Wie startet man in eine Bergsaison? Am besten mit einfach zu variierenden Touren, damit man spontan unterwegs erweitern oder verkürzen kann. Spontan und kurz über’s Wochenende, dazu noch nicht in Hochform, wollte ich nicht allzu weit fahren, dennoch aber die „richtigen“ Berge in der Ferne sehen können. Die Bayerischen Voralpen hatte ich noch nicht wirklich besucht, aber wie ich bald feststellen mußte gibt es auch hier einige mittelmäßig anspruchsvolle Touren laut Internet, natürlich wichtig auch dabei, nicht zu sehr überlaufene Orte auszuwählen. 1000hm am Tag sollten Maximum sein, so dachte ich, und ich fand bei meinen Recherchen eine mit 1000, eine mit 850 in der Nähe von Bayrischzell, die mir interessant erschienen.
03.07.2020
Gedacht, getan, Freitag Nachmittag fuhr ich nach Bayrischzell und von dort aus noch ca. 4km bis zu einem Wanderparkplatz am Sillbachhaus, von dem ich vorhatte, zu starten am nächsten Tag. Plan war hier eine Rundtour mit 1000hm über die Auerspitz zu machen. Als ich ankam fand ich dort einige Schilder mit Tourentipps, so auch eine mögliche Erweiterung meiner Tour mit 1270hm und dem zusätzlichen Gipfel, der Rotwand, was ich mir sogleich abfotografierte. Um ein bißchen Campingfeeling aufkommen zu lassen, gab’s noch zwei in Bayrischzell gekaufte kühle Teegernseer Hell im Klappstuhl vor meinem Caddy, aber es wurde schnell kühl hier am Bach, so daß ich bald schlafen ging.
04.07.2020
Früh um dreiviertel 7 stand ich auf, kochte mir Kaffee, aß etwas und machte mich auf den Weg – 1000m hinauf zur Auerspitz mit 1811m, was mit 3 Stunden angegeben war. Nach 2,5 Stunden war ich oben und hatte, wenn auch etwas Wolken am Himmel, doch gute Fernsicht. Die Wege waren einfach, wenn auch teilweise recht steil über Almen und ein paar richtige Gebirgspfade. Da ich nicht Mittags schon wieder unten sein wollte, entschloß ich mich, die Rotwand noch mitzunehmen. War ich bis hierher doch relativ einsam unterwegs, herrschte auf der Rotwand reges Treiben – das scheint wohl der bekanntere Gipfel zu sein mit 1884m. Hierher waren schlammige Stellen zu überwinden, die einfach schmierig und rutschig waren, was in dem Sinn eine kleine Herausforderung darstellte, hier nur nicht auszurutschen. Von da aus ging es hinunter zum Soinsee, ein hübscher größerer Bergsee. Aber auch hier waren mir zu viele Leute unterwegs, als daß ich mich lange hätte aufhalten wollen. Der Abstieg war dann doch noch ein ganzes Stück, sehr viel auf Fahrwegen, und die Füße merkte ich am Ende doch – die waren das einfach nicht mehr gewohnt, woher auch!? Um 15 Uhr war ich wieder am Auto, recht früh, aber es reichte mir dennoch für den ersten Tag. 1300hm hatte ich auf der Uhr und 6,5 Stunden Gehzeit. So fuhr ich über Fischbachau und Bad Feilnbach zum Parkplatz am Jenbach, wo ich die Nacht verbringen wollte. Ich saß hier noch lange in der Sonne, die nun endlich richtig rauskam, und las, ging aber nochmals recht früh schlafen.
05.07.2020
Diesmal wartete ich schon auf den Wecker. Ab halb 5 fuhren Autos hier an, um loszuwandern oder zu laufen, und so war ich nach kurzer Brotzeit mit Kaffee um dreiviertel 7 auf den Beinen. Der Weg war sehr abwechslungsreich mit ein paar steileren Anstiegen durch den Wald und über Almen, dann wieder recht ebener Fahrweg und wieder steil hinauf bis zur Ramoldplatte – knapp 600hm bis hier. Heute echt gutes Bergwetter und schnell warm. Die Fernsicht vom Gipfel genial, und ich machte kurze Foto- und Eßpause. Dann ging es weiter zur Hochsalwand auf 1624m. Hier hinüber waren die Wege wirklich noch etwas alpiner und teilweise sogar stahlseilversichert. Das kleine bißchen Kletterei machte Spaß und Lust auf mehr. Auch diese Tour war nicht übermäßig überlaufen und wirklich toll vom Panorama her bei diesen Verhältnissen. Hinunter ging es ebenfalls nicht ungemütlich steil, so daß ich ein paar hundert Meter im Laufschritt abstieg, um diese Variante mal für meine Knie zu testen. Jetzt am Tag danach muß ich sagen, die haben das sehr gut verkraftet, und es wird für mich wohl eine Alternative bleiben, die Berge etwas schneller wieder runterzukommen – ohne Stöcke. Der Weg führte direkt am Wendelstein vorbei, und ich durfte eine Zahnradbahn von oben runterkommend beobachten – das Ding ist echt steil, muß ich sagen. Gegen 12 war ich wieder am Auto nach einem längeren Hatscher zum Schluß, der dann doch nochmal müde macht 900hm, 4,75 Stunden Gehzeit. Alles in allem aber eine gelungene Tour zum Anfang, und was echt irre war: Ich habe die Berge zu dieser Jahreszeit, was ja doch schon oft heiß, trocken und richtig Sommer ist, noch nie so farbenfroh, frisch und grün wahrgenommen, oder zumindest in den ganzen letzten Jahren nicht mehr so gesehen – das war auch mal wieder ein Erlebnis für mich.
Jetzt freue ich mich auf unsere Gruppentour mit Wandern 3F ins Tannheimer Tal in 2 Wochen und kann es kaum erwarten!
Seitdem ich Anfang August von meiner ersten Marokkoreise zurückgekommen war,
hatte ich sofort auch schon wieder „Heimweh“ dorthin. Mich hatten
Land und Leute so gepackt, es war wirklich verrückt. Einige sprachen mich auch
drauf an, was mit mir los sei – irgendetwas in mir hatte sich in den zwei
Wochen im Hohen Atlas verändert, und ich vermißte alles sehr schnell. Viele
Abende saß ich zu Hause, schaute immer wieder Bilder der Tour an und träumte
mich dorthin zurück. Kein Land hatte mich bislang je so gefesselt, keine
Mentalität so sehr beeindruckt wie diese. Die Aufgeschlossenheit, die
Wertschätzung eines jeden, die Stimmung der Menschen, die Sanftheit und Anmut
auch derer, die offensichtlich kein Zuckerschlecken geerbt hatten, die
Heiterkeit und Freundschaftlichkeit, die man, wenn auch manchmal nur versteckt,
doch überall wahrnehmen konnte – das alles löste so einiges in mir aus.
Der Kontakt zu Sonja bestand weiter, und so fragte sie mich Anfang September,
ob ich im Oktober nicht nochmal mitkommen wollte zum Wüstentrekking für eine
Woche in den Herbstferien. Ich fackelte nicht lange, klärte tags darauf meinen
Urlaub ab, kümmerte mich um Flüge und war sehr sehr glücklich mit riesen
Vorfreude auf den nächsten Urlaub.
Als es auf Ende Oktober zuging (am 25.10. sollte ich fliegen), waren alle
Vorbereitungen getroffen, aber wieder sollte nicht alles glattgehen und mir
noch einige Nerven kosten. Mein Hinflug von Dresden über Stuttgart, Neapel nach
Marrakesch war in Gefahr, als am 22.10. plötzlich von Streiks am 25.10. in ganz
Italien die Rede war, was den kompletten öffentlichen Verkehr betreffen sollte,
also auch die Flughäfen. Anfangs hielten die Fluggesellschaften sich bedeckt,
so kam ich über die Hotlines nicht weiter. Nur die Pressemitteilungen
verschärften sich – ein Zwischenstopp an diesem Tag in Neapel schien unmöglich.
Nach einigem Hin und Her und einem Telefonat mit Sonja entschied ich am 23.10.
auf gut Glück einen weiteren Flug zu buchen – den sie auch nehmen würde von
Frankfurt über Casablanca nach Marrakesch, und tatsächlich gab Eurowings am
24.10. die Meldung raus, daß mein Flug von Stuttgart nach Neapel nicht starten
würde können. Ich hoffte so auf meine Chance, das Geld für dieses Paket
zurückzubekommen und packte meinen restlichen Krempel für die Tour – jetzt doch
erleichtert, daß ich mich so entschieden hatte. Sausen lassen wollte ich dieses
Erlebnis in keinem Fall mehr.
25.10.2019
Mein Flug würde um 16.40 Uhr in Frankfurt starten, so hatte ich Freitag noch in Ruhe Zeit, alles daheim in Ordnung zu bringen, bevor ich mich gegen Mittag ins Auto setzte. Wieder hatte mein Packsack gerade mal knapp 11kg, und diesmal waren sogar noch ein paar von mir aussortierte Trekkingklamotten enthalten, die ich Zakaria geben wollte, damit er sie in Marokko weitergeben konnte. Außerdem befand sich diesmal eine kleine Trommel im Gepäck – ich freut mich riesig auf die Abende am Feuer oder auch so einfach mit Musik im Lager.
Am Parkplatz in Neu-Isenburg angekommen, stellte ich mein Auto ab und wurde zum Flughafen gebracht, gab mein Gepäck auf, ging durch die Kontrollen und saß letztlich am Gate mit einer Dose Abschiedsbier. Hier fiel endlich die Anspannung zwecks den Flügen der letzten Tage von mir ab – es konnte nun nichts mehr passieren. Kurz drauf traf auch Sonja ein, die Wiedersehensfreude war groß, und noch eine weitere Teilnehmerin, die wir beide bis dato nicht gekannt hatten.
Die Flüge verliefen gut, der Umstieg in Casablanca war etwas hektisch aber klappte, und wir kamen mit ein wenig Verspätung in Marrakesch am Flughafen an, von wo aus es mit etwas Ungereimtheiten und nochmal etwas verspätet ins Riad ging – das selbe wie im Sommer nahe dem großen Platz. Auch hier war das Wiedersehen und die Begrüßung sehr herzlich nachts um 1, und wir nahmen uns noch ein Bier mit auf’s Zimmer, packten um, quasselten noch ein wenig, um dann bald zu schlafen.
26.10.2019
Nach dem Aufstehen und Duschen trafen wir uns (bis auf 2 Teilnehmer, die wir erst später treffen sollten) alle zum Frühstücken. Auch Zakaria stieß hier zu uns – ein weiteres freudiges Wiedersehen. Auch die anderen machten auf den ersten Blick einen aufgeschlossenen lustigen Eindruck und die Truppe schien bunt gemischt, diesmal Männlein und Weiblein und vom Alter doch etwas jünger im Schnitt als bei der Bergtour im Sommer.
Ähnliches Prozedere nach dem Frühstück – wir wurden mit dem Bus geholt und los ging die lange Fahrt gen Wüste.
Kurz vor Ouarzazate bei Aït-Ben-Haddou machten wir Mittagspause, um danach das Weltkulturerbe am Fuße des Hohen Atlas zu besichtigen. Hier wurden einige Szene von großen bekannten Filmen gedreht wie zum Beispiel dem Gladiator, der Mumie, Alexander oder auch Game of Thrones. Beim Durchstreifen der noch immer zum Teil bewohnten Stadt kann man sich viele Szenen hier vorstellen und ich konnte nun endlich weiter mit meiner neuen Kamera experimentieren. Zakaria erzählte etliches in der alt gewohnten Manier – einfach immer schön, zuzuhören.
Wir hatten hier nun auch noch die letzten beiden Teilnehmer getroffen, die schon eine Woche in Marokko mit Mietauto unterwegs gewesen waren – ein Ehepaar, das auch schon die M’Goun Tour vor ein paar Jahren mitgemacht hatte. Nun waren wir endlich komplett.
Dann holperten wir weiter bis in die Dunkelheit hinein und erreichten unser erstes Lager erst sehr spät, zu dem wir direkt per Bus gebracht wurden. Die Zelte waren aufgebaut, Küchenzelt, Gemeinschaftszelt und die Iglus nebenan. Die Dromedare hockten oder schliefen schon im Hintergrund, und wir begrüßten die Mannschaft (diesmal eine andere Gruppe, da ja auch andere Tiere) und den Koch – den weltbesten Feldküchenkoch. Auch hier nochmal ein ausgelassenes „hallo – wie geht’s – schön, Dich wiederzusehen“.
Wir setzten uns zum Abendessen – Gemüsetajine mit etwas Fleisch. Es war eine rege Unterhaltung, aber nicht mehr sehr lange heute. Wir waren alle platt vom Busfahren und gingen bald in die Zelte um zu schlafen.
27.10.2019
Aufstehen früh um 7. Jetzt konnten wir erst mal richtig sehen, wo wir waren. Eine weite Landschaft, steinig, platt, am Fuße eines Hügels aus Fels, Steinen und Geröll. In der Ferne waren noch ein paar Häuser sichtbar. Wir räumten die Zelte und bauten sie ab, dann frühstückten wir im Freien. So langsam kam die Sonne über den Berg und es wurde wärmer. Ich war Feuer und Flamme, endlich loszulaufen, endlich über den Paß gehen zu können, um dahinter in Richtung Wüste (erst Steinwüste, dann Sandwüste) der bewohnten Welt zu entkommen, auch wenn es nur für ein paar Tage war. Das Handy war aus schon seit gestern, jetzt mußte nur noch mein Stecker im Kopf gezogen werden, der allerdings auch schon fast lose war zu diesem Zeitpunkt. So sehr war ich schon eingetaucht.
Es war alles gepackt und wir liefen langsam los dem Fuß des Berges immer weiter entgegen, um dann den Anstieg zu nehmen noch auf der Schattenseite. In Serpentinen ging es hoch zum Paß, und oben angekommen gab es erste Einblicke in die irre Steinlandschaft dahinter mit seinen Tafelbergen. Langgezogen ging es leicht bergab in die Steinwüste. Zwei Reitdromedare waren an Bord, die anderen liefen voraus mit all unserem Gepäck. Wir selbst wanderten wieder mit Tagesrucksack wie es jeden Tag sein sollte.
Mittags wartete unser Koch mit einem Dromedarführer unter einem Baum auf uns. Es gab lecker Thé à la menthe, Salat und Reis mit Gemüse. Für die Siesta Zeit nach dem Essen erspähte ich mir einen Berg aus, den ich begehen wollte, und als ich das ankündigte, waren gleich zwei weitere Teilnehmer dabei und wollten mitkommen. Wir stapften zusammen den Hügel hoch, hinter dem sich ein tolles Hochplateau erstreckte mit weiteren Bergen, die zum Vorschein kamen.
Wolkenloser Himmel, die Sonne stach herunter, eine Landschaft wie im Märchenbuch. Es fanden nette Gespräche statt, man lernte sich kennen, und auch auf der Wanderung bis zum Lagerplatz wechselten noch ein paarmal die Gesprächspartner. Es machte einfach Spaß, wieder hier zu sein. Fremde fühlt sich anders an – ich kann es nicht beschreiben – es war wie wieder angekommen zu sein.
Unseren Lagerplatz fanden wir kurz nach einer Oase wieder auf einem Plateau, im Hintergrund Berge. Unsere Zelte waren aufgebaut, aber ab dieser Nacht sollte ich kein Zelt mehr zum Schlafen brauchen für den Rest dieser Reise. Nach dem Waschen sangen wir zusammen, ich packte zum ersten Mal meine Trommel aus, und auch ein paar der Dromedarführer gesellten sich zu uns. Der Bann war schnell gebrochen. Wir sangen unsere Lieder und sie ihre im Wechsel – die Stimmung war einfach toll. Nach dem Essen gab es Feuer, an dem musiziert wurde und wir zuletzt zu viert lange saßen – Der Koch, Zakaria, Sonja und ich. Wir bauten kleine Steinmännchen, schauten in die Flammen und unterhielten uns.
Ich bettete meine Matratze neben dem Zelt und blickte noch lange in den Himmel… fast die ganze Nacht lang… ungewollt… es waren unzählige Stechmücken, die mich zwar nicht stachen, aber unermüdlich um mein Ohr summten – etwas nervig zugegeben, aber ich genoß die Nacht dennoch. Der Himmel war umwerfend und ich sah zig Sternschnuppen, die es auch jeden Abend geben sollte.
28.10.2019
Das Prozedere am Morgen war stets das Gleiche. Wir bauten die Zelte ab, Frühstück, packen, loslaufen – die Stimmung und das Team schon wesentlich vertrauter als am ersten Tag.
Wir liefen ein weitgehend trockenes Flußbett entlang und kamen zu einer Badestelle. Hier wurde nach Männlein und Weiblein getrennt und wir gingen schwimmen. Wieder Sonne, wieder sehr bald sehr warm – einfach traumhaft.
Zu Mittag waren wir wieder im Schatten mitten in steiniger Berglandschaft. Unterhalb eine schöne Badewanne, rechts und links Hügel für den Verdauungsspaziergang. Diesmal ging ich mit einem alleine los, die anderen wollten alle ausruhen. Wir stiegen hoch und erblickten in der anderen Richtung einen tollen Tafelberg, der uns noch aus anderer Perspektive am Abend wieder begegnen sollte. Der Mittagsausflug dauerte diesmal nicht so lange, so daß wir im Anschluß noch baden gehen konnten, was wieder sehr erfrischend toll war. Es war das letzte Mal auf dieser Tour, daß das möglich war.
Zum Lagerplatz war es diesmal nicht mehr weit, schade eigentlich, aber es war wieder ein sehr toller Flecken Erde (oder besser Steinwüste). Wir musizierten und sangen auch hier noch in der Dämmerung und liefen auch hier nochmal auf einen Hügel, um die Abendstimmung zu genießen, bevor es wieder leckeres Essen gab, Feuer im Anschluß und wieder Musik, Gesänge und Tänze. Wir blieben lange sitzen und erneut schlief ich neben dem Zelt. Hier gab es keine Mücken mehr, nur Ruhe und unglaubliche Sterne zum Greifen nahe.
29.10.2019
Früh wachte ich auf wie von selbst, um noch etwas in die Sterne zu gucken, bevor sie von der Sonne unsichtbar gemacht wurden, die langsam hinter den Hügeln hervorkroch. Es ist ein Schauspiel sondergleichen.
Die Wanderung sollte uns heute in die Sandwüste führen. Der Übergang ist schleichend, es beginnt mit ein paar Häufchen Sand, dann wieder Steine und harter Untergrund, bis es irgendwann in die Dünen geht, die schon glühten in der Mittagssonne. Mir machte die Hitze nichts, aber es gab doch einige, die zu kämpfen begannen. Unterwegs sahen wir eine Gruppe von Perlhühnern und Gazellenspuren..
Es gab Mittagessen unter einem Baum wie stets, und im Anschluß entfernte ich mich alleine, da diesmal alle ausruhten. Ich lief umher und fotografierte Dünen mit Gestrüpp darin. Es standen auch einige Dromedare in der Landschaft, die nicht zu uns gehörten – es war einfach fantastisch..
Nach der Pause wollten wieder zwei reiten wie fast auf allen Etappen. Einer stieg auf, saß schon drauf, aber als das Dromedar aufstand, was eine wackelige Angelegenheit jedesmal war, brach plötzlich der Griff und der Reiter purzelte vornüber hinunter… Was eine Reaktion von Zakaria, der da stand – er fing ihn einfach auf und trug ihn sozusagen im Arm. Das hätte durchaus anders ausgehen können, und wir alle waren kurz in Schockstarre. Ok, somit vorerst nur noch ein Reittier. Wir zogen alle zusammen los, und schon bald wurde das zweite Dromedar ohne Griff umfunktioniert zum Holzträger. Wir sammelten dürres Holz ein, um Abends Feuer machen zu können – es sollte Sandbrot gebacken werden.
Weiter stapften wir durch immer höher werdende Dünen. Auch Jeeps waren hier teilweise unterwegs – nicht immer ganz idyllisch, aber die Landschaft machte doch alles gut. In der Nähe des Lagers gab es feste Lagerplätze, zu denen die Touris teilweise mit Jeeps gekarrt wurden, um dann per Dromedar auf eine Sanddüne geschaukelt zu werden – naja, jedem das Seine…
Unser Platz war dennoch sehr separiert gelegen, und wir kamen über eine hohe Sanddüne darauf zu. Wir blieben oben darauf sitzen, aber hier hielt es mich nicht. Als die Sonne immer tiefer ging, tranken die anderen den hochgeholten Kaffee und Tee auf der Düne, während ich umherlief und Fotos machte. Es war zu beeindruckend, die Dämmerung und der Sonnenuntergang hier.
Als es dunkel wurde, war schon Feuer angezündet für das Sandbrot, es wurde Glut gemacht. Ich setzte mich dort etwas abseits, genoß heute ein bißchen die Abgeschiedenheit. Gruppe auf Dauer ist schon auch nicht ohne, auch wenn es überhaupt keine Probleme gab.
Aus dem Sandbrot backen wurde dann ein richtiges Event gemacht, und es war toll anzusehen. Als genügend Glut da war, wurde die Asche aus dem Sand gekehrt und ein großer Hefeteigfladen hineingelegt, der dann mit Glut bedeckt wurde. Es dauerte keine 2 Minuten bis der Teig sich wölbte… Nach vielleicht 5 Minuten wurde abgekehrt, und der Fladen hatte nun schon eine beachtliche Dicke. Einmal wenden und wieder zudecken, um noch ein paar Minuten zu warten, dann war das Brot gebacken. Es wurde sehr gründlich gesäubert und abgekratzt und sogleich für jeden eine Ecke serviert. Es schmeckte fantastisch..
Danach aßen wir wieder unter freiem Himmel und sangen und trommelten schließlich am Tisch (Teppich am Boden). Diesmal ging meine kleine Trommel kaputt, eine Keksdose, die ich als Kind gebastelt hatte, mit Futterseide bespannt und mit Kleber eingeschmiert – das Fell riß. Dem Abend tat es jedoch keinen Abbruch. Zakaria übersetzte den Inhalt eines Liedes für uns – ein Liebeslied, einer Liebe, die starb, weil nichts mehr da war, kein Feuer mehr brannte…
Meine Nacht verbrachte ich wieder mit Sterne gucken und diesmal wollte ich meine neue Kamera ausprobieren. Ich fotografierte in den Himmel hinein, um zu sehen, ob ich den Sternenhimmel abbilden konnte, aber es ging nicht – dazu ist das kleine Gerät zu schwach. Ich schoß ein Bild in den Himmel hinein, das Erste. Beim Anschauen auf dem Display konnte ich erst nichts erkennen…, aber dann, was war das?? Ich zoomte… Da war eine Lichtspur zu sehen, eine Spur, ein Bogen – ich hatte tatsächlich eine Sternschnuppe fotografiert an diesem Abend, in dieser Nacht – was ein Zufall…
30.10.2019
Ich erwachte wieder viel zu früh, um noch in den Himmel blicken zu können. Das Licht war so toll hier. Wir frühstückten wieder im Freien und ich half erneut beim Abtrocknen und Abspülen, weil eh immer schon lange vor den anderen fertig. Mit dem Essen hielt ich mich auf dieser Tour erfolgreich zurück, auch wenn es so irre gut schmeckte, alles, was unser Koch servierte, so wie im Sommer.
Es ging gleich wieder über Dünen los, und ich entschied mich, mich in der Kühle des Morgens auch mal auf das Dromedar zu setzen für eine kurze Strecke. Erleben wollte ich das natürlich mal, auch wenn das Laufen hier meine Berufung zu sein schien. Nach anfänglichen Schwierigkeiten weil einfach ein sehr ungewohntes Gefühl für mich, die Beine nicht auf dem Boden zu haben, ging es dann doch, und es machte sogar Spaß. Ja, man konnte die Landschaft viel besser genießen, und ich sah mehr von dem Wüstenfuchs, der über die Dünen sprang, als die anderen, und ich sah unseren Dromedarführer, wie er losrannte, um einen Sandfisch zu fangen und uns zu geben, bzw. zu zeigen – eine Eidechse im Sand. Dann stieg ich wieder ab. Wir fanden Schneckenhäuser, Muscheln und Korallenähnliches im Sand.
Es wurde langsam wieder heiß, und wir näherten uns einer Oase, in der wir Mittag machten, nahe einem Brunnen. Salat und Nudeln mit Gemüse… Nach dem Essen holte ich mir einen Kübel Wasser aus dem Brunnen und goß ihn über meinen Kopf – die nassen Haare waren sehr angenehm. Danach ging ich spazieren durch die platte Landschaft mit wenigen Palmen und Büschen bis wir alle weitergingen. Es war sehr heiß geworden. Viele hatten damit so ihre Probleme.
Der Lagerplatz lag wieder zwischen Sanddünen. Mit Kaffee und Tee setzten wir uns auf eine, und ich konnte viele Fotos machen vom Himmel, den Dünen und dem Sonnenuntergang. Diesmal zogen ein paar Wolken auf, die das Bild noch irrer erscheinen ließen.
Als die anderen nach dem Essen spielten, wollte ich nicht. Ich setzte mich an das brennende Feuer und genoß es, hier zu sein, einfach nur hier, in diesem Land. Der Koch setzte sich ein bißchen zu mir, und ich kramte all meine französischen Wörter raus, die noch vorhanden waren – eine nette Plauderei. Auch heute wurde noch gesungen und getrommelt am Feuer, die Atmosphäre so toll…
31.10.2019
Heute war unser letzter echter Wandertag. Wir hatten nur noch eine kurze Strecke zu gehen. Nach dem Frühstück galt es wieder zu helfen, dann trotteten wir los, diesmal wirklich nur durch den Sand. Jetzt ging es richtig hohe Sanddünen hinauf und hinunter, der Boden glühte schon bald, und die Bilder waren fantastisch.
Schon mittags waren wir dann am Lager, bevor wir noch an ein paar festen Lagern mit Zelten vorbeigekommen waren. Es gab lecker Gemüse, Salat, Berberomelette und Granatapfel zum Nachtisch. Hier waren wir bis auf das Gruppenzelt, von dem die Wände aufgemacht waren, total der Hitze ausgesetzt. Alle lagen unter Dach, als ich wieder losstapfte. Diesmal nicht zum wandern, sondern zum Zeichnen der Umschläge für die Trinkgelder für Zakaria, den Koch und die Mannschaft. So langsam hieß es Abschied nehmen. Ich zeichnete für Zakaria ein Wüstenbild mit zwei Dromedaren, für den Koch unseren Essenstisch, der aufgedeckt war und für die Mannschaft Zelte, ein Dromedar, Feuer und ein Tambourine. Es sollte allen ganz gut gefallen.
Als wir dann am Zelt saßen kam ein Hubschrauber geflogen. Sonja hatte hier noch nie einen gesehen. Es stellte sich heraus, daß sie einen amerikanischen Promi eingeflogen hatten, damit der eine Nacht in der Wüste verbringen kann – watt ’ne Show… Leute in Uniform auf der Düne bewachten den Lagerplatz des Typen und wehe man kam zu nahe. Auch ein Feuerlöscher stand mitten auf der Sanddüne bereit. Den genauen Zweck dessen erfuhren wir leider nicht. Ob sein Zelt wohl klimatisiert war???
Heute hielt ich mich die Dämmerung über abseits meiner Gruppe, um alles noch aufzunehmen und auch um zu fotografieren. Ich fühlte mich wirklich glücklich hier.
Nach dem leckeren Essen (Engelshaar mit Gemüse und Hähnchenfleisch – wo auch immer sie Letzteres jetzt herhatten…?) sangen wir wieder und verabschiedeten dann die Mannschaft und den Koch. Das waren hier wie auch bei der letzten Tour doch wirklich wieder Momente, bei denen man schlucken mußte – und nicht nur wir. Auch die Einheimischen schienen die Tour mit uns wirklich genossen zu haben. Es war auch eine gute Truppe, die wir da beisammen hatten.
An diesem Tag nahm ich mein Gepäck und eine Matte und schleppte sie weit weg hinter die nächste Düne, um wirklich allein diese Nacht hier genießen zu können. In meinem Schlafsack liegend, die Sterne über mir ließ ich alles nochmal durch meinen Kopf gehen – keine Spur von Unwohlsein, einfach nur Geborgenheit im Sand, in der Weite…
01.11.2019
Das Frühstück verlief diesmal etwas anders. Das Küchenzelt und alles andere war bereits abgebaut – Aufbruchsstimmung. Nach dem Frühstück machten wir noch zwei Gruppenfotos alle zusammen – ich mit meiner Kamera mit Stativ und Selbstauslöser, und dann kamen unsere zwei Jeeps, die uns aus der Wüste rausbringen sollten. Alles wurde bepackt und beladen. Während sie noch packten liefen wir bereits ein Stück voraus, um dann aufgelesen zu werden. Uns stand eine irre Fahrt bevor, auf der wir uns festhalten bzw. vom Dach des Autos abstützen mußten, um nicht mit dem Kopf anzuschlagen. Dem einen Dromedarführer, der noch mit uns fuhr, wurde schlecht, so daß wir halten und ihn vorne sitzen lassen mußten, aber auch das ging letztlich alles gut.
Nach ca. 2 Stunden raus aus der Wüste wartete unser Bus auf uns, in den wir umstiegen. Unser Koch fuhr noch mit, und so kamen wir nach einiger Zeit zu unserem letzten Picknickplatz, an dem er uns nochmal lecker Essen bereitete. Fladenbrot, das er noch in der Wüste gebacken hatte, mit allen möglichen Leckereien, Gurken, Tomaten, Zwiebeln, Thunfisch, Käse, usw. Danach auch Abschied von ihm. So ging es nun weiter bis Marrakesch im Bus, wo wir am Riad abstiegen gegen Spätnachmittag.
Wir teilten uns zu dritt ein Zimmer, gingen abends essen mit fast allen und saßen danach noch auf der Dachterrasse des Riad, um ein wenig Wein und Bier zu trinken. Die Leute paßten wirklich toll und alle waren begeistert von dem Erlebten.
02.11.2019
Dieser Tag war für uns. Die, die noch nicht hier gewesen waren machten eine Stadtführung mit, die ich schon kannte. Sonja, Marion und ich schlenderten durch die Souks. Auch die überforderten mich diesmal nicht mehr so sehr wie bei meinem ersten Aufenthalt hier. Irgendwie verging der Tag.
Abends kam Zakaria nochmal ins Riad, und wir aßen dort gemeinsam leckere Tajine, jedoch nicht zu vergleichen mit unserer Feldküche. Es wurde noch viel und lebhaft geplaudert bis auch die letzte Verabschiedung anstand, die von Zakaria. Da wir versäumt hatten, vorher groß drüber zu sprechen, wer das machen sollte, übernahm ich den Part, und ich denke, meine Worte kamen gut an. Die Stimmung war fröhlich und ausgelassen. Ich fühlte mich sehr sehr wohl.
03.11.2019
Das war das Ende… Mein Flieger ging früh am nächsten Morgen, so daß ich nur noch eine der Gruppe traf, die mit mir zum Flughafen gebracht wurde, die aber einen anderen Flug hatte etwas früher als meiner. Ich flog über Casablanca, wo es regnete. Der Umstieg klappte und auch alles Weitere… Daheim war ich nachts um halb 10.
…auch nach meinem zweiten Aufenthalt in Marokko möchte ich wiederkommen. Es fasziniert mich alles dort, ich fühle mich ein bißchen zu Hause, ein zu Hause, nach dem ich mich zurücksehne und das ich noch besser kennenlernen möchte.
Zu Beginn des Jahres gründete ich eine Wandergruppe, die sich da nennt „Wandern 3F – Fränkische Schweiz, Frankenwald, Fichtelgebirge“. In regelmäßigen Abständen von 4-6 Wochen organisierte ich Touren zwischen 14 und 20km jeweils Sonntags in abwechselnd den 3 Naturparks meiner Heimat. Der Zuspruch war recht enorm, zwischen 7 und 12 Leuten wanderten da jeweils bei den bisherigen 7 Strecken bei bester Laune und kehrten danach wohlverdient irgendwo ein. Insgesamt zähle ich momentan 28 Personen, die bereits bei meinen Wanderungen teilgenommen haben.
Das erste Wandern 3F Special fand im Juni statt – die Tour Neideck 1000 oder auch der Wiesenttaltrail genannt. Ich organisierte das als Einstieg und Vorbereitung für die Bergsaison 2019 auch für mich. Der Weg erstreckt sich über 23km und 1000hm rauf unter runter. Irgendwann später wurde ich von zwei Leuten angesprochen, ob ich nicht mal eine Bergtour in den Alpen für die Gruppe organisieren kann – so eine Einsteigertour mit einer Hüttenübernachtung, und so ergab es sich dann… Es meldeten sich sage und schreibe 13 Leute bei mir an, und so kam es wirklich, daß wir im Oktober mit 3 Autos nach Innsbruck fuhren, um uns dort am Parkplatz der Hungerburg startklar zu machen. Die Gruppe bestand aus 4 blutigen Anfängern, einigen, die schon ein paarmal in den Bergen waren, aber noch nie mit Hüttenübernachtung bis hin zu den Vollprofis, was das alles angeht – ein lustiger Haufen zwischen 22 und 70 (!) Jahren. Das Wetter war perfekt sonnig und warm. Wir stiegen durch den Wald erst sehr gemäßigt bergan bis zwei Steilanstiege kamen und sich die Gruppe dort sehr zerriß wie erwartet. Ich blieb hinten dabei und entschied mich dann sogar einer noch den Rucksack abzunehmen, um noch einigermaßen anzukommen. Einem anderen gab ich meine Stöcke, die ich hier sowieso nicht verwendet hätte. Die 200hm steil bergan mit zwei Rucksäcken, die unbequem zu tragen waren, waren auch für mich kein Zuckerschlecken, aber es ging und nach sehr langer Gehzeit kamen wir auf der Achselbodenhütte an. Die Hütte ist nicht bewirtschaftet, aber liegt wunderbar in einer Lichtung auf der Südseite des Hanges – ein wunderschöner Platz zum Picknick machen. Hier aßen wir etwas und verschnauften und teilten uns dann in zwei Gruppen. Das Brandjochkreuz, das für die Stärkeren als Option angedacht war, war nicht mehr zu machen aus zeitlichen Gründen, aber wir konnten den Höhenweg rüber zur Höttinger Alm noch eine Etage höher begehen zu fünft, während der Rest unten entlang ging. Ein wunderschöner lustiger gemütlicher Hüttenabend sollte es werden, und die Übernachtung in zwei 8er Zimmern verlief reibungslos.
Am nächsten Morgen gab es das gewohnte Hüttenfrühstück und dann sammelten wir uns vor der Hütte – alle wohlauf und bei bester Laune. Die Tour begann mit einem Steilanstieg, auf dem ca. 400hm am Stück zu überwinden waren. Um die Rucksackgeschichte vom Vortag nicht wiederholen zu müssen, ließ ich die Gruppe vorausgehen, die bald weit vor uns war, und bremste das Tempo der beiden, die sich am härtesten taten, extrem ab. Der Plan ging auf. Wir kamen alle am Kreuzungspunkt vom oberen Höhenweg an, machten dort Pause und gingen dann das Stück zur Seegrube. Hier wurde erneut aufgeteilt, diesmal sogar in 3 Gruppen. Zu 6. liefen wir schräg zum Goetheweg und über diesen zur Hafelekarspitze hoch, 4 weitere fuhren zum Hafelekar mit der Bahn, um von dort auf den Gipfel zu gehen, der Rest wartete an der Seilbahnstation. Anschließend fuhren wir ab zurück zur Hungerburg, fuhren heimwärts noch über Denkendorf, wo wir gemeinsam aßen, und ein lustiges Abschlußbeisammensein hatten, und dann ging’s heim. Die Resonanz: Es sind alle beim nächsten Mal gerne wieder dabei.
Der Watzmann… Ich stand vor knapp 10 Jahren oben am Hocheck zu Silvester, wir verbrachten Silvester im Winterhaus des Watzmannhauses, der Berg ging mir nie mehr aus dem Kopf. Es war mein erster Gipfel und die Bilder sind noch heute unvergessen. Ein Gedicht entstand, das sich auf so viele Berge, die noch kommen sollten, ummünzen ließ, und dennoch war es nur für diesen Berg geschrieben.
der Berg so stolz erhaben steht er da – unnahbar unerreichbar nah angsteinflößend die Sinne lösend langsam behäbig geht es bergan mühsam ehrfurchtsam näher rückt die Sonne ferner die Weite ihr Wolken, ich komme Qualen beiseite nichts drückt je weiter man nach oben steigt alles in andrem Licht sich zeigt die Watte ist über und unter einem Gipfel erscheinen tiefer und höher weiter und näher die Luft, die Ruhen Freiheit ohne Suchen die Liebe, die Einsamkeit schutzlos, Geborgenheit nichts ist größer in diesem Moment ohne Dimension ohne Zeit alles lösbar unverklemmt nicht blanke Vision sondern eiserne Wirklichkeit unnahbar unerreichbar nah
Je mehr ich in den Bergen unternahm, kam immer
mehr der Gedanke auf, den Watzmann irgendwann zu überschreiten, und
jetzt war ich soweit. Ich wußte, daß ich es schaffen würde –
technisch und auch konditionell. Ich traf einen möglichen
Tourenpartner, der das selbe Vorhaben hatte, und wir beschlossen,
zusammen loszuziehen. Mein Vorschlag war, in der Gegenrichtung der
üblichen Überschreitung zu gehen, um uns den Abstieg zu ersparen,
und er war einverstanden. Für Mitte Juli waren die Hütten gebucht,
aber als es soweit war, waren Schneefall und Sturm angesagt, was uns
die Tour verschieben ließ. Wir einigten aus auf einen Termin Ende
September, zu dem durchaus nichts mehr dort oben zu machen sein kann,
oder dann eben im nächsten Jahr angreifen. Das Wochenende Ende
September schien gut zu werden. Erst am dritten Tag beim Abstieg vom
Watzmannhaus sollten uns Regenfälle erwarten, also starteten wir.
21.09.2019
Ich fuhr früh zu Hause los, und wir trafen uns um halb 12 an der Wimbachbrücke. Da hier kein Parkplatz mehr zu haben war, mußten wir nach Ramsau fahren und konnten dort die Autos stehen lassen. Gemütlich liefen wir zur Wimbachgrieshütte, um dort nach 2h 15min. anzukommen, nicht nach 3h und mehr, wie die Schilder ausgesagt hatten. Wir waren also gut unterwegs. Dort angekommen tranken wir etwas, bezogen unser Lager und gingen dann noch bergauf, um uns die Einstiegsstelle der Watzmann Südwand anzusehen, wo es morgen richtig losgehen sollte. Leider war der Wetterbericht für den nächsten Tag etwas vage. Am späten Nachmittag sollte es Regen geben. Wir hatten keinen Handyempfang, um nochmal abgleichen zu können. Langsam trafen die Überschreiter diesen Tages auf der Hütte ein in unterschiedlichster Verfassung. Nicht gerade ermunternd – ich hatte riesen Respekt vor dem Berg – aber es war auch klar, daß sich viele hier rumtreiben, die hier nichts verloren haben. So schlecht fühlte ich mich dann doch nicht.
22.09.2019
Wir hatten uns entschieden, am Abend vorher noch Brotzeit geben zu lassen, damit wir früher als der normale Hüttenbetrieb starten konnten, und so klingelte um 5:30 Uhr der Wecker. Um 6 Uhr liefen wir mit Stirnlampen los. Erstmal ging es in Richtung Ingolstädter Hütte – da sollte irgendwann Handyempfang sein. Wir wollten das Wetter noch aktuell checken, aber leider fanden wir die Stelle nicht. Somit liefen wir los durch’s Wimbachgries hin zum Berg. Um 7 Uhr standen wir am Einstieg in den steilen Südaufstieg. Es war so warm, daß wir schon hier auf kurze Klamotten wechselten, und die Stirnlampen konnten wir wieder einpacken. Es dämmerte. Der Aufstieg, über den sich viele im Abstieg beklagen, lief gut an. Steil, grieselich, dann Passagen mit Kette, kurze Gehwege, Fels und wieder Geröll oder Griesel. Es war nicht einfach, aber ich fühlte mich sicher und gut. Irgendwo machten wir Pause und sprachen mit einem, der hier übernachtet hatte sowie mit einem, der gerade schon von oben runter kam. Der Zweite war um halb zwei nachts an der Wimbachbrücke gestartet und nun schon eher am Ende seiner Tour. Weiter ging es steil bergan. Die Wolken, die lange noch flach waren, begannen sich aufzutürmen, aus zwei Richtungen war der Himmel dunkel und wenig vielversprechend. Wir gingen bis ca. 500m unterhalb der Südspitze bis wir uns zum Umkehren entschieden. Wir waren gut schnell unterwegs, schneller als die Zeit auf den Schildern aussagte, und es war klar, daß wir spätestens an der Südspitze umdrehen würden. Diese 500m hoch und wieder runter wollte ich meinem Knie ersparen, auch wenn es echt super mitgemacht hatte bis dahin. Ja, wir liefen den ganzen Mist wieder runter, und ich muß sagen, auch den Abstieg auf diesem Weg hatte ich mir wesentlich schlimmer vorgestellt. Es lief und ich war top in Form, aber leider sollte es nicht sein. Bitter war, daß das Wetter wieder besser wurde, indem wir runterliefen, aber wer weiß, wofür es gut sein sollte!? Wir haben abgebrochen, sind runter bis zum Auto, und ich bin heimgefahren – das war’s…
Ich weiß nicht, ob ich wiederkommen werde. Der fast schon Massentourismus hat mich abgeschreckt, und noch mehr die Leute, die an dem Berg nichts verloren haben und wirklich ihr Leben riskieren, ohne es scheinbar zu wissen. Vielleicht gehe ich die Überschreitung nochmal wochentags an, wenn es paßt, aber es ist kein Muß mehr. Die Erfahrung, die ich daraus gezogen habe ist die, daß ich es schaffen würde. Es ist eine ellenlange Tour, aber die Kraft dazu bekomme ich hin und technisch hatte ich mehr Bedenken vor dem Südteil, den ich ja nun kenne, als vor dem Grat. C’est la vie – es sollte nicht sein…
…es gibt nicht sooo viel zu sagen. Es war eine Tagestour mit sehr viel Autofahrt, aber für dieses Bergwetter und -panorama hat es sich absolut gelohnt!!
Rezept: Man nehme 5 Leute mit guter Laune und Lust auf Berge, packe sie ins Auto, fahre nach Garmisch und los geht’s… Zubereitung: sehr simpel
Über meinen Nachbarn kam ich zu einer neuen Wandergruppe, die so 3-5 Touren im Jahr in den Alpen unternimmt. Ich kannte niemanden im Vorfeld, da mein Nachbar bei dieser Tour keine Zeit hatte, aber Stubaital war ich noch nicht so oft, und die Beschreibung hörte sich gut an – so entschloß ich mich, teilzunehmen und einfach mal mitzulaufen, ohne selbst die Planung übernehmen zu müssen. Am Tag vor der Abfahrt packte ich meinen 40l Rucksack. Inhalt zu dem normalen Wanderzeug waren diesmal Steigeisen für den Notfall, Klettergurt und Klettersteigset, was wir letztendlich alles nicht brauchen sollten, aber so ist das manchmal.
29.08.2019
Früh um halb 6 startete ich in Richtung Rückersdorf, wo ich auf drei andere traf, mit denen ich mitfahren konnte. Im Auto konnte man sich schon etwas austauschen, und kurz vor der österreicheischen Grenze, wo wir die Vignette kauften, stieß dann das zweite Auto hinzu. Wir waren insgesamt 6 Leute. Wir fuhren zum Parkplatz der Nürnberger Hütte im Stubaital und fuhren von dort noch mit dem Bus zur Grawa Alm, von wo aus wir zu Fuß starteten auf ca. 1530m. Es war sehr bedeckt aber trocken bis dahin. Der Weg führte uns anfangs durch Wald nahe einem tollen Wasserfall, der uns mit seiner Gischt berieselte, über ätzende Bretterbrücken. Der Weg wurde schnell steil, naß, matschig und rutschig. Hier war wohl einiges den Hang abgerutscht im letzten Winter, aber wir kamen gut durch und dann zu einem Plateau mti Alm hinauf. Hier begann es zu nieseln, so daß wir Regenklamotten anlegen mußten. Hinter dem Plateau erfolgte noch ein steiler Anstieg bis zur Sulzenauhütte auf 2191m. Dieser glich einfachn Bergpfaden und machte trotz dem Niesel echt Spaß und Vorfreude auf die nächsten Tage.
Am frühen Nachmittag schon angekommen auf der Hütte, tranken wir erstmal Kaffee und entschossen uns dabei, noch den Klettersteig vor der Hütte zu machen oder einfach noch ein Stück zu laufen. Wir gingen dann zusammen bis zum Sulzenausee unterhalb des Sulzenauferner auf ca. 2490m, was eine herrliche Fotokulisse darstellte. Runter ging’s recht zügig den gleichen Weg zurück, da das Abendessen rief. Es war bei diesem Ausflug wieder trocken und die Sonne scheinte durch.
Es gab Abendessen à la carte und dann noch einen gemütlichen Hüttenabend. Die Nacht verbrachten wir gemeinsam im 6-Bett-Zimmer.
30.08.2019
Wir wollten um 7.30 Uhr starten, also vorher Frühstück und alles packen. Die Tour hoch zum Wilden Freiger stand bevor. Das Wetter sollte vormittags auf jeden Fall gut bleiben, nachmittags unbeständig, aber wohin es eben kam war ungewiß. Wir liefen bei blauem Himmel los, allerdings lange im Schatten der Berge. Schöne Bergwege, tolle Teiche und Tümpel, die blau erschienen und die umliegenden Berge spiegelten, dem Grünausee, dann steiler, schottericher, geröllicher und vorbei an Schneefeldern hinauf zur Scharte auf knapp 2800m.
Hier machten wir Pause bei umwerfenden Blicken in alle Richtungen Danach gab es mehr Gesteige, etwas Kletterei, Schneefelder, immer wieder leicht bergab und -auf zum Signalgipfel und schließlich dem Wilden Freiger mit 3418m. Das Wetter war nicht mehr ganz so toll, aber einigermaßen stabil, so daß wir den Gipfel ohne Bedenken machen konnten, bevor der Abstieg zum Becherhaus auf 3195m folgte.
Die Landschaft, die uns umgab war eine tolle Gletscherlandschaft in allen Richtungen mit teils riesigen Spalten, und so ging es hinüber über den Grat, der sehr viel seilversichert ist, über Blockwerk. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit absolut erforderlich.
Als wir auf der Hütte ankamen, war es noch recht füher Nachmittag und irgendwie kalt. Der Wind hatte uns trotz Sonne den ganzen Tag über ausgekühlt. Nach ein bißchen Aufwärmen in der Hütte kam aber doch wieder die Sonne raus und wir genossen noch ein paar schöne Stunden draußen, wo ich auch meine Dehnübungen machen konnte für’s Knie, das bis dato super gehalten hatte – zum ersten Mal mit Gletscherblick auf einer Sonnenterrasse.
Das Becherhaus ist noch eine recht einfach Hütte ohne Dusche, ohne Warmwasser, man bekommt Halbpension, ob man will oder nicht. Wir schliefen im 4-Bett-Zimmer, zwei von uns in einem anderen. Urig ist die Hütte – das muß man sagen!
31.08.2019
Wir starteten wieder gegen halb 8. Es war etwas kühler hier oben und steil ging es bergab, seilversichert und nicht ohne, aber einfach nur toll. Wieder tolles Wetter, gigantisches Gletscherpanorama mit vielen Bergseen aus Aussichten. Hinunter, dann wieder steil hinauf, einfach Berge genießen, um dann über eine Scharte zu kommen, die uns hinüber zur Nürnberger Hütte (2297m) führen sollte – wiederum steil bergab, dann über eine Hochebene mit Ziegen und Schafen, als Hintergrundgeräusch immer Bergbäche und Wasserrauschen.
Recht frühzeitig angekommen auf der Nürnberger Hütte gab es erstmal Kaffee und Kuchen etc. bevor wir beschlossen, noch auf die Mairspitze hochzughen auf 2780m. Als wir ca. 400hm oben waren, war es ringsum recht schwarz geworden und es donnerte dreimal, so daß wir beschlossen, umzukehren. Schnell gingen wir zur Hütte zurück. Wettertechnisch passierte nichts, aber alles war ok so. War noch gut zum Auspowern die Strecke.
Auf der Hütte war duschen angesagt und wieder ein netter Hüttenabend mit viel Salat diesmal.
01.09.2019
Heute
hieß es nur noch ca. 2 Stunden absteigen zum Auto und heimfahren.
Das erledigte sich quasi von allein. War eine tolle Tour in einer
tollen Landschaft – wie schön wir es doch haben hier.
…Bilder sagen oft mehr als tausend Worte – ein gigantisches Gebirge… Es war eine Tour, die ich mir gewünscht hatte, und der Wunsch ging zur Hälfte in Erfüllung. Leider mußten wir nach drei Tagen abbrechen, da ein Wintereinbruch kam mitten im August. Es hat an diesem 26.8., an dem wir auf der höchsten Berghütte Europas (der Regina Margherita Hütte auf 4454m) hätten übernachten wollen, bis auf 1200m runter geschneit, was uns bei der Heimfahrt aus der Schweiz über die Pässe auch noch ordentlich zu schaffen gemacht hat. Das Runterkommen vom Berg war ein Erlebnis, ebenso wie die drei Tage davor – einfach unvergeßlich!!!
Als ich Mitte Dezember auf hoehenrausch.de auf die Berge-Meer Tour von Sonja stieß, wußte ich noch so gut wie nichts über Marokko. Es war einfach die Art und Weise der Ausschreibung der Reise, die mich neugierig machte, und da auf meine Anfrage sofort eine so nette Antwort kam, war mein höchstes Interesse geweckt. Ein paar Mails und Infos hin und her, und es stand fest, daß ich die Mgoun-Tour im Sommer machen wollte – 12 Tage Trekking im Hohen Atlas mit marokkanischem Bergführer, Mulis, Muliführern und Koch zusammen mit einer Gruppe, die erst noch gefunden werden mußte. Das alles war privat organisiert, und da Sonja derzeit in der Ferne im Sabbathjahr verweilte, bot ich mich an, die Tour mit auszuschreiben und zu versuchen, auch Leute zu bekommen.
Nach einiger Organisation, Emails und Telefonaten stand im März fest, daß wir die Reise starten würden, und wir buchten Flüge. Zwei Frauen hatte ich aufgetan, die mit mir von Frankfurt aus fliegen sollten, und eine noch von Memmingen. Ausrüstung war komplett, nachdem ich mir etwas Langarm- und -beinkleidung besorgt hatte sowie einen dicken Schlafsack. Die restliche Trekkingbekleidung war klar. Ich war gespannt, was auf mich warten würde.
Kurze Unruhe gab es noch, als man uns 4 Wochen vor der Reise die Flüge alle drei annullierte, aber wir fanden zum Glück noch alle Platz im Ryanair Flieger von Memmingen aus und bekamen zum Glück auch unser Geld vom Air Arabia Flug zurück.
Die letzten Wochen bevor es losging, freute ich mich wie verrückt auf alles Neue, was in Marokko auf mich wartete.
27.07.2019
Mein großer Packsack stand mit 11kg bereit, und ich stand um 4 auf, um um 5:30 in Bayreuth und zu zweit um 6:30 in Schwabach zu sein. Wir kamen super durch trotz Ferienbeginn und trafen am Flughafen auf zwei weitere Teilehmerinnen der Gruppe.
Beim Flug klappte alles, auch bei der Ankunft am Flughafen, und dort wurden wir abgeholt, um ins Riad gebracht zu werden, mitten in Marrakesch ganz nah am großen Platz Djemaa el Fna in der Altstadt.
Nach kurzem Zimmer beziehen gingen wir zum Geldwechseln und schlenderten durch die Souks. Mir war das anfangs sehr unangenehm – man wird einfach überall angequatscht, weil sie ihr Zeug verkaufen wollen. Wie sehr freute ich mich auf die Berge!
Zurück im Riad trafen wir auf die letzte Teilnehmerin. Sonja sollte erst abends zu uns stoßen. Dann kam unser Bergführer, begrüßte uns kurz und ging mit uns zum nahegelegenen Lokal, um auf einer Dachterrasse über der Stadt etwas zu essen. Außerdem legte er noch den Plan für den nächsten Tag dar, bevor Sonja kam und wir somit endlich endgültig alle komplett waren.
Das Bett rief bald – es war ein langer Tag gewesen.
28.07.2019
Um halb 8 frühstückten wir auf der Dachterrasse des Riad bevor es im Kleinbus losging in Richtung Berge. Hier im Bus war ein bißchen Zeit, sich auszutauschen, und Bergführer und Busfahrer unterhielten sich lautstark und sangen – ein erster Vorgeschmack auf die marokkanische Mentalität.
Bei einer Pause dann gab es Picknick unter Bäumen auf einem Paß mit schon recht schöner Sicht auf die Berge. Nomaden aus der Nähe brachten uns Tee.
Am Nachmittag dann trafen wir endlich unsere Mannschaft und die Mulis mit ihren Führern. Die Begegnung war noch sehr fremd. Sie sollten unser Gepäck auf die Mulis packen und dann folgen. Wir starteten mit Tagesrucksack. Die Wanderung heute dauerte nur ca. 2 Stunden bergauf auf schmalen Bergpfaden, bis wir ein tolles Plateau erreichten und zusammen mit den Muliführern wurden die Zelte aufgebaut. Kurz darauf bekamen wir Tee und Kekse, zum ersten Mal nun von unserem Koch für die Tour. Hierfür wurde eine große Decke aufgeschlagen im Freien, um die man dann ringsum auf unseren Schaumstoffmatten für die Nacht saß.
Zum Abendprogramm saß Sonja da, spielt Guitalele und sang, wir liefen zu dritt noch eine kleine Runde und zum Abend gab es erstmals leckerstes Essen aus unserer Berberküche – Reis, Gemüse und zartestes Rindfleisch. Wie uns diese Küche noch überraschen sollte, ahnten wir bis dato noch nicht.
Als alles getan war, machte unsere Crew Feuer und begann zu singen, ums Feuer zu tanzen mit Tamburin und noch ner Felltrommel. Zögerlich stellten wir uns dazu und klatschten und tanzten zaghaft mit. Trotz wenig Verständigungsmöglichkeiten mit den Muliführern entstand schnell eine recht freudige, lachende Runde – das erste Eis war gebrochen. Die Leute sprechen hier ihre Berbersprache (ⵜⴰⵎⴰⵣⵉⵖⵜ Tamaziɣt). Französich sprach nur der Koch, und unser Bergführer auch sehr gutes Deutsch. Eine so tolle Atmosphäre unter dem irren Sternenhimmel – wüßte nicht, wann und wo ich so einen schonmal gesehen haben könnte. Ganz deutlich und hell zu sehen die Milchstraße.
Wie es jeden Abend der Fall werden würde, gingen wir recht früh schlafen.
29.07.2019
Um 7.30 Uhr gab es das erste Frühstück unserer Trekkingtour. Auch hier fehlte es an nichts. Es gab löslichen Kaffee oder Berberkaffe, Tee, frischen Orangensaft, Weißbrot, Marmelade, Honig und Streichkäse.
Wie es jeden Tag ablaufen sollte, wurden unsere Taschen von den Mulis getragen, wir selbst gingen wieder mit Tagesrucksack. Die Einblicke ins Land waren fantastisch heute – eine Landschaft wie im Film, Blicke auf rote und grüne Täler, noch ziemlich viel Baumbestand, weil noch recht weit unten, Steineichen und Wachholder, wie hier überall zu finden. Ab und zu begegneten uns Ziegen. Auf steinigen tollen Bergpfaden ging es bergauf und bergab, nach 2-3 Stunden gab es Nüßchenpause und nach ca. 4 Stunden erreichten wir einen schattigen Platz unter einem Walnußbaum, an dem unser Koch bereits seine Feldküche aufgebaut hatte und fleißig war. Unsere Sitzgruppe war bereitgelegt und zwei der 5 Muliführer waren mit ihren Tieren anwesend, um alles zu richten. Auch das sollte jeden Tag so sein. Die Mulis, Muliführer und Koch gingen stets nach uns los, wenn sie alle Zelte und Ausrüstung verpackt und aufgeladen hatten, und überholten uns dann kurze Zeit später, um wieder für uns vorzubereiten. Wirklich ein irres Pensum, was sie alle zusammen geleistet haben.
Nach dem Essen (frischer Salat wie jeden Mittag und dann Ratatouille, danach Melone) war jeweils meist eine Stunde Ruhepause, in der die anderen die Augen zumachten. Ich ging umher, fotografierte und wechselte ab und zu ein paar Worte gebrochenes Französisch mit dem Koch.
Nachmittags liefen wir noch 2 Stunden bis zu unserem heutigen Lagerplatz nahe einem Dorf am Fluß unter Walnußbäumen. Als wir ankamen gab es gleich wieder Tee und Kekse, dann wuschen wir ein bißchen Wäsche und ich machte mich mit Sonja auf den Weg, um hinter ein paar Flußbiegungen im Wasser mit einem kleinen Eimerchen zu „duschen“. Anschließend spielte sie Guitalele und wir sangen gemeinsam. Kinder aus dem Ort kamen und schauten zu, bzw. klatschten dann auch mit. Zum Essen gab es Suppe und dann Couscous mit Gemüse, Lammfleisch und Gemüsesauce – wieder nur vom Feinsten.
Wieder ging es bald zu Bett, aber die Nachtruhe sollte heute nicht lange anhalten. Ein irrer Sturm kam auf, mit dem hier wohl keiner gerechnet hatte. Erst stand ich auf, um meine Wäsche aus den Bäumen zu retten, später um die Heringe unseres Zeltes neu zu befestigen und noch ein bißchen abzuspannen. Auch einige andere und die Mannschaft waren lange beschäftigt, um weitere Zelte, auch das Küchenzelt stabil zu bekommen. Die Zeltstangen bogen sich bis sie fast platt am Boden lagen, und so richtig die Augen schloß dann wohl niemand mehr.
30.07.2019
Am Morgen hatte der Wind etwas nachgelassen, aber nicht ganz. Es war sehr warm.
Nach der Morgenwäsche, der Frühstücksprozedur und allem Packen ging es los, den Fluß aufwärts, sehr lange durch das Tal leicht bergan durch irre Felslandschaften und sehr grüne Ecken. Es war weiterhin sehr warm, die Sonne stach herunter, aber der Wind war ebenfalls sehr stark. Die letzte Stunde vor dem Mittag stieg der Pfad steiler an und wir landeten zur Pause im Schatten eines Felsen in überwältigender Landschaft mit tollem Farbspiel zwischen Steinen, Pflanzen, dem blauen Himmel und ein paar vereinzelten weißen Wolken. Leider wehte der Wind uns ziemlich viel Dreck auf unser Essen, so daß das nicht ganz der Genuß war, aber es schmeckte trotzdem, der Salat und die Linsen im Anschluß.
Nach dem Essen wieder Ruhepause, ich spazierte ein bißchen umher, schrieb mein Tagebuch, fotografierte und hängte die Füße in ein Bächlein, das etwas unterhalb vorbeifloß. Es folgte noch ein Anstieg, bei dem das Tempo wieder sehr langsam war, dann ein Abstieg zum Lagerplatz in einer Senke. Es waren heute wohl so 1000hm hoch und 600 runter – das kam von Pensum her schon eher in meine Richtung, allerdings kam mir alles weniger vor, was evtl. dem langsamen Tempo geschuldet war.
Wir waren hier in der Nähe eine Quelle, wo einige andere zum Waschen hingingen. Ich hatte ja gestern geduscht und machte nur Katzenwäsche mit Eimerchen. Ich hatte Kopfschmerzen heute vom Wind und die Augen schmerzten wohl ebenfalls zwecks Wind und Sand darin.
Wie fast jeden Tag machte ich meine Kniedehnübungen im Zelt. Bislang merkte ich nichts von meinen Knieproblemen, auch wenn ich die ganze Zeit ohne Stecken unterwegs war. Das baute mich echt riesig auf.
Zu Essen gab es Spargelsuppe, Gemüse und Obstsalat zum Nachtisch.
Unsere Jungs machten dann wieder Feuer, tanzten, trommelten und sangen, aber mein Kopf tat weh, ich wollte nicht mehr mitmachen, und so setzte ich mich abseits auf einen Stein, schrieb ein bißchen und schaute den anderen zu. Es machte so glücklich, diese Stimmung zu sehen – diese kleine Glückseligkeit, wenn man zusammen Musik machen und lachen kann. Ich wollte das nächste Mal unbedingt wieder mitmachen.
31.07.2019
Heute Nacht habe ich zum ersten Mal auf der Tour gut geschlafen. Es gab gleich zu Beginn einen steilen Anstieg so um die 1000hm über viel Geröll etwas alpiner bis zu einem Paß auf 3200m. Man hatte hier wieder eine tolle Aussicht, und wir verweilten ein bißchen mit Nüssen und trinken. Ich fand auf dem Weg eine kleine Versteinerung. Hatte mir aufgrund des langsamen Tempos angeeignet, ganz hinten zu gehen und hinterherzuträumen. Ich konnte fotografieren und Steine anschauen und war trotzdem mehr als relaxed immer und nie außer Atem.
Nach ein paar Metern über die Höhe ging es wieder 300m hinab zu einem Bach, wo wir Mittag machten. Hier konnte ich mir die Haare waschen. Zum Essen gab es Grünzeug und Berberomelette im Tajine, danach Orangenscheiben mit Zimt. Als danach wieder fast alle schliefen (es war heiß und der Wind zumindest hier nicht so zu spüren), lief ich mit einer anderen den Bach aufwärts entlang, und wir badeten an einer Stelle, wo es ein richtiges Becken gab. Herrlich, so im klaren kalten Wasser zu liegen!
Von hier aus war es noch ca. eine Stunde über ein Plateau zum Lagerplatz. Hier waren mehrere Gruppen zum Übernachten und es gab auch eine Berghütte.
Nun wurde es ernst. Morgen war der optionale Gipfel zu machen, ein 4000er der Mgoun-Kette. Unser Bergführer meldete an, daß nicht jeder da mitkommen könnte und so sollten wir nur zu dritt mit ihm gehen am nächsten Tag.
Abends gab‘ es noch ein Spiel Heckmeck, was die Stimmung einigermaßen hielt, nachdem es doch einige enttäuschte Mienen gegeben hatte.
01.08.2019
Um 4 Uhr wurden wir geweckt, bzw. waren schon wach. Heute lief es etwas anders. Unsere Begleitmannschaft ging unten, und so mußten wir Brotzeit selbst einpacken. Zum Frühstück gab es diesmal auch Müsli, und der Koch hatte schon frisches Brot gebacken. Es war wohl die erste Tour, bei der der neue kleine Gasbackofen mit an Bord war – herrlich. Auch die Klamotten fielen diesmal wärmer aus. Skiunterhemd und Daunenjacke, im Rucksack noch Handschuhe, Mütze und Skiunterhose, was ich aber alles nicht brauchen sollte. Mit Stirnlampen liefen wir um 5 los. Es ging ein paar Meter recht flach, dann gleich steil hinauf, und auch das Tempo hatte sich geändert. Heute stand eine richtige Bergtour an – 1200 Meter hoch und ca. 1300 wieder runter.
Langsam wurde es hell, als wir am steilen Hang liefen, stetig alpin bergan und auch noch steiler ein Stück im feinen Geröll. Es war windig, aber das Wetter sah stabil aus. Ziemlich weit oben dann wieder etwas flacher, Querung eines Hanges auf gleicher Höhe und dann ging es auf den Grat hinauf, auf dem so ca. 2 Stunden Gehzeit veranschlagt waren. Hier traf es uns – es war richtig stürmisch. Eine von uns bekam anfangs schon schlecht Luft ab ca. 3700m, und weiter oben spielte dann noch ihr Magen verrückt, dazu kam, daß es teilweise wirklich nicht einfach war, sich zu halten. Man lief so zu und plötzlich kam eine Böe, die einen einen halben Meter nach links versetzte. Wir waren die einzigen, die an diesem Tag auf den Gipfel gingen, alle anderen kehrten um. Es war schon wirklich grenzwertig da oben, und auch unser Bergführer, der ja schon Schnee und alles mögliche hier oben kannte, hatte es so wohl noch nicht vorher erlebt gehabt.
Es war so gut, daß wir nur zu viert unterwegs waren. Er mußte eine von uns führen, und auch für mich war das hier wirklich eine Grenzerfahrung, mit der ich aber dank guter Kondition und keinerlei Höhenproblemen gut zurecht kam. Irgendwann standen wir nach vielen kurzen Pausen tatsächlich oben auf 4071m laut Gipfelkreuz. Hier war die Stimmung kurzzeitig dann doch sehr glücklich und ausgelassen für uns alle. Nun mußten wir aber auf der anderen Seite wieder runter, und der Wind ließ nicht nach. Es war steil und tiefes Geröll zum Abfahren. Meine Knie muckten kein bißchen, auch hier ohne Stöcke unterwegs genoß ich es fast, den Berg runterzulaufen, was ich mir noch vor einem halben Jahr nie hätte träumen lassen können.
Etwas unterhalb tranken wir einen Schluck Gipfelschnaps, und es ging dann auch unserer etwas Höhenkranken bald viel besser, als die Höhe wieder nachließ. Hatte mir oben wirklich Sorgen gemacht um sie. Im Abstieg kamen uns noch 2 Dromedare allein entgegen – was für ein tolles Bild – und dann nach 7,5h gesamt gab es endlich eine längere Pause, in der wir was essen konnten. Ab hier ging es nur noch steil und zügig bergab, später noch ein Hatsch durch ein trockenes Flußbett. Nach gesamt 10 Stunden waren wir am nächsten Lagerplatz, erschöpft, glücklich – ein wahnsinniges Erlebnis hinter uns.
Die Stimmung hier unten war leider nicht die Beste. Eine hätte wohl unbedingt mitkommen wollen auf den Gipfel, aber das wäre wirklich Nonsense gewesen. Für uns, die wir wußten, was wir erlebt hatten, war es perfekt so wie es war. Es war auch so schon problematisch genug.
Für uns gab es gleich Nudelsalat, Gemüse, Melone und Tee, ich konnte aber nicht viel essen. Die Erlebnisse des heutigen Tages in meinem Kopf und die Anstrengung, das war einfach genug.
Später ging ich zum Bach baden und Wäsche waschen, dann gab es Abendessen und Heckmeck spielen, nachts wieder irrer Wind und sehr viel Staub auch im Zelt.
02.08.2019
Früh noch immer Wind, aber alles doch besser als Regen, von dem wir noch nichts abbekommen hatten. Heute war eine kurze Etappe geplant. 4 Stunden zu einem tollen Lagerplatz am Wasser. Essen, Wäsche waschen, Spaziergang zur Badestelle im Bach, dann Ruhe genießen und Füße ins Wasser hängen – wahnsinns Bilder mit den Mulis um unsere Zelte herum und der verrückten Landschaft.
Ich denke, hier war der Tag, an dem es zum ersten Mal nachmittags Kuchen gab, was dann noch öfters geschehen sollte. Der Koch begann wohl, seinen neuen Ofen zu lieben.
Wir sangen noch ein paar Lieder zum Guitalelenspiel von Sonja, aber nach dem Abendessen war so ziemlich Ende. Ich schaute dann im Zelt noch Bilder an und schrieb. So früh schlafen war nichts für mich.
03.08.2019
Heute gab es um 7 Frühstück, also etwas früher. Es sollte ein langer Tag werden, weil umgeplant wurde. Zwei Tagesetappen zusammengelegt, dafür ein Tag mehr Spielraum am Ende. Darüber freute ich mich sehr. Allerdings erwachte ich mit Halsschmerzen, die mir etwas zu schaffen machten. Es war sehr warm und eine tolle Tour, Steinformationen teils ähnlich der Fränkischen, nicht so anspruchsvoll, aber es gab tolle Bilder. Mittags saß ich und begann die Landschaft zu zeichnen, während die anderen schliefen. Warum war ich da nicht vorher drauf gekommen?
Abends waren wir dann in einem Dorf, unser Lagerplatz sehr klein aber toll, nur die Leute alle wieder müde. Wir begannen zu viert ein Kniffel, das nie zuende gespielt wurde und um halb neun wollten plötzlich fast alle schlafen. Langsam wurde mir das doch etwas zu nervig. Zum Glück kamen dann noch Jungs aus dem Dorf (Teenageralter plus minus) und unsere Crew machte „Feuer“ mit ner Gaslampe. Ein paar von uns waren dann doch dabei, und es war so ziemlich der schönste Abend der Reise letztendlich wieder mit Musik, singen tanzen, klatschen und trommeln. Ach, wie werde ich das vermissen.
04.08.2019
Heute hieß es schon um 5 Uhr aufstehen, Start um 6.15. Wir stiegen 1200m hoch auf 3500. Es war ein anstrengender Anstieg auch für mich aufgrund meiner Halsschmerzen, aber dennoch wieder tolle Landschaft und einfach erfüllend. Meine Zehen machten mir langsam zu schaffen. Alles war abgeklebt, aber die rechte Kleine war schon sehr demoliert. Mittags gab es nur ein Picknick vom Koch, diesmal kalt, aber dennoch so lecker, und unser Lagerplatz war wieder sehr idyllisch gelegen in einer Senke. Waschen war an einer Quelle, alles erledigen, und dann gab es wieder Singen, Trommeln auf Kanister und auch die Muliführer sangen und trommelten zu unserer Musik. Das Zusammenleben hatte nun wirklich gewonnen und ich glaube, wir alle haben es sehr genossen.
05.08.2019
Heute war der Morgen wieder entspannt und wir halfen dem Koch noch beim Abtrocknen. Routine hatte sich eingestellt, und ich war sowieso immer schneller zum Gehen bereit als die meisten anderen. Gepackt und versorgt war ohnehin schon immer alles am Abend. Den heutigen Marsch empfand ich als Hatsch mit wenig Abwechslung der Bilder, aber so ist das eben. Meine Zehe schmerzte sehr, und so war ich nicht ganz unzufrieden. Die Weite der Landschaft war herrlich an diesem Abend.
06.08.2019
Heute 50er Geburtstag einer Teilnehmerin. Wir sangen schon am Morgen für sie, dann wandern in glückliche Tal, das Ait Bouguemez. Ich lief ab der Nüssepause in Sandalen, weil Zehe nicht mehr mochte. In der Mittagspause zeichnete ich auf den Umschlägen als Dankeschön für die Muliführer und den Koch. Bald würde es heißen Abschiednehmen.
Es gab nach unserer Ankunft erstmal Kuchen und Luftballons für das Geburtstagskind. Später Abendessen und singen, Bedanken bei den Muliführern – die waren so toll – und sie bedankten sich auch bei uns. Der eine war so glücklich, daß er mal die Guitalele in die Hand nehmen und spielen durfte. Das beeindruckt schon sehr.
Spielten dann noch eine Runde Kniffel, aber ich war nicht müde. Wollte mich raussetzen mit Stirnlampe und schreiben, aber da waren zu viele Insekten, also hab‘ ich wieder im Zelt noch ewig gebraucht zur Ruhe zu kommen mit schreiben und zeichnen.
07.08.2019
Nach dem Frühstück gab es ein Gruppenfoto – das Letzte mit allen zusammen. Gleich verabschiedeten sich dann drei von den Muliführern. Der Weg vom Plateau runter war sehr steil. Eine von uns konnte kaum mehr laufen, so organisierte unser Bergführer eine Mitfahrgelegenheit. Sie hatte Probleme mit dem Knie. Ach, wie glücklich war ich doch, daß mich das nicht mehr belastet hat mit den Dehnübungen fast täglich und ohne Stöcke die gesamte Tour über außer die letzten beiden Stunden vom Gipfel runter.
Wir liefen zwischen Gärten und Plantagen zum Berg eine Opferstätte und dort steil hinauf. Wir bekamen da Tee und konnten uns den Bau ansehen, ein Rundbau, der früher ein Wachposten war mit vielen Zimmern und einem Dachplateau. Hier war viel Aussicht auf die umliegenden Berge und Dörfer.
Essen gab es unten wieder unter Bäumen in der Nähe der Ortschaft. Danach schliefen wieder alle, und ich schrieb und schaute… Die letzten beiden Muliführer verabschiedeten sich. Anschließend liefen wir zur Gite d’étappe, in der wir heute übernachten sollten. Es regnete zum ersten Mal auf unserer Tour in den letzten 20 Minuten oder so. Nun konnten wir duschen, umpacken, auf der Terrasse sitzen und unsere Zimmer beziehen. Hier wieder ein richtiges Bett, das ich nicht vermißt hatte nach den wirklich bequemen Matratzen im Lager. Wir aßen zusammen am niedrigen Tisch, ein letztes Abendessen von unserem Koch, und wir sangen und verabschiedeten uns nun auch offiziell von ihm, auch wenn es morgen nochmal Zeit zum frühstücken von ihm gab und er mit uns nach Marrakesch fuhr.
08.08.2019
Frühstück in der Herberge, dann hieß es einsteigen in den Bus, der uns schon hier ins Tal gebracht hatte vor über einer Woche. Man konnte auf der holprigen Fahrt nochmal alles revue passieren lassen, und es gab letzte Einblicke zurück in die Berge, bevor wir endgültig in der Zivilisation zurück waren. Unterwegs eine Kaffeepause und später was essen, und um ca. 15 Uhr dann Aussteigen in Marrakesch. Das Hineinstürzen ins Getümmel des großen Platzes bei über 40 Grad war wie ein Schlag ins Gesicht, aber es hieß einfach Augen zu und durch.
Im Riad bezog ich mein Zimmer mit Sonja, und wir liefen nochmal über den Markt und gingen dann einen Melonencocktail trinken auf einer Dachterrasse – natürlich alkoholfrei.
Ich kaufte mir eine Djembé. Mir hatte das Trommeln so viel Spaß gemacht unterwegs, so daß dies mein Andenken werden sollte, ja, und ich fand es sogar lustig in dem Musikladen in den Souks. Der eine hier hatte echt was drauf, konnte super trommeln und wußte, wovon er sprach – zum Glück auf Englisch. Ich entschied mich für eine ganz Schlichte mit Keramikkorpus und Ziegen- oder Schafhaut überzogen. Es gab auch welche, die mit Fischhaut bespannt waren. Darauf wäre ich bislang nie gekommen.
Abends besorgten wir alle zusammen etwas zu essen und saßen auf der Dachterrasse des Riad noch etwas zusammen mit einer kleinen Dose Bier und dann einer Flasche Wein – diesmal mit Volumenprozent.
Sonja und ich nahmen uns noch ein Bier mit auf’s Zimmer und quatschten noch eine Weile. Die Luft in der Gruppe war irgendwie raus, und es wurde Zeit, daß die Reise zu Ende ging. Wir beide aber verstanden uns wirklich sehr gut.
09.08.2019
Heute früh ging es gleich los zur Stadtführung, auf die ich im Nachhinein lieber hätte verzichten sollen. Mein Kopf war einfach noch in den Bergen und nicht aufnahmefähig. Zudem ging es mir wirklich zu sehr ins Detail um Dinge, für die ich ohnehin nicht geschaffen bin. Egal, es ging vorbei. Danach traf ich mich kurz mit Sonja auf einer weiteren Dachterasse, um einen Orangen-Karottensaft zu trinken, und dann verzogen wir uns ins Zimmer. Ich schrieb an ein paar Leute nach Hause, bekam auch prompt nicht wirklich erfreuliche Neuigkeiten zu hören, und kam so ein bißchen runter.
Abends trafen wir uns ein letztes Mal mit unserem Bergführer zum Essen und zum Verabschieden. Auch für ihn hatte ich noch einen Umschlag gezeichnet, in dem wir unser Trinkgeld übergeben konnten. Nachdem wir zusammen noch draußen gesessen haben, lief ich mit Sonja nochmal über den großen Platz. Es war ein wildes buntes Treiben wie jeden Tag hier bis in die Nacht. Gesänge, Spiele, Getrommel, Tänze, einfach irre, was da auf den Beinen war jeden Tag.
Auch heute gab es noch ein Bier im Zimmer, wieder quatschten wir noch lange, so daß mir nur drei Stunden zum Schlafen blieben. Samstag um 4 Uhr sollten wir zum Flughafen abgeholt werden. Die Reise war vorbei, und der Rückflug sollte reibungslos klappen.
Mein Schwebezustand und die unglaublichen Eindrücke werden aber wohl noch einige Zeit anhalten und nachwirken – ich bin geflasht von dem Land, von den Bergen, den Leuten, der Mentalität derer, die ich kennenlernen durfte. Ich bin mir fast sicher, daß ich eines Tages hierher zurückkehren werde.
Im Mai entstand die Idee zur Begehung der Soiernrunde im Karwendel Ende Juni als Einstieg in die Bergsaison und Vorbereitung für den Watzmann. Ein Freund wollte mich begleiten. Ich arbeitete eine Tour komplett aus, reservierte auf dem Soiernhaus und beobachtete das Wetter. Noch zwei Wochen vor unserer geplanten Tour schrieb mir die Hüttenwirtin auf Nachfrage, daß es vermutlich noch immer große Schneefelder zu überwinden geben würde. Wir würden also unbedingt Steigeisen einpacken müssen.
Geplant war, Freitag nach Krün zu fahren, dort in meinem Caddy zu übernachten und am Samstag früh loszuziehen. Ich rechnete mit 8-9 Stunden Gehzeit am ersten Tag, was mir die Wirtin auch bestätigt hatte. Zusätzlich wären noch 2 Gipfel möglich am Ende des Tages – falls es uns noch nicht reichen sollte.
Die Woche vor unserer Tour gab es eine irre Hitzewelle, so daß viel von dem Schnee schmolz. Ein Tag vor dem Start waren so gut wie alle Schneefelder verschwunden und wir packten die Steigeisen wieder aus, nachdem sie schon im Rucksack verstaut gewesen waren. Das Wetter war fantastisch gemeldet, warm strahlende Sonne und nahezu kein Gewitterrisiko – dem ein oder anderen vielleicht zu warm, aber für mich genau richtig.
28.06.2019
Direkt nach der Arbeit ging es los, und wir kamen ganz gut durch. Im Supermarkt in Garmisch besorgten wir zwei Bier für den Abend und fuhren dann zum Wanderparkplatz Seinsalm, wo wir noch lange in der Sonne sitzen konnten mit Blick zur Soiernspitze durch die Bäume hindurch. Es ging relativ bald bei Einbruch der Dunkelheit schlafen, denn wir wollten ja früh starten.
29.06.2019
Die ersten Wanderer kamen um 4.15 Uhr zum Parkplatz gefahren, der auf ca. 900m liegt, und liefen los. Etwas früh für uns, aber gegen 5 standen wir auch auf, und starteten um 5.30 Uhr nach einem Happen Brot und dem üblichen Morgengekrame im Rucksack. Genügend Brotzeit war eingepackt und ich hatte ca. 4l Wasser für den heißen Tag. Die Regenjacke steckte ganz unten – wir würden sie wohl nicht brauchen, aber ohne die geht man eben auch nicht los in den Bergen. Zunächst ging es auf einer Forststraße ca. 30 Minuten bergan, danach begann das Bergerlebnis. Steile Serpentinen durch den Wald mit teils schönem Waldboden, teils etwas Geröll oder größeren Steinblöcken, immer wieder hübsche Blicke zum Zugspitzmassiv hinter uns, das bereits von der Sonne bestrahlt wurde. Nach etwa 2 Stunden ließen wir so langsam den Wald hinter uns und standen in der ersten Scharte, der Schafkehre (1867m), wo wir unser zweites Frühstück in den ersten Sonnenstrahlen, die uns erreichten, einnahmen. Danach ging es weiter Richtung Feldernkreuz, vor dem man einen wunderschönen Blick rüber zur Schöttelkarspitze hat, die wir morgen überschreiten sollten, und vorbei an Feldernkopf, Soierschneid und der Reißenden Lahnspitze hinein in die Soiernscharte. Die Route führt sehr oft oben am Grat entlang, so daß man ständig wunderschöne Blicke auf die Soiernspitze und die Soiernseen vor Augen hat – ein wunderschönes Panorama.
Nach gesamt 5 Stunden Gehzeit standen wir auf der Soiernspitze mit ihren 2257m, die von allen Richtungen betrachtet einfach eine Gewalt von Berg ist und unverwechselbar heraussticht. Am Gipfel gab es wieder einen Bissen zu Essen, natürlich auch immer genug Wasser und eine Reihe von Fotos wurden geschossen. Man blickt von hier in der Ferne auf den Walchensee, viele Teile des Karwendels und immer wieder natürlich auf die Zugspitze.
Auf der Rückseite der Spitze stiegen wir dann etwa 470hm hinab zum Jöchel, querten lange den Hang in der prallen Sonne zwischen Latschen, Geröll und Grünflächen, wo wir auch ein kleines Schneefeld zu überwinden hatten, das aber sehr weich, fast matschig war, und stiegen dann wieder hinauf zur Jägersruh auf 1894m. Es war jetzt viertel nach eins. Hier mußten wir entscheiden, ob wir einen oder beide optionalen Gipfel noch mitnehmen wollten. Wir entschieden uns, auf den Ersten auf jeden Fall hinaufzugehen und dann weiterzusehen.
Die Gumpenkarspitze liegt auf 2010m, und die Aussicht von dieser Seite auf den gesamten Soiernkessel sowie die Spitze war hier absolut am beeindruckendsten. So wählten wir nun das Ende unserer heutigen Tour – besser konnte es nicht mehr werden, und es lagen noch 400hm Abstieg vor uns, die wir natürlich auch noch locker hinter uns ließen. Zunächst war der Weg etwas geröllig, dann ging es in den Wald hinein und durch ihn hindurch, vorbei an den Seen mit ihrem klaren blauen Wasser und wieder hinauf zum Soiernhaus. Etwa 1800hm im Aufstieg und 1100hm im Abstieg in 8,5 Stunden – überall tolle Bergwege und -steige, irre Panoramen zu jeder Zeit in jede Richtung – eine wirklich sehr besondere Bergwelt hier in den Bayerischen Alpen. Überaus freundlich wurde auf dem Haus jeder empfangen, die Lager sind prima, die Waschgelegenheiten und WC zwar im anderen Gebäude, aber dennoch top – absolut weiterzuempfehlen alles in allem.
Auf der Terrasse ließen wir uns noch ein paar Bier schmecken, aßen etwas und schon vor der Hüttenruhe um 22 Uhr vielen die Augen quasi von selber zu.
30.06.2019
Am Sonntag gab es um 7 Uhr Frühstück und um 7.30 Uhr waren wir wieder auf den Beinen hinauf zur Schöttelkarspitze. Die angeschriebene Gehzeit von 1.45h unterschritten wir um 40 Minuten und auch danach ging es zügig weiter bei wieder genialem Bergwetter, auf besten Bergwegen und mit umwerfenden Weitblicken. Zurück am Feldernkreuz verabschiedeten wir uns vom Soiernkessel, stiegen ab zur Schafkehre und liefen hier dann in die andere Richtung weiter über Seinskopf, Signalkopf und Lausberg, bevor uns steile Serpentinen, die teilweise sehr unangenehm sind, 650hm tiefer wieder auf den Schotterweg führten. Erwähnenswert hier noch der Signalkopf, der über eine steile Eisenleiter zu erreichen ist. Ohne die Leiter, die scheinbar recht neu montiert ist, hätte die Kletterei vermutlich mehr Spaß gemacht.
Um 12.30 Uhr waren wir wieder am Auto nach ca. 500m Aufstieg und über 900m Abstieg. Es war in jedem Fall eine knackige Tour mit viel Spaß, wie öfters erwähnt einzigartigen, so nicht erwarteten Ausblicken, und sehr gut für die Kondition und die Gewöhnung an den Fels für den Watzmann in zwei Wochen.
Auch wenn die Heimfahrt weniger lustig war (durch München hindurch schon eine halbe Stunde Zeitverlust und zwischen Hilpoltstein und Allersberg 3 Stunden Vollsperrung wegen Fahrzeugbrand in der Baustelle, was bei bis zu 37 Grad wirklich kein Spaß ist), war das Wochenende durch und durch gelungen, und die Sehnsucht nach den Bergen ist ungebrochen.
PS: Die 3 Stunden auf der heißen Fahrbahn überbrückten wir mit unserer Kostenabrechnung, ich mit meinen Dehnübungen für’s Knie und einen Stauflüchtling konnten wir beobachten, der einfach neben dem Seitenstreifen durch den kleinen Graben fuhr um dann über’s Feld zu verschwinden. Die Aktion sorgte natürlich für allgemeines Erstaunen und nachfolgende Belustigung.
Bei den Überlegungen, die ich bezüglich meiner Urlaube im Jahr 2019 anstellte, stand sehr schnell fest, daß eine Mehrtagestour mit dem Rad nicht fehlen durfte, doch wohin sollte es diesmal gehen? Nachdem mir der Donauradweg im letzten Jahr sehr zugesagt hatte, war es naheliegend, wieder einem Fluß zu folgen. Zum einen halten sich die Höhenmeter in Grenzen, zum anderen sind die Wege meist gut beschildert und problemlos zu finden, desweiteren sind meist viele gute Übernachtungsmöglichkeiten vorhanden und auch die Werkstätten, wenn man denn mal eine Panne hat, liegen oft in der Nähe des Weges. Natürlich ist auch der Anblick eines Gewässers meist idyllisch und besonders.
Zu Beginn dachte ich an den Saaleradweg – die Idee kam bei einer Wanderung, die an der Saalequelle bei Zell im Fichtelgebirge vorbeiführte. Doch die Strecke beträgt gesamt nur etwas über 400km und ich hatte mich für den Zeitraum zwischen Himmelfahrt und Pfingsten entschieden – somit hatte ich um die 10 Fahrtage auszufüllen. Eine Übersicht im Internet verschaffte mir einen Überblick der verschiedenen Distanzen von Radwegen an Flüssen entlang – und da stand er plötzlich vor meinen Augen: der Elberadweg… 1220km von der Quelle im Riesengebirge bis zur Mündung in die Nordsee bei Cuxhaven. Da aber noch immer mein Rennrad als Tourenrad dient, war schnell klar, daß die Anfangsetappen bis Prag wohl nicht ganz tauglich dafür waren. Zwar sollen sie landschaftlich wunderschön sein, aber man kann ja stets nicht alles haben. Somit war der Plan gemacht – die 1000km von Prag bis nach Cuxhaven sollten mein Ziel werden.
In der folgenden Zeit las ich viel über den Weg, besorgte mir die beiden Bände Radführer, einmal von Prag bis Magdeburg und von Magdeburg bis Cuxhaven und trainierte natürlich, so oft das Wetter mitspielte. Leider wurde es Anfang / Mitte Mai nochmal sehr kalt, so daß die Vorbereitung hätte besser sein können, als sie es am Ende vor der Tour war. Noch zur Info: der Elberadweg führt zuerst durch Tschechien und dann durch 7 deutsche Bundesländer: Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein
Da ich das hier schreibe sind es noch genau drei Tage bis es losgeht. Ich werde mit dem Flixbus Mittwoch Nachmittag von Bayreuth nach Prag fahren und dann einen der nächsten Zeltplätze anfahren, bevor ich am Donnerstag richtig durchstarten werde. Mein Fahrrad ist gerichtet, eine neue Kette aufgezogen, Gepäckträger und Schutzbleche montiert. Meine beiden Gepäcktaschen wiegen zusammen ca. 12kg, dazu kommen noch ca. 2l Wasser und eine gefüllte Brotzeitdose. Ich reise mit Zelt, dünnem Schlafsack und Isomatte, habe einen kleinen Topf und Kocher dabei, ein paar Ersatzteile (Zug, Schlauch, Reifen), Kettenöl, Werkzeug, Flickzeug. Regenschutz soll eine Regenjacke, Überschuhe und eine Rucksackregenhülle für den Schlafsack sein, die Taschen sind wasserdicht. Zu essen werde ich mit etwas Brotzeit starten und an Supermärkten immer wieder auffüllen, außerdem gibt es selbstgemachte Müsliriegel, Traubenzucker und löslichen Zitronentee für die Trinkflaschen sowie löslichen Kaffee für morgens. Dabei ist noch ein kleines Erste-Hilfe-Set, die üblichen Hygieneartikel klein portioniert und Sonnencreme, die ich hoffentlich brauchen werde. Zu zwei Garnituren Radklamotten kommen ein Langarmshirt, eine Windjacke, ein Pulli, eine leichte Stoffhose und die Daunenjacke – Badelatschen natürlich auch noch. Die Radwegführer, sowie eine Stirnlampe und die Powerbank bilden neben etwas Geld und Ausweis sowie der Krankenversicherungskarte,dem Handy und dem Fotoapparat das Ende meiner Ausrüstungsliste.
Wie gehe ich die Sache an? Ich werde von Tag zu Tag planen. Angedachte Tagesziele sehe ich zwischen 100 und 120km. In diesen Abschnitten werde ich mir Zeltplätze ausfindig machen, die ich dann anfahren kann je nach Kraft und Lust am Abend. Bei stärkerem Regen kann es auch mal eine Pension werden – wie auch immer. Überlegung ist auch noch, einen Abstecher an die Saale zu machen und die Geburtsstadt meines Papas zu besuchen, um vielleicht dort einen halben Pausentag einzulegen. Ob ich die 40km mehr in Kauf nehme, entscheide ich vor Ort, wenn es so weit ist.
Ein bißchen nervös bin ich, das
muß ich sagen. Es wird meine derzeit mit Abstand längste Tour, die
ich alleine angehe. Zu zweit oder zu mehreren kann man sich doch
gegenseitig unterstützen, etwas an Arbeit abnehmen, Eindrücke
teilen und vor allem sich gegenseitig motivieren. Bin gespannt, wie
ich mich alleine motivieren kann und wo die Tour für mich enden wird
– in zwei Wochen werde ich es wissen… Trotz allen Ungewißheiten
– ich freue mich riesig!!!
29.05.2019
Der Flixbus kam verspätet an und fuhr 20 Minuten verspätet ab, holte bis Prag aber wieder 10 Minuten raus… Im Bus waren recht unangenehme Zeitgenossen, später ein Inder, der sich wohl die Welt (in Städten) ansehen wollte, mit dem ich mich bißchen unterhielt. So stand ich in Prag bei etwas Sonnenschein mit meinem Rad und dem Packsack, der meine Packtaschen enthielt. Ich befestigte alles am Rad und los ging es. War nicht so einfach, den Campingplatz zu finden, den ich mir ausgesucht hatte, aber ich wurde nett empfangen und bekam einen Platz in der frisch gemähten Wiese. Nach dem Zeltaufbau ist mir aufgefallen, daß ich zwar meine Powerbank dabei hatte, nicht aber mein Ladekabel und den Netzstecker – es war und blieb das Einzige, was ich vergessen hatte… Ein netter Nachbar lieh mir sein Kabel, damit ich mein Handy neu laden konnte. Die Nacht war kalt. Ich zog alles an, was ich hatte, inklusive Daunenjacke und zog meinen Packsack über die Füße, trotzdem fror ich. Es war laut von einem Wehr oder sowas nebenan, was sich am nächsten Tag als Fischtreppe herausstellen sollte.
30.05.2019
Ich stellte meinen Wecker auf 6 Uhr und kroch wenig später in sehr kühler Morgenluft aus dem Schlafsack. Alles war klamm und kalt. Einpacken, ein bißchen was essen, und kurz nach 7 ging es los.Die Sonne strahlte und mir wurde bald warm – blauer Himmel ringsum den ganzen Tag. Die ersten 4km waren gut, dann hatte ich zu entscheiden – Straße hoch und runter oder Wiesenweg – ich entschied für das Zweite. 15Km Wiesenpfad, Steine, Wurzeln, hohes Gras, Matsch, glitschig teilweise – nicht geeignet für mein Rad, aber irgendwie ging es doch. Hinterher war alles naß, auch meine Füße, aber die Sonne kam immer wieder hervor und wärmte. Ein kleiner Sturz entstand mehr oder weniger im Stehen, als ich mit dem linken Standbein ausgerutscht bin. Knie war offen, Pulli verdreckt, aber sonst alles ok, nur das Rad knirschte und der Dreck unter dem Schutzblech ließ das Hinterrad mehrmals blockieren, so daß ich öfters anhalten und säubern mußte. Hierfür ist mein Rad einfach nicht geschaffen, dennoch ging es irgendwie mit enormen Zeitverlust selbstverständlich. Einmal kurz vor Melnik mußte ich mein Rad über eine Brücke tragen – Gepäck abnehmen, Rad hoch und rüber, Gepäck hoch und rüber. Alternative wäre eine Fähre gewesen, auf die ich irgendwie keine Lust hatte in dem Moment. Danach ging es anständig weiter, z.B. vorbei an Burg Schreckenstein bei Usti, die herrlich auf einem riesen Felsen thront. Paar Steigungen, an denen ich zum Teil schieben mußte zwecks dem Gepäck, aber ok. 146Km am ersten Tag bis Decin. Campingplatz direkt unter einer Brücke mit Schwerlastverkehr, aber sonst angenehm dort. Der Wind kam heute hauptsächlich von vorne. Ich war platt, konnte gut schlafen und fror noch ein bißchen, aber es war auf jeden Fall wärmer als in der ersten Nacht.
31.05.2019
Am Morgen fragte mich ein Herr am
Platz, wo ich herkomme, und ich sagte ‚gestern aus Prag an der Elbe
entlang‘, worauf er fast sprachlos war. Bis dahin empfand ich meine
Tour als wenig spektakulär.
Nun startete also Tag zwei um wieder
ca. 7 Uhr, an dem es durch das Elbsandsteingebirge ging – natürlich
immer schön unten am Fluß entlang. Vormittags war es noch öfters
bewölkt, aber es riß immer mehr auf und wurde dann auch warm. Sehr
bald nach dem Start kam ich an die Deutsch-Tschechische Grenze –
sehr unspektakulär, aber doch ein Grund, kurz anzuhalten und ein
Foto zu machen. Eine ganze Weile stellt die Elbe die Grenze zwischen
Tschechien und Deutschland (Sachsen) dar. Ich war schon auf der
deutschen Seite – ein wunderschön ruhiger Radweg. Es sollte mir
jeden Tag so gehen, daß ich die Stunden bis 9 Uhr quasi allein
unterwegs war. Die Radfahrer starten erst dann so langsam. Auch um
die Mittagszeit war merklich weniger los – klar, wenn man nur
50-70km am Tag macht, wie die meisten, dann reicht das ja vollkommen.
Ich richtete mich so ein, daß ich nach dem Aufstehen ein Brot aß,
dann beim nächsten Bäcker oder Supermarkt hielt, um mir etwas
Proviant zu kaufen. Jeweils nach 40-50km machte ich nochmal Halt und
mein zweites Frühstück sozusagen, und dann gab es bei rund 90-100km
meine Mittagspause. Eingekehrt bin ich während meiner Tour
allerdings nicht. Es gab diese Woche nur kalte Mahlzeiten, da ich
meinen Kocher noch zu Hause wieder ausgepackt habe, da die Dichtung
am Gas undicht zu sein scheint – klar, das Ding ist schließlich
mindestens 40 Jahre alt…
Heute ging es an Bad Schandau vorbei, wo ich mit Papa zu seinem 60. drei Tage unterwegs war, vorbei an der Burg Königstein und der bekannten Bastei. Danach durch Pirna hindurch und schon stand ich in Dresden, Meißen und schließlich Riesa, wo ich übernachten wollte.
An dem Zeltplatz, wo ich übernachten wollte, kurz vor Riesa, war tote Hose. Ich hätte zwar eine Nummer anrufen und dort zelten können, aber ich hätte noch einen Supermarkt gebraucht. Also fuhr ich bis in die Stadt rein. Dort fand ich ein Touristeninfobüro, indem sie mir sagten, man könne hier am Bootshaus zelten. Perfekt! Ich deckte mich im Supermarkt mitten in der Stadt ein und radelte hinunter zur Elbe. Es kamen auch gleich zwei Leute, die mir einen Schlüssel gaben, damit ich auf Toilette konnte, ich rief den Zuständigen an, der mir einen Platz zeigte, an dem ich schlafen konnte, und kassierte. Alle sehr freundlich und ein bißchen erstaunt, wo ich herkomme. Es wären viele Frauen alleine unterwegs – das wunderte sie etwas. Abends war hier am Platz und am Bootshaus nebenan noch Trubel, Training und gemütliches Beisammensein – sicher eine schöne Art des Sports, Rudern, Kajak, oder was es nicht alles gibt, wenn man an so einem Fluß wohnt.
Hier zum ersten Mal Wäsche waschen,
und nachts war ich ganz allein auf dem Platz.
Gefahren bin ich heute 121km, nicht
ganz so viel, aber es war auch zeitweise ganz schön (gegen)windig,
zum Schluß viel Kopfsteinpflaster, was auch nicht übermäßig toll
zu fahren ist mit meinem Rad, und das Wetter nicht ganz so sonnig wie
gestern. Ich brauche doch Sonne – die ist mein zweiter Antrieb!
Dafür war es nachts jetzt endlich kuschelig warm.
01.06.2019
Wieder um 7 los, um ca. 9 Uhr machte ich Pause nach 35km, danach ging es kurz hinter Belgern einen Hügel hoch auf irgendwelchen Betonplatten, die auch nicht sehr eben verlegt waren, durch den Wald. Oben angekommen auf dem Teer holperte mein Rad weiter… Ich hatte einen Platten hinten. Ein kleines Löchlein auf der Lauffläche, das ich gut flicken konnte. Alle, die vorbeifuhren, als ich so am Wegrand stand und flickte, fragten mich, ob ich Hilfe bräuchte. Auch ein junger Mann kam vorbei mit einem quietschenden Rad, den ich noch 2x treffen sollte. Ein Herr, der mit seinem Hund spazieren war, fragte, wo ich herkomme und hinwolle. Er war begeistert von meinem Vorhaben und erzählte gleich dem nächsten Fußgänger, was ich hier durchziehen wollte. Alles kein Problem, allerdings ging mir beim Luft aufpumpen die Pumpe kaputt. Ich hatte gerade einigermaßen genug Luft im Reifen, um ein bißchen weiterzukommen, aber ich mußte unterwegs eine Gruppe von 4 Männern anhalten, ob sie eine gute Pumpe dabei hätten (mein Rad braucht schließlich 8bar) – das hatten sie und halfen mir sehr gern. Nun war ich also ein bißchen auf Glück angewiesen. An diesem Tag kam ich an keiner Tankstelle mehr vorbei, die meine 8bar auffüllen konnte, aber es ging soweit. Ich fuhr durch Torgau, Dommitzsch und in Richtung Elster. Hier kurz vor der Fähre begegnete ich nochmal dem jungen Mann, der mit mir dann die Fähre nahm – ein lustiger Geselle. Hindurch durch Lutherstadt-Wittenberg und letztlich zu meinem Tagesziel Coswig, wo ich etwas außerhalb einen tollen Zeltplatz erreichte in einem Pinienwald an einem See, fast wie im Süden. Sehr nette Leute und ein genialer Platz zum Übernachten.
131km heute an einem tollen heißen
Tag, an dem ich zum ersten Mal meine 2,75l Wasserflaschen unterwegs
erneut auffüllen mußte. So gefällt mir das!
02.06.2019
Auch hier wieder früh los gegen 7. Heute wieder blauer Himmel und es wurde sehr heiß. Wind gegen mich, aber ich hatte nur einen kurzen Tag vor mir. Ich fuhr nach Roßlau, Dessau, Aken, wo ich noch eine 8bar-Tankstelle fand, und bog dann vom Elberadweg ab nach links zur Saale, nach Bernburg, der Geburtsstadt meines Papas. Aufgrund dessen, daß alles so prima geklappt hatte bisher konnte ich mir erlauben, dieses Stück zusätzlich mitzunehmen. Bernburg, auch wenn es nicht meine Heimat ist, fühle ich mich doch jedes mal ein bißchen wie heimkommen – eine irre schöne Stadt an der Saale, und ich sehe meinen Papa als jungen Kerl da rumspringen und Kajak fahren. Punkt 12 war ich nach 70km und viel Gegenwind inklusive einigen Steigungen dort und fuhr direkt zum Bootshaus neben dem Empor (wo mein Papa damals Kajak gefahren ist), wo es einen Campingplatz gibt. Sie können gern hier zelten, aber Sie kommen morgen nicht vor 9 / halb 10 hier raus. Wir haben heute geschlossen und morgen Ruhetag – so wurde ich empfangen, na toll! Und jetzt? Die Frau nannte mir einen Campingplatz unweit von hier, aber sie wisse nicht genau, wo das ist. Gut, weiter… Zum Glück fand ich per Google dann raus, daß ein Stück weiter Richtung Stadt ein Maritimer Club ist, an dem man zelten könnte. Ich fuhr dort hin, es waren Leute da, die sehr nett waren und Frühschoppen machten.
Ich konnte hier bleiben, duschen und
Wäsche waschen und machte mich Nachmittags auf in die Stadt zu Fuß.
Ich ging am Schloß vorbei. Der Bärenzwinger dort war leer. Als ich
vor 7 Jahren zum letzten Mal hier war, waren dort noch zwei
Braunbären im wunderschönen Gehege – schön anzusehen. Im
Touristeninfobüro gab man mir unwillig Auskunft, daß die beiden im
letzten Jahr kurz hintereinander gestorben waren, weil krank. Nun
gäbe es Streit zwischen Tierschützern und Stadt, wieder Tiere hier
einzusetzen. Der Herr tat komisch, als ich nach den Bären fragte.
Ich lief durch die Theaterstraße,
an dem Haus vorbei, in dem mein Papa groß geworden ist, und in die
Fußgängerzone. Es war wenig los, weil Sonntag. Auf dem Rückweg
ging ich in eine Pizzeria und aß einen großen Teller Salat, dann
zurück zu meinem Zelt. Abends kamen mehr Leute vom Verein, die noch
ein bißchen Rudertraining machten. Zwei Kinder waren mit ihren
Fahrrädern am Platz – Josi und Jan. Sie stellten mir viele Fragen
und deren Papa kam her und noch ein paar andere – es war ein
lustiges Geplauder. Alles Ur-Bernburger, zu denen ich mich ein
bißchen zugehörig empfand – sehr schöner Abend!
Ich ging bald schlafen und war hier
dann ganz allein. Nachts ein fürchterliches Krachen, wie wenn Bäume
umgefallen sind. Ich wachte auf, aber konnte hier direkt nichts
sehen. War nur kurz etwas unruhig.
03.06.2019
Am nächsten Tag ging es in
idyllischer Saalelandschaft zurück zur Elbe nach Barby, dort fließt
die Saale in die Elbe. Start wieder gegen 7, eine Fähre über die
Saale mit sehr nettem Fährman, der seinen Job glaub sehr gern macht.
Es wurden heute 3 Fähren insgesamt.
In Pretzien in einer Touristeninfo
fragte ich nach einem Radladen, weil ich mir doch endlich eine neue
Pumpe kaufen wollte, aber die Dame wollte mich wieder zurück nach
Barby schicken (20km hinter mir). Naja, die hatte irgendwie keine
Ahnung und Karte lesen konnte sie auch nicht – genau die Richtige
für so einen Job direkt am Elberadweg…
Jetzt auf nach Magdeburg, wo ich mir
erstmal einen Radladen suchte, um eine neue Luftpumpe zu kaufen, die
ich nicht mehr brauchen sollte auf diesem Weg – soviel vorab. Nun
wurde das Ganze ländlicher und verlassener. Ziel für heute war
eigentlich ein Zeltplatz kurz hinter Bittkau, aber es kamen dunkle
Wolken auf und Wind. In Bittkau an einem Haus, wo Zimmer frei stand.
Mein Zelt hält sicher etwas Regen ab, aber zu viel wohl auch nicht,
und ich entschied mich spontan, hier anzurufen und hierzubleiben wenn
möglich. Die Entscheidung stellte sich als sehr gut heraus, denn es
regnete wirklich einiges über Nacht. Ich hatte eine kleine Wohnung
für mich, Bad mit Dusche, also wieder Wäsche waschen und noch
draußen sitzen bis der Regen anfing. Der Eigentümer setzte sich
noch zu mir, und wir hatten einen schönen Abend mit ein paar Biers
(zuviel), aber das muß auch mal sein!
130km waren es bis hierher, damit
hatte ich 598 gesamt.
04.06.2019
An diesem Tag war es trüb und
nieselig früh. Ich nahm bei Grieben die Fähre und fuhr dann knapp
50km Bundesstraße entlang, weil die Wege sonst nicht sonderlich
prickelnd waren. Irre, was es hier noch für Kopfsteinpflaster gibt.
Ein Stück vor Havelberg machte ich mein zweites Frühstück, als
zwei junge Männer vorbeikamen, mit denen ich mich eine Weile
unterhielt. Sie sollte ich auch nochmal treffen – die waren ähnlich
schnell wie ich unterwegs. An der Bundesstraße dachte ich, dies wird
ein langweiliger Trainingstag. ich fühlte mich gut, und ich wußte
ja nicht, was da noch kommen sollte.
Kilometerlang am Deich oder über die Deiche hinweg, allesamt mit Rückenwind und Nebel und Niesel verschwanden. Jetzt wieder herrlichstes Sommerwetter, heiß, einfach toll! Nach 90km brauchte ich wieder neues Wasser und fuhr dann bis Dömitz in Mecklenburg-Vorpommern immer rechts der Elbe. Unterwegs noch durch das Storchendorf Rühstädt. Hier ist auf jedem 3. oder 4. Haus ein Storchennest, und die meisten Störche waren zu Hause. In Dömitz fand ich einen Wasserwanderverein, wo man zelten konnte. Meine Abendunterhaltung war ein Paar aus Stuttgart, sie aus Venezuela, die geheiratet hatten, aber um ihre Aufenthaltsgenehmigung kämpfen mußten. Sie sind von Stuttgart aus bis hier gefahren und hatten noch 3 Wochen Radtour vor sich – nicht schlecht!
Es waren damit 141km heute, ich war
beflügelt vom Wetter und einfach top in Form!
05.06.2019
Der Himmel war wechselhaft, ich startete heute schon um 6.15, weil einfach früh wach und munter, was auch gut so war, denn es sollten 154km werden bis kurz hinter Hamburg. Es nieselte kurz nach 3-4km, wo ich mich unterstellen konnte, dann wieder gutes Wetter den ganzen Tag und heiß. Ich fuhr mal Fähre, sonst der Elbe entlang und kam danach auf gefühlt ewig gerader Strecke irgendwie nach Hamburg rein. Die zwei Männer von gestern traf ich nochmal 40km nach Start. Sie hatten auch in Dömitz übernachtet, nicht weit weg von mir. Wir sprachen über das Ziel, am Freitag in Cuxhaven zu sein, jetzt gar nicht mehr so unwahrscheinlich, auch für mich nicht.
Durch Hamburg war eine Odyssee. Ich
hasse Großstädte immer mehr, und mit dem Rad durch und entlang mit
viel Gepäck macht das Ganze nicht besser. Irgendwann hatte ich es
geschafft, und ich kam zu einem Campingplatz kurz hinter Blankenese,
12km aus Hamburg raus. Der Platz bestand nur aus Sand – ich mag
keinen Sand, aber ich konnte auch nicht mehr weiter… Sand ist
irgendwann überall… Man sollte das Rad vorne abstellen, alles
Gepäck auf einen Plastikschlitten laden und zum Zeltplatz ziehen –
na bravo… naja, es gab keine andere Möglichkeit für mich, ich war
einfach platt. Die Beine hatten mir heute zu schaffen gemacht, so
langsam merkte ich die Tour dann wohl doch. Aber auch dieser Abend
wurde noch ganz ok, wenn auch nicht lang. Heute ohne Gesprächspartner
– die Leute hier waren nicht mit dem Rad unterwegs, zumindest nicht
so wie ich – ein ganz anderer Schlag Mensch. Großstadtmenschen,
die meinen, hier in der Natur zu sein…
06.06.2019
Früh packte ich meine sandigen
sieben Sachen und saß um dreiviertel 7 auf dem Rad in Richtung Ziel.
ca. 120km sollten es heute noch sein, was machbar gewesen wäre –
zum Glück ahnte ich noch nichts von dem harten Kampf, den ich vor
mir hatte.
Schnell merkte ich, daß sich meine Beine wieder top erholt hatten und fuhr dahin. Erst noch ein bißchen Stadtgeeier, Ausläufer von Hamburg, dann auf recht gerader Strecke am Fluß entlang.
Der Himmel sah gefährlich schwarz aus auf der linken Seite. In Hohenhorst stoppte ich bei einer Bäckerei, um mir ein belegtes Brötchen zu kaufen. Die Frau sprach mich an, wo ich hinwolle und wies mich auf die Sperrwerke hin. Welche Sperrwerke? Was ist das? Nie davon gehört, nur in der Karte irgendwas entdeckt gehabt, wo steht „geöffnet 1.Mai bis 31. September“ – damit war für mich alles gut, dachte ich. Heute weiß ich, (s. Quelle Wikipedia): „Sperrwerke sind im Wasserbau Querbauwerke in einem Tidefluss, also einem Fluss, dessen Wasserstand aufgrund der Gezeiten stark schwankt. Diese Querbauwerke haben Öffnungen, die bei Bedarf geschlossen werden können, um das dahinter liegende Binnenland vor Überflutungen zu schützen.“ So, hier lagen also zwei Sperrwerke vor mir in Entfernung von 3 und 7-8km. Die Frau erklärte mir, daß das Erste in einer halben Stunde öffnen würde, das Zweite dann eine halbe Stunde später – klang gut. Ein kurzer Blick auf die Karte zeigte mir, daß sich diese Sperrwerke auch umfahren ließen, und da ich grad gut drauf war, nahm ich die Umfahrung des Ersten, des Pinnau Sperrwerkes, (ca. 7-8km mehr) in Angriff. Für das Zweite, das Krückau Sperrwerk wäre eine Umfahrung über Elmshorn möglich gewesen, aber das wären bestimmt 15-20km mehr, was ich nicht wollte. Auf dem Weg durch ein paar Ortschaften wurde es immer schwärzer über mir und donnerte bereits. Entgegen einiger Aussagen, daß die Gewitter hier selten „über die Elbe springen“, kam es heute scheinbar anders. Ich befand mich gerade auf Freifläche mit nur ein paar Baumgruppen, als es zu prasseln anfing, so rettete ich mich schnell unter einen Baum, zog meine Regensachen an (Regenjacke, Überschuhe und Rucksackhülle über das Zelt drüber) und packte meine kleine Tasche weg, die nicht wasserdicht ist. So, und jetzt war auch das Gewitter hier… Ich entfernte mich vom Rad, aber ganz wohl war mir in diesem Moment wirklich nicht. Zum Glück war es bald vorüber. Im Regen ging es weiter, und ich beeilte mich, zum nächsten Sperrwerk zu kommen. Ich wußte in diesem Moment nicht, daß es bis Nachmittags geöffnet blieb, hatte die Frau irgendwie so verstanden, daß es nach kurzer Zeit wieder schließt, was aber nicht der Fall war. Alles in Ordnung soweit. Ich kam durch und fuhr weiter bis ich endlich nach 55km heute mein zweites Frühstück machen konnte, doch schon einigermaßen gefordert heute.
Im Folgenden kam ein Tor nach dem anderen, schwere Stahltore, mit denen die Deiche getrennt sind, die umzäunt sind für die unzähligen Schafherden, die die Deiche abgrasen. Diese Tore mit dem schweren Rad zu passieren war nicht immer einfach und es kostete einfach Zeit – manchmal im Abstand von nicht mal einem Kilometer immer wieder absteigen, Tor auf, Rad durch, Tor zu. Dazu kamen die Schafe, die zu durchfahren waren, welche nicht immer freiwillig auf Seite gehen, ja manchmal sogar unerwartet in den Weg laufen, und wie es die Natur eben so will – die Schafe sollen ja auch die Deiche düngen – wissen diese Wollknäuel nichts von ihrem Zweck und kacken einfach auf den Beton. Hatte ich schon öfters in den vergangenen Tagen, war auch garnicht so schlimm, nur heute war die Scheiße eben naß – mhmmm, lecker. Mein Rad sah innerhalb weniger Meter aus wie Sau. Irgendwann hörte der Regen auf – endlich aufatmen, dachte ich. Regensachen ausziehen, weiter…
Was jetzt kam, war wohl das Schlimmste, was mich während meiner gesamten Tour erwartet hatte – ein Albtraum für jeden Radfahrer. Auf den nassen Betonwegen lag nasser Elbsand – nicht schlimm, kann mann schon mal durchfahren, aber ich täuschte mich hiermit gewaltig. Ich fuhr hindurch, der Sand klebte (vermutlich auch durch die Schafscheiße) am ganzen Reifen, der Hinterreifen, der nicht weit zu meinem Schutzblech hat, streifte das Schutzblech, welches wiederum den Sand abstreifte und somit alles auf meine Ritzel und die Kette warf. Es knirschte, und ich hielt sofort an mit einem richtigen Haufen Sand auf meinen Ritzeln – der Verzweiflung nah. So konnte ich keine 70km mehr weiterfahren – was nun? Kurze Resignation, dann wieder Klarheit – ich brauchte eine Bürste, ich hatte eine Zahnbürste. Prima Idee. Ich reinigte peinlichst Kette und Zahnkränze und fuhr die letzten Meter bis zur Fähre in Glückstadt, die mich das letzte Mal über die Elbe bringen sollte, weiter. (Anm. d. Red.: Vom Frühstück bis zur Fähre waren es ca. 10km – so viel wie hier hatte ich auf meiner kompletten Tour nicht erlebt).
Nochmal nettes Geplauder auf der Fähre mit einem Pärchen, das auch mit dem Rad auf Mehrtagestour unterwegs war – deren erste Testtour.
Von der gegenüberliegenden Seite bei Glückstadt rechnete ich mit rund 70km. Es war Mittags um zwölf Uhr – heute hatte ich kräftig Zeit verbraten für all die Schikanen. Aber gut, auch das noch machbar. Motiviert fuhr ich die nächsten 5km bis nach Freiburg, bevor es auf eine Freifläche ging, auf der ich 22km zurückzulegen hatte. Was hier begann, war unglaublich. Hatte ich heute zwar den ganzen Tag schon etwas Gegenwind, mit dem hier oben zu rechnen war, so kamen nun Sturmböen auf, die teilweise nur noch 13-14 km/h zuließen und mich fix und fertig machten. Die 22km fühlten sich an wie 70, und bei den letzten 5km dieser Tortur entschied ich mich, im nächsten Ort eine Unterkunft zu suchen, zumal der Himmel auch nicht zuverlässig schien. Ich war einfach erledigt. Brauche ich eben einen Tag länger.
Als ich mich der Ortschaft Hörne näherte bemerkte ich, daß ich gar nicht direkt durchkommen sollte, sondern nur dran vorbei. Extra reinfahren wollte ich nicht und hielt die nächste Ortschaft im Kopf, aber auch die (Neuhaus) streifte ich nur, und danach nahm ich eine kleine Abkürzung auf der Bundesstraße, was mich auch die übernächste Ortschaft nicht berühren ließ. So fuhr ich weiter bis ich schließlich vor einem Schild stand „Cuxhaven 28km“. Die Kilometer schmolzen also dahin und so spät war es auch noch nicht – ca. 14 Uhr. So biß ich mich, erstaunt von mir selber, doch noch durch. Die Böen ließen nicht nach, der Himmel weiterhin schwarz, ich fror, es war richtig kalt geworden und so kam ich kurz nach drei in Cuxhaven an, ein bißchen aber doch wenig euphorisch, daß ich es geschafft hatte, sondern einfach nur platt.
Ich fuhr nicht zum eigentlichen Ziel, dem Kugelbake, sondern steuerte direkt den Bahnhof an, um mir meine Rückfahrt für morgen zu sichern. Die Radplätze in den Fernzügen waren alle weg, so daß ich per Bummelzug würde reisen müssen mit zig Umstiegen von früh bis spät, aber was soll’s – ich mußte ja nach Hause. Danach zwecks Zimmer (ich wollte nicht die letzte Nacht noch im kalten Zelt schwimmen müssen) zur Touristeninfo, die, wie sollte es anders sein, geschlossen hatte. So, google rausgekramt, geguckt, wo hier viele Unterkünfte auf einem Haufen sind, und los ging’s in diese Richtung. Cuxhaven ist ganz schön groß… Als ich so fuhr, blickte ich doch mal wieder hoch zum Himmel. Was ich sah, war auf einmal strahlendes Blau in der Richtung, aus der den ganzen Tag über das Wetter gekommen war. Sofort war die gute Laune wieder da. Ich steuerte zunächst einen Supermarkt an, um ein bißchen Bier zu besorgen, und dann den nächsten Campingplatz. 124km heute – ich war am Ziel. Ob ich Kugelbake noch besuchen würde, ließ ich offen – heute ging nichts mehr. Als das Zelt stand und die Sachen am Rad zum Trocknen hingen, war die Sonne wieder da – ich hatte es tatsächlich geschafft, was ein Ritt. Jetzt kam die Freude auf, der Spaß, es war unglaublich für mich!!!
Ein paar technische Daten zu meiner Tour nochmal im Überblick:
Gesamtstrecke für mich: 1017km von Prag bis nach Cuxhaven
7,5 Tage Fahrzeit, d.h. 135,6km pro Tag im Schnitt
Durchschnittsgeschwindigkeit gesamt ca. 18km/h, d.h. 56,5h auf dem Rad
1 halber Pausentag am 4. Tag Nachmittags
Steigungen sehr wenige, Grundtendenz fallend
insgesamt doch viel Kopfsteinpflaster und unbefestigte Wege, aber fast alles fahrbar mit Rennrad
1 Platten
1 Mini-Sturz
1 Übernachtung im Zimmer, sonst nur Zelt
1x in den Regen gekommen
Kosten außer Essen, was ich daheim ja auch brauche (eingekehrt bin ich nur einmal), liegen bei gesamt um die 200€ Flixbus 25,- Camping Prag 5,- Camping Decin 5,- Camping Riesa 12,- Camping Coswig 12,- Camping Bernburg 10,- Zimmer Bittkau 25,- Camping Dömitz 12,50 Camping Hamburg 15,- Camping Cuxhaven 14,- Fähren gesamt ca. 15,- Zugfahrt nach Hause 51,-
07.06.2019
Um 20 vor elf erst fuhr mein Zug in Cuxhaven. Auf war ich wieder sehr früh, da die Nacht nochmal richtig kalt geworden war und ich einfach fror. Gegen 7 kam die Sonne langsam über die Bäume und ich packte mein feuchtes Zeug (alles war irgendwie naß, weil so kalt)– diesmal anders als gewohnt – für die Heimreise. Ich hatte kurz nach 7 alles beisammen, und da ich somit wirklich noch Zeit hatte, entschloß ich erst jetzt, noch zum Kugelbake zu fahren – ca. 4km von hier. Es ist der nördlichste Punkt von Niedersachsen, wo die Elbe nun richtig in die Nordsee fließt, auch wenn sie schon kilometerlang vorher irre breit ist. Es schien gerade Ebbe zu sein, und riesiges Wattenmeer lag vor mir.
Dann
aber auf zum Bahnhof, auch wenn ich sehr früh dran war – egal. Ich
kaufte mir eine Zeitung über einen Philosophen – sehr passend –
und etwas zu trinken und hockte mich in die Sonne, um zu lesen. Nun
war meine Tour zuende.
Die Zugfahrt war nochmal sehr anstrengend mit 5x Umsteigen und irre viel los in den Zügen, Gehetze an den Bahnhöfen mit dem schweren Packsack und dem Rad. Gesamt wurde sie eine Stunde länger als geplant, wegen Verspätung eines einzigen Zuges, aber das ging noch. So war ich um 21.11 Uhr in Lichtenfels. …back home sozusagen…