett Regenausrüstung inklusive Regenhosen angelegt. Alles war naß und quakte bei jedem Schritt, auch der Boden, der nun richtig durchfeuchtet war – matschig, rutschig, pfützig. Lange ging’s am Hang entlang, dann einen steilen Schotteranstieg hoch zu einem Paß und runter zur Galassi, auf der wir um halb 10 ein Radler tranken und ein zweites Frühstück einnahmen, da das Erste so dürftig ausgefallen war. Es gab ein Körnerbrötchen mit Speck und Käse, aber was für eins – dick belegt. Ich schaffte nur die Hälfte und packte den Rest ein. Lecker! Hier beratschlagten wir erneut und befragten uns bei den Wirten. Der mögliche Steig könnte machbar sein, aber man sieht halt nichts bei diesem Wetter. Dazu kam, daß es für uns Tag 6 in Folge war. Mit weiterhin null Sicht einen Klettersteig zu machen, der rutschig und somit dennoch nicht ganz ohne war, war für uns alle nicht besonders reizvoll. Wir entschlossen uns einvernehmlich, den längeren Hatsch zu nehmen und einfach unterwegs zu sein, als vielleicht doch nicht weiterzukommen und in andere Probleme zu kommen. So stiegen wir wieder um die 1000hm ab ins Tal, wo wir in einer Pizzeria was tranken oder/und einen Snack zu uns nahmen, bevor es nochmal gut 700hm zur Rifugio Antelao hochgehen sollte. Letzte Nacht also dort auf ca. 1800m. Es waren damit an Tag 6 22,8km bei 1505hm Auf- und 1507hm Abstieg. Um 17 Uhr kamen wir an. Es hatte unterwegs nicht mehr richtig geregnet, aber doch immer wieder leicht angesetzt, so daß ein paarmal An- und Ausziehen der Regenkleidung angesagt war. Es war jedenfalls wieder alles naß, ob vom Regen oder Schweiß. Der Geruch aller wurde nicht besser. Immerhin – hier brannte der Ofen und die Stube war richtig schön warm, was einfach gut tat. Es gab viele Möglichkeiten, alles zu trocknen, aber die Möglichkeiten zum Waschen waren sehr begrenzt. Ich begnügte mich mit einem Waschbecken im Flur, wo alle vorbeilaufen konnten. Es war mir nun einfach wurscht. Hauptsache einigermaßen wohlriechend morgen für die Heimfahrt ins Auto steigen, wobei mittlerweile einfach nichts mehr gut roch..
Als alles erledigt war (Lagerplatz herrichten, waschen, zum Trocknen aufhängen, Wasser auffüllen usw.) gab’s erstmal ein Bier und Platznehmen in der stark temperierten Hütte. Der Hüttenwirt war klasse – ein Italiener, der gerne ins Gespräch kam und so schnorrten Volker und ich uns eine Zigarette und quatschten draußen mit ihm. Danach gab’s wieder Spiele und Essen und… diesmal keine Planung für morgen, denn der Plan stand. Morgen dann nach Pieve di Cadore und heim.
07.09.2024
Wir standen auf und bekamen um 7 unser Frühstück – Zwieback mit süß… Naja.. Hatten wir eigentlich nie besonders gut gefrühstückt auf den italienischen Hütten, so fiel das Letzte doch am Schlimmsten aus, nachdem das Abendessen gut ausgesehen hatte für mich, die abends nix ißt. Egal, ich beschränkte mich auf Marmelade und konnte erneut vom Nutella absehen. Bin nun seit mindestens 2 Jahren weg von dem Zeug :D! Wir starteten um kurz vor 8, um in knapp 2 Stunden 100m hoch und über 1000m runterzugehen zum Bus auf 9,4km. Wir erreichten den um 10 Uhr, der uns in einer guten halben Stunde zum Ort brachte, an dem das Auto stand. Wir mußten uns hier von unserer Bergführerin verabschieden, die nun erstmal weiterziehen würde, kauften uns was zu essen in einem kleinen Laden und liefen dann gar zum Auto, um gut durchzukommen, was auch gelang. Der Himmel riß wieder auf und wir konnten im Vorbeifahren von unten zumindest noch erahnen, was wir die letzten Tage nicht hatten sehen können.
Ja, war schade, aber es war dennoch ein Urlaub, eine Tour, die anders glänzte, und ich möchte mich bedanken bei allen, die es dazu haben werden lassen – unvergeßlich!! Dolomiten Höhenweg 4 mit dem DAV Bayreuth danke WINNIE, Volker, Victor, Stefan, Felix – Ihr wart einfach klasse!!!
Für unsere Fortgeschrittenentour 2024 hatte ich diesmal wieder das Karwendel veranschlagt wie bei unserer allerersten Bergtour in 2019. Es war nun in Summe Tour Nr. 65. Die Bettelwurfhütte und Pfeishütte standen auf dem Programm, evtl. Großer Bettelwurf, Kleine Stempeljochspitze, Pfeiser Spitze und Lattenspitze. Ich war gespannt, was alles machbar sein würde. Angemeldet hatten sich 2 Jungs und 2 Mädels, so daß wir uns zu fünft in ein Auto zwicken konnten und los ging’s.
23.08.2024
Wir starteten Freitag nach der Arbeit, um nach Volders bei Innsbruck zu fahren und kamen dort gegen 19 Uhr an. Schon hier war klar, daß die Gruppe einfach wieder super harmonierte und die Vorfreude war groß. Die Zimmer im Landgasthof wurden bezogen, bevor wir zu einem Biergarten schlenderten. Schon auf dem Weg dorthin konnte man die Bettelwurfhütte am Berg ausmachen, auf der ich schon zweimal gewesen war, und ich zeigte unser morgiges Gipfelziel, den Großen Bettelwurf. Auch diesen hatte ich schon bestiegen, was allerdings 7 Jahre her ist. Damals leider bei null Aussicht am Gipfel wegen Wolken. Wir aßen eine Kleinigkeit, tranken was zusammen und nahmen uns noch ein Gute-Nacht-Bier mit zur Unterkunft, was wir auf dem Balkon unseres Zimmers genossen, um dennoch frühzeitig schlafenzugehen.
24.08.2024
Frühstück um 6.30 Uhr, 7.15 Uhr Abfahrt zum Parkplatz in Hall. Die ehemalige Mautstraße war nun für den öffentlichen Verkehr gesperrt, so daß wir einen Bus bis zur 2. Ladhütte nahmen um 8 Uhr. Das ersparte uns ca. 300hm entlang der Straße. Hier also Start. Auch von hier aus war ich schon zur Bettelwurfhütte gegangen, was allerdings schon 13 Jahre zurückliegt – damals im Winter mit Übernachtung im Winterraum. Der Weg führt von Beginn an steil nach oben ohne Gegenabstiege bis zur Hütte. Zunächst noch annehmbar, dann ein ganzes Stück ein steiles Schuttfeld hinauf bis zum Einstieg in lustige Kraxelstellen – langweilig also nichtmal der Aufstieg zur Hütte. Das Wetter war blendend und so entstanden schon hier tolle Gebirgsfotos. Wir hatten sehr viel Spaß und waren aufgrund etwas Schuhproblemen bei einer von uns Mittags rum auf der Hütte. Dort ergatterten wir erstmal einen Platz auf der Sonnenterrasse, ich checkte uns ein, und wir konnten auch gleich das Lager beziehen. Was ein herrlicher Bergtag!
Wir starteten dann um halb 2 mit leichtem Gepäck in Richtung des Großen Bettelwurfs zu viert, da Nicole auf der Hütte blieb. Die Aussicht ins Halltal hinein war gigantisch mit Blick auf die Herrenhäuser und St. Magdalena, sowie immer wieder auch unsere Hütte für die Nacht. Zunächst quert man lange am Hang immer leicht ansteigend bis es dann ans Eingemachte geht. Schon sehr bald steile Passagen am Fels, teils seilversichert. Wir kamen schnell voran und waren nach nichtmal 2h am Gipfel. Selbst Andy, unsere Bergziege, war begeistert von dieser tollen Kraxelei und Kletterei und Elke hangelte sich hoch, als hätte sie nie was anderes gemacht, auch wenn es für sie die erste Tour dieser Art war. Wir alle, auch Reiner, waren glücklich am Kreuz bei dieser wundervollen Bergsicht in alle Richtungen und genossen das ausführlich, bevor es wieder bergab ging, den selben Weg zurück, den wir hochgekommen waren. Auch dieser verlief problemlos für alle, auch wenn’s natürlich an einigen Kletterstellen schon langsam ging, wenn die Routine noch nicht so da ist. Wir ließen uns Zeit und hetzten nicht, war schließlich auch ein langer Tag gewesen. In Summe dann 1650hm hoch und 640hm runter – mein Respekt an alle von Euch schon jetzt!
Unten kurz frischmachen und dann einen Tisch in der übervollen Hütte sichern. Der Hüttenabend war lustig und unterhaltsam, aber dankbar für die Hüttenruhe um 10 war dann denk‘ auch jeder von uns.
25.08.2024
Um 6.30 Uhr Wecker, dann Gekrusche im Lager und Frühstück, anderer Ort, gleiche Zeremonie – das passiert bei mir mittlerweile schon alles noch im Halbschlaf, dann aber umschalten auf die Tour für den heutigen Tag, Wetter checken in erster Linie war angesagt. Regen war angemeldet, ab wann und wo genau stand etwas in den Sternen. Zur Pfeishütte rüber mußten wir auf jeden Fall, aber auch da können blöde Verhältnisse schnell ganz schön schwierig werden, auch wenn ich den Weg schon gegangen bin. Demnach Start um 8 Uhr pünktlich. So ging’s dann auch los bei wolkigen aber trockenen Verhältnissen und die Bilder demnach sehr schön und interessant. Ich legte nur kurze, notwendige Pausen ein, denn der Weg ist teilweise nicht ganz einfach und wir waren langsam unterwegs. Es zog immer mehr zu. Wir erreichten die Wegstrecke, die mir am meisten Kopfzerbrechen gemacht hatte, erst ziemlich spät und stärkten uns direkt vorher nochmal. Dann hinauf im sehr steilen Schutthang zum Stempeljoch. Vor dieser Passage hatten alle Respekt schon beim Anblick, und ich kannte das schon, daß es nicht einfach werden würde. Noch im Juli diesen Jahres hatte es hier einen Murenabgang gegeben, der alles gesperrt hat. Erst vor wenigen Tagen wurde das Teilstück wieder freigegeben, was ich mir im Voraus von der Pfeishütte bestätigen lassen habe. Wir gingen hoch, es war schon anstrengend, aber weniger schlimm als vorab gedacht, und erreichten das Stempeljoch, wo es plötzlich windig, kalt und naß war – von Sicht nicht mehr zu reden. Die Stempeljochspitze, die von hier aus noch machbar gewesen wäre, hätte bei diesem Wetter keinen Sinn ergeben. Wir diskutierten nicht groß, sondern zogen unsere Regenjacken an und liefen zur Pfeishütte hinunter, auf der wir am frühen Nachmittag ankamen.
Wir wurden hier nett empfangen und legten uns erstmal trocken – es war eigentlich kein Regen, sondern nur dicker Nebel oder Wolke gewesen, in dem wir abgestiegen waren. Mit der Hoffnung, daß es doch nochmal aufreißen könnte, überlegte ich kurz zwecks Nachmittagsprogramm, evtl. die Sonntagskarspitze, aber auch die blieb uns verwehrt. Es riß nicht mehr auf. Wir hatten also noch relativ Glück, daß wir hier gut rübergekommen waren, aber mehr wäre danach kein Spaß mehr geworden. So verbrachten wir den Nachmittag und Abend auf der Hütte. Wir sprachen unter anderem auch den nächsten Tag durch und ich überlegte zwecks Alternativen. Es gab Fußprobleme, es gab mehrere Alternativen, es gab das Wetter, das unsicher sein sollte für den Montag dann – nicht ganz einfach. Letztendliche Entscheidung sollte am Morgen dann getroffen werden. Wir spielten Kniffel und ließen uns ’nen Hüttenwein schmecken, bevor wir im winzigen 12er Lager mit max. 60cm Deckenhöhe im Stockbett oben zu Bett krochen. Die Nacht war lau für mich – viele schliefen und schnarchten – Lager eben.
26.08.2024
Wieder 6.30 Uhr Wecker, wieder 7 Uhr Frühstück, wieder 8 Uhr los. wolken- und nebelverhangen, aber toll. Der Plan stand. Wir gehen zum Stempeljoch zurück, gucken nach dem Wetter oben und entscheiden dann, ob über den Grat oder nicht.
Wir entschieden uns für den Grat und das Wetter sollte halten. Kurz vor der Pfeiser Spitze setzten wir die Helme auf, denn hier ging’s ganz schön zackig bergauf und bergab. Klettersteigähnlich, 2er Kletterstellen hinauf und wieder runter, bei denen wir alle zusammenhalfen und zusammenhielten. Das ein oder andere bedenkliche Gesicht gab es, aber es war ein Erlebnis sondergleichen. Wir waren langsam unterwegs, da nicht alle in dem Terrain so geübt, aber ich hatte mich nicht getäuscht – schließlich kenn ich die Leute, mit denen ich unterwegs bin – es war für uns alle ein tolles Erlebnis, das wohl erst im Nachhinein so richtig verarbeitet werden kann. Wir kamen also über die Pfeiser Spitze und die Lattenspitze sauber rüber – unter uns einzigartige Wolkenbilder für’s Auge.
Schwierig ging’s dann auch nochmal bergab, was ich nicht ganz so schwierig erwartet hatte, auch wenn’s hier keine großen Gefahren mehr gab. Wir waren wieder sehr langsam unterwegs und hatschten so hinunter. Bei den Herrenhäusern im Winterraum gab’s ein Zipfer für 2€, das wir uns nicht nehmen lassen wollten, und dann runter an St. Magdalena vorbei und gar bis zum Auto. Die einen nahmen hier die Teerstraße bergab, die anderen den Fluchtsteig, der auch nochmal toll war. Regen erreichte uns keiner und zum Abschluß gab’s ein paar Runden im Kneippbecken am Parkplatz.
Über 400hm hoch und über 1500 runter bei mächtig Kletterei – Ihr seid echt der Wahnsinn!! Sind ohne Regen geblieben am letzten Tag und fuhren dann noch im Bräustüberl am Teegernsee vorbei, wo wir was aßen und tranken, um zuletzt gar die Autobahn zu drücken. Um 22 Uhr war ich schließlich daheim.
Ich kann’s nach wie vor nicht glauben, was aus dieser Gruppe geworden ist und wie’s immer wieder so toll ist, mich Euch unterwegs zu sein – wer auch immer dabei ist – DAAANKE erneut für diese tollen Tage!!!
Gerade mal zwei Wochen im Voraus entstand die Idee zum gemeinsamen Bergurlaub in der Venedigergruppe. Geschaut, geplant, Hütten gebucht und los ging’s am Freitag Nachmittag direkt nach der Arbeit. Das Wetter sollte relativ stabil bleiben, was für diesen Sommer sehr außergewöhnlich war.
09.08.2024 Unser heutiges Ziel war Jochberg bei Kitzbühel, um hier eine Nacht im Caddy zu verbringen auf einem kleinen Wanderparkplatz umgeben von Kühen. Die Fahrt lief gut und der für abends dort angekündigte Regen ließ auf sich warten… um dann doch nicht vorbeizukommen. So liefen wir im kleinen Abendspaziergang zu einem Biergarten, aßen und tranken etwas, und gingen relativ früh schlafen, um morgen fit zu sein.
10.08.2024 Früh dann aufstehen, Kaffee kochen, Rucksack fertig packen und gut einschmieren für einen sonnigen Bergtag. Während der gut einstündigen Fahrt duch den Tauerntunnel, Matrei nach Prägraten, Hinterbichl sprachen wir nochmal den heutigen Tag durch. 1200Hm Aufstieg zur Sajathütte in knapp 4h Gehzeit war ursprünglich geplant, aber das war ja eigentlich kein tagesfüllendes Ziel. So beschlossen wir, heute noch die Umbalfälle zu besichtigen. Wir bekamen einen kostenfreien Parkplatz in Hinterbichl und zogen hier die leichten Turnschuhe an, um dorthin zu laufen. In Summe sollten das tortzdem noch 10km zum Eingehen werden bei zusätzlichen 500hm. Im Touristrom schauten wir uns die tollen Wasserfälle an, die da ins Tal toben und machten noch Mittag auf der Islitzer Alm, bevor es zurück zum Auto ging, von wo aus wir direkt starteten.
In der Gluthitze des südseitigen sonnigen Hangs ging’s nun mit 5-Tage-Gepäck inkl. Klettersteigausrüstung für tolle Touren und 4 Berghütten steil bergauf. Der Körper mußte sich erstmal an alles gewöhnen, so ging’s recht langsam und mühsam bergauf. Dank der hier schon tollen Bergkulisse bei strahlend blauem Himmel blieben wir aber auch gerne mal stehen, um zu verschnaufen und alles in uns aufzunehmen. Obwohl mir alles heute schwerfiel und ich kurzzeitig unseren morgendlichen 10km Spaziergang verfluchte, waren wir nach gesamt 3h 50min. oben angekommen auf 2575m, schweißgebadet.
Die Sajathütte, das Schloß in den Bergen, wird nicht zu Unrecht so genannt. 1250hm rauf und nur 20hm runter auf 6,7km – ordentlich. Das kalte Wasser zum Abwaschen tat gut, wir bezogen unser Lager und saßen vor und nach dem Abendessen noch auf der Terrasse, um die Bergluft einzuatmen und ausführlich die Karte zu studieren für den nächsten Tag. Was eine tolle Bergwelt hier – ein wahnsinns Vorgeschmack auf das, was kommen würde!
11.08.2024 Wie es an allen folgenden Tagen der Fall sein sollte, klingelte um 6.30 Uhr der Wecker. Nach einer Kleinigkeit zum Frühstück und Kaffee starteten wir um 10 vor 8 mit gepacktem Rucksack und Spannung auf den Tag im Kopf in Richtung Kreuzspitze. Zunächst verlief der Weg nur mäßig ansteigend durch’s Sajatkar bis zu einem etwas steileren Schotterfeld, was alles noch im Schatten lag. Am Fuß des Felsens angekommen setzten wir einen Helm auf, da der Steig ab hier nun steil zackig am Seil nach oben führt. Von der restlichen Klettersteigausrüstung sahen wir ab, da das Gelände mit max. Schwierigkeit A/B angegeben ist. So langsam erreichten uns die jetzt schon wieder heißen Sonnenstrahlen.
Ca. ab dem Schernerskopf auf 3034m dann erstmals Blick auf den Großvenediger mit seiner atemberaubenden Gletscherumgebung. Was eine Landschaft. Steinig ging’s dann noch die letzten gut 100hm hinauf auf die Kreuzspitze (3155m) mit ihrem beachtlichen Gipfelkreuz. Etwa um halb 10 waren wir oben. Wir trafen hier auf einen einsamen Berggeher und unterhielten uns kurz. Das Panorama in alle Richtungen war unglaublich.
Nach ausgiebiger Pause vierlief unser Weg dann weiter über eine lange Gratkette bis hin zum Vorderen Sajatkopf auf 2915m. Ausgesetztes Gehen auf der Gratkante auf griffigem Stein, aber auch Kletterei über Blockwerk, ebenso ausgesetzt, ist hier gefordert, Konzentration in jeder Sekunde absolut notwendig.
Am Vorderen Sajatkopf rasteten wir nochmal, um danach steil 600hm in Richtung Prägraten abzusteigen. Hier wurden die Knie zum ersten Mal getestet, bevor es unschwer und ohne nennenswerte Höhenmeter mehr am Hang entlang zur Eisseehütte auf 2521m weiterging. 7,8km bei 850hm Auf- und 937hm Abstieg waren nach etwas über 7h hinter uns gebracht.
Wieder gut sonnen- und schweißgebadet machten wir uns frisch und wuschen etwas Wäsche. Die Hütte war gut voll, so daß bei uns im 8er Lager sogar noch ein Notbett mit drin lag. Der gemütliche Hüttenabend war nett und ab hier sollten wir auch immer wieder auf die gleichen Gesichter stoßen, die in gleicher Richtung wie wir am Venediger Höhenweg unterwegs waren. Viel los insgesamt, aber über den Tag verlief es sich schön, so daß man doch die Ruhe in den Bergen genießen konnte. Wem will man es auch verdenken, hier in dieser irrsinnigen Bergwelt unterwegs zu sein.
12.08.2024 Für heute war der Plan, zunächst alles bis auf leichtes Gepäck noch auf der Hütte zu lassen, um zur Seewandspitze und evtl. auf die Weißspitze zu gehen, bevor es über die Zopetscharte hinüber zur Johannishütte weiterging. So starteten wir diesmal bereits um 20 vor 8 gleich steil hinauf vorbei am Eissee und dann nochmal steil zur Seewandspitze auf 3024m, die wir um 9 Uhr schon erreicht hatten. Unvergeßliche Ausblicke auch hier wieder und unterwegs Edelweiß ohne Ende. Im Anschluß querten wir hinüber über haufenweise Blockwerk zum Fuß der Weißspitze, die wir zwar angingen, aber dann nach wenigen Höhenmetern abbrachen. Der Weg war zu lange und schwierig im Hinblick darauf, daß wir noch zur Johannishütte rüber mußten. Es war bereits kurz vor 10 Uhr. Also den gegenseitigen Hang steil hinunter, so daß wir den Eissee quasi umrundeten, und wieder zurück zur Hütte, die wir um halb 12 erreichten.
Hier packten wir alles wieder in den großen Rucksack um und machten kurz Mittag. Beim Umpacken fiel Andy auf, daß er sein Brillenetui mit der richtigen Brille verloren haben mußte – entweder an der Seewandspitze oder am Fuß der Weißspitze, den beiden Punkten, an denen wir als einziges den Rucksack offen hatten. Große Aufregung.. Wir überlegten, was tun. Alle möglichen Optionen wurden durchdacht – nochmal hoch und dann rüber zur nächsten Hütte war keine Wirkliche. Ich rüber und er hoch und wieder hierher zurück wäre denkbar gewesen. Letztlich hinterließen wir Kontaktdaten und hofften erstmal, daß die Brille von einem ehrlichen Finder evtl. zur Hütte gebracht werden würde. Ggf. wir am letzten Tag selbst zusammen nochmal hochgehen könnten – der Gedanke kam hier zum ersten Mal auf. Urlaub hatten wir beide die ganze Woche. Wir liefen also weiter mit vollem Gepäck, nur ohne die Brille eben. Es ging nochmal steile 500hm hinauf zur Zopetscharte auf 2958m und dann wieder bergab zur Johannishütte auf 2121m. Nach gesamt gut 6,5h auf 13km und 1128hm Auf- sowie 1567hm Abstieg kamen wir an. Auch heute wieder den ganzen Tag heiß und sonnig. Man schwitzte am Berg einfach von früh bis spät – was kann es Schöneres geben!
Wie jeden Tag auch hier wieder das Übliche Lager beziehen, frisch machen, Wäsche machen und dann noch schön auf der Terrasse sitzen, bis nun doch einmal etwas Regen aufkam, als es schon fast dunkel war. Der störte uns nicht.
13.08.2024 Auch heute war der Himmel morgens wieder blau und strahlte uns entgegen wie bald auch schon die Sonne. Start um kurz nach halb 8 steil über tolle Bergwege hinauf zum Türmljoch auf 2770m. Vor uns stand das Türml, zu dem ein Klettersteig hinaufführt, den wir probieren wollten. Der Steig ist angegeben mit C und sehr ausgesetzt. Von unserem Rastplatz aus schauten wir ihn uns an und entschieden dann wirklich, die Ausrüstung anzulegen und hochzugehen. Wir kamen bis ca. 20m unter den Gipfel, schätze ich. Ich ging voran. Waren die Seile meiner Meinung nach am gesamten Steig nich optimal patziert, so gab es hier eine Stelle, an der ich keine Chance für mich sah. Es hatte hier der Fels einen ganz leichten Überhang, über den man drüber mußte, sehr ausgesetzt. Es gab zwei Eisentritte und das Seil, aber dieses war für mich viel zu weit weg von den Tritten. Ich versuchte, mich mit dem Set in die Tritte umzuhängen, aber auch mein Set war hierfür zu kurz, so daß ich mich kaum hätte halten können. Klettern ist eben nicht ausschließlich meins, womit ich aber leben kann. Kurze Verschnaufspause nach 2 Versuchen, dann aber die Entscheidung zum Umkehren und alles wieder retour. Nicht schlimm – die kleine Einlage hatte dennoch Spaß gemacht.
Alles wieder im Rucksack verstauen und nun hinunter zur Essener Rostocker Hütte auf 2208m, wo wir uns kurz entschlossen nur schnell anmeldeten alles ins Lager brachten und dann mit leichtem Gepäck nochmal auf den Weg machten zurm Rostocker Eck auf 2749m. Schnell ging’s bergauf und es zogen dunkle Wolken auf. Wie jeden Tag schon waren Gewitter für den Nachmittag gemeldet, die bislang ja immer ausgeblieben waren, somit war’s einen Versuch wert. Heute wurde es allerdings wirklich schwarz am Himmel und als wir auf 2600m oben waren gab’s den ersten Donner. In dieser Position definitiv ein Zeichen zum Umkehren für uns, was wir auch nicht lange überlegten. Mehr im Laufschritt als anders kamen wir nach kürzester Zeit wieder auf der Hütte an – trocken. Es begann wenig später zu regnen und auch über uns zu gewittern. Morgen wäre unser Abstiegstag – es gäbe hier ja auch die Möglichkeit, nochmal da hochzugehen, aber es sollte alles anders kommen.
Heute also 12km in 6h 45min. mit 1135m Auf- und 1065m Abstieg. Bereits bei der zweiten Ankunft auf der Hütte trafen wir auf einen Vater mit Tochter aus Hochstahl, er mit SpVgg Bayreuth Trikot, so daß wir gleich ins Gespräch kamen und uns nach dem Frischmachen in der Gaststube weiter unterhielten. Beide wollten am nächsten Tag zur Clarahütte laufen. Außerdem noch mit uns am Tisch ein Paar, mit denen wir schon am letzten Tag gesprochen hatten, von dem sie uns fragte, ob wir morgen auch den „7h-Abstieg“ machen wollten. Wir wurden hellhörig und schauten uns alles auf der Karte an. Der lange Abstieg war der Weg, den auch die beiden aus Hochstahl zur Clarahütte nehmen wollten. Der Weg war allerdings nur gestrichelt oder garnicht in den verschiedenen Karten eingezeichnet und ohne Internet ließ sich das nicht richtig einschätzen für uns. Im Hüttenflyer war der Übergang nichtmal als Möglichkeit erwähnt, so daß ich schon ins Grübeln kam. Bis zum ins Bett gehen stand dann eigentlich der Plan, diesen Weg zu nehmen und beim ersten Handyempfang auf der Clarahütte anzurufen, ob für uns beide noch ein Platz frei wäre für die Nacht. Wie gesagt, wir hatten ja Urlaub und waren völlig offen hintenraus. Wir spielten später noch Uno und Arschkarte mit Alex und Lara und hatten so erneut einen lustigen Abend.
14.08.2024 Über Nacht grübelte ich. Wir brauchten Plan B für den morgigen Tag, falls der Weg nicht zu machen sein sollte. Ich setzte uns ein Zeitfenster. Sollten wir merken, daß wir es nicht bis spätens 12 Uhr zur Hochkarscharte auf 2888m schaffen würden, dann war umkehren angesagt und den Normalweg absteigen. Um kurz nach halb 8 waren wir wieder in den Stiefeln und auf dem Weg. Das Wetter erneut herrlich, allererste Sahne. Zunächst lief es eben um das Rostocker Eck herum, das wir nicht erneut versuchten, dann durch ein Bachbett hindurch und nun steil über Schrofengelände und wenig markiert nach oben. Man mußte einige Male nach dem Weg suchen, was Zeit kostete und auch Kraft. Ein ganzes Stück vor uns waren allerdings zwei Mädels unterwegs, die uns zumindest die Richtung anzeigten, was garnicht schlecht war. Auch entsprach der Weg sehr genau dem, den ich auf der Uhr sehen konnte, so klappte die Orientierung schließlich doch besser als gedacht. Über den Schrofen kam ein sehr langes Stück über steile Grashänge in Serpentinen hinauf, auch das sehr kräftezehrend, so daß wir auf der dreiviertlen Höhe etwas Pause machten. Dann linksseitig auf der Südseite des Kammes entlang etwas flacher und schließlich in den plattigen Steinhang hinein, relativ unschwierig, aber wieder steiler hinauf zur Scharte, die wir um kurz nach halb 11 erreichten, wesentlich früher als gedacht also. Der Blick, der sich von hier bot, war überwältigend – wieder anders, wieder eine neue Landschaft, wie im Märchen.
Hier sprachen wir dann mit den zwei Mädels, die wir schon vorher am Hang eingeholt hatten. Auch sie gingen zu Clarahütte und kurzentschlossen rief ich dort an. Es waren noch zwei Plätze für uns frei und wir sagten zu. Im rasanten Abstieg nahmen wir dann mit leichtem Gepäck noch die 100hm zur Wiesbauerspitze (Mullwitzkogel 2767m) mit, um dann bis auf 2000m zunächst mäßig dann sehr steil abzusteigen. Hier zweigte nun der Hauptweg rechts zur Clarahütte, links zu den Umbalfällen und der Islitzer Alm ab. Unterwegs unterhielten wir uns über den nächsten Tag, wenn wir jetzt auf die Clarahütte gingen. Andy hatte am Mullwitzkogel noch auf der Eisseehütte angerufen – seine Brille war nicht aufgetaucht bislang, und so war für uns eigentlich klar, daß wir da nochmal hoch mußten. Entweder mit Leihbikes 500m hoch zur Materialseilbahn Talstation auf etwas über 2100m, um von dort 1000m hoch und runter zu gehen, oder min. 1400hm Auf- und Abstieg. Wenn wir vorab noch die 10km von der Clarahütte (600m Abstieg) zu laufen hätten, dann noch Essen besorgen (wir hatten beide nichts mehr und Feiertag war außerdem) – das wäre alles irr geworden. So verwarfen wir den Plan mit der zusätzlichen Hütte wieder und liefen den Weg nach unten, wo ich so bald möglich zwecks Handyempfang nochmal auf der Clarahütte anrief und uns wieder abmeldete. Auf der Islitzer Alm ließen wir uns Salat bzw. Schnitzel schmecken und unterhielten uns mit unseren Tischnachbarn, die aus der Gegend waren. Sie fragten wir nach einem Bikeverleih und evtl. einem Stellplatz für die Nacht. Sie gaben uns ein paar Tipps mit auf den Weg. Wir trotteten dann entspannt in Richtung Auto, zufrieden und wohlauf. Bis hierher war es erneut insgesamt warm und sonnig gewesen, nur kurz vor Hinterbichl kam ein Regenschauer – die einzigen Tropfen, die uns erreichten in den bislang 5 Tagen. Jetzt nicht mehr schlimm. Heute lagen damit über 18km hinter uns mit 1024hm Auf- und 1864hm Abstieg in knapp 7,5h – schon ’ne Nummer für Tag 5, aber wir fühlten uns blendend, auch meine Knie machten keinen Mucks – einfach happy!
Während dem Gang zum Auto bekam ich überraschend eine WhatsApp Nachricht von Volker, einem Münchner, der im letzten Jahr mit mir in Pakistan unterwegs gewesen war und der in zwei Wochen bei der DAV Tour in die Dolomiten dabei sein würde, „Bin heute auf dem Campingplatz in Hinterbichl. Wo bist Du dann? Bzw. macht Ihr morgen auch noch eine Tour?“. Was ein Zufall – ich mußte lachen. Nach kurzem Anruf und dann noch 1-2 Nachrichten verabredeten wir uns für den Abend irgendwo. Nun fuhren wir nach Prägraten zu einem Supermarkt und dann zum Bikeverleih wo wir auch gleich unseren Patz für die Nacht direkt an einer wunderschönen Badestelle in der Isel fanden. Die Bikes waren uns zu teuer und Lust hatte ich eigentlich auch keine drauf, mit Bergstiefeln radzufahren, also morgen alles laufen. Jetzt aber erstmal abkühlen im bergabpolternden Fluß. Was eine Wohltat! Nach etwas Gekrusche und Rucksack packen für morgen kamen dann Volker und Sara gefahren, die nun doch auf einem Campingplatz in Matrei gelandet waren. Mit ihnen saßen wir zusammen im Biergarten neben unserem Stellplatz und quatschten. Ich zeigten Ihnen unsere Tour für morgen und sie entschieden sich spontan, uns zu begleiten. Es gab also noch mehr Verrückte auf der Welt. Nicht allzu spät ging es schlafen, diesmal wieder im Caddy.
15.08.2024 Früh gab’s wieder löslichen Kaffee und ein Stückchen Brot, bevor wir zum Parkplatz Bodenalm hinauffuhren, wo wir uns um halb 8 mit Volker und Sara trafen. Tag 6. Kurz drauf stiefelten wir los, konstant zügig bergan, so daß wir die Eisseehütte nach 800hm Aufstieg bereits nach 2h erreichten. Hier war noch immer keine Brille abgegeben worden, also weiter hinauf. Um halb 11 machten wir nach 1000hm Pause mit Blick auf den Eissee, dann weiter zur Seewandspitze. Hier krampften die Waden nun doch etwas. Leider auch hier keine Brille, ebensowenig drüben am Fuße der Weißspitze. Blöd. Trotz allem ein wunderschöner Bergtag bei nochmals blauem Himmel und viel Sonne, die sich nur ab und an hinter Wolken versteckte. Im Abstieg machten wir dann ausgiebig Pause auf der Eisseehütte, aßen und tranken, bevor’s endgültig runter ins Tal ging. Gut 18km in 8h mit 1580hm Auf- und Abstieg an diesem wunderschönen letzten Tag in der Venedigergruppe.
Wir verabschiedeten uns von Volker und Sara und fuhren dann umgehend durch nach Hause. Um 22.30 Uhr schloß ich meine Haustür auf, kaputt aber glücklich über dieses wahnsinnige Ereignis, diese tollen Touren und die irren Bilder im Kopf.